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Ich sehne mich so sehr nach euch!


Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 25/2019 vom 15.06.2019

Liebesroman der Woche

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Bildquelle: Sieben Tage, Ausgabe 25/2019

Es war ein unpersönliches Pensionszimmer. Nur mit dem Notwendigsten möbliert. Am Fenster stand ein einsamer Mann und starrte gedankenverloren auf die Straße. Wie fast immer in den letzten Tagen dachte Wolf Bringmann an seine Familie, die er wegen eines im Grunde nichtigen Streits verlassen hatte. Schließlich nahm er allen Mut zusammen und wählte die Telefonnummer von zu Hause. Monika, seine Frau, meldete sich. Ihre Stimme wirkte forsch und selbstbewusst.

„Ich bin’s.“ Wolf schluckte, um den Kloß in seinem Hals loszuwerden.

„Ja!?“, klang es fragend aus der Muschel. Gar nicht mehr forsch ...

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... und selbstbewusst.

„Ich sehne mich so sehr nach euch … Könnten wir uns nicht wenigstens mal kurz wiedersehen?“ Wolf musste sich räuspern, so belegt war seine Stimme.

„Jan hat die ganze Zeit auf deinen Anruf gewartet“, antwortete Monika leise. „Du hast ihm doch versprochen, dass du mit ihm in diesem Jahr eine Fahrradtour unternimmst …“

„Und was ist mit uns?“ Wolf glaubte bei dieser Frage, sein Herz müsste zerspringen.

Monika ließ sich Zeit mit der Antwort. „Ich wollte auch …“, begann sie zögernd, brach aber mitten im Satz ab. „Jan kommt gerade. Besprich erst mal mit ihm den Termin für eure Radtour. Alles Weitere wird sich finden …“

Die Welt um ihn herum ist wie Blei

Jans Stimme klang freudig erregt. „Hallo, Paps“, sprudelte es aus ihm heraus. „Ich wollte dich auch schon anrufen, aber ich wusste deine Telefonnummer nicht. Außerdem hat Onkel Rudolf gesagt, falls du keine Zeit haben solltest, fährt er die Tour mit mir …“

Onkel Rudolf? Wolf Bringmann stockte der Atem. Alles in ihm krampfte sich zusammen. Warum kümmerte sich dieser Lackaffe nicht um seinen eigenen Kram? Vermutlich wollte er über das Wohlwollen des Jungen ans Herz von Monika heran. Doch diese Suppe würde er dem Kerl gründlich versalzen.


Wolf Bringmann leidet unsäglich darunter, dass er von seiner Frau und seinem Sohn getrennt lebt. Er vermisst Monika und Jan mehr, als er sich eingestehen will. Und er weiß, was er zu tun hat …


Wolf versuchte einen unbefangenen Ton anzuschlagen. „So ein Quatsch“, antwortete er lachend. „Natürlich habe ich Zeit. Für dich doch immer. Das weißt du doch. Also, wann wollen wir zwei Männer unsere große Tour antreten?“

„Nächstes Wochenende wäre super.“ Die Stimme des Jungen klang freudig und gleichzeitig auch irgendwie erleichtert. „Okay, dann bin ich Samstag früh da. Bist du um acht Uhr schon wach?“

„Längst, dann habe ich sogar schon gepackt und unsere Fahrräder gerichtet.“

„Also, bis Samstag. Hoffentlich regnet es nicht.“

„Ein bisschen Regen wird uns nicht aufhalten. Ich freue mich.“

„Dann grüß Mutti ganz lieb von mir.“ Als Wolf das Gespräch beendete, schien ihm, als wäre die Welt um ihn herum schwer wie Blei. Dieser Onkel Rudolf lag ihm im Magen. Dabei war es noch nicht mal ein richtiger Onkel. Er war der Ex-Mann von Monikas Jugendfreundin Elke. Doch seit seiner Scheidung scharwenzelte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit um Monika herum und machte verliebte Augen. Doch dieser Rudolf würde ihm keine schlaflosen Nächte bereiten. Denn jetzt lag es an ihm selbst, sein Leben endlich wieder in geordnete Bahnen zurückzuführen …

„Liebst du uns denn nicht mehr?“

Sie hatten Glück. Am Samstag regnete es nicht. Im Gegenteil. Die Sonne lachte von einem strahlend blauen Himmel, und es war angenehm warm. Dicht nebeneinander schoben Vater und Sohn ihre Räder einen steilen Berg hinauf. „Warum wohnst du eigentlich nicht mehr bei uns?“

Die Frage klang unschuldig, und doch erschrak Wolf. Er hatte sie befürchtet. Aber jetzt, wo sie gestellt war, versuchte er dem fragenden Blick aus den großen Kinderaugen zu entkommen. „Das hat verschiedene Gründe“, antwortete er ausweichend.

„Liebst du uns etwa nicht mehr?“ Jan blieb hartnäckig.

Der große Mann beugte sich zu dem Zwölfjährigen hinunter. „Was sagst du denn da für Sachen. Natürlich liebe ich euch. Würde ich sonst mit dir eine Fahrradtour machen?“

Jan ließ diese Antwort nicht gelten. „Das hast du mir versprochen. Und was man verspricht, muss man auch halten. Hast du selbst gesagt!“

Wolf konnte sich ein Lächeln gerade noch verkneifen. „Ja“, bestätigte er, „was man verspricht, muss man unbedingt halten.“ Und dabei dachte er an das Versprechen, das er Monika vor dem Traualtar gegeben hatte …

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet!“ Der Junge blieb unnachgiebig.

„Mutti und ich haben uns in den letzten Wochen leider oft gestritten. Deshalb haben wir gedacht, es wäre besser, wenn ich mir für einige Zeit ein Zimmer in der Stadt nehme.“ Wolf grinste seinen Sohn an. „Dann kann ich morgens auch länger schlafen.“

Der Junge nickte ernsthaft. Dieses Argument ließ er gelten. „Aber am Wochenende könntest du schon bei uns wohnen.“

„Wenn Mutti einverstanden ist.“

Jan winkte ab. „Lass mich nur machen. Mutti tut fast immer, was ich will!“ Er schwang sich auf sein Rad und trat energisch in die Pedalen. Sein Vater folgte ihm.

Bei der nächsten Verschnaufpause brachte Wolf das Gespräch geschickt auf seinen vermeintlichen Nebenbuhler. „Unternimmst du eigentlich viel mit Onkel Rudolf?“ fragte er nebenbei.

„Nö“, kam die einsilbige Antwort des Jungen, der an diesem Thema nicht sonderlich interessiert zu sein schien. Aber Wolf ließ nicht locker. Er fragte möglichst neutral: „Aber Mutti ist doch oft mit Rudolf zusammen?“

Sein Sohn schaute ihn überrascht an. „Wie kommst du denn darauf. Mutti kann diesen …“ Der Junge suchte nach einem passenden Ausdruck. … Schleimbeutel doch gar nicht leiden!“

Wolf Bringmann lächelte zufrieden.

Vater und Sohn spüren Verbundenheit

In einem Gasthof mitten im Wald nahmen sie sich ein Zimmer und gingen schon bald ins Bett. „Gute Nacht.“ Für den Bruchteil einer Sekunde schauten sich Vater und Sohn in die Augen. Jeder spürte die innere Verbundenheit mit dem anderen. Um dieses männliche Einverständnis nicht zu zerstören, begnügte sich Wolf damit, Jan nur zuzublinzeln und vermied es, ihn väterlich in den Arm zu nehmen.

Am anderen Morgen riss sie der Wecker früh aus dem Schlaf, schließlich wollten sie den Sonnenaufgang von einem Hochsitz aus erleben. „Mensch, was bin ich müde“, gähnte Jan und streckte sich. „Heute lass ich das Waschen ausfallen. Die Trapper in der Wildnis haben das auch nicht jeden Tag getan!“

„Okay, aber die Zähne werden geputzt“, verlangte Wolf. Kurz darauf verließen sie den Gasthof und erreichten nach einem kleinen Fußmarsch den Hochsitz, den sie für die Beobachtung des Sonnenaufgangs ausgewählt hatten.

„Mutti wird uns übrigens heute Mittag warmes Essen bringen“, flüsterte Jan, als sie gemeinsam oben saßen. „Sie hat Angst, wir würden sonst verhungern.“

„Ich liebe dich“, flüstert Wolf

Monika kam? Was bedeutete das? Sie würde sich wohl kaum den Weg machen, wenn sie ihn nicht sehen wollte! Und was hatte der abgebrochene Satz: „Ich wollte auch …“ in jenem Telefongespräch vor einer Woche zu bedeuten? Hatte Monika etwa selbst mit dem Gedanken gespielt, ihn anzurufen?

Der Mann versuchte, seine Gedanken zu ordnen. War sein Auszug nicht doch zu voreilig gewesen? Würden sie aus den gemachten Fehlern lernen? Um ihrer selbst willen? Oder nur wegen des Jungen?

Ein schmaler Lichtstreifen erschien am Horizont. Der Junge stieß seinen Vater an. „Die Sonne …“, flüsterte er aufgeregt. Gemeinsam betrachteten sie dieses Naturschauspiel, welches sich täglich wiederholte und doch immer wieder atemberaubend neu wirkte.

Monika war noch nicht richtig angekommen, als sich Wolf ein Herz fasste. „Ich halte es ohne euch nicht mehr aus“, gestand er spontan. „Wenn ihr mich wollt, würde ich gern morgen wieder zu Hause einziehen.“

„Warum nicht schon heute?“, fragte Monika und fiel ihrem Mann um den Hals. „Ich habe übrigens Rudolf ganz deutlich gesagt, er soll endlich seine Eroberungsversuche bei mir wegen totaler Erfolglosigkeit einstellen. Und zwar für immer.“

„Ich liebe dich“, flüsterte Wolf, nahm seine Frau in die Arme und küsste sie.

„ Ich dich auch“, antwortete diese und erwiderte zärtlich seinen Kuss.

Jan stand nur daneben und lächelte glücklich. Es machte ihm nichts aus, dass seine Eltern sich in diesem Moment überhaupt nicht um ihn kümmerten …


Fotos: Pixabay (3), Fotolia (2), Istock (2)