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Ich könnte mir Rudi sehr gut im Video-Keller vorstellen ...


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 11.05.2022

Rolfes und Völler im Machtwechsel-Interview

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "Ich könnte mir Rudi sehr gut im Video-Keller vorstellen ..." aus der Ausgabe 19/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Leverkusens neuer Sportchef Rolfes (l.) mit seinem Lehrmeister und Bald-Vorgänger Völler in der BayArena. Der Weltmeister von 1990 zieht sich zurück ? und lenkt den Klub in Zukunft aus dem Hintergrund

SPORT BILD: Herr Völler, Sie haben Ihrem Nachfolger Simon Rolfes einen schweren Rucksack aufgesetzt mit der Aussage im „Sportstudio“, es sei das Leverkusener Ziel, Deutscher Meister zu werden.

RUDI VÖLLER (62): Was ich sagen wollte, war: Unser Ziel ist, einen Titel zu holen. Und da schauen wir natürlich besonders auf die Pokalwettbewerbe. Weil wir die Champions League jetzt wieder erreicht haben, war es ein gutes Jahr. Eine Trophäe würde ich trotzdem – auch in meiner neuen Funktion als Mitglied unseres Gesellschafter-Ausschusses – gerne in Händen halten.

Fühlen Sie sich unter Druck, Herr Rolfes?

SIMON ROLFES (40): Nein, es ist wichtig, dass wir Ziele haben. Und die können wir auch erreichen. Als wir 2020 im Pokalfinale standen, sind wir leider auf die besten Bayern der letzten fünf Jahre getroffen, die Triple-Gewinner. Wir greifen weiter Titel ...

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... an.

Was muss sich verändern, um Titel zu holen?

ROLFES: In der Bundesliga musst du mehr als 70 Punkte holen, um überhaupt in die Meister-Region zu kommen. Davon waren wir in den vergangenen Jahren zu weit weg. Unseren Schnitt deutlich zu verbessern, dafür arbeiten wir jeden Tag hart. Bayern schafft es seit zehn Jahren, über 77 Punkte zu holen.

VÖLLER: Was jedenfalls nicht zu Titeln führt, sind große Ansagen vor Beginn einer Saison. Ich verstehe nicht, wie es positiv auf die Mannschaft wirken soll, wenn wir vor der Saison sagen würden, dass wir Meister werden wollen. Gewinnen wir deshalb ein Spiel mehr? Das glaube ich nicht! Das sind Hirngespinste wie das Gerede vom Bayern-Gen.

Hirngespinste?

VÖLLER: Bei diesem Begriff muss ich immer schmunzeln. Wo war denn das Bayern-Gen in der Champions League gegen Villarreal? Die sind in München zehnmal Meister geworden, weil sie mit den größten wirtschaftlichen Mitteln kaum Fehler machen. Wie es sich entwickelt, wenn Spieler wie Neuer, Müller, Lewandowski mal nicht mehr dabei sind, werden wir sehen.

Herr Völler, nach Ihrer Zeit als Teamchef beim DFB sind Sie Anfang 2005 als Sportchef nach Leverkusen zurückgekehrt. Eine der ersten Amtshandlungen war die Verpflichtung von Simon Rolfes im April 2005. Hat er schon mit 23 Jahren über Training und Spiel hinausgedacht?

VÖLLER: Simon hatte in Aachen eine tolle Saison gespielt in der 2. Liga, war trotz diverser, auch namhafter Konkurrenten, die für ihn mitboten, relativ günstig zu haben (750 000 Euro Ablöse; d. Red.), er war jung und dabei ziemlich clever. Und er hatte viel Luft nach oben. Das war entscheidend. Unser Beuteschema hat sich da bis heute nicht verändert.

Was muss er als Ihr Nachfolger trotzdem anders machen als Sie?

VÖLLER: Er macht automatisch viele Dinge anders, weil sich der Fußball und das Geschäft verändern. Die Beträge werden größer, das Spiel schneller. Was ich Simon immer sage: „Hol schnelle Spieler.“ Das hat er verinnerlicht, wie man unserer Mannschaft ansieht. Er selbst war ja kein übermäßig schneller Spieler, was auf seiner Position im zentralen Mittelfeld aber nicht so schlimm war.

ROLFES: Dafür war ich schnell im Kopf und habe schnell gespielt.

Werden Sie weiter seinen Rat suchen?

ROLFES: Rudi hat ein gutes Gespür für eine Mannschaft, für Spieler und für besondere Situationen. Ihm zuzuhören, wie er etwas mit seiner großen Erfahrung einschätzt, und das mit der eigenen Ansicht abzugleichen – das schätze ich sehr.

VÖLLER: Simon wird seinen Weg gehen und es sehr gut machen. Das ist allen hier spätestens mit dem speziellen Transfer von Florian Wirtz klargeworden. Eine wunderbare Geschichte.

Erzählen Sie bitte ...

VÖLLER: Zu Wochenbeginn sitzen – hm, saßen, muss ich wohl sagen – Simon und ich immer in meinem Büro zusammen. Er kam damals rein und sagte direkt, dass wir mal kurz reden müssten. Er fing an damit, dass es einen ganz besonderen Spieler gebe, 16 Jahre alt, das größte Talent in seinem Jahrgang. Florian Wirtz. Ganz ehrlich: Mir war nicht bewusst, wie gut der Junge ist. Simon sprach weiter.

Das Gerede vom Bayern-Gen – das sind Hirngespinste

Dass alle großen deutschen Klubs hinter ihm her sind und dass sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Dann sagte er, dass es bei der Verpflichtung ein bisschen Stress geben könnte, weil der Junge in Köln spielt.

Es gab damals eine Absprache der großen Klubs am Rhein, sich keine Talente abzuwerben.

ROLFES: Genau. Im Jugendbereich. Rudi fragte: „Wie gut ist er denn?“

VÖLLER: Seine Antwort war: „Der wird super. Oberstes Regal!“ Ich habe dann gefragt: „Was passiert, wenn wir nicht rangehen?“

Simon sagte: „Dann geht er woanders hin. In Köln bleibt er nicht. Auch die Gladbacher sind dran.“ Ich habe geantwortet: „Dann müssen wir die Helme aufsetzen und die Schutzwesten anziehen. Den Ärger mit den Kölnern stehen wir durch.“ Es wäre vereinsschädigend gewesen, es nicht zu versuchen. Also lief die komplette Maschinerie an: Simon hatte schon Kontakt mit der Familie. Wir haben uns dann mit den Eltern und Florian getroffen. Unser Trainer Peter Bosz war voll involviert. Das war alles Simons Idee. Es ging ihm nicht um den Wechsel eines 16-jährigen Jugendspielers. Florian sollte gleich bei den Profis mittrainieren.

Damit hat er seine ersten 100 Millionen Euro für den Verein verdient – Wirtz wird diese Transfersumme mindestens einbringen, wenn er mal gehen sollte ...

VÖLLER: (lacht) Schlecht war es nicht, da haben Sie recht. Es gibt prinzipiell ja viele Spieler, mit denen man sich beschäftigt. Florian Wirtz war ein Sonderfall. Den hatte Simon lange vorbereitet, und wir waren dann sehr zielstrebig und bereit, uns dem Gegenwind zu stellen, um das beste Ergebnis für den Klub zu erzielen. Dass Florian dann so schnell durch die Decke geht, konnte damals niemand ahnen.

ROLFES: Ich hatte ihn verfolgt, seitdem er 13 Jahre alt war. Das Schöne bei Florian ist: Er hat schon immer so gespielt, wie er heute spielt. Technisch, aggressiv, schnell – und mit Witz. Er hat den Ball schon mal über seinen Gegenspieler gelupft, hat für Überraschungen gesorgt. Florian hat immer in einer eigenen Liga gespielt.

Eine entwicklungsfähige Mannschaft mit Top-Talenten, Platz 3 in der Liga – ist das der perfekte Zeitpunkt, um sich nach 45 Jahren im Profifußball aus der ersten Reihe zu verabschieden, Herr Völler?

VÖLLER: Wenn es so weit ist am Samstag, wird es auch emotionale Momente geben. Ich weiß aber, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Ich spüre, dass ich mehr Pausen brauche. Durch die moderne Technik, dadurch, dass man über das Smartphone immer erreichbar ist und jederzeit alle Informationen abrufen kann, steht man sieben Tage in der Woche unter Strom. Deshalb habe ich Simon frühzeitig empfohlen, sich einen Vertrauten hinzuzunehmen, was er mit Tim Steidten auch gemacht hat. Du brauchst jemanden, der dich unterstützt und dem du zu 100 Prozent vertrauen kannst.

Wie haben Sie beide die Machtübergabe im vergangenen Jahr vollzogen?

ROLFES: Es gab keinen harten Schnitt. Es war ein Übergang. Wir arbeiten seit vier Jahren zusammen. Rudi gibt einem Verantwortung und lässt einem Freiheiten. Trotzdem ist er da, wenn man Unterstützung braucht. VÖLLER: Ich war in den letzten Monaten zum Beispiel so gut wie gar nicht mehr in der Kabine. Das hat Simon komplett übernommen. In den Jahren zuvor habe ich in Abstimmung mit dem Trainer schon ein paarmal in der Saison einige klare Worte an die Mannschaft gerichtet.

Werden Sie weiter feste gemeinsame Termine haben?

VÖLLER: Ich spiele nicht den Besserwisser! Erst mal ziehe ich mich zurück und werde später in unregelmäßigen Abständen in der Arena sein, mich von Simon und Fernando Carro auf dem Laufenden halten lassen und mich mit Werner Wenning, dem Vorsitzenden unseres Gesellsschafter-Ausschusses, austauschen. Wenn es mal nicht laufen sollte, werde ich die Ärmel hochkrempeln und den Klub vertreten.

Sehen Sie sich als Schutzschild?

VÖLLER: Wenn jemand unseren Verein angreift, werde ich giftig. Ich werde immer Bayer 04 Leverkusen verteidigen.

Herr Rolfes, im Gesellschafter-Ausschuss sitzt neben den Wirtschafts-Managern mit Rudi Völler bald ein Fußballer. Haben Sie die Hoffnung, dadurch ein größeres Budget zu bekommen?

ROLFES: Werner Wenning als Vorsitzender dieses Gremiums steht wie kaum ein anderer für die Bayer AG. Aber er ist auch mit Haut und Haaren Bayer 04, seit vielen Jahren Fan und Stütze des Klubs. Das Werk ist für uns ein fantastischer Partner. Aber schon unter Rudi hing das Bugdet maßgeblich von der sportlichen Leistung, der Entwicklung des Teams und vor allem auch von Transfererlösen ab. Die enge Verbindung zwischen Herrn Wenning und Rudi wird diese Regeln nicht außer Kraft setzen.

Die Wirtz-Verpflichtung zeigt: Simon wird es sehr gut machen

Es gab keinen harten Schnitt. Eswarein Übergang

VÖLLER: Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Klub und AG. Ich kenne den Wert des Fußballs für Bayer. Wir sind vor 118 Jahren als Betriebssportgruppe aus dem Werk hervorgegangen. Wir gehen anständig und seriös mit den Mitteln um, die uns zur Verfügung gestellt werden. Wenn der Erfolg mal ausbleibt, fängt die AG nicht automatisch alles auf, dann muss schon mal ein Spieler verkauft werden. Aber wir gehen auch mal ein kalkulierbares Risiko ein – alles mit Augenmaß.

Herr Völler, welche Termine stehen in Zukunft in Ihrem Terminkalender? Die Spiele von Bayer und der Tatort am Sonntag?

VÖLLER: Auswärts werde ich in der Bundesliga nicht mehr so häufig dabei sein. Die Heimspiele schaue ich mir natürlich wie die Partien in der Champions League an, da mache ich auch Reisen mit. Zudem bin ich in einigen Stiftungen vertreten. Das reicht. Ich will kürzertreten.

Sie waren der erste große Videobeweis-Kritiker in Deutschland, sprachen von einem „Stimmungskiller“. Lothar Matthäus regte zuletzt wieder an, dass Ex-Profis im Kölner Keller unterstützen könnten. Wäre das in Zukunft ein Job für Rudi Völler, Herr Rolfes?

ROLFES: (lacht) Da könnte Rudi sicher helfen. Ich glaube, dass es Situationen gibt, die man besser beurteilen kann, wenn man auf hohem Niveau gespielt hat. Ich könnte mir Rudi da schon sehr gut vorstellen.

Würden Sie es machen?

VÖLLER: Das ist nicht nötig. Es wäre eher sinnvoll, wenn Spieler und Ex-Spieler mit den Schiedsrichtern anhand konkreter Szenen besprechen könnten, wie man schon an der Körperhaltung beim Fallen eines Spielers erkennen kann, ob es ein Foul war oder nicht.

ROLFES: Dafür ist Rudi prädestiniert. Der Gedanke an das WM-Finale 1990 schwingt mit. Ein an Rudi Völler verursachter, umstrittener Elfmeter führte zum Sieg der deutschen Mannschaft gegen Argentinien. VÖLLER: (lacht) Mein Elfer war vielleicht umstritten. Dafür hat man uns vorher einen ganz klaren verweigert.

Große Manager der Liga gehen in Ruhestand: Rudi Völler, Michael Zorc, Ende des Jahres Jörg Schmadtke. Max Eberl ist schon raus. Braucht die Liga neue Gesichter?

ROLFES: Alle Genannten haben aus einer erfolgreichen Spielerkarriere eine herausragende Managerkarriere entwickelt. Es ist sicher auch der Anspruch der neuen Generation, Impulse für den deutschen Fußball zu setzen und ihn auf ihre Art zu prägen.

LEVERKUSEN – FREIBURG

Samstag, 14. Mai, 15.30 Uhr live bei Sky, Highlights kurz nach Abpfiff auf BILD.de, Sportbild.de und in der SPORT BILD-App.