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„Ich will einfach nur leben – und Mama sein“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 35/2018 vom 24.08.2018

Mein Kind soll nicht ohne mich aufwachsen – dieser Gedanke trägt Caroline durch schlimmste Zeiten. Die junge Mutter übersteht Leukämie, Entzündungen im ganzen Körper, Lungenversagen. Und ist sich sicher, dass sie es ohne ihre kleine Tochter Leonie nicht geschafft hätte


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 35/2018

Noch im Frühling 2012 schien alles perfekt im Leben von Caroline Groß (heute 26) aus Neunkirchen im Saarland. „Ich war gerade Mama geworden. Unsere Leonie war sieben Monate alt – Geburt und die ersten Monate liefen superunkompliziert“, sagt Caroline. Freund Oliver (heute 36) macht sich gerade mit einem Kunststoffhandel selbstständig, will ...

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... beruflich durchstarten. Beide teilen die Leidenschaft fürs Reiten, genießen die gemeinsame Zeit in der Natur. „Wir waren so glücklich“, erzählt Caroline, „aber dann kam alles anders.“

Die damals 20-Jährige ist ständig müde. „Alle haben gesagt: ‚Ein Baby ist halt anstrengend‘“, sagt Caroline, „aber ich hatte ein total ungutes Gefühl.“ Im Mai geht sie zu zwei verschiedenen Ärzten, der eine findet nichts. Der zweite stellt noch am selben Tag die erschreckende Diagnose: „Sie haben Leukämie.“

Voller Angst und Hoffnungslosigkeit sitzt sie dem Arzt gegenüber. „Das war wie ein harter Schlag ins Gesicht – ich konnte nichts mehr sagen“, so Caroline, „habe nur noch an Leonie gedacht, die vielleicht ohne ihre Mama aufwachsen muss.“ Ihr Oliver nimmt sie in den Arm, macht ihr noch in der Praxis einen Heiratsantrag. Sie schüttelt nur den Kopf.

Bereits am nächsten Tag kommt sie in die Caritasklinik in Saarbrücken. Es folgen Bestrahlung und Chemotherapie – wochenlang in völliger Isolation. „Niemand durfte mich berühren, sogar Oliver durfte nur mit Handschuhen, Mundschutz und sterilem Kittel an mein Krankenbett“, sagt Caroline. Ihre größte Angst: „Ich darf Leonie nicht mehr sehen!“

Kleinkinder sind wegen der Infektionsgefahr nämlich auf Station verboten. „Das sind Virenbomben, außerdem sollen Kinder von der Chemo ferngehalten werden“, erklärt Professor Dr. Axel Matzdorff, der behandelnder Chefarzt von Caroline war. „Aber wir haben schnell erkannt, dass dieses Baby für seine Mama unverzichtbar ist.“ Die Ärzte lassen Leonie zu ihrer Mama. „Eine positive Einstellung des Patienten ist die Hälfte des Heilungsprozesses. Ohne die geht’s nicht“, so Dr. Matzdorff.

Erst nach rund sechs Wochen kommt Caroline aus der Isolation, darf ihr Töchterchen wieder das erste Mal an sich drücken. „Der Geruch meiner Tochter war einmalig schön“, erinnert sie sich, „ich habe sie mit Küssen übersät, wollte sie nie wieder loslassen.“

Kuscheln nur mit Mundschutz: Leonies Fröhlichkeit gibt Caroline in der Klinik Lebensmut


Krebs! Koma! Aber ihr kleines Mädchen gab Caroline (26) die Kraft zu kämpfen


An einem chemofreien Tag heiraten Caroline und Oliver (l.). Heute schwelgen sie gern in Erinnerungen an ihre Hochzeit (o.)


Ein Happy End ist aber noch lange nicht in Sicht. Caroline hat weiter höllische Schmerzen. Ihr ganzer Körper ist von der Behandlung geschwächt. Sie bekommt eine Darmlähmung, Entzündungen in Hüfte, Bauchspeicheldrüse, Mundund Rachenbereich – muss künstlich ernährt werden. Zu all dem hat sie eine Lungenentzündung, die zu einem Lungenversagen führt, und wird ins künstliche Koma gelegt. Danach fällt die Lunge zusammen, fünf Minuten lang steht der Atem still. Dann gelingt es den Ärzten, sie wiederzubeleben. Ihre Chancen stehen nicht gut. Doch sobald Caroline wieder bei Bewusstsein ist, wird ihr klar: „Sterben ist keine Option. Ich habe eine Tochter. Ich darf diesen Kampf nicht verlieren!“ Die Kleine ist es auch, die ihr die Kraft gibt, nicht aufzugeben. „Ihre ersten Schritte hat Leonie im Flur der Onkologie auf ihre Mama zugemacht“, erinnert sich Mann Oliver, „Caroline war so erfüllt von Mutterglück, konnte in diesen Momenten die Schmerzen vergessen.“ In der Onkologie spricht Leonie auch ihre ersten Worte, feiert ihren ersten Geburtstag. „Das gab mir wirklich den Lebensmut zurück“, sagt Caroline, „ich habe mir selbst versprochen: ‚Meine Kleine wird nicht ohne mich eingeschult!“

Die große Kraft der Liebe zwischen Mutter und Kind beobachtet auch Carolines Arzt Dr. Matzdorff: „Frau Groß hatte sehr schwere Komplikationen, fast unerträgliche Schmerzen. Aber die Stimmung in diesem Krankenzimmer war so positiv. Das sorglose Plappern von Leonie hat den Raum mit heimeliger Liebe erfüllt.“

Auch die Beziehung zu Oliver wird immer enger. Sie gehören zusammen, alle drei. An einem chemofreien Tag heiratet Caroline ihren Oliver standesamtlich, in einem roséfarbenen Kleid im engsten Familienkreis. Doch der Kampf geht weiter.

„Immer wieder hat sich meine Hüfte entzündet“, sagt Caroline. Im Oktober 2013 ist die Hüfte nicht mehr zu retten. Mit 21 Jahren bekommt sie ein künstliches Gelenk.

Im Mai 2014, nach zweijährigem Kampf, ist der Krebs besiegt. „Heute bin ich seit vier Jahren ohne Chemotherapie“, lächelt Caroline, „und das Schönste: Anfang August wurde Leonie eingeschult und ich war dabei!“

Die Hüfte wird ihr ein Leben lang zu schaffen machen. „Ich könnte darüber verbittert sein – aber das ist alles egal“, sagt Caroline. „Hauptsache ich lebe und kann Mama sein.“

Und an guten Tagen kann Caroline sogar wieder mit ihrem Hannoveraner „ Wepfster“ (20) ausreiten. Aktuell holt sie ihr Abitur nach: „Am liebsten würde ich danach Medizin studieren“, sagt Caroline, „um anderen Menschen das zu schenken, was mir so viele Ärzte und Schwestern gegeben haben: Hilfe und Hoffnung, in einer sehr schweren Zeit.“


Eigentlich dürfen Babys nicht auf die Station. Aber auch die Ärzte spüren, dass die Mutter ihr Kind braucht


Wieder eine glückliche Familie: Tochter Leonie liebt Tiere genauso wie ihre Eltern, darf schon auf „Wepfster“ reiten


Fotos: Günter E. Bergmann im Auftrag von Photoproduction Hanselmann (3), privat (2)

MIT SPENDEN HELFEN

Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung fördert mit Spendengeldern Forschungsprojekte, die Behandlungsmöglichkeiten bei Blutkrebs verbessern wollen. Außerdem steht der seelische Beistand für Patienten im Vordergrund. Caroline sagt: „Mir haben Geschichten anderer Patienten Mut gemacht, von denen ich nur durch die Carreras-Stiftung erfahren habe.“

Wer spenden möchte:
Deutsche José Carreras
Leukämie-Stiftung
Commerzbank AG München
IBAN: DE96 7008 0000 0319 9666 01 Online-Spenden:
https://spenden.carreras-stiftung.de

Tickets für die große Gala am 12. Dezember in München: www.muenchenticket.de