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Ich hör wohl nicht richtig!


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 23.02.2022

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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 9/2022

ERMITTELT IM ?TATORT? Folkerts spielt seit 1989 Kommissarin Lena Odenthal

Ulrike Folkerts, 60 Knalltrauma nach Schuss

Frau im Spiegel: Frau Folkerts, Sie tragen neuerdings ein Hörgerät?

ULRIKE FOLKERTS: Ja, ich höre seit einem Dreh nicht mehr richtig.

Was ist passiert?

Das war 2012, eine ganz gewöhnliche „Tatort“-Situation. Die Kommissarin muss in einem Raum eine Tür aufschießen. Habe ich schon tausendmal gemacht, aber dieser Raum war im Keller sehr, sehr klein. Nach den drei Schüssen fühlte sich mein linkes Ohr taub an.

Waren Sie beim HNO-Arzt?

Direkt am nächsten Tag. Der meinte, das sieht nach einem Knalltrauma aus und dass sich das wieder regulieren könnte. Ich sollte abwarten. Und das habe ich dann sehr lange getan.

Neun Jahre …

Ich habe es einfach geleugnet und mich dran gewöhnt, dass es anders ist. Nur in den letzten Jahren war das zunehmend anstrengend und mein Ohr hat sich auch weiterhin verschlechtert. Als ich eines Tages im Urlaub merkte, dass ich die Grillen nicht ...

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... zirpen und die Vögel nicht zwitschern höre, wenn ich auf dem rechten Ohr liege, dachte ich: Das will ich nicht.

Ist es Ihnen schwergefallen, sich für ein Hörgerät zu entscheiden?

Oh ja! In meinem Weltbild war das mit Altwerden verknüpft. Und bei Hörgeräten dachte ich an diese Riesen-Oschis von früher. Aber heute sind das winzige Hightech-Hörsysteme. Ich trage zwei von der Firma Oticon, mit denen kann ich telefonieren, Musik hören. Ich höre wieder alles und das genieße ich. Mir war nicht klar, wie wichtig das Hören ist. Ich bin wieder ein ganzer Mensch.

Robert Redford, 85 Schwerhörig seit einem Dreh

Voller Einsatz beim Film „All is Lost“

Bei seiner Rolle als gestrandeter Seemann in dem 2013 gedrehten Drama „All is Lost“ musste der Hollywood-Star viel Zeit im Wasser verbringen. Das hat sein linkes Ohr nicht gut vertragen. Er handelte sich eine Ohr-Entzündung ein, die nicht richtig ausheilte. Seitdem muss der ewige Frauenschwarm mit einem 60-prozentigen Hörverlust auf dem betroffenen Ohr leben.

Whoopi Goldberg, 66 Trägt Hörgeräte

„Ich führe meine Schwerhörigkeit darauf zurück, dass ich jahrelang so laut und so nah am Trommelfell Musik gehört habe“

Peinlich ist der Hollywood-Schauspielerin und Komikerin wenig. Auch nicht, dass sie schlecht hört. So geht sie ganz offen damit um, dass sie unter ihren Dreadlocks Hörgeräte trägt.

Die Stille kommt schleichend. Das Alter macht auch vor dem Gehör nicht halt, mit der Zeit werden unsere Ohren schlechter, die inneren und äußeren Haarzellen, die Sinneszellen im Innenohr, büßen Teile ihrer Funktionalität ein. Die Folge: Wir hören schlecht. Denn die Aufgabe der Haarzellen ist es, den in den Ohren ankommenden Schall in elektrische Impulse umzuwandeln und ans Gehirn weiterzuleiten. Mit diesem Problem sind wir aber alles andere als allein. „In Deutschland leidet jeder zweite über 65-Jährige an Schwerhörigkeit“, sagt Dr. Fabian Neuberger, Hals-Nasen Ohren-Arzt mit Praxis in Gilching bei München. In der Regel startet der Prozess bereits ab der fünften Lebensdekade.

Gleich handeln für mehr Lebensqualität

Wichtig ist, das Problem so früh wie möglich zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen und nicht wie Ulrike Folkerts (siehe oben) oder Mario Adorf (siehe Kasten nächste Seite) etwa aus Scham lange abzuwarten. Denn mittlerweile zeigen viele Studien, dass Schwerhörigkeit, die lange unbehandelt bleibt, das Risiko für Demenz und Altersdepressionen deutlich erhöht. Doch wie erkenne ich, ob ich nicht mehr ganz richtig höre? „Häufig macht einen sein Umfeld darauf aufmerksam“, sagt HNO-Arzt Neuberger. Auch sollten wir hellhörig werden, wenn wir Gesprächen nicht mehr gut folgen können – vor allem im Gespräch zu zweit – oder häufig nachfragen müssen, was genau gesagt wurde.

Wenn’s beim Schall hakt

Dann heißt es: Ab zur Fachfrau oder zum Fachmann. Erster Ansprechpartner ist der HNO-Arzt. „Wir machen einen Hörtest, mit dem wir auch verschiedene Formen von Schwerhörigkeit beurteilen können“, sagt Dr. Neuberger. Entweder gelangen etwa die Schallwellen gar nicht bis ins Innenohr oder die Impuls-Weiterleitung ans Gehirn ist gestört. Dann können in der Regel wie bei der Alters- oder Lärmschwerhörigkeit die Haarzellen ihren Job nicht mehr ordentlich erledigen. In seltenen Fällen liegt das Problem auch im Gehirn, wo die Hör-Informationen nicht mehr richtig verarbeitet werden. Gründe hierfür sind Schlaganfälle oder Gehirnentzündungen.

DER GROSSE LAUTANGRIFF

Lärm schadet dem Gehör. Wird es sehr laut, etwa bei Geräuschen um die 120 dB, tut das in den Ohren sogar richtig weh.

Normale Frequenz Als normal laut empfinden wir Geräusche um die 45 bis 60 dB. Bereits bei 80 bis 85 dB kann es schädlich für die Ohren werden, das ist wissenschaftlich belegt.

Hohe Pegel Ein großer Stressfaktor für die Ohren ist Straßenlärm. So gaben bei einer Umfrage des Umweltbundesamts 76 Prozent an, dass sie Straßenlärm sehr belastet. Kein Wunder, an Autobahnen oder stark befahrenen Straßen erreicht man leicht Pegel bis zu 80 dB. Auch Flug- oder Schienenlärm belastet das Gehör. Kaum zu glauben: Auf Platz 2 der Lärmquellen landeten aber die Nachbarn! 60 Prozent empfanden sie lärmtechnisch als störend.

IN-EAR-KOPFHÖRER SCHADEN DEN OHREN?

Der neueste Trend sind In-Ear-Kopfhörer, die man sich ganz einfach ins Ohr steckt – ohne lästiges Kabelgewirr oder einen Bügel über dem Kopf. Laut einer Umfrage besitzen sieben von zehn Deutschen In-Ear-Kopfhörer.

Zu dicht und zu nah Allerdings sollte man sie nicht zu lange tragen und nicht zu laut einstellen. Denn die Kopfhörer dichten die Ohren nach außen ab, sodass man keine Nebengeräusche mehr hört, und sie befinden sich sehr nah am Trommelfell. Beides schadet den Ohren.

Mario Adorf, 91 Blieb 9 Jahre unbehandelt

„Ich hatte Angst, dass es allen auffällt“

Zuerst sprach eine Schauspielkollegin Mario Adorf darauf an, dass er nicht so gut hören würde. Seine Frau beschwerte sich, er würde ihr nicht zuhören. Trotzdem dauerte es noch ganze neun Jahre, bis sich der Schauspieler endlich ein Hörgerät zulegte. So sehr schämte er sich, nicht mehr alles mitzubekommen. Doch es half nichts, das Problem zu ignorieren. Jetzt rät er allen, die sich unsicher sind, ob ihre Ohren noch funktionieren: „Machen Sie möglichst früh einen Hörtest.“

Verschiedene Anbieter testen

Stellt der Arzt Schwerhörigkeit fest, verschreibt er ein Hörgerät. Beim Hörgeräteakustiker wird dann das passende Modell ausgesucht. Gut zu wissen: Jeder Patient darf und soll mindestens drei Geräte eine Zeit lang kostenlos testen. „Ganz wichtig ist es, verschiedene Hersteller auszuprobieren“, so HNO-Arzt Neuberger. Denn die unterscheiden sich in der Klangqualität deutlich, wie auch die Vorlieben der Patienten. „Der eine mag es klar und blechern, der andere dumpf und rund.“

Zahl der Woche

19 Prozent der Deutschen sind laut Deutschem Schwerhörigenbund im Hören beeinträchtigt.

Gute Geräte auch ohne Zuzahlung

Dabei muss ein gutes Gerät nicht unbedingt teuer sein. „Im Kassenversorgungsbereich gibt es gute Hörgeräte“, sagt Dr. Neuberger. Legt man allerdings Wert darauf, dass das Gerät mit einem Akku betrieben wird oder dass es sich über Bluetooth mit anderen Geräten verbindet, wird es schnell teurer. Moderne Hörgeräte können heutzutage nämlich häufig mehr. Sie lassen sich mit dem Fernseher oder Smartphone verbinden und funkt ionieren dann wie ein Headset. Auch kann man verschiedene Klangmodi über eine App einstellen oder das Gerät passt sich je nach Situation sogar selbst an, dämpft zum Beispiel Hintergrundgeräusche im Verkehr.

Wieder Töne haben

Hat man sich für ein Modell entschieden, empfiehlt es sich zur endgültigen Abnahme noch mal zum HNO-Arzt zu gehen. „Häufig sehen wir, dass das Gerät noch nicht optimal eingestellt ist. Dann können wir die Leistung zusammen mit dem Akustiker noch mal verbessern“, so Neuberger. Danach sollten Patienten regelmäßig zur Kontrolle, mindestens einmal im Jahr, um gleich zu erkennen, wenn der Klang nachlässt. Oder um Ohrschmalz zu beseitigen, der durch die Geräte oft nach innen geschoben wird. Dann schwingen die Töne wieder und die Welt klingt wieder klar. ◼

DIANA FAUST

WIEDER GUT HÖREN: DAS ZAHLT DIE KASSE

Erst mal gilt: Vom HNO-Arzt verschriebene Hörhilfen zahlt die Kasse. Allerdings in der Regel nur bis zu einem Festpreis und nur für ein medizinisch notwendiges Gerät.

Pauschalen Dieser Festpreis für ein Hörgerät liegt bei 685 Euro. Dazu kommen noch eine Pauschale für individuell gefertigte Hörstücke von 33,50 Euro und 125 Euro Servicepauschale für Reparaturen. Ist man fast schon taub, übernimmt die Kasse rund 840 Euro für die Hörhilfe.

Tipp für Mehrkosten Wählt man ein Gerät, dass teurer ist als die zuzahlungsfreien, lohnt es sich, bei der Kasse einen Antrag auf Erstattung der Mehrkosten zu stellen.