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„Ich würde nur Platz 1 sofort unterschreeiben“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 41/2021 vom 13.10.2021

BUNDESLIGA

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Das neue Profi-Camp von Eintracht Frankfurt. Im Konferenzraum „Benfica Lissabon“ nahm sich Trainer Oliver Glasner (47) über eine Stunde Zeit für das erste Fazit beim neuen Klub.

SPORT BILD: Herr Glasner, Eintracht steht nach dem 2:1-Sieg in München auf Tabellen-Rang 13. Welchen Platz am Saisonende würden Sie jetzt sofort unterschreiben?

OLIVER GLASNER: Eins (lacht)!

Mutig!

Ich kann doch jetzt nicht Platz neun unterschreiben, schließlich will ich mich nicht beschränken. Ich weiß, ich wurde ein bisschen belächelt, als ich vor dem München-Spiel gesagt habe: „Wir fahren da hin, um zu gewinnen.“ Aber das ist meine Einstellung. Natürlich ist die Meisterschaft unrealistisch, und ich würde auch einen europäischen Startplatz unterschreiben. Aber ich kann und will nicht von vornherein sagen: „Mit dem oder dem geb ich mich zufrieden.“ Du kannst immer nur das erreichen, was ...

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... du dir auch zutraust.

Sie sind jetzt gut hundert Tage bei Eintracht. Welche zwei, drei Dinge funktionieren schon top?

Top? Die Physis ist top, sonst ist noch nichts perfekt.

Das klingt sehr kritisch.

Vielleicht, aber wir sind selbstkritisch und beschönigen nichts. Aber dass wir körperlich so gut drauf sind, ist schon mal sehr wichtig, denn wir definieren uns über eine aktive, intensive und dynamische Spielweise. Gerade in der frühen Phase der Saison ist das nicht selbstverständlich. Doch es zeigt, dass die Basis hier gut war und dass die Spieler super mitziehen.

Wo hat Ihre Mannschaft den größten Verbesserungsbedarf?

Wir sind überall auf dem Weg. In der Defensiv-Organisation haben wir zum Beispiel einen Schritt nach vorne gemacht, obwohl wir von dem, was ich im Kopf habe, noch ein großes Stück weg sind. Den größten Hebel müssen wir in der Offensive ansetzen. Momentan schlagen wir zu wenig Profit aus unseren Ballgewinnen. Das Spiel im A ngriffsdrittel ist das, wo wir am meisten Potenzial haben. Aber das wissen wir alle.

Warum hakt es da noch?

Es ist wie überall, wo du besser werden willst: Du musst es üben! Zu mir hat ein Trainer mal gesagt: „Wenn du im Tennis besser werden willst, musst du Tennis spielen. Wenn du eine Sprache lernen willst, musst du sie sprechen.“ Um in dem Bild zu bleiben: In hun-dert Tagen können die Spieler, die aus dem Ausland kommen, natürlich nicht perfekt Deutsch.

Ihr Kollege Christian Streich hat in Freiburg die Spieler miteinander tanzen lassen, um zu lernen, wie sie miteinander spielen können. Kann so etwas helfen?

Das Problem bei uns ist: Wir kennen uns noch sehr wenig, haben kaum zehn richtige Trainingseinheiten zu- sammen gehabt. Um das Tanzbeispiel aufzugreifen: Wie willst du deinen Tanzpartner kennen, wenn du bisher nur wenig mit ihm getanzt hast? Dann ist es klar, dass du ihm mal auf die Füe treten wirst. Wir sind in eiem Findungsprozess, und der braucht Zeit. Auch mein Trainerkollege Mauricio Pochettino (Trainer bei Paris St-Germain; d. Red.) sagt über Lionel Messi, dass er sich nach 20 Jahren Barcelona erst mal an PSG gewöhnen muss. Und da sprechen wir über den Besten der Welt. Manche wollen es oft nicht wahrhaben und glauben, wenn wir neue Spieler holen, dann drücken wir hinten auf „on“, und dann läuft der Spieler wie ein Duracell-Häschen. So einfach ist es eben nicht.

★★★★ DAS 1. ZEUGNIS FÜR ALLE KLUBS

Welche Schulnote geben Sie Ihrer Mannschaft bisher?

Ich würde unserer Gesamt-Performance eine 3 bis 4 geben und bei der Einstellung allen eine 1 geben. Weil sie wirklich super mitziehen.

Das gilt auch für Filip Kostic, der sich noch im August zu Lazio Rom streiken wollte? Sind Sie überrascht, dass er wieder Top-Leistung bringt?

Überhaupt nicht! Ich habe Filip die ganze Vorbereitung erlebt, war permanent im Austausch mit ihm. Als er an dem Tag vor dem Bielefeld-Spiel bei mir im Büro saß und seine Beweggründe geschildert hat, habe ich gesehen, dass er sich nicht ganz wohlfühlt in dem, was er sagt. Natürlich wollte er weg, und er selbst hat die Entscheidung getroffen, nicht zum Abschlusstraining zu kommen. Aber ich habe trotzdem schon im Gespräch gespürt, dass ihm die ganze Situation unangenehm ist. Deshalb war ich mir sicher, als klar war, er bleibt hier, dass er sich zu hundert Prozent wieder hier reinhaut.

Sie haben ihn gleich im nächsten Spiel nach dem Streik, gegen Stuttgart, wieder in den Kader genommen. Es gab Stimmen im Verein, die wollten, dass er auf der Tribüne sitzt.

Ich mache keinen Aktionismus! Wenn es fürs Mannschaftsklima wichtig gewesen wäre, ihn draußen zu lassen, hätte ich es gemacht. Aber ich mache es nicht, nur weil irgendjemand das sehen möchte oder weil erwartet wird, dass er eine Abreibung bekommt. So ist das bei all meinen Entscheidungen: Ich treffe sie aus innerer Überzeugung.

„Ich hätte Kostic nicht draußen gelassen, nur weil das jemand sehen möchte“

Kostic hat gegen Stuttgart getroffen und ist so wieder im Kreis der Mannschaft angekommen, oder?

Nein, er war schon vorher wieder mittendrin. Vor seinem ersten Training nach der Aktion habe ich ihm gesagt: „Filip, ich möchte, dass du der Mannschaft noch mal deine Sicht der Dinge mitteilst.“ Das hat er gemacht, das hat dann 40 Sekunden gedauert. So ist er halt. Und am Ende sagte er noch: „Sorry!“ Da haben alle applaudiert, ihn umarmt, und ich wusste: Diese 40 Sekunden haben gereicht. Sie kennen ihn so, sie akzeptieren ihn so, und sie mögen ihn so.

Außerdem brauchen Sie ihn.

Das hat keine Rolle gespielt. Wenn wir gesagt hätten: „Okay, wir brauchen ihn zwar, aber eigentlich ist er ein Idiot, und wir wären froh, wenn er weg ist“, wäre das was anderes. Aber ich habe von Anfang an klare Signale aus der Mannschaft bekommen, dass die Tür für ihn offen ist. Und es geht ausschließlich um den Erfolg der Eintracht.