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„Ich war dem Tod sehr nah“


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 18/2022 vom 27.04.2022

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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 18/2022

Innige Liebe: Ottfried Fischer und Simone sind seit 17 Jahren ein Paar und leben heute in Passau

Eigentlich wollte Ottfried Fischer seine Partnerin Simone Brandlmeier, 51 bereits 2021 kirchlich heiraten und die Braut auf seinen eigenen zwei Beinen zum Altar führen. Dann machte ihm die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung, die Trauung wurde verschoben. Heute ist er wegen seiner Parkinson-Erkrankung die meiste Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen. Auch wenn der 68-Jährige immer sehr offen und humorvoll mit der Krankheit umging – sie fordert ihren Tribut. Im Interview mit FRAU IM SPIEGEL erzählt er nun auch von seinen schweren Momenten.

Sie haben 2020 standesamtlich geheiratet, wann kommt die kirchliche Hochzeit?

Man kann ja nichts planen. Wir wollen es aber gerne machen – wie viel Zeit man noch auf Erden hat, weiß man ja nie.

Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Was war der Höhepunkt?

Der Gipfel meines Lebens war meine erste Kabarett-Vorstellung. Da war für mich klar, ...

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... das ist es, was ich machen möchte und das habe ich auch durchgezogen. Zunächst neben dem Studium, später dachte ich: Butter bei die Fische! Dann habe ich mich ganz auf das Kabarett konzentriert.

Sie spielten die Hauptrollen in den Kult-Serien „Der Bulle von Tölz“, „Der Pfundskerl“ und „Pfarrer Braun“ und blicken auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurück …

Ich habe 250 Filme in meiner Laufbahn absolviert und es ging immer schön bergan. Das war keine Hau-Ruck-Karriere, ich habe versucht, mich Stück für Stück zu steigern. Wenn man nicht zu große Schritte macht und bescheiden bleibt, dann ist die Fallhöhe nicht so hoch.

Katerina Jacob, Ihre Kollegin aus „Der Bulle von Tölz“ verriet uns, dass sie damals sehr verliebt in Sie war. Wussten Sie das?

Ja, das hat sie mir später mal erzählt. Aber sie übertreibt auch gern ein bisschen.

Hätte sie damals eine Chance bei Ihnen gehabt, wenn sie etwas gesagt hätte?

Ich hätte wahrscheinlich keine Chance gesehen – zumindest nicht längerfristig.

Sie gaben Ihre Parkinson-Erkrankung 2008 bekannt. Wie leben Sie heute damit?

Es ist nicht einfach. Aber ich habe viele Dinge erlebt, die andere nicht erleben dürfen. Mein Beruf hat mir sehr viel Freude gemacht. Dass ich meinen Beruf ausüben konnte und durfte, das sehe ich als die große Gnade meines Lebens.

Das heißt, Sie empfinden eine tiefe Dankbarkeit, die Ihnen hilft?

Ja, und ich habe auch versucht, von diesem Guten, das ich mitbekommen habe, etwas weiterzugeben. Das ist meine Auffassung von Katholizismus, dass man von dem, was man erhalten hat, auch etwas zurückgeben muss.

Vor ein paar Jahren hatten Sie zudem eine Blutvergiftung, lagen eine Zeit im Koma …

Mit der Sepsis begann mein Karriere-Ende. Die habe ich noch halbwegs weggesteckt, aber dann kam der Zusammenbruch, aus dem ich nicht mehr gut herausgekommen bin. Ich habe in München zu viele Gelegenheiten gehabt zu sündigen. Diese Stadt war einfach nicht gut für mich. Ich hatte plötzlich viel Zeit, Geld war auch genug da, und das führte dazu, dass ich mich dann übernommen habe.

Inwiefern haben Sie gesündigt?

Man kann in einer Großstadt abends ins Restaurant zum Essen gehen oder in die Wirtschaft. Ich habe mich mehr für die leichte Muse des Lebens entschieden. Das Leben in einer großen Stadt ist reich an Verlockungen.

Haben Sie Erinnerungen an die Zeit im Koma ?

Ich habe kein helles Licht am Ende des Tunnels oder dergleichen gesehen. Ich weiß aber, dass ich dem Tod sehr nahe war. Obwohl ich nicht bei Bewusstsein war, habe ich irgendwie bemerkt, dass jemand an meiner Brust rumgedrückt hat. Da dachte ich, aha, so ernst ist es jetzt also.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, habe ich nicht.

Weil Sie wissen, dass es danach weitergeht? Das weiß ein guter Katholik schon als Kind.

Und für den Katholiken ist mit zunehmendem Alter das Leben ein Nahtoderlebnis.

Wovor haben Sie heute noch Angst?

Vor einem grausamen Tod habe ich schon Angst. Vor dem Sterben selbst nicht. Aber ich will nicht unbedingt dabei sein …

„Ich will nicht klagen“

DER BULLE VON TÖLZ

Und wenn es schlimmer wird? Würden Sie in ein Pflegeheim gehen?

Was meine Frau hier täglich an Arbeit leisten muss, ist immens. Wir haben einen Pfleger geholt, der das ein wenig erleichtert. Aber es ist von un-Dasein nicht gerade ange-für uns geregelt, wie sich die serem nehm Verabschiedung gestaltet.

Sind Sie auf einen Rollstuhl angewiesen?

Die meiste Zeit, ja. Aber ich kann auch kurze Strecken gehen, nur habe ich Arthrose im Knie. Ich stand über ein Jahr auf einer Warteliste für eine Operation, jetzt habe ich endlich ein neues Kniegelenk. Der Eingriff wurde zwei oder dreimal verschoben wegen der Corona-Pandemie.

Sie nennen Ihre Erkrankung humorvoll „Herr Parkinson“. Aber oft treten im Verlauf der Krankheit auch Depressionen auf. Wie ist das bei Ihnen?

Jetzt mit 68 zeigt er sich vermehrt, dieser Hang zu Depressionen. Aber ich kämpfe immer wieder dagegen an. Ich habe keine offenen Wunden, keine nässenden Prozesse, es ist alles noch ganz gut zu händeln. Solange es so ist wie im Moment, will ich nicht klagen.

Zum Glück haben Sie ja auch liebevolle Unterstützung von Ihrer Frau …

Ja, sie ist ein Engel. Sie ist sehr wichtig für mich. Sie wurde mir zur rechten Zeit geschickt, Gott sei Dank.

Gibt es denn ein Alter, das Sie gerne erreichen wollen – 80, 90, 100?

In meinem Alter sollte man nicht mehr so locker über solche Wünsche sprechen, denn man weiß ja nicht, was mit dem Erreichen der Zahl einhergeht. Unter normalen Bedingungen würde ich das noch eine gute Weile aushalten, aber wer weiß, wie sich in Zukunft alles entwickeln wird.

PFARRER BRAUN

ERSTE EHEFRAU

Angenommen, Sie wären irgendwann ein wirklich schlimmer Pflegefall: Würden Sie die Erde dann lieber verlassen?

Nicht mal da bin ich mir sicher.

Sie hängen also sehr am Leben ...

Es kann sein, dass es daran liegt, dass man zu sehr am Leben hängt. Es kann aber auch sein, dass man der Menschheit nicht wünscht, dass sie auf einen ihrer Schwersten verzichtet.

Gibt es Pläne, die Sie unbedingt noch verwirklichen möchten?

Ich bin meiner Frau noch einen Opernbesuch in Wien schuldig, und dann bin ich schon mittendrin im Schlamassel.

Mit welchen Schwierigkeiten hätten Sie dabei zu kämpfen?

Da muss man ja erst hinfahren! Von Passau geht es ganz gut, aber es muss alles lange geplant werden. Heute ist es schwer, so eine Reise, die wir früher oft gemacht haben, durchzuführen. Ich brauche überall Barriere-Freiheit – im Hotel und in der Toilette, in der Oper. Das gestaltet sich alles ziemlich mühsam.

Ein Testament haben Sie vermutlich schon lange gemacht, oder?

Ja. Ich finde es wichtig, alles geregelt zu haben, damit es dann keinen Streit gibt.

Manchmal wird ja sogar dazu geraten, bereits mit 50 ein Testament aufzusetzen, damit es nicht zu Verwicklungen kommt.

Also, mit 50 hätte ich noch nicht sagen können, wie viel Geld und andere Dinge zusammenkommen. Das war ein ganz anderer Lebensabschnitt.

Sie werden im nächsten Jahr 70– haben Sie schon einen Geburtstags-Wunsch?

Mein erster Wunsch ist: Ich möchte noch viele Freunde treffen, bevor es zu spät ist.

◼ MAIKE SCHUSTER