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„Ich könnte KOTZEN, wenn wir verlieren“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 09.02.2022

BUNDESLIGA

SPORT BILD: Herr Rose, fangen wir gleich mit dem aktuellsten Thema an: Der BVB hat am Montag die Verpflichtung von Niklas Süle bekannt gegeben, der ablösefrei vom FC Bayern kommt. Was versprechen Sie sich von ihm?

MARCO ROSE (45): Für die kommenden Monate erst mal noch gar nichts, denn Niklas ist Spieler des FC Bayern und hat dort noch eine Menge vor. Dass er ein guter Typ ist, ein sehr erfahrener Mann, dass er über Ruhe im Spielaufbau, Physis und Gier verfügt, ist ja bekannt. Er hat nicht umsonst mit Bayern die Champions League gewonnen. Und doch ist seine Qualität für uns erst ab dem Sommer ein Thema – dann aber gern!

In der Champions League ist der BVB in der Gruppenphase ausgeschieden. Im Pokal beim Zweitligisten St. Pauli. In der Liga sind Sie trotz der 2:5-Niederlage gegen Leverkusen Zweiter hinter dem FC Bayern. Wie fühlt sich Ihre erste BVB-Saison bisher in einem Wort ...

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 6/2022

Trainer Rose kam aus Gladbach nach Dortmund, um Titel zu holen. In der Europa League ist das noch möglich. Aus dem DFB-Pokal und wohl auch aus dem Meisterrennen ist der BVB raus
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... an?

Ist es bei Ihrer Mannschaft eine Frage des Willens?

Die Jungs wollen, sonst landest du erst gar nicht als Profi in der Bundesliga. Die physischen Werte, die während eines Spiels gesammelt werden, zeigen klar, dass es keine Frage der Einstellung ist. Was uns mitunter noch fehlt, sind Kontinuität und das Selbstverständnis für unser eigenes Spiel. Wenn etwas einmal umgesetzt ist, musst du am nächsten Tag wieder rausgehen und es auch noch am dritten Tag und am vierten Tag umsetzen. Wenn ich den ersten Zweikampf verliere oder der zweite Zweikampf wehtut, darf ich dem dritten trotzdem nicht aus dem Weg gehen. Nein! Ich muss wieder alles investieren, um diesen vielleicht entscheidenden Zweikampf zu gewinnen. Und vergleichbare Punkte gelten selbstverständlich insbesondere auch für unser Spiel mit dem Ball. An solchen Themen arbeiten wir. Und zwar intensiv.

Geben Ihre Spieler bei Rückschlägen zu schnell auf?

Nein. Das, was ich eben geschildert habe, ist ein Prozess, und der wird nicht morgen abgeschlossen sein. Entscheidend ist, dass ich immer auch die letzten zwei, drei Meter gehe. Stehen zu bleiben und Schattentanz zu machen reicht nicht. Das nutzt jeder Gegner mit großer Qualität sofort aus. Ich muss unangenehm sein und unangenehm bleiben! Die Jungs haben sich hier jahrelang sehr darüber definiert zu schieben, Bälle exakt in den Fuß gespielt zu bekommen und eine Partie zu kontrollieren. Wir möchten unser Spiel nun sukzessive auch wieder um kämpferische Elemente bereichern, dabei aber das Fußballspielen nicht vernachlässigen.

„Auf dem Platz stehen zu bleiben und Schattentanz zu machen reicht nicht. Das nutzt jeder Gegner mit großer Qualität sofort aus“

„Die Pandemie- Jahre haben den Klub deutlich über 100 Mio. gekostet. Trotzdem sollten wir versuchen, weiter am Kader zu arbeiten“

Was ist Ihr Ansatz?

Wir möchten aus einer guten Organisation im richtigen Moment nach vorne verteidigen. Wir müssen an unserem großen Thema, den leichten Ballverlusten, arbeiten und ein stärkeres Selbstverständnis für unser eigenes Spiel mit dem Ball entwickeln. Wir sind in bestimmten Situationen nicht klar genug. Das hat man auch am Sonntag gesehen. Ich kann jetzt natürlich nach einer bitteren Niederlage wie gegen Leverkusen sagen: Kommando zurück – wir machen es wieder so wie vorher.

Oder?

Oder wir ziehen unseren Weg durch und akzeptieren, dass wir noch nicht gut und konstant genug sind – fordern es aber weiter ein, zeigen Widerstandsfähigkeit. Und vielleicht verändern wir uns im Sommer auch ein wenig und holen den einen oder anderen Spieler dazu, der uns hilft, auf diesem Weg den nächsten Schritt zu machen, weil er in bestimmten Bereichen ein wichtiges Puzzleteil für uns sein könnte. Diese Entwicklung stellt den Weg dar, den wir hier mit allen gemeinsam gehen möchten.

Süle kommt im Sommer. Wie viel muss sich personell im Kader verändern?

Im vergangenen Sommer haben wir Jadon Sancho abgegeben, dafür Donyell Malen geholt, zudem noch Marin Pongracic verpflichtet. Wir haben im Winter niemanden geholt, letztlich haben wir Ansgar Knauff abgegeben. Uns allen ist nicht verborgen geblieben, dass die vergangenen zwei Pandemie-Jahre den Klub deutlich mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben. Trotzdem sollten wir im Sommer versuchen, weiter am Kader zu arbeiten, gewisse Dinge zu optimieren. Das ist ja die Aufgabe jedes Klubs, das ist nur professionell.

Beim FC Bayern sind Spieler wie Neuer, Müller, Kimmich oder Lewandowski auch nach neun Meisterschaften jeden Tag noch besessen auf Erfolg. Was fehlt dem BVB – außer dem Geld – zu den Bayern?

In den vergangenen zehn Jahren vor allem die Punkte! Und man muss ehrlich sagen: Wenn die Bayern in guter Verfassung sind, wenn sie so wie in dieser Saison wenig herschenken, musst du schon eine perfekte Saison spielen, um sie zu schlagen. Genau dem werden wir uns natürlich immer wieder stellen, weil wir selbst als Sportler nach dem Höchsten streben. Das sind die Ansprüche in Dortmund. Was wir aber nicht machen müssen: ständig drüber reden und uns permanent vergleichen oder durch äußere Vergleiche treiben lassen.

Sonst?

Sonst verlierst du den Fokus aus den Augen! Wir müssen an unserem eigenen Spiel arbeiten. Wir müssen an unserem Kader arbeiten. Wir müssen uns als Verein so aufstellen, dass wir die großen Ziele mit viel Energie erreichen können. Entscheidend ist, dass wir nicht an uns zweifeln.

Sie gelten als extrem ehrgeizig. War das immer so?

Ich selbst habe mich immer über den Faktor Ehrgeiz definiert, weil ich kein begnadeter Fußballer war. Wenn ich die Kameraden hier kicken sehe, da hätte ich wahrscheinlich Kaderplatz Nummer 45 gehabt.

Sind Sie ein schlechter Verlierer?

Klar, ich könnte – pardon – kotzen, wenn ich verliere. Das war immer schon so. Wir im Trainerteam haben grundsätzlich eine sehr hohe Erwartung an unsere Arbeit. Ich nehme jedes Spiel – und jede Niederlage – persönlich und mit nach Hause. Trotzdem ist es wichtig, dass du über die Jahre lernst, mit Niederlagen richtig umzugehen. Mit deinem Trainerteam bist du in der Pflicht, die Dinge sachlich zu analysieren, die Jungs auf die nächste Aufgabe auszurichten und Energie in den Laden reinzubringen. Im Optimalfall verlierst du einfach nicht so oft.

Haben Sie die Gier auf Titel?

Auch deshalb bin ich hergekommen. Meine Aufgabe ist es, die Situation hier realistisch einzuordnen und daran zu arbeiten, dass wir irgendwann etwas Großes erreichen können.

Erling Haaland strahlt die Gier von allen Spielern am meisten aus. Ist er schon einer der besten Stürmer, die es gibt?

Erling ist fraglos einer der besten Stürmer der Welt. Lewandowski, Mbappé, Benzema – es gibt vielleicht vier, fünf Spieler dieser Stürmer-Kategorie. Und trotzdem merken wir: Erling hat die zweite Verletzung in dieser Saison. Er ist ein Mensch, keine Maschine. Er ist in einem Alter, in dem er noch an Aspekten seines Spiels arbeiten kann, und nichts anderes will er übrigens auch. Erling hat eine steile Lernkurve, die seit dem Wechsel zum BVB explodiert ist.

„Bei Erling Haaland liegt intern alles auf dem Tisch, alle sind ehrlich zueinander. Er wird irgendwann eine Entscheidung treffen, und der Verein wird sich gut darauf vorbereiten“

„Ich wünsche mir, dass Felix Zwayer wieder pfeift“

Sie betonen immer wieder, mit dem Wechsel-Thema um Haaland entspannt umzugehen ...

Das tun wir, weil wir das alles intern gut einschätzen können. Die Außensicht deckt sich mit der Innensicht nicht. Fast jeder nimmt sich im Moment heraus, irgendetwas über Erling zu schreiben. Ohne dass man etwas Genaues weiß, werden Dinge in die Welt gesetzt, das meiste stimmt ehrlich gesagt nicht. Aber der eine zitiert den anderen, Social Media kommt dazu. So entstehen Wellen, die du gar nicht aufhalten kannst. Müssen wir aber auch nicht, weil wir ja die Wahrheit kennen. Das Schöne ist, dass Erling herausragend mit dieser Situation umgeht.

Nach dem 5:1 gegen Freiburg kritisierte er die BVB-Bosse, die „Druck auf ihn machen“ würden. Wie sind Sie als Trainer damit umgegangen?

Erling ist ein gerade einmal 21 Jahre alter Mensch! Auch er hat mal einen emotionalen Tag, er geht nach dem Training nach Hause, ist alleine, liest vielleicht etwas, liest noch etwas und ist dann genervt. Alles prasselt auf ihn ein, und es kommt zu Momenten, in denen das Fass einfach voll ist. Das ist doch ganz normal, das ist menschlich. Ich habe jeden Tag Kontakt zu Erling und auch ein Gefühl für diesen Spieler und diesen Menschen. Ich weiß, wie lange sein Vertrag läuft. Ich weiß, was wie wann entschieden werden muss. Es liegt intern alles auf dem Tisch, alle sind ehrlich zueinander. Deshalb muss ich auch nicht jeden Tag mit ihm darüber reden. Er wird irgendwann eine Entscheidung treffen, und der Verein wird sich gut darauf vorbereiten. Dass wir uns alle wünschen, dass er bleibt, ist doch klar!

Welchen Reiz hat die Europa League für Sie?

Einen riesigen! Wir möchten uns international beweisen. Wir spielen zunächst hier gegen Glasgow, dann werden wir dorthin fliegen, das Stadion in Glasgow ist voll, da wird die Hütte im positiven Sinne brennen. Die Rangers haben sich im Winter noch einmal mit Aaron Ramsey und Amad Diallo verstärkt. Wir als Trainerteam durften viel Europa-League-Erfahrung sammeln. Wenn man Gefallen daran findet und immer weiter kommt, ist das auch in diesem Wettbewerb ein überragendes Gefühl. Es ist unsere Pflicht, die Europa League anzunehmen.

Zu Max Eberl haben Sie eine enge Beziehung. Was haben Sie empfunden, als er unter Tränen seinen Abschied in Gladbach verkündet hat?

Ich war traurig, so wie viele andere auch. Max Eberl ist ein herausragender Mensch. Zudem ein absoluter Top-Manager. Und ansonsten rede ich mit Max über Max – und mit Max über Marco. Aber nicht mit Ihnen über Max.

Schiedsrichter Felix Zwayer ist ein weiteres Beispiel für Druck, den man im Fußball aushalten muss. Er bekam nach strittigen Elfer-Entscheidungen im Top-Spiel gegen Bayern Morddrohungen. Wünschen Sie sich, dass er weiter pfeift?

Ist das eigentlich noch normal, dass wir im Zusammenhang mit Sport über Morddrohungen sprechen müssen? Ich würde mir wünschen, dass Felix Zwayer wieder pfeift – und wünsche ihm, dass er für sich die richtige Entscheidung trifft.