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„Ich musste für uns beide stark sein“


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Lea - epaper ⋅ Ausgabe 43/2022 vom 19.10.2022

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Artikelbild für den Artikel "„Ich musste für uns beide stark sein“" aus der Ausgabe 43/2022 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 43/2022

84% der Erkrankten ziehen sich aus ihren sozialen Beziehungen zurück.

Mit voller Kraft wirft Mara den Ball, dem Pedro, ihr großer Labradorrüde, aufgeregt hinterherrennt. Das Tier fängt sein Spielzeug, bringt es zu seinem Frauchen zurück und wartet freudig auf den nächsten Wurf. „Früher habe ich mir oft gewünscht, das alles so einfach wäre und auf jede meiner Aktionen auch eine Reaktion folgen würde, aber irgendwie klappte das leider nur bei Pedro“, sagt die 42-Jährige und lächelt. Momente wie dieser sind für die Kielerin seit ein paar Jahren wichtig geworden – vor allem dann, wenn sie es zu Hause nicht mehr aushielt. „Wenn es zu schlimm wurde und die Depression Stefan wieder so sehr eingenommen hatte, dass er gar nichts mehr um sich herum mitbekam, ...

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... musste ich einfach raus. Dann schnappte ich mir Pedro und ging an den Strand, in den Wald, Kaffee trinken, irgendwas. Hauptsache, ich nahm mich selbst aus der Situation und tat mir ganz bewusst etwas Gutes. Und sei es nur ein Spaziergang.“

„Er nahm nichts mehr wahr und war blind dafür, dass auch ich litt“

Als sich Mara und Stefan vor fünf Jahren das Ja-Wort gaben, deutete nichts auf die dunklen Schatten hin, die sich kurze Zeit später über die junge Ehe legen sollten. „So etwas wie einen Auslöser oder traumatischen Moment gab es so eigentlich nicht, nein. Zumindest keiner, den ich kenne. Ich weiß nur, dass wir gerade unseren ersten Hochzeitstag gefeiert hatten, als es losging. Stefan wurde wortkarg, hatte plötzlich zu nichts mehr Lust und vergrub sich in der Wohnung. Er meinte zwar, das läge alles an dem vielen Stress auf der Arbeit, aber so richtig konnte ich das nicht glauben. Ich weiß, wie sich depressive Menschen verhalten, das habe ich schon bei meinem Vater erlebt. Doch als ich meinen Mann darauf ansprach, wich er nicht nur aus, nein, er wurde richtig wütend und schrie mich an. Klar, hat mich das geschockt, aber wie sagt man so schön – getroffene Hunde bellen“, erzählt die Innenarchitektin. Doch nicht nur Stefans depressive Schübe, auch die Diskussionen darüber wurden mit jedem Mal stärker. Mara erinnert sich: „Anfangs habe ich ihm noch gut zugeredet und gesagt, dass wir gemeinsam alles durchstehen und schaffen, habe sogar Therapeuten rausgesucht, mit denen er hätte sprechen können, aber nie kam etwas bei ihm an. Tausend Aktionen, aber nicht eine einzige Reaktion. Das Schlimmste war, als er unseren vier Monate alten Sohn Theo einfach ignorierte. Als ich beim Arzt war, bekam der Kleine eine schlimme Kolik und schrie wie am Spieß – doch Stefan nahm gar nichts mehr wahr.“ Das war der Punkt, an dem Mara es nicht mehr aushielt. Sie stellte ihren Mann vor ein Ultimatum: „Ich hatte Angst. Nicht mehr nur um ihn, sondern auch um uns. Deshalb ließ ich Stefan die letzte Wahl: Entweder er macht eine Therapie und lässt sich helfen – oder wir sind weg. Endgültig. Ich glaube, in diesem Moment wurde ihm zum ersten Mal wirklich klar, dass seine Depressionen nicht nur ihn, sondern auch unsere Ehe zerstörten. Ich liebte und liebe ihn sehr, aber ich liebe auch mich selbst. Das hat ihm endlich die Augen geöffnet.“

„Das Ultimatum hat nicht nur ihn, sondern unsere Familie gerettet“

Seit 2,5 Jahren ist Stefan nun schon in therapeutischer Behandlung, wurde sechs Monate sogar stationär betreut. In der Therapie lernte er, die Gründe für seine Depressionen zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Zusätzlich nimmt er regelmäßig Antidepressiva. „Ja, es hat sich vieles verbessert. Aber hätte er sich nicht darauf eingelassen, wäre ich wirklich gegangen. Er musste selbst erkennen, was ich schon die ganze Zeit sah. Wenn jetzt wieder dunkle Schatten kommen, können wir besser damit umgehen. Er bekommt die Ruhe, die er braucht, und ich nehme mir meine. Und solange unsere Liebe so stark ist, schaffen wir das auch.

Depressionen in der Partnerschaft – hier finden Betroffene Hilfe

Die Erkrankung äußert sich vielfältig, wobei niedergedrückte Stimmung, Antriebsmangel und schnelle Müdigkeit sowie Interessenverlust und Freudlosigkeit die Hauptsymptome sind. Sprechen Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin offen, aber verständnisvoll darauf an, und unterbreiten Sie ihm/ihr ohne Druck Hilfsangebote.

Wichtig:Wenn Sie befürchten, selbst zu erkranken oder bereits erkrankt zu sein, sollten auch Sie sich Hilfe holen. Ihr Hausarzt sowie folgende Adressen sind erste Ansprechpartner:

Mehr Infos & Adressen:

• Deutsche Depressionsliga

• Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen

• Deutsche Depressionshilfe

• Unabhängige Patientenberatung Deutschland Fotos: Getty Images/Justin Paget Photography Ltd