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„Ich weiß, dass ich mehr draufhabe als 7,30 Meter“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 37/2022 vom 14.09.2022

SPORT BILD-AWARD 2022

STAR DES JAHRES

Artikelbild für den Artikel "„Ich weiß, dass ich mehr draufhabe als 7,30 Meter“" aus der Ausgabe 37/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 37/2022

Mit Deutschland-Fahne und Sieger-Plakette in der Hand jubelt Malaika Mihambo bei der WM in Eugene (USA)

Viertes Gold in Folge

Wenn der Druck steigt, ist Malaika Mihambo stets am besten! Bei der Leichtathletik-WM in Eugene (USA) stand die Weitspringerin beim dritten Versuch kurz vor dem Aus. Nach zwei ungültigen Sprüngen musste sie weiter als 6,62 Meter kommen, um im Wettbewerb zu bleiben. Es klappte: 6,98 Meter! Dann legte Mihambo erst richtig los: Erst holte sie sich mit 7,09 Meter die Führung und zum Abschluss, als ihr WM-Triumph bereits feststand, legte sie noch 7,12 Meter nach. Es war der vierte große Titel in Folge – nach dem EM-Titel 2018, dem WM-Gold 2019 und dem Olympiasieg 2021. Für diese unglaubliche Konstanz wurde Mihambo von SPORT BILD mit dem Award als „Star des Jahres“ ausgezeichnet. Zur Verleihung in Hamburg flog sie von München ein, wo sich die Weitspringerin trotz Nachwirkungen einer Corona-Infektion wenige Tage zuvor EM-Silber gesichert hatte. ...

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... SPORT BILD sagt: Herzlichen Glückwunsch zu einem absolut verdienten Award!

Vielen Dank an unsere Award-Sponsoren!

SPORT BILD: Frau Mihambo, herzlichen Glückwunsch zum SPORT BILD-Award als „Star des Jahres“. Sie haben als Weitspringerin alle großen Titel gewonnen, aber ist Ihnen bereits der perfekte Sprung gelungen?

MALAIKA MIHAMBO (28): Nein, den hatte ich noch nicht. Aber sehr gute waren schon dabei – wie die 7,30 Meter bei der WM 2019 in Doha. Auch der letzte Sprung bei der diesjährigen WM in Eugene war sehr weit, nur leider habe ich eine schlechte Landung gemacht und viel verschenkt. Ich war überrascht, dass der nur 7,12 Meter weit war.

Also sind Heike Drechslers deutscher Rekord von 7,48 Metern und der Weltrekord von Galina Chistyakova mit 7,52 Metern noch Ziele?

Ich möchte mich auf jeden Fall weiter verbessern, um mein Potenzial auszuschöpfen. Es reizt mich zu schauen, wie ich mich noch weiterentwickeln kann. Das ist mein Antrieb. Rekorde sind dabei immer spannend. Ich weiß, dass ich definitiv noch mehr draufhabe als meine bisherige Bestleistung von 7,30 Metern. Ich freue mich drauf, das noch zu zeigen, wenn ich verletzungsfrei durchtrainieren kann.

Wie oft kommt Ihr Trainer Ulli Knapp mit biomechanischen Werten zu Ihnen, um zu zeigen, was noch alles in Ihnen steckt?

Eigentlich nach jedem Wettkampf (lacht). Er schaut sich die besten Sprünge bestimmt zehn-, 20-, 30-mal an und wertet sie aus. Wenn er dann sagt: „Da bist du so schnell angelaufen wie noch nie!“, spornt mich das natürlich an.

Durch Meditation kommen Sie in Wettkämpfen in den Fokus, wenn der Druck steigt – oft mit Erfolg. Wann hat es wirklich klick gemacht?

2018 war sicher ein Schlüsselmoment. Das war auch der Punkt, an dem ich angefangen

„Rekorde sind immer spannend. Den perfekten Sprung hatte ich noch nicht“

hatte, regelmäßig zu meditieren. Ich fing mit fünf Minuten täglich an und steigerte mich kontinuierlich hoch bis auf eine Stunde – komplett still sitzen, atmen, in den Gedanken frei sein. Einmal pro Jahr mache ich einen Meditationskurs. Die gehen zwischen zwei und zehn intensiven Tagen.

Wo half die Meditation besonders?

In brenzligen Situationen wie in Doha 2019 oder bei Olympia 2021. Da musste ich unter Druck liefern. Die Meditation lebt aber von der Übung und der Zeit, die ich über die Jahre investiert habe. Einmal kurz im Leben meditieren reicht natürlich nicht, damit es dann im Wettkampf klappt.

Gab es auch Momente, wo Ihnen alles nicht half und Sie zu nervös waren?

Nachdem ich genug über Meditation gelernt hatte, hat es mir tatsächlich immer geholfen. Da sprechen die Erfolge seit 2018 ja für sich. Ich konnte alle Situationen meistern. Das waren zum Beispiel Selbstzweifel, oder bei der Heim-EM 2018 war die Aufmerksamkeit der Menge noch so ungewohnt für mich. Das war mir fast zu viel. Ich konnte kaum damit umgehen.

Nach dem EM-Silber in München brachen Sie zusammen. Was war genau passiert?

Man las von einem Kreislaufkollaps, aber tatsächlich hatte ich Atemnot im Zusammenhang mit meiner Corona-Infektion. Nach dem Wettkampf merkte ich meine Lunge für einige Zeit deutlich stärker. Der Körper musste sich erholen, nachdem ich über meine Grenzen gegangen bin. Die EM war sicher einer meiner anstrengendsten Wettkämpfe überhaupt für mich.

Wie gehen Sie an die nächsten Jahre Ihrer Karriere heran?

Bis Olympia 2024 in Paris mache ich sicher noch weiter. Ich glaube auch nicht, dass das mein letzter Wettkampf sein wird. Meine Zukunft ist von vielen Faktoren abhängig. Einer davon ist die Familienplanung, die ich mir persönlich in Kombination mit dem Leistungssport nicht vorstellen kann. Mir ist auch wichtig, Spaß zu haben und dem Ganzen körperlich gewachsen zu sein. Vielleicht entscheidet am Ende der Körper darüber, wann es vorbei ist.

Gibt es noch Pläne bezüglich einer Zusammenarbeit mit Legende Carl Lewis in den USA, wie 2020 angedacht?

Nein, ich möchte in Deutschland bleiben und nicht mehr zu Lewis in die USA gehen, weil ich in Ulli Knapp einen Trainer gefunden habe, dem ich vertrauen kann. Es fühlt sich zwischenmenschlich gut und richtig an. Es ist ein herzliches Verhältnis. Bei ihm stehe ich immer als Mensch im Vordergrund und nicht nur als Athletin. Das möchte ich nicht gegen etwas eintauschen, was ich nicht abschätzen kann.

Sie musizieren gern mit Ihrem Trainer. Was spielen Sie dann?

Auf der Gitarre spielen wir Klassiker aus allen Jahrzehnten. Mit dem Klavier improvisieren wir oft auch einfach. Ulli hat Lehramt mit dem Schwerpunkt Musik studiert, neben Sport. Daher ist er da viel versierter als ich. Es macht Spaß, sich gegenseitig zuzuhören und ins Träumen zu kommen. Wir fanden sogar in den Trainingslagern Zeit dafür. Beim WM-Vorbereitungscamp in Santa Barbara gab es sogar einen Flügel, und im Physioraum am WM-Ort Eugene ein Klavier. Ulli singt auch gern. Da war immer gute Stimmung.

Bei welchen Komponisten bekommen Sie Gänsehaut?

Die Klassik reizt mich am meisten, und dort besonders die Romantik: Chopin, Debussy.

Jetzt geht eine erfolgreiche Saison mit WM-Gold und EM-Silber zu Ende. Wie belohnen Sie sich nach der Saison?

Mein Urlaub ist für mich Belohnung genug, weil ich dort die Chance habe rauszugehen, etwas von der Welt zu sehen und abzuschalten. Fünf Wochen lang geht es überhaupt nicht um Sport. Das brauche ich auch.

Sie sind bekannt für Ihre Urlaube an entlegenen Orten, um Energie nach der Saison zu sammeln. Was war bisher der beeindruckendste Ort, den Sie besucht haben?

Bei Wettkämpfen sieht man ja nichts von den Städten. Mir fällt als Erstes Jaisalmer in Rajasthan in Indien ein. Ein sehr magischer Ort in der Wüste. Die Goldene Stadt.

Stichwort Wüste: Die Fußball-WM in Katar findet im Winter in runtergekühlten Stadien statt. Sie wurden 2019 in Doha in einem der WM-Stadien Weltmeisterin. Was löst dieses Event bei Ihnen als umweltbewusstem Mensch aus?

Das ist schwierig. Manche sind der Auffassung, dass es nicht so schlimm sei, die Stadien runterzukühlen, weil so viel Solarenergie erzeugt wird. Das können andere Experten besser beurteilen. Aber natürlich ist es irgendwo wahnwitzig, die WM dort zu veranstalten. Wir müssen uns als Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, son- dern in der ganzen Welt, damit beschäftigen, wie wir besser mit unserem Planeten umgehen. Wie wir nachhaltiger und natürlicher leben. Das gilt für Sportgroßveranstaltungen genauso wie für Industrie und Wirtschaft – und auch das alltägliche Leben.

Wie kann der Sport mithelfen?

„Eine WM in Katar zu veranstalten ist irgendwo wahnwitzig“

Zum einen sollte der Sport seine ökologischen Auswirkungen verringern, aber das Wichtigste, was der Sport bewirken kann, ist, ein Bewusstsein zu schaffen, ein Sprachrohr für Menschen zu sein, die sich für mehr Nachhaltigkeit und eine soziale, klimagerechte Zukunft einsetzen.

Es wird viel über Olympische Spiele in Deutschland diskutiert – vielleicht 2036. Ihre Karriere ist dann sicher schon vorbei. Aber was würde Ihnen, selbst als Zuschauerin, Heim-Olympia bedeuten?

Ich finde grundsätzlich, dass Olympische Spiele in Deutschland sehr schön wären. Für mich lebt Olympia immer sehr von den Werten, für die die Spiele stehen. Das sollte im Fokus stehen. Wir sollten nicht

Olympia haben wollen, nur damit wir mal wieder die Spiele in Deutschland haben. Sondern wir müssen diese Chance nutzen, um das Ereignis mit Leben zu füllen und Werte zu vermitteln. Das sind für mich Toleranz und Fairplay, das Voneinander-Lernen. Wenn wir diese Werte in den Mittelpunkt stellen, würde ich mich sehr über Olympia in Deutschland freuen.

Zurzeit des Corona-Lockdowns nahmen Sie Sportvideos für Kinder mit Bewegungstipps auf. Gibt es bis heute Rückmeldungen darauf?

Ich bekomme immer wieder mal Feedback von Kindern oder Eltern. Es ist schön zu sehen, wie da die Augen glänzen. Für viele war es ein Lichtblick in der Corona-Zeit. Das freut mich natürlich.

„Ich möchte nicht mehr zu Carl Lewis in die USA. Ulli Knapp kann ich als Trainer vertrauen“

Wie geht es weiter?

Wir müssen die Weichen für die Zukunft stellen. Da liegt es mir am Herzen, mit meinem Verein „Malaikas Herzsprung“ (Förderverein für Kinder und Jugendliche; d. Red.) sozial benachteiligten Kindern durch finanzielle Hilfe zu ermöglichen, am Vereinssport teilzunehmen. Das geht ab Herbst dann hoffentlich so richtig los. Ich möchte die Kinder zurück in die Leichtathletikvereine bringen. Durch die Inflation, die Energie- und die Corona-Krise stehen viele Familien finanziell geschwächt da. Da möchte ich nicht, dass es am Geld scheitert. Sport kann den Kindern, auch gerade in so schwierigen Zeiten, viel geben.

Haben Sie Vorstellungen, wie Ihr Leben nach dem Sport aussehen könnte?

Es ist noch weit weg, daher eher schemenhaft. Ich möchte auf jeden Fall mein Studium der Umweltwissenschaften beenden und dann schauen, wo es mich hintreibt. Dem Sport werde ich vom Herzen her verbunden bleiben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich als Trainerin oder in anderen Rollen im Sport aktiv bleibe.

Was werden Sie nach dem Karriereende am wenigsten vermissen?

Auf jeden Fall die richtig harten Tempoläufe, bei denen schon 24 Stunden vorher die Angst in mir hochsteigt. Die werde ich später nicht mehr als Hobbysportlerin machen.

Welcher Sport abseits der Leichtathletik bereitet Ihnen Freude?

Vor dieser Saison haben wir ein Wintertrainingslager mit Skilanglauf und Schneeschuhwandern absolviert. Das war eine schöne Abwechslung. Ansonsten mag ich Wandern. Aber es bleibt neben der Leichtathletik keine Zeit für Hobby-Sport. Da werde ich schauen müssen, was nach der Karriere mein Sportlerherz höher schlagen lassen wird.