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„Ich teste 160 Campingplätze in vier Monaten“


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 32/2021 vom 12.08.2021

MENSCHEN

DIRK HOFEDITZ

Artikelbild für den Artikel "„Ich teste 160 Campingplätze in vier Monaten“" aus der Ausgabe 32/2021 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 32/2021

Energie- Check: Reicht die Absicherung auch für größere Verbraucher?

BEIM ADAC gibt es Gelbe Engel – und eine Bibel: den Campingführer. 5500 Plätze in 35 Ländern listet das Werk auf. Genau genommen sind es zwei Werke, wie das bei Bibeln eben so ist: Nordeuropa/ Deutschland und Südeuropa. Der Inhalt: mal Hiobsbotschaften, mal lautes Halleluja!

Dass die Urlauber so fest daran glauben, liegt an Leuten wie ihm: Dirk Hofeditz, Campingplatz- Inspekteur im Auftrag des ADAC. Einer von 15. Unter ihnen sind pensionierte Lehrer (Noten vergeben können die ja!), Polizisten und vor allem Berufssoldaten a. D. So wie Stabsfeldwebel Hofeditz.

Seit Mai ist er unterwegs, erst im Auslandseinsatz in der Ost-Schweiz, in Österreich und Italien, jetzt in Bayern. Sein Zuhause ist in der Zeit sein Reisemobil. Drei Wochen war seine Frau dabei. Als Hofeditz an ...

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... den oberitalienischen Seen inspizierte, kam sie aus Hessen dazu.

An diesem Morgen macht Dirk Hofeditz Stopp in Bad Reichenhall. Der Campingplatz Staufeneck ist eine kleine Drei-Sterne-Anlage am Ufer der Saalach.

Obenrum trägt Hofeditz Uniform: weißes ADAC-Shirt, um den Hals seinen Dienstausweis, dazu lange Trekkinghose (Shorts sind nicht erwünscht).

Er taucht stets unangemeldet auf. „Da kommt es dann schon mal vor, dass noch schnell das Putzteam im Sanitärgebäude verschwindet“, sagt Hofeditz und lacht. Also gehe er dorthin in der Regel zuerst. „Allein 39 Prozent der ganzen Bewertung fließt in den Bereich Sanitär“, sagt Hofeditz. Insge-samt rund 160 Punkte hakt er auf seiner digitalen Liste ab: Wie laut ist es? Wie liegt der Platz? „Eine Hochspannungsleitung gibt zum Beispiel Minuspunkte“, sagt Hofeditz. Und wenn der Rasen Kahlstellen hat, ist eine Höchstbewertung auch nicht möglich. Wobei die ohnehin selten vergeben werde, sagt Hofeditz. Da sei es wie mit den Sternen in Restaurants.

„Von der Auslandszulage kaufte ich mir mein erstes Wohnmobil.“

Dirk Hofeditz, ADAC-Camping- Inspekteur

ZUR PERSON

Dirk Hofeditz

Gelernter Koch, dann Karriere bei der Bundeswehr. Dort mit 50 Jahren in den Ruhestand gegangen. Lebt in Hessen. Reiste schon als Kind mit seinen Eltern zum Campen – mit Zelt nach Italien.

Mit Laser-Entfernungsmesser und langen Schritten vermisst der Prüfer das Gelände und die einzelnen Parzellen. Sein Tablet ist stoß- und wasserfest, weil ja nicht an jedem Tag die Sonne scheint.

30 Jahre war er Berufssoldat, dreimal im Kosovo, einmal in Afghanistan. Als die Bundeswehr ihm dann mit 50 Jahren anbot, in den Ruhestand zu gehen, nahm Hofeditz dankend an.

Seitdem heißt es: Campingplatz statt Camp Marmal. „Von der Auslandszulage kaufte ich mir mein erstes Wohnmobil“, sagt Hofeditz, inzwischen ist er mit Nr. 2 unterwegs. Auf dem Heckträger hat er ein Mountainbike, in der Heckgarage einen Suzuki-Roller, um nicht immer mit dem großen Reisemobil fahren zu müssen.

Seit vier Jahren ist er dabei. Den Job machen Hofeditz und seine Kollegen (aktuell alles Männer) freiberuflich. Ein bis drei Plätze schafft er pro Tag, je nach Größe. Den Campingplatz Staufeneck hat er nach gut drei Stunden durch.

Die Chefin Melanie Schön freut sich, dass endlich mal wieder ein Tester da ist. Ein paar Jahre sei das schon her, sagt sie. Zwischen 1200 und 1800 Anlagen schaffen die 15 Tester pro Jahr.

Für ihre Arbeit erhalten sie eine Entlohnung pro Platz und eine Übernachtungspauschale. Regel: Wo sie testen, übernachten sie nicht. Leben könne man davon nicht, sagt Hofeditz. Aber darum gehe es auch nicht, er habe ja seine Pension.

Dem Thema Camping widmet sich der ADAC bereits seit 1955. Damals steigt die Anzahl der Automobilisten, die mit Zelt in den Urlaub fahren. Also gründet der Club eine eigene „Betreuungsgruppe Camping“.

Und schon Ende der 1960er- Jahre attestieren Experten dem ADAC-Campingführer, er liefere „verläßliche Informationen und Mannigfaltigkeit“. Die Grobauf­ teilung in Süd- und Nordeuropa gilt damals schon, die Länder sind allerdings noch andere. Sogar Campingplätze im Iran, Irak und in der Sowjetunion listet das Werk früher auf. Dafür keine in der DDR, nur in Westberlin.

Sogar einen Camping-Sprachführer liefert der ADAC zu der Zeit. Mit praktischen Übersetzungen für alltägliche Fragen wie: „Darf man hier harpunieren?“ oder „Gibt es hier Mücken?“

Heute ist das alles etwas moderner. Was Hofeditz protokolliert, erscheint in gedruckter Form wie gehabt – und auf dem Online-Portal Pincamp.de, mit dem auch AUTO BILD REISE­ MOBIL zusammenarbeitet.

Und, Herr Hofeditz, ist das ein Traumjob? „Ganz im Ernst – langsam kann ich keine Campingplätze mehr sehen“, sagt der Prüfer und lacht. Ein bisschen muss er noch durchhalten. Erst im September ist Schluss mit dem Ausdauer-Campen.