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»Ich möchte nie einen Schläger zerstören«


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tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 17.10.2022

INTERVIEW

Herr Ruud, Rafael Nadal hat den Spitznamen „Sandplatzkönig“. Einige Leute nennen Sie den „Sandplatzprinz“ aufgrund Ihrer guten Resultat auf Sand. Was halten Sie von diesem Spitznamen?

Das hört sich schön an. Es gibt aber noch viele weitere gute Sandplatzspieler. Man sollte mich also nicht zum Prinzen krönen. Es wäre schön, wenn ich eines Tages den Titel Sandplatzprinz verdient hätte. Sand ist natürlich mein bester Belag und bereitet mir die größte Freude, auch wenn ich aus einem Land komme, in dem nicht viel draußen gespielt wird, sondern viel mehr in der Halle. Hartplatz mag ich aber auch, vor allem, weil hier die Bälle nicht verspringen wie auf Sand (lacht).

Es gibt viele Beobachter und Fans, die in Ihnen einen reinen Sandplatzexperten sehen. Haben Sie ein Problem damit?

Nicht wirklich. Die Leute können mich bezeichnen, wie sie es möchten. Der Sandplatz passt eben am besten zu meiner ...

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... Spielweise, das ist offensichtlich. Letztendlich weiß ich, was für ein Spieler ich bin und was ich tun muss, um mich auf jedem Belag zu verbessern. Vor Beginn der Sandplatzsaison habe ich auf Hartplatz in Miami das Finale erreicht. Das hat meine Mentalität auf diesem Belag verändert und mich im Glauben bestärkt, dass ich sehr gute Resultate auf Hartplatz bei großen Turnieren erzielen kann. Das Finale bei den US Open war dann die Folge daraus.

In ihrem ersten Grand Slam-Finale bei den French Open haben Sie gegen Rafael Nadal nur sechs Spiele gewonnen. Man hatte etwas den Eindruck, dass Sie viel Ehrfurcht vor Nadal während des Endspiels hatten. Wie war es für Sie, Ihr erstes Grand Slam-Finale ausgerechnet gegen den vielleicht besten Spieler der Geschichte zu spielen?

Ich hatte schlicht und einfach keine Antworten auf sein Spiel. Natürlich hatte ich mir gewünscht, dass ich das Match etwas spannender gestalten könnte. Hinzu kam, dass Rafa auf seinem geliebten Platz, dem Court Philippe-Chatrier in Roland Garros, um seinen 22. Grand Slam-Titel spielte. Das ist die schwerste Aufgabe, die man haben kann. Mir war klar, dass ich eines der besten Matches meines Lebens spielen müsste, wenn ich eine Chance haben möchte. Vor dem Finale habe ich mir gedacht, dass irgendwann der Tag kommen müsste, dass er mal ein Finale bei den French Open verliert. Rafa ist einfach ein Phänomen, wenn es um solche Momente geht. Seine Wettkampfqualitäten sind unglaublich. Er frisst dich auf. Genau das hat er mit mir gemacht.

Sie werden zum zweiten Mal in Folge bei den ATP-Finals in Turin dabei sein. Das Saisonfinale wird traditionell immer auf Hartplatz gespielt. Rafael Nadal war frustriert, dass er die ATP-Finals nicht einmal auf Sand spielen konnte. Wie sehen Sie das? Sollte der Belag bei den ATP-Finals regelmäßig wechseln?

Das würde schon Sinn ergeben, wenn man die ATP-Finals auch mal auf Sand austragen würde, zumal die Punkte, die man auf Sand während des Jahres erzielt, großen Einfluss auf die Qualifikation haben. Wer gut auf Sand spielt, hat sich die Teilnahme am Saisonfinale völlig zurecht erspielt und hätte sich auch die Chance verdient, die ATP-Finals vielleicht alle drei bis fünf Jahre auf Sand zu spielen. Wenn man sich den Kalender anschaut, ergibt es derzeit wenig Sinn. Wir sind Ende des Jahres mitten in der Hartplatzsaison und starten auch das neue Jahr auf Hartplatz. Rafa hat sich immer wieder die ATP-Finals auf Sand gewünscht, er hatte damit aber keinen Erfolg. Ich bezweifle, dass es bei mir anders sein würde.

Sie wohnen in Oslo. Viele Spieler haben ihren Wohnsitz in Monte Carlo oder Dubai wegen besserer Trainingsmöglichkeiten sowie wegen Steuerersparnissen. Warum haben Sie sich entschieden, in Norwegen zu bleiben?

In Oslo bin ich aufgewachsen. Es ist der Ort, wo ich am glücklichsten bin. Als Tennisspieler bin ich ständig unterwegs. Da brauche ich einen Platz, an dem ich mich geborgen fühle, meine Batterien aufladen und mich mit meinen Freunden treffen kann. Ich glaube, ich werde meine gesamte Karriere in Norwegen wohnen bleiben. Natürlich sind die Steuern in Norwegen deutlich höher und die Trainingspartner nicht so gut wie beispielsweise in Monaco. Aber wir finden in Oslo auch gute Bedingungen vor. Für mich wäre es nicht das Richtige, nach Monaco zu gehen und dann mit den Spielern zu trainieren, die ich jede Woche auf den Turnieren sehe. Wenn ich denke, dass mein Spiel verbessert werden muss, kann ich auch in die Rafa Nadal Academy auf Mallorca gehen, wo ich gelegentlich trainiere.

VITA

CASPER RUUD

Der Norweger, 23, war die Nummer eins bei den Junioren und ist derzeit die Nummer zwei im ATP-Ranking. Er gewann bislang neun ATP-Titel, acht davon auf Sand. Bei den French Open und den US Open erreichte er das Finale und wäre mit dem US Open-Titel die Nummer eins geworden. Sein Vater Christian war ebenfalls Profi und stand auf Platz 39 im ATP-Ranking. Ruud hat zwei Schwestern, Caroline und Charlotte, und lebt mit seiner Freundin Maria in Oslo.

Sie sind der mit Abstand beste Tennisspieler aus Norwegen, den es bislang gab. Wie ist Ihr Status in Norwegen? Sind Sie ein Superstar?

Ich würde nicht sagen Superstar. Ich bin mitten in einer Generation von jungen norwegischen Athleten, die sehr gut in ihren Sportarten sind. Norwegen ist längst nicht mehr nur eine Wintersportnation. Wir haben Erling Haaland im Fußball, Viktor Hovland im Golf. Dann gibt es Jakob Ingebrigsten, der die Mittelstrecken in der Leichtathletik dominiert. Dazu noch Karsten Warholm, der seit Jahren der Beste über die 400 Meter Hürden ist. Zu dieser Generation von jungen norwegischen Athleten, die zu den Besten in ihrer Sportart zählen, gehöre ich nun auch.

Gibt es Berührungspunkte mit Haaland & Co.?

Wir alle sind sehr beschäftigt das gesamte Jahr. Da fällt es schwer, sich mit einem aus unserer Generation zu treffen. Ich bin mit Viktor Hovland auf die gleiche Schule in Oslo gegangen. Karsten Warholm sehe ich am häufigsten, weil er auch in Oslo wohnt. Wir absolvieren unsere Fitnesseinheiten im gleichen Studio.

Sie sind eine sehr zugängliche Person abseits des Platzes. Sie haben einen eigenen Podcast in Kooperation mit Eurosport, in dem sie neben den tennisspezifischen Themen auch einiges Privates erzählen. Denken Sie, dass die Spieler offener im Umgang mit den Medien sein sollten, um die Sportart Tennis noch besser zu vermarkten?

Ich rede sehr gerne über jegliche Themen, die den Tennissport betreffen. Dass viele Spieler ungern über ihr Privatleben sprechen, ist verständlich. Auch ich werde einige private Dinge keinesfalls enthüllen, weil sonst die Medien immer weiter Fragen dazu stellen und in meinem Privatleben wühlen würden. Wir bekommen als Tennisprofis früh Medientraining. Es ist schön, wenn die Spieler nähere Einblicke in ihr Leben geben, anstatt die Fragen immer wieder auf die gleiche Weise zu beantworten. Wenn die Frage richtig gestellt ist und es sich natürlich anfühlt, kann ich sehr offen und frei über viele Dinge reden. Ich wache stets mit einem Lächeln im Gesicht auf. Ich liebe es, rumzublöden. Daher ist es schön, auch mal über Dinge zu reden, bei denen es nicht um Tennis geht.

Die ATP-Tour testet derzeit Coaching aus den Spielerboxen während der Matches. Was denken Sie darüber?

Ich stehe der Idee positiv gegenüber. Wir diskutieren schon Ewigkeiten über solch eine Regelung. Bei den NextGen Finals werden ständig neue Regeln getestet. Einige sind gut, einige nicht. Die ATP versucht, die bestmögliche Lösung für die Zukunft zu finden. Es ist gut, dass wir kurz mit unseren Trainern reden können. Aber: Zwischen den Ballwechseln hat man 25 Sekunden Zeit, zehn Sekunden gehen für Handtuchholen und Bälle geben lassen drauf. Also hat man nur zehn bis 15 Sekunden Zeit, um mit seinem Trainer zu sprechen. Das ist nicht viel. Das wird nicht dazu führen, um eine gute Taktikanalyse zu bekommen, es macht es aber einfacher, um Unterstützung und kleine Ratschläge zu erhalten. Für die Trainer ist es gut, dass sie nicht versteckt coachen müssen.

„Meine Erfolge sind auch die Erfolge meines Vaters“

Ihr Vater Christian ist Ihr Trainer. Solch eine Beziehung kann manchmal problematisch sein. Streiten Sie sich mit Ihrem Vater gelegentlich?

Nein, fast nie. Wir haben eine starke Verbindung zueinander. Ich habe großen Respekt vor seinen Visionen, was er mir erzählt und beibringt. Er hat einen extrem hohen Sachverstand, auch weil er viele Jahre als Kommentator gearbeitet und sehr viele Matches geschaut hat. Dass ich so früh so viele Erfolge hatte, verdanke ich auch ihm.

Sie haben Ihren Vater, der zuvor der beste Spieler aus Norwegen war, in jedem Aspekt übertroffen. Gibt es etwas, das Ihr Vater Christian in seiner Karriere erreicht hat, worauf Sie neidisch sind?

Er war bei den Olympischen Spielen dabei. Das war ich noch nicht, weil ich letztes Jahr nicht nach Tokio gereist bin. Bei Olympia 2024 in Paris will ich unbedingt dabei sein. Mein Vater hat sogar dreimal bei Olympia gespielt, 1996 kam er sogar ins Achtelfinale. Mit drei Olympiateilnahmen könnte es bei mir nun knapp werden. Mein Vater ist aber stolz, dass ich alle Rekorde breche. Da er gleichzeitig mein Trainer ist, stellen wir die neuen Rekorde zusammen auf. Für ihn sind das auch seine Erfolge.

Sie haben immer gesagt, dass Rafael Nadal Ihr großes Vorbild ist. Nadal hat in seiner Karriere nie einen Schläger zerstört. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ich habe tatsächlich noch keinen Schläger zerstört. Auch hier habe ich mich an ihm orientiert. Das ist ein kleines Ziel von mir, in meiner Karriere nie einen Schläger zu zerstören. Das führt dazu, dass man sich gut auf dem Platz verhält. Mal schauen, ob ich das tatsächlich wie Rafa schaffe. Es ist eine einfache Sache, einen Schläger wegzuwerfen oder zu zerstören, wenn man diesen ständig in der Hand hält und sauer auf sich oder andere wird. Manchmal wünschte ich mir, dass ich ihn wegwerfen würde. Aber es gibt dir keine gute Energie. Es ist nicht die Schuld des Schlägers, sondern deine eigene.

Ein Spieler, der sehr viele Schläger zerstört, ist Nick Kyrgios. Sie hatten mit ihm ein paar Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Ist Kyrgios gut fürs Tennis?

(überlegt lange). Zuallererst ist er ein sehr guter Spieler, das hat man dieses Jahr, vor allem in Wimbledon, gesehen. Er ist ein interessanter Charakter für die Zuschauer, weil er Sachen ins Tennis einbringt, die die meisten Spieler nicht bieten. Er bringt unserem Sport Aufmerksamkeit, da er ein Showman ist. Letztendlich ist er also gut fürs Tennis, auch wenn er nicht allzu viele Turniere spielt. Wir alle wissen, was er für ein guter Spieler sein kann. Die Zuschauer wollen sehen, wie gut er spielen kann.

Sie sind ein passionierter Golfer und haben einen eigenen Golf-Account auf Instagram. Was ist Ihr Handicap?

Mein Handicap ist 2.

Was können Sie vom Golfplatz auf den Tennisplatz übertragen?

Darüber denke ich nicht so viel nach. Wenn ich Golf spiele, tue ich das aus Spaß und zur Entspannung. Die Sportarten sind natürlich ähnlich, da man beim Golf und Tennis durchschwingt. Im Tennis schlägt man aber so viel mehr Bälle während eines Matches. Im Golf will man so wenig Schläge wie möglich machen. Im Tennis ist dies manchmal umgekehrt, weil man zeigen möchte, dass man lange Ballwechsel spielen kann. Man muss sich stets entscheiden, wie der nächste Schlag aussieht. Beide Sportarten sind eine große Herausforderungen gegenüber einem selbst. Der mentale Aspekt ist bei beiden enorm. Wenn ich vorher einen guten Tag auf dem Golfplatz hatte, folgt meist auch ein guter Tag auf dem Tennisplatz.

INFO

SPORTSTARS AUS NORWEGEN

Erling Haaland

Der 22-Jährige ist einer der besten Stürmer im Fußball weltweit, derzeit spielt er für Manchester City. Seine Torquote ist überragend.

Karsten Warholm

Der 26-Jährige ist der Dominator über die 400 Meter-Hürden. Er hält den Weltrekord, ist Olympiasieger und zweimaliger Weltmeister.

Jakob Ingebringsten

Der 22-Jährige wurde bereits mit 17 Europameister über 1.500 und 5.000 Meter. Er ist außerdem Olympiasieger über 1.500 Meter.

Magnus Carlsen

Der 31-Jährige ist seit 2013 Weltmeister im Schach. Im Alter von 13 Jahren, 4 Monaten und 27 Tagen wurde er zum zweitjüngsten Schach-Großmeister.