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„Ich nehme jetzt keine Rücksicht auf Andi …“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 39/2022 vom 28.09.2022

BASKETBALL

SPORT BILD: Moado Lô, bei der EM traten Sie als verschworene Einheit auf und wurden überraschend Dritter. Danach wurde auf Bronze angestoßen. Wer ist das größte Feierbiest im Team?

MAODO LÔ (29): Ich war gegen zwei als einer der Ersten auf dem Zimmer und wollte noch einen Kurztrip für die nächsten Tage organisieren. Alkohol trinke ich grundsätzlich nicht. Und abgefahrene alkoholfreie Cocktails habe ich mir auch nicht mixen lassen. Ich habe mit stillem Wasser gefeiert. Aber ich glaube, Andi war einer der Letzten.

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 39/2022

Maodo Lô holte 2021 und 2022 mit Alba Berlin den Meistertitel in der BBL. Zuvor wurde er 2017 mit Bamberg und 2019 mit Bayern Meister

ANDREAS OBST (26): Jo Voigtmann hat auch extrem gut gefeiert. Franz Wagner auch. Ich habe den Abend sehr genossen. Klar ist mir dabei der eine oder andere Drink zu Händen gekommen. Das bleibt nicht aus.

Was für Drinks?

OBST: Am Anfang Bier und ein bisschen Schampus, mit der Zeit kam dann Gin Tonic. Der war mein Go-to sozusagen.

Wie haben ...

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OBST: Ich hatte eine Woche frei und war mit meiner Freundin in Bamberg. Das war gut zum Runterkommen. Montag musste ich dann zur medizinischen Untersuchung nach München und bin dann wieder ins Training eingestiegen. Viel Zeit zum Erholen blieb nicht.

LÔ: Echt? Du hattest bis Montag frei? Stark! Ich musste Freitag schon wieder zum Training antreten. Vorher war ich ein paar Tage in einem Wellness-Hotel in der Nähe von Berlin.

Werden Sie oft auf die EM angesprochen?

OBST: Ja. Als ich in Bamberg essen war, kamen viele Leute und sprachen mich auf die EM an. Das Turnier kam anscheinend ganz gut an. Aber Bamberg ist sowieso eine basketballverrückte Stadt. LÔ: Ja, es sprechen einen mehr Leute an und wollen ein Autogramm oder Foto.

„Ich habe die Bronzemedaille mit stillem Wasser gefeiert“

Maodo Lô

Das kam früher auch schon mal vor, aber eher selten. Unsere gute Leistung bei der EM wird wahrgenommen. Das spürt man, selbst in einer Großstadt wie Berlin.

Wie präsent ist die EM noch in Ihren Köpfen?

LÔ: Sie ist immer noch da. Wenn ich in den sozialen Medien über das Finale Spanien gegen Frankreich lese, kommt eine leichte Enttäuschung in mir hoch. Da hätten wir auch spielen können. Es wäre noch mehr drin gewesen als Bronze. Dieser Gedanke ist immer wieder da.

OBST: Mir geht es auch so. Die Freude über Bronze überwiegt. Aber es ist auch ein fader Beigeschmack da. Wir standen schon fast im Finale, dann haben wir es im Halbfinale gegen Spanien selbst aus der Hand gegeben. Wir hätten oben stehen können.

Michael Koch, Europameister von 1993, sagte im SPORT BILD-Interview, die jetzige Mannschaft sei besser als die Gold-Mannschaft damals. Freut einen das?

OBST: Schön zu hören. Aber der Basketball hat sich weiterentwickelt. Insofern ist ein Vergleich schwierig.

LÔ: Ich glaube fest daran, dass wir noch besser werden. Wir können ja schon seit einigen Jahren auf hohem Niveau mithalten. Jetzt hat sich unsere Qualität in Form einer Medaille gezeigt. Wir entwickeln uns weiter, und es kommen noch Jungs wie Moritz Wagner und Isaac Bonga dazu, die jetzt verletzt waren. Wir haben noch Luft nach oben.

EM-Bronze verbindet Sie für immer. Gibt es eine WhatsApp-Gruppe, die weiter Bestand hat?

LÔ: Wir haben jeden Sommer eine Gruppe. Die bleibt bis zum nächsten Sommer bestehen. Bei der nächsten WM wird eine neue WhatsApp-Gruppe eröffnet. Vielleicht gründen wir in zehn Jahren eine Reunion-Gruppe, die für immer bestehen bleibt.

Wie heißt die aktuelle Gruppe?

LÔ: Andi, können wir das verraten?

OBST: Klar. Ist ja eigentlich stinklangweilig: Players only.

Die Fans sind bei RTL-Kommen- tator Frank Buschmann gespalten. Für die einen ist er Kult, für die anderen eine Nervensäge. Wie ist Ihre Meinung?

OBST: Aktuell habe ich ihn natürlich nicht gehört, weil ich auf dem Feld stand. Aber ich fand cool, dass er kommentiert hat. Früher habe ich ihn immer sehr genossen. Das war beste Unterhaltung.

LÔ: Er hat einen großen Namen. Als bekannt wurde, dass er unsere Spiele kommentiert, dachte ich: Wow! Wir sind gerade dabei, etwas Bedeutendes zu erreichen. Es wird alles aufgefahren, was Rang und Namen hat. Es war eine Ehre, dass er zu unseren Spielen kam.

„Ich denke, etwas von dem EM-Hype überträgt sich auf die Liga“

Andreas Obst

Ein Spruch von ihm war: Die Frucht des Jahres heißt Obst

LÔ: Nice! (lacht) OBST: Lustig! Es ist aber nicht das erste Wortspiel mit meinem Namen …

Wird der EM-Hype auch auf die BBL überschwappen?

OBST: Ich denke, dass sich etwas von dem Hype auf die Liga überträgt. Viele Leute sind jetzt zum ersten Mal mit Basketball in Verbindung gekommen – die muss man bei der Stange halten. Basketball muss in der Öffentlichkeit bleiben.

LÔ: Ich hoffe das. Wir haben neue Fans gewonnen. Aber die Liga muss das weiter ausbauen. Eine gute Vermarktung ist gefragt. Man sollte den Wind mitnehmen.

Was kein Fan versteht: Am 10. November ist Ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland. Am selben Tag spielt Alba gegen Bayern in der Euroleague. Verstehen Sie so etwas? Und bei welchem Spiel werden Sie dabei sein?

LÔ: Echt? Das höre jetzt das erste Mal.

OBST: Die Euroleague und die Fiba (Weltverband; d. Red.) liegen sich leider immer noch in den Haaren. Beide sollten sich verständigen und eigene Interessen zurückschrauben. Derzeit wird der Konflikt auf dem Rücken von uns Spielern ausgetragen. Im Zweifel spielen wir für den Klub in der Euroleague, weil der unser Arbeitgeber ist und keine Abstel- lungs- pflicht für die Nationalmannschaft besteht.

LÔ: Jeder muss ein wenig zurückstecken. Anders funktioniert es nicht.

Die BBL-Saison beginnt. Ab sofort sind Sie Gegner. Wie schwer fällt das Umschalten?

LÔ: Das ist kein Problem. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren aus der Nationalmannschaft. Die Situation ist nicht neu für uns. Bronze verbindet uns sehr. Aber ich gehe jetzt deswegen nicht weniger intensiv in den Zweikampf mit Andi. Ich nehme jetzt keine Rücksicht auf ihn. Oder?

OBST: Ich werde nicht zögernd auf dem Feld herumstehen. Wenn ich spiele, will ich gewinnen. Ob auf der anderen Seite ein Freund steht, spielt keine Rolle.

Sind Siege gegen Bayern beziehungsweise Alba besonders schön?

LÔ: Klar. Ein Sieg gegen den großen Rivalen fühlt sich immer besonders an. Bayern und Alba sind die zwei großen Mannschaften in der BBL. Schon im Vorfeld des Duells ist man aufgeregter als sonst. Das war bei mir auch schon so, als ich für Bayern gespielt habe.

OBST: Vergangenes Jahr hatte ich ja das erste Mal das Vergnügen, bei diesem Spiel auf dem Feld dabei zu sein. Man merkt schon vorher eine besondere Anspannung. Bayern gegen Alba ist immer ein Spiel, auf das alle schauen.

Zuletzt wurde Alba dreimal in Folge Meister. Was war bei den Bayern los?

OBST: Alba hat am Ende im Finale gegen uns den besseren Basketball gespielt. Sie hatten ihr System verinnerlicht und Spieler auf dem Feld, die wissen, was abgeht, und die den Ton angeben. So haben sie uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Klar hatten wir Pech mit Verletzungen, und uns fehlten nach den Euroleague-Play-offs ein bisschen die Körner. Aber Alba hat einfach auch einen besseren Ball gespielt als wir und am Ende verdient gewonnen. Wir haben daraus gelernt und wollen es diesmal besser machen. Dazu gehört auch, dass wir schon zu Saisonbeginn enger zusammenrücken und mit hoher Motivation in die ersten Spiele gehen.

Maodo, Sie haben bereits vier Meistertitel gesammelt. Andreas Obst hat noch keinen. Könnten Sie damit leben, wenn er jetzt seinen ersten Titel holt?

OBST: Genau, Maodo, gönn mal (lacht)! Auch wenn ich dazu sagen muss, dass ich als Jugendspieler in Bamberg am Ende der Bank schon zweimal Meister geworden bin. Aber die Titel zähle ich nicht so richtig.

LÔ: (lacht) Du bist noch jung, Andi! Dir bleibt noch genug Zeit, Titel zu gewinnen. Nächste Saison musst du noch nicht damit anfangen. Wir sind bei Alba ein eingespieltes Team. Darauf bauen wir auf. Wir wollen wieder Meister werden. Ziel für uns in dieser Saison ist aber auch, in der Euroleague den nächsten Schritt zu machen und besser zu spielen. Dort hat München ja vorgemacht, wie es geht.

Große Stärke von Ihnen beiden ist der Drei-Punkte-Wurf. Andreas hatte bei der EM 48 Prozent Trefferquote, Maodo 45 Prozent. Was ist Ihr Wurfgeheimnis?

OBST: Viele Wiederholungen. Ich nehme nach jedem Training noch mal 100 oder 200 Würfe. Ganz wichtig ist auch: Ruhe bewahren. Auch wenn mal fünf danebengegangen sind, muss man den sechsten mit Selbstbewusstsein nehmen. Nicht groß nachdenken.

LÔ: Ich werfe im Sommer und nach jedem Training viel, ähnlich wie Andi. Talent gehört natürlich auch dazu. Es ist auch ein Gefühl. Es fällt mir nicht schwer, Dreier zu ballern. Da ist keine Ehrfurcht. Es fühlt sich einfach richtig an.