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„ICH MUSS HART UM ANERKENNUNG KÄMPFEN“


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Cosmopolitan - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 08.06.2022
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Bildquelle: Cosmopolitan, Ausgabe 7/2022

IHR SEHT MICH ANDERS! Sydney Sweeney würde gern mehr aus ihrem echten Leben preisgeben, um der Welt zu zeigen, dass nicht alles so glamourös ist, wie es scheint. Aber die Schauspielerin sagt auch: ?Ich schätze meine Privatsphäre sehr!?

8 Min. Lesedauer

Der Ausspruch „Ich liebe Herausforderungen“ hört sich bei anderen Menschen nach hohler Phrase an. Nicht so bei Sydney Sweeney. Schießt die Schauspielerin diesen Satz mit großen Augen in die Welt, wie beim Treffen mit Cosmo, muss man ihn sehr ernst nehmen.

Denn dass der Shootingstar sich mit jeder einzelnen Körperzelle in Herausforderungen wirft, lässt sich sehr gut in „Euphoria“ beobachten – einer melancholisch-schön-verzweifelten Serie über High-School-Teenies, Drogensucht, Selbstfindung und Freundschaftsliebe, deren Zuschauererfolg nach Staffel zwei bereits so immens ist, dass er mit dem von „Game of Thrones“ verglichen wird. Sydney Sweeney spielt in diesem Gefühlschaos Cassie Howard und stolpert mit ihr, süchtig nach Liebe und Anerkennung, so intensiv in Mobbing und Verzweiflung, dass man sie dringend in den Arm nehmen möchte. Auch im Drama „Sharp Objects“, in der Serie „The ...

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... White Lotus“, im erotischen Thriller „The Voyeurs“ und in der Dystopie „The Handmaid’s Tale“ brilliert diese Frau.

Ihr Erfolgsrezept? Akribische Vorbereitung. Vor Filmstart fertigt sie sich „Charakterbibeln“ über die jeweilige Figur an, katalogisiert deren Innenleben über Monate hinweg. „Es gibt Charaktere, die ich liebe, und solche, vor denen ich Angst habe – Letztere sind die guten“, erläutert sie. Das allein könnte Challenge genug sein, aber Syd- ney Sweeney geht noch weiter … und schon das an, was sonst nur Stars mit jahrzehntelanger Hollywood-Erfahd rung tun: Sie gründete vor zwei Jahren, mit gerade mal 22 Jahren, ihre eigene Filmproduktionsfirma (Fifty-Fifty Films).

„Echten, vollen Support unter Frauen habe ich noch nicht gespürt.“

SYDNEY SWEENEY

Dass sie diesen Weg Richtung „Walk of Fame“ gehen will, das wusste Sydney Sweeney früh. Schon als Teenie erstellte sie mit Powerpoint einen Fünfjahresplan, um ihre Familie davon zu überzeugen, dass sie sich in der Filmbranche durchsetzen könne und alle gemeinsam aus ihrer Heimatstadt Spokane (Washington) nach Los Angeles ziehen sollten. Warum das alles trotz Masterplan nicht einfach war, Support unter Frauen oft nur ein hübsches Schlagwort ist und was ihr bei Nacktszenen durch den Kopf geht, verrät sie im Interview.

Frau Sweeney, die meisten Schauspieler*innen brauchen ewig, um sich auch als Produzent*innen in der Branche zu etablieren. Werden Sie als junge Business-Frau ernst genommen, oder gibt es Vorurteile in den Köpfen?

Die Leute in der Filmindustrie behaupten derzeit gern, sie würden junge weibliche Stimmen fördern. Aber ich muss hart für Anerkennung kämpfen – sogar unter älteren Frauen.

Da hieß es schon mal, meine Firma könne im Zusammenhang mit diesem oder jenem Projekt, an dem ich gearbeitet habe, nicht genannt werden … Ich habe da so meine Theorien, warum nicht …

Woran liegt das?

Womöglich haben andere das Gefühl, mir würde der Erfolg einfach zufliegen. Ich bekam zu hören, ich müsse erst mal verschiedene andere Dinge erreicht haben, um Ansprüche auf eine Anerkennung zu erheben – und diese Aussage kam von Frauen! Das hat mich sehr überrascht. Alle führen eine Art „Wir unterstützen einander“-Scharade auf. Echten, vollen Support habe ich allerdings noch nicht gespürt.

Was treibt Sie dennoch an und weiter?

Ich bin regelrecht süchtig danach, mich mit Branding und Marketing zu befassen. Einen Roman oder ein Drehbuch in den Händen zu halten und darüber zu grübeln, wie ich eine Verfilmung für den großen Massenmarkt attraktiv machen könnte, liebe ich. Gerade habe ich einen Film verkauft, lese sieben Bücher gleichzeitig, an denen ich die Rechte habe.

Haben Sie auch mal Angst, dass alles zu viel wird?

Der Druck ist schon enorm. Ich arbeite in einer Branche, in der dir die Leute beim Scheitern zuschauen können. Aber ich sage mir, dass es immer Aufs und Abs gibt. Keine*r produziert ausschließlich Kinokassenschlager.

Woher nahmen Sie Ihr Selbstbewusstsein, als Sie als Jugendliche nach L.A. kamen und Schauspielerin werden wollten?

Als Teenie war ich eigentlich nicht sonderlich selbstbewusst.

Ich wusste, dass ich eine gute Schauspielerin bin, aber keine*r glaubte so richtig an mich. Mir wurde gesagt, ich müsse Gewicht verlieren und dass meine Haare die falsche Farbe hätten. Eigentlich willkürliche Dinge, die mich dann aber doch an mir zweifeln ließen.

Ihre Familie gab Ihnen immerhin Rückhalt und ist von Washington nach Kalifornien gezogen, nicht wahr?

Das stimmt, in L.A. wurde jedoch Geld für meine Familie zum Stressthema. Mein Dad verlor seinen Job und wir gingen pleite. Dass das nicht meine Schuld sei, sagten mir meine Eltern dauernd, aber ich sah es anders. Und als sie sich scheiden ließen, machte mein Bruder mich dafür verantwortlich. Seitdem vermisse ich unsere kleine Familieneinheit von früher, meine unbeschwerte Kindheit.

Was hat sich durch den Umzug noch für Sie verändert?

In L.A. zur Schule zu gehen war ganz anders, als ich es aus meiner Heimat kannte. Ich durfte den alten Volvo meiner Großeltern fahren, dessen Fußraum ich mit Pappe auskleiden musste, weil überall Öl austrat – alle anderen Mitschüler*innen fuhren mit Range Rovern und BMWs vor. Ich schämte mich fürs Auto, ließ sogar den Schlüssel stecken in der Hoffnung, es würde geklaut werden und ich könnte Geld von der Versicherung abkassieren. Tat niemand. Heute fühle ich mich schlecht, denn ich kann mich glücklich schätzen, dass meine Großeltern mir ein Auto geben konnten.

„Ich habe mich in alle möglichen Männerarme geschmissen, um die Leere in mir zu füllen.“

SYDNEY SWEENEY

Konnten Sie auch Positives aus der Zeit ziehen?

Es war ein Ausbruch aus der Routine und am Ende die richtige Entscheidung, zumindest rede ich mir das ein: Denn ich hätte noch einen viel holprigeren Weg einschlagen können.

Welchen „holprigen Weg“?

In meiner Familie gab es in der Vergangenheit Fälle von Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Weil ich große Angst davor habe, genetisch vorbelastet zu sein und selbst eine Sucht zu entwickeln, habe ich daher noch nie Drogen genommen.

Alkohol trinke ich höchstens einmal im Jahr und am liebsten mit ein paar Leuten zu Hause auf der Couch, bei Filmoder Spieleabenden. Sinnlos in einer Bar rumzustehen, Alkohol zu trinken und im Leben nicht weiterzukommen, ist nichts für mich.

Sie haben also noch nie über die Stränge geschlagen?

Doch, mit Jungs. Als sich meine Eltern trennten, ließ ich es ziemlich krachen, habe mich in alle möglichen Männerarme geschmissen, um die Leere in mir zu füllen … Ich habe nach Liebe gesucht, um mich von der Einsamkeit abzulenken.

Welche Beziehung haben Sie heute zu Ihrer Familie?

Mit meiner Mutter und meinem Bruder verstehe ich mich viel besser, aber mein Vater und ich haben uns ziemlich voneinander entfernt, was mir das Herz bricht. Ich habe mal versucht, uns alle wieder zusammenzubringen. Mit meinem Filmjob-Ersparten, auf das ich bis zur Volljährigkeit keinen Zugriff hatte, wollte ich unser Haus in Spokane zurückkaufen. Als ich dann endlich 18 Jahre alt war, lag nicht annähernd genügend Geld für ein Eigenheim auf meinem Konto.

In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so geweint.

Als Schauspielerin können Sie diesen Schmerz in Ihre Rollen legen. Bei Cassie aus „Euphoria“ gibt es viel emotionale Arbeit zu tun – Drogen, Schwangerschaft, Revenge Porn …

Ich kann nicht jede von Cassies Entscheidungen nachvollziehen, aber ich erinnere mich an meine Teenage-Zeiten. Und daran, wie es war, lieber dem Herzen als dem Verstand zu folgen. Vielleicht hätte ich mich in einigen Situationen ähnlich verhalten.

Trotz Ihrer überzeugenden Darstellung in der Serie werden Sie erst seit „The White Lotus“ für Ihre Schauspielerei so richtig gefeiert. Woran liegt das?

Ich glaube, dass mich viele Menschen in „Euphoria“ nicht ernst genommen haben, weil ich mich dafür ausgezogen habe. Nach „The White Lotus“ kamen alle möglichen Leute auf mich zu, um mir zu sagen, wie grandios ich doch sei.

Und ich dachte mir nur: „Aber in ‚Euphoria‘ habe ich doch die verrückteste emotionale Achterbahnfahrt überhaupt durchlebt. Also, ähm … danke?!“

Es gab Behauptungen, Sie hätten aus der zweiten „Euphoria“-Staffel Nacktszenen schneiden lassen. Sie haben das dementiert. Aber wie fühlen Sie sich mit den Bildern?

Völlig losgelöst von meiner Person. Wenn ich in sozialen Netzwerken auf Fotos meiner Figuren markiert werde, sehe ich deren Körper, nicht meinen. Die Sequenzen zu drehen ist null romantisch, sondern nur technisch. Menschen, die dich angucken, Pads und Nippelcover überall. Sogar komische Sticker-Strings den Po hinauf. Als ich „The Voyeurs“ zum ersten Mal sah, habe ich überlegt, ob es vielleicht doch zu viel Haut war. Ich habe nach Celebrities gegoogelt, die ebenfalls Nacktszenen gedreht haben, und versucht, mich damit zu beruhigen.

FOTOS: GETTY IMAGES (1), HULU (2), DDP/PICTURELUX, JOSEFINA SANTOS (1); STYLING: CASSIE ANDERSON; HAARE: FLORIDO BASALLO MIT PRODUKTEN VON THE HAIR SHOP; MAKE-UP: MELISSA HERNANDEZ/THE WALL GROUP; MANIKÜRE: ZOLA GANZORIGT MIT PRODUKTEN VON DIOR; MODEASSISTENTIN; KATE LONGARZO; PROPS: CATE GEIGER KALUS; PRODUKTION: CRAWFORD & CO PRODUCTIONS. KLEID: ALEXANDRE VAUTHIER; OHRRINGE: IPPOLITA

WHO’S THAT GUY?

Seit März 2022 ist Sydney Sweeney mit Langzeit-Boyfriend, Gastronom Jonathan Davino, verlobt. Doch mit der Hochzeit habe sie es nicht unbedingt eilig, erklärt sie

GENIAL UNPOPULÄR

In Staffel zwei von „The Handmaid’s Tale“ (Magenta TV) mimt Sydney Sweeney schauderhaft gut Eden, die vom autoritären Regime indoktriniert ist. „Wenn die Fans Eden hassen, habe ich alles richtig gemacht“, sagt sie

ÄUSSERL-ICH-KEIT

Weil sich ihre Figur in „Euphoria“ (r., auf Amazon Prime) teils sexy-naiv verhält, wurde Sydney Sweeney als Schauspielerin zunächst nicht so ernst genommen. Das nervt sie

ÄRGER IM PARADIES

„The White Lotus“ (Sky) karikiert die Neurosen von Luxushotelgästen, gespielt unter anderem von Sydney Sweeney (g. l.) und Brittany O’Grady (l.)

Hat das geholfen?

Es gibt stundenlange Nacktcompilations von weltberühmten männlichen Kollegen, die trotzdem Oscars gewonnen haben. Wenn eine Frau sich nackt zeigt, degradiert es sie. Ab dem Zeitpunkt heißt es, sie hätte sich ausgezogen, um die Rolle zu bekommen. Ich hoffe, dass ich dazu beitrage, diese Doppelmoral abzuschaffen.

Einer Doppelmoral begegnet man als Star häufiger. Halten Sie aus diesem Grund Ihre Beziehung privat?

Ich date grundsätzlich keine Personen in der Öffentlichkeit, weil ich da nicht ich selbst sein kann. In meinem engen Umfeld hingegen habe ich Menschen, die für mich einstehen. Die mich auch auf einem Podest stehen lassen und bei denen ich mein Licht nicht dimmen muss, aus Angst, sie könnten geblendet sein.

Was erwarten Sie von einem Partner?

Ich möchte einen besten Freund an meiner Seite haben, der gern rund um die Uhr mit mir abhängt, ohne genervt davon zu sein. Einen, mit dem ich jeden Tag laut lachen kann.

Und an Ihrem Auto schrauben? Ihre TikTok-Videos über die Restaurierung eines Vintage-Ford-Bronco sind berühmt!

Im Lockdown bin ich vor Kreativität übergesprudelt. Jede*r kann ein nagelneues Auto kaufen. Aber so viel Geschichte unterm Sitz zu haben und auch noch zu wissen, dass man das Ganze selbst ausgebaut hat …

Auch ein Haus konnten Sie sich endlich kaufen …

Ja, es erinnert mich an unser Haus in Spokane. Mit versteckten Türen und Wäscheschächten. Jetzt kann ich das Leben führen, das ich mir immer für meine Familie gewünscht habe. Manchmal fühl ich mich schuldig deshalb. Zugleich erfüllt es mich mit Stolz. Ich bekomme feuchte Augen, wenn ich daran denke, dass ich meine Träume verwirkliche.