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„ICH mag das nicht!“


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Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

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Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 3/2022

Das Essen, das Mama so liebevoll gekocht hat, kommt gar nicht gut an. Jetzt hilft kein Schimpfen oder Bestechung, nur Beharrlichkeit: Vielleicht schmeckt es beim nächsten Mal

Marie stochert nur in ihrem Essen herum: Paprika ist bäh, Brokkoli fliegt direkt vom Tisch, Nudeln schmecken nur ohne Soße, und Fisch geht sowieso gar nicht. Die Dreijährige ist eine mäkelige Esserin, Neudeutsch: ein „Picky Eater“. Und sie ist eine unter vielen: Schätzungen zufolge beklagen etwa ein Viertel aller Eltern ein extrem wählerisches Essverhalten bei ihren Kindern bis sechs Jahren.

Glücklicherweise besteht dabei kein medizinisches Problem, es handelt sich auch nicht um eine Essstörung. Trotzdem können kleine Picky Eaters unser Familienleben ganz schön beeinträchtigen. Denn wir Eltern wollen bei der Ernährung unserer Kinder alles richtig machen. Leider führt es oft zu Stress, wenn wir unseren ...

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... Nachwuchs überzeugen wollen, etwas Bestimmtes zu essen. Und leider führt es zu wenig Erfolg, denn je mehr Druck aufgebaut wird, desto mehr Ablehnung entsteht. Wie können wir es also besser machen?

Kinder wissen, wann sie satt sind

Schon wenn es mit dem ersten Brei losgeht, könnt ihr einen guten Rahmen für Rhythmus, Ort und Zeit des Essens schaffen. Dabei lernt euer Kind, dass Essen Spaß macht und die Erwachsenen es dabei verlässlich begleiten. Wenn ihr dabei eine Vorauswahl an gesunden Nahrungsmitteln fürs Kind trefft, seid ihr schon mal auf der sicheren Seite.

Kinder haben schon früh ein verlässliches Hunger- bzw. Sättigungsgefühl – sie wissen sehr gut, wann sie hungrig sind und wann nicht mehr. Sie tragen für sich selbst die Verantwortung, ob oder wie viel sie essen. Ihr solltet sie also nie zwingen, mehr zu essen, als sie wollen. Helft aber eurem Kind dabei, die richtigen Worte und Gebärden zu finden, um seine Bedürfnisse auszudrücken.

Essen Kinder mit den Großen am Familientisch, müssen sie erst mal das Speisenangebot kennenlernen und selbstkritisch hinterfragen. Die Trotzhaltung gehört hier zur gesunden Entwicklung der Selbstbehauptung dazu. Jetzt seid ihr als Eltern gefragt, wählerisches Essverhalten zu begleiten. Weil Kinder durch Beobachten und Nachahmen lernen, solltet ihr Vorbild sein. Nicht nur hinsichtlich der Speisenauswahl. Vermittelt den Kleinen, dass Essen Genuss – und nicht Zwang oder Stress – bedeutet.

Manchmal stecken ganz andere Gründe hinter der Nahrungsverweigerung. Das kann mit einem Problem in der Familie zusammenhängen. Auch eine Unverträglichkeit oder motorische Schwierigkeiten sind denkbar. Hat euer Kind beim Essen Schmerzen, fühlt sich unwohl oder nimmt mit der Zeit stark ab, solltet ihr den Kinderarzt oder eine Ernährungsberatung aufsuchen.

„Mag ich nicht“ ist ganz normal

Essen und gemeinsame Mahlzeiten sollten etwas Positives sein. Lob oder Lockmittel als Anreiz fürs Aufessen ungeliebter Speisen solltet ihr nicht einsetzen. Kinder müssen mit dem Vertrauen aufwachsen, dass immer etwas nach ihrem Geschmack dabei sein wird. Erlaubt ihnen, mit Essen zu experimentieren, damit zu spielen und es mit allen Sinnen zu erfahren.

Kein Kind sollte dazu gezwungen werden, aufzuessen. Allein die Angst davor kann zu einem gestörtem Essverhalten führen. Niemand kann von Anfang an alles mögen. Gebt eurem Kind Zeit, sich mit einem neuen Lebensmittel anzufreunden – und gebt nicht zu früh auf. Ein kleiner Trost: Es ist ganz normal, dass eure Kleinen „mag ich nicht“ sagen, wenn etwas Neues auf den Tisch kommt: Im Schnitt muss ein Kind etwas bis zu 20-mal probieren, bevor es ihm schmeckt. Wenn es gar zu holprig läuft, empfehlen Ernährungsexperten „eine sensorische Lebensmittel-Analyse“. Sie hilft herauszufinden, welche Nahrungsmittel nach Geschmack, Geruch, Konsistenz, Farbe und Form in die „sichere Palette“ eures Kindes fallen. Denn auch einem Picky Eater schmecken in der Regel mindestens 30 Dinge in jeder Konsistenz. Bietet dazu Neues in Probiergrößen an und steigert die Konsistenzen von weicher zu härter. Das erweitert nach und nach den Essensradius eurer Kids. Auch wichtig: den Teller übersichtlich und nie zu voll anrichten. Gerne bedienen Kinder sich selbst, etwa von einem bunten Teller.

Ständige Verhandlungen bei Tisch bedeuten für alle Beteiligten Stress und bauen Druck auf. Besser ist es, die Eigenverantwortung der Kinder zu stärken. Wenn sich alle entspannen, kann auch euer Kind ganz in Ruhe Kompetenz im Essverhalten auf bauen. Und noch ein Tipp: Lasst die Kinder beim Kochen mithelfen. Wer selber den Quark umgerührt, die Paprika geschnibbelt oder Kräuter gezupft hat, der will hinterher doch mal von einer bisher ungeliebten Speise probieren.

ANTONIA MÜLLER

Besser essen – so funktioniert’s

Regelmäßigkeit: Alle zwei bis drei Stunden Haupt-und Zwischenmahlzeiten auf den Tisch bringen.

Vertrauen: Den Kindern die Freiheit schenken, ob und wie viel sie essen.

Achtsame Vorbereitung: Jeden Tag verlässlich eine gute Auswahl an Mahlzeiten und Snacks anbieten.

Ruhe: Für die Mahlzeiten einen angenehmen und entspannten Rahmen schaffen und sich bewusst Zeit nehmen. Handy und TV ausschalten.

Kreative Vielfalt: Nahrungsmittel aus der bewährten Palette anders zubereiten und mit einer Probierportion an Neuem kombinieren.

Vorbild sein: Was wir am Tisch vorleben, ahmen Kinder langfristig nach. Dazu gehören auch gute Stimmung, Tischmanieren und entspannte Gespräche.

Eigene Wege finden: Essenssituation an die familiären Bedürfnisse anpassen, zum Beispiel auch mal abends warm essen, unterwegs aus der Lunchbox essen oder Essen bestellen.

Essenstagebuch: Anhand von Notizen einen genauen Überblick schaffen, was an Nahrungsmitteln wann angeboten und was tatsächlich gegessen wurde.

Essensbrücken bauen: Damit zwanglos neue Vorlieben entstehen, Nahrungsmittel aus der bewährten Palette mit bisher Verschmähtem verbinden.

Unser Buchtipp zum Weiterlesen

Spätestens ab dem Kleinkindalter fragen sich viele Eltern: „Warum ist mein Kind so wählerisch?“ Viele machen dann aus dem Essen eine Wissenschaft. Autorin Tatje Bartig-Prang will Eltern helfen, aus der Perfektionsfalle auszusteigen und die Mahlzeiten wieder entspannt genießen zu können. Als Dozentin leitet sie Workshops und Seminare für Familien und hat zu Hause selbst drei kleine Esser am Tisch sitzen. Mit diesem Buch unterstützt sie Eltern, den Bedürfnissen ihrer Kinder wieder zu vertrauen. Checklisten und Arbeitsbögen helfen dabei, Entwicklung und Essverhalten richtig einzuschätzen.

„Picky Eaters – Was Sie tun können, wenn Ihr Kind nicht essen will“

GU, 7,50 Euro