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Ich vergesse kein Gesicht


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 38/2018 vom 14.09.2018

Elizabeth M. (40) hat ein besonderes Talent – und ist damit die neue Waffe der Polizei im Kampf gegen das Verbrechen


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 38/2018

Gesichter in einer Menge erkennen: Das kann man zwar trainieren, aber nicht erlernen


Die kleine Narbe auf der Stirn, das Muttermal auf dem Wangenknochen …“ Elizabeth M. braucht nur Sekunden, um eindeutige Erkennungszeichen im Gesicht der BILD der FRAU Reporterin zu finden. Für die Münchner Kriminalhauptmeisterin eine Leichtigkeit – schließlich ist sie ein „Super-Recogniser“, eine Frau, die sich außergewöhnlich gut Gesichter merken kann.

Dass sie dieses ...

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... Talent hat, ist ihr lange nicht klar. „Ich dachte, jeder kann sich Gesichter so merken“, sagt sie. Bis sie mit ihrer besten Freundin, die sie seit Schulzeiten kennt, zur 20-Jahr-Feier ihres Abi-Jahrgangs geht. „Ihr fiel auf, dass ich mich dort an jeden erinnern konnte, sie sich dagegen an fast niemanden. Da habe ich gedacht: Vielleicht kann ich es wirklich besser.“

Als dann vor einem Jahr bei der Münchner Polizei ein Aufruf an alle Polizisten geht, dass Menschen mit gutem Gedächtnis für Gesichter gesucht werden, ist für sie sofort klar: „Da mache ich mit.“ Große Erwartungen hat sie nicht. „Ich wollte nur wissen, wie gut ich da bin.“ Der Vortest, bei dem 14 Gesichter kurz gezeigt und dann aus mehreren Bildern wieder erkannt werden müssen, wird 5300-mal angeklickt. Wer 11 Punkte hat, kann weitermachen. Elizabeth M. hat 12 …

Weitere Tests folgen, am Ende steht fest: Elizabeth M. und 36 weitere Kollegen sind „Super-Recogniser“ – sie gehören zu den ein bis zwei Prozent der Menschen, die sich nach einer flüchtigen Begegnung noch Jahre später an ein Gesicht erinnern können. Dass diese Fähigkeit der Polizei helfen kann, entdeckte zuerst die Londoner Polizei – und gründete weltweit die erste Recogniser-Einheit.

Doch was ist der Job eines Super-Recognisers? „Er ist vielfältig“, erklärt Elizabeth M. Nach Diebstählen, wenn mit den geklauten EC-Karten Geld abgehoben wird, guckt sie sich die Bilder der Überwachungskamera an – und ist oft besser als eine Gesichtserkennung per Computer. „Die braucht scharfe Fotos, mir reichen verrauschte Bilder, um spezielle Merkmale zu erkennen.“

Dabei achtet sie auf Proportionen, Besonderheiten – „auf Dinge, die sich durch eine Brille, einen Hut oder dergleichen nicht verändern. Und die auch im Laufe der Jahre bleiben.“ Das ist die Spezialität von Elizabeth M. – alte Bilder mit aktuellen Gesichtern zu verbinden. So können Jahre zurückliegende Straftaten aufgeklärt werden, zum Beispiel Raubüberfälle als Serie eines Täters erkannt werden.

Auch auf dem Oktoberfest wird Elizabeth M. im Einsatz sein – als „Feldversuch“. „Es wird Fotos geben, dann müssen wir die Abgebildeten aus der Menge heraus erkennen“, sagt Elizabeth M. Künftig sollen die Spezialermittler dann auf diese Weise echte Tatverdächtige auf der Großveranstaltung ermitteln – zum Beispiel Menschen, die ein Wiesn-Verbot haben. Übrigens: Wer glaubt, dass Elizabeth M. ein Gedächtniswunder ist, liegt falsch: „Telefonnummern kann ich mir gar nicht merken“, sagt sie lachend. Aber die braucht sie auch nicht bei ihrem Job.

Merkmal Brille: Elizabeth M. mit Reporterin Anke Rottmann

Super-Recogniser – besser als jeder Computer

→Forscher der Universitäten Harvard und Greenwich erkannten das Talent vor gut 10 Jahren. 2011 zeigte es sich in London: Die damals beste Software zur Gesichtserkennung konnte aus 200000 Stunden Videomaterial zu den Unruhen in der Stadt nur eine einzige Person identifizieren. Einigen Beamten gelang es dagegen, 1300 Tatverdächtige zu erkennen. Bei uns gibt es bislang nur in München Super-Recogniser.

VIELLEICHT KÖNNEN SIE DAS AUCH!

Den Vortest finden Sie im Internet unterwww.bildderfrau.de/gesichter


Fotos: Marion Vogel (2), dpa (2), Fotolia