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»Ich war immer stinknormal«


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 01.04.2022

PORTRÄT

FRANK ELSTNER wird 80

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 14/2022

Es ist eine seltene Kunst, Spaß und Ernst unter einen Hut zu bringen. Frank Elstner beherrscht sie mit Bravour – und das schon seit fast 60 Jahren. Einer unserer größten Fernsehstars feiert am 19. April 80. Geburtstag. Das Erste widmet ihm eine große Überraschungsshow: „Frank Elstner: Noch eine Frage!“ (siehe TV-Tipp). Zu den Gratulierenden gehören Barbara Schöneberger, Anke Engelke, Günther Jauch und Thomas Gottschalk. Wir sprachen mit dem Showgiganten über seine Kindheit in Theatergarderoben, die wilden Partynächte der 70er, die besten Ideen seines Lebens. Und über einen großen Wunsch.

„Wenn man mich heute fragt: Was ist das Beste an deinen 80 Jahren?, sage ich wie aus der Pistole geschossen: dass ich mich nicht mehr so aufrege. Ich bin ruhiger, gelassener geworden.“ Dabei gibt es kaum jemanden, der vor der Kamera so kontrolliert, korrekt, aufrichtig und fair wirkt ...

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... wie Frank Elstner. Einer, der sich selbst zurücknimmt, damit seine Gäste glänzen. Nie führt er jemanden vor. Und wenn einer bei „Wetten, dass ..?“ Spielregeln im Blick hatte, dann er, als er die Show von 1981 bis 1987 präsentierte. Bis zu 23,42 Millionen schalteten ein. Die Zuschauer lieben seine Art. Doch wie ist der Mensch hinter dem TV-Star?

Timm Elstner – auf diesen Namen tauften ihn seine Eltern bei der Geburt in Linz, so ruft ihn seine Frau Britta, so nennen ihn seine fünf Kinder, so begrüßen ihn langjährige Freunde. Zu Beginn seiner Karriere 1964 bei Radio Luxemburg riet ihm Programmleiter Camillo Felgen zu einem Künstlernamen, denn unter den Sprechern gab es bereits einen namens Tom. Elstner erinnert sich: „‚Timm und Tom, das hört sich an wie Fix und Foxi‘, sagte Camillo. ‚Geht es ein bisschen anders?‘ – ‚Dann eben Frank‘, entgegnete ich. So heißt mein Bruder. Da er einen anderen Vater hat, trägt er auch einen anderen Nachnamen.“

Immer großes Theater

Ob Elstner den „Timm“ in der Rückschau zu leichtfertig hergegeben habe? Nein, so könne er Privates und Berufliches gut trennen. Am Tag der Namensentscheidung war er mit seinen 22 Jahren bereits eine starke Persönlichkeit. Die Kindheit hat ihn geprägt. „Meine Eltern waren Schauspieler und zogen von Engagement zu Engagement. Ich saß in der Garderobe, bis sie abgeschminkt waren“, sagt Elstner. „Ich war ein richtiges Theaterkind, das viel zu spät ins Bett gegangen ist, viel zu viel herumgequasselt hat und viel zu altklug war, da ich wie ein Erwachsener behandelt wurde.“

Die Elstners sind immer unterwegs, am Kriegsende 1945 etwa in der Tschechoslowakei. Als Deutsche werden die Mutter und ihr kleiner Sohn vertrieben, sind über 100 Kilometer auf dem Brünner Todesmarsch Richtung Wien unterwegs, der Vater ist in Gefangenschaft. „Wenn ich jetzt die Mütter sehe, wie sie mit ihren Kindern an der Hand aus der Ukraine f liehen, kommt alles wieder hoch. Erinnerungen an lange Menschenschlangen, Zelte, große Kochtöpfe, tote Pferde am Straßenrand, an meinen Kinderwagen. Damit meine Mutter darin möglichst viele Dinge transportieren konnte, hat sie mich geschleppt. Ich empfinde es in diesen Tagen als ganz besonders schrecklich, dass Kinder so nah den Krieg erleben müssen.“

Nach dem Weltkrieg ist das Geld knapp in der Künstlerfamilie Elstner – ein großes Glück also, dass der achtjährige Timm für die Rolle des „Bambi“ in einem SWF-Hörspiel engagiert wird. „Für eine Gage von 40 D-Mark. Das war damals wahnsinnig viel“, erinnert sich Elstner. Medien interessieren ihn früh. Über eine Empfehlung landet er bei Radio Luxemburg. „Da wurde viel gearbeitet, und abends, wenn die Sendungen fertig waren, haben wir in der Kneipe getanzt und durchgemacht.“ Ein Leben mit oft nur drei Stunden Schlaf und ebenso vielen Schachteln Marlboro. Mit Anfang 30, als er es zum Direktor der angesagten Radiostation gebracht hat, bricht er zusammen. Und ändert sein Leben: joggt, verzichtet seitdem auf Zigaretten und Fleisch.

Doch ganz ohne Stress – das klappt nicht. Dafür hat er zu viele Jobangebote, wechselt ins TV, präsentiert „Spiel ohne Grenzen“ und „Die Montagsmaler“. Rastlos bleibt er, immer angetrieben von seinen Ideen. Die bisher größte: „Wetten, dass ..?“ 1981. Aber auch die ist hart erarbeitet. „Ich war immer f leißig“, bekennt er. Das ZDF lockt ihn: Wenn du eine gute Idee hast, bekommst du eine Samstagabendshow. „Drei Jahre dauerte der Prozess. Ich bin durch Amerika gereist, habe mir alles angeschaut, was in anderen Ländern lief. Bis ich mich fragte, warum im Fernsehen nicht gewettet wird.“ Seine Antwort wird Europas erfolgreichste Show, die er von 1981 bis 1987 moderiert. „Die Zeit hat mein Leben total verändert. Seitdem kennt man mich überall“, sagt er. „Ich habe nie abgehoben. Ich war immer stinknormal.“ Vielleicht gelingt es ihm deshalb, die Phase nach den Erfolgen gut zu überstehen, als er mit „Nase vorn“ oder auch dem Quiz „Jeopardy!“ böse Kritiken erntet.

Im Jahr 2016 dann ein tiefer Schnitt: Frank Elstner erfährt, dass er Parkinson hat. Seit drei Jahren spricht er öffentlich darüber – um anderen Mut zu machen. Wie so oft in seinem Leben. Ein Mann mit Energie, Gefühl, Cleverness, Menschlichkeit. Und Courage: 2019 wagt er noch mal etwas ganz Neues: den YouTube-Talk „Wetten, das war’s ..?“. Und wird prompt dafür ausgezeichnet. Wie blickt der Grandseigneur der Unterhaltung seinem 80. Geburtstag entgegen? „Die Zahl macht nachdenklich. Wenn man das berühmte Metermaß vor sich hinlegt und bei 80 eingreift, stellt man fest, dass das Leben bald vorbei sein kann. Ich hoffe, ich habe noch ein bisschen Zeit. Aber das weiß man nie.“

MIRJA HALBIG