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Ich konnte ihn nicht mehr bändigen


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 01.09.2008

Erna Börner (73) stammt aus dem Riesengebirge. Als 14-jähriges Mädchen flüchtete sie mit ihren Eltern aus dem tschechischen Dorf auf der Schneekoppe nach Ostdeutschland. Die Mutter wurde 99 Jahre alt. Der Vater feierte 2007 seinen hundertsten Geburtstag. Er starb kurz nach der Aufzeichnung dieses Gesprächs.


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Ernst Goder genoss auch mit hundert Jahren noch sein Pfeifchen und ab und zu ein Bier. Seine Tochter besuchte ihn täglich im Pflegeheim im mecklenburgischen Zarrentin.


Foto: privat (2)

Ich glaube, meine Eltern sind so alt geworden, weil wir hoch oben auf der Schneekoppe wohnten und immer alles zu Fuß erledigten. Da bleibt man lange jung. Bis vor sieben Jahren habe ich noch mit meinen Eltern in einem Haus gewohnt. Sie lebten oben, mein Mann und ich unten. Meine Mutter war schon einige Jahre blind und konnte sich nicht mehr bewegen. Ich habe sie gepflegt, die Wohnung sauber gemacht, gekocht und die Wäsche gewaschen. Meinem Vater ging es lange gut. Dann, eines Tages, saß er vor dem Haus und rief plötzlich: „Es brennt, es brennt“. Nachts ging es dann richtig los. Mein Vater randalierte im Schlafzimmer, schüttete am Morgen Kaffee, Tee und Milch zusammen und war völlig verwirrt. Ich konnte ihn nicht mehr bändigen.

Die Ärzte diagnostizierten eine Durchblutungsstörung im Gehirn und verschrieben Beruhigungsmittel. Aber er brauchte Betreuung rund um die Uhr. Da musste ich mich plötzlich um beide Eltern kümmern. Das ging so lange, bis ich selbst erkrankte. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Meine Ärztin redete mir damals ins Gewissen und riet mir, einen Heimplatz für die Eltern zu suchen. Drei Jahre habe ich die beiden dann noch selbst betreut. In dieser Zeit hat mir eine Gemeindeschwester bei der Pflege geholfen. Dann wurde hier im Ort im Pflegeheim ein Doppelzimmer frei und meine Eltern zogen um. Mein Vater bekam neue Medikamente und wurde sogar wieder klar im Kopf. Als meine Mutter vor drei Jahren starb zog er in ein Einzelzimmer. Mittlerweile wollen seine Beine nicht mehr. Deshalb fahre ich ihn oft im Rollstuhl spazieren. Ich bin sehr zufrieden mit dem Heim.

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