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Ichika Nito


Gitarre & Bass - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 20.08.2021

Sungha Jung, Abigail Zachko, Tim Henson, Taj Farrant, Tina S.: Die Liste außergewöhnlicher Gitarrentalente scheint endlos. Via YouTube verbreitet sich ihr Können innerhalb kürzester Zeit viral. Das „next big thing“ kommt derzeit aus Japan, ist 26 Jahre alt, lebt in Tokyo und bringt mit faszinierender Spieltechnik bereits ein Millionenpublikum zum Staunen.

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Bildquelle: Gitarre & Bass, Ausgabe 9/2021

Ichika Nito, geboren in Osaka, hat inzwischen reichlich zu tun, denn seine Fans erwarten mit Spannung jedes neue YouTube-Video.Rund 250 Clips hat er inzwischen auf seinem Kanal. Mit sagenhaften 1,5 Millionen Abonnenten.

In Ichika Nitos Channel findet man faszinierende Instrumentalstücke, mal im Hybrid-, mal im Fingerstyle gespielt. Er verwebt Two-Hand-Tappings,Pull-Offs und Hammer-Ons zu fließenden Melodie- und Akkordfolgen und harmonisch hochkomplexen Instrumentals.

Oder er demonstriert – typisch japanisch – akkurat ausgearbeitet und gestaffelt „10 ...

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... levels of fingerstyle guitar“. Hinterher gleich „10 levels of electric guitar“. Er präsentiert Vergleichstests von der 1-Dollar-Minigitarre bis zu 7-, 9- und 14- saitigen Boutique-Instrumenten. Ichika Nito spielt alles, was ihm unter die Finger kommt, mitunter auch Harfen. Und augenzwinkernd rät er seinen Followern, was man spielen sollte, wenn einem die neue Band nur 40 Sekunden für die Audition gibt oder was man draufhaben sollte, wenn Mama wissen will, ob sich der Gitarrenunterricht auch lohnt. Natürlich wagt er sich auch an das „verbotene Riff“. Es gibt nichts was der Mittzwanziger nicht auf seine ganz eigene Art und Weise interpretiert.

Nicht nur von seinen Followern bekommt er für seine faszinierende Performance Applaus. Auch von gestandenen Profis wie Marty Friedman, einst vom legendären kalifornischen Gitarrenproduzenten Mike Varney entdeckt und auf seinem Shredding-Label Shrapnel Records (mit anderen Hochge- schwindigkeitsfanatikern wie Paul Gilbert, Jason Becker, Gary Hoey, Richie Kotzen, Tony MacAlpine und anderen) unter Vertrag genommen. Das war in den Neunzigerjahren, wohlgemerkt. Ohne Internet. Heute geht alles um einiges direkter. Schneller. Und die Welt schaut staunend zu.Friedman jedenfalls attestiert Ichika Nito einer der wichtigsten Köpfe dieser „online guitar revolution“ zu sein. Willkommen also in der wunderbaren Welt des Ichika Nito, der über seine Einflüsse aus Jazz und Rock berichtet, über seine komplexe Spieltechnik, seine Ziele, seine Ibanez-ICHI10-Signature-Gitarre und einem Gitarrenidol, das man kaum vermuten würde.

Ichika, deine Großmutter hat Piano-Jazz gespielt und damit schon im Alter von fünf Jahren dein Interesse an der Musik geweckt. Ist das die Basis deiner komplexen Musikalität?

Ja, das Klavier ist die Wurzel meiner Musik. Ich erinnere mich noch genau, was für einen großen Effekt es hatte, als ich das erste Mal Bill Evans spielen hörte.

Ein paar Jahre später hast du dann Iron Maiden und Heavy Metal für dich entdeckt und hast angefangen Bass zu lernen. Erzähl mal.

Ich lernte zunächst Bass spielen, weil mein Vater Heavy Metal und Hard Rock mochte und selbst Gitarrist und Bassist ist. Ich fing mit Bass an, weil ich glaubte, dass er einfacher zu lernen sei, weil er im Vergleich zur Gitarre weniger Saiten hat.

Mit 15 bist du dann zur Gitarre gewechselt. Was hat dich daran gereizt?

Ich begann Gitarre zu lernen, weil ich einen größeren Tonumfang und mehr Akkordmöglichkeiten haben wollte, was dir der Bass einfach nicht bietet. Da reizten mich die tonalen Variationsmöglichkeiten einer Gitarre mehr. Ich habe mir übrigens Bass und Gitarre selbst beigebracht.

Welche Lernmethoden hast benutzt?

Ich schaute mir Performances von Gitarristen und Pianisten auf YouTube an, begann deren Songs nach meinem eigenen Verständnis nachzuspielen und zu arrangieren. Anschließend nahm ich dann meine Versionen auf und hörte sie an, um danach weiter zu üben. Manchmal habe ich aber auch Lehrbücher verwendet.

Du hast inzwischen eine erstaunliche, zweihändige Spieltechnik entwickelt.Wie bist du dazu gekommen? Hast du Wegbereiter dieser Techniken wie Andy McKee, Erik Mongrain oder Jon Gomm studiert?

Als ich zum ersten Mal Tosin Abasi von Animals As Leaders sah, begann ich diese Techniken zu lernen. Aber ich denke auch Eddie Van Halen hat mich sehr beeinflusst.

Du übst wann immer es geht mit Metronom. Dein Spiel ist sehr präzise, akkurat und diszipliniert. Das sind typisch japanische Eigenschaften, oder?

Ich weiß natürlich nicht, ob alle Japaner so sind wie ich. Aber ich bin schon recht fleißig. Also irgendwie trifft das schon zu.

Du hast mal in einem Interview über Emotionen und das Potential von Gitarrenmusik gesprochen. Mit ihren endlosen Möglichkeiten gäbe es Musik, die du momentan noch nicht im Kopf hast, aber eines Tages erschaffen möchtest. Das sei der eigentliche Grund, warum du Gitarre spielst. Erklär das mal genauer, bitte.

Die Gitarre bietet dir auf jeder Saite zwei Oktaven.Außerdem kannst du mit Flageolets weitere Noten hinzufügen. Es gibt also eine Menge Möglichkeiten, was du aus einer Gitarre rausholen kannst. Aber viel wichtiger ist, dass schon in einer einzigen Note viel stecken kann. Zum Beispiel mit welchem Sound du sie spielst. Wie hart du die Saite anschlägst. Das Vibrato. Was für ein Plek du benutzt. Und noch viel mehr. Musik ist ein komplexes Labyrinth aus einzelnen Noten, das von all diesen Faktoren bestimmt wird. Es gibt endlose Möglichkeiten, aus denen du wählen kannst. Ich schaffe meine Musik, indem ich Elemente aus all diesen unendl ichen Optionen auswähle. Ich denke, diese Auswahl ist etwas sehr Wertvolles. Und diesen Prozess immer wieder ganz vorsichtig aufs Neue zu wiederholen gibt meiner Musik Bedeutung. Ich bin sehr gespannt, Musik zu entdecken, die ich heute noch nicht kenne, aber in Zukunft erschaffen werde.

Wie arbeitest du gewöhnlich?

Das schließt direkt an die vorhergehende Antwort an. Ich probiere eine Menge Methoden zu diesen unendlichen Möglichkeiten aus, um Musik zu entdecken, die ich bisher noch nicht gespielt habe.Wenn ich zum Beispiel etwas Feinfühliges spielen will, suche ich einen Sound, der zunächst meine Gefühle anspricht und erarbeite dann auf dieser Grundlage einen Song. Ein anderer Weg wäre, mit einem vagen musikalischen Konzept zu beginnen. Wenn ich eher logisch arbeite, beginne ich eine Melodie zu suchen, dann Akkorde und Rhythmus, um anschließend alles miteinander zu verbinden.

Hast du Ziele, die du mit deiner Musik erreichen willst?

Ich möchte ein Gitarrist sein, den die Leute sofort erkennen. Eddie Van Halen ist mein Held. Er hat unzählige Gitarristen beeinflusst.Heute erkennst du ihn in so vielen Gitarristen wieder, selbst nach seinem Tod. Ich bewundere Musiker wie ihn, deren Seele und Spiel andere Musiker aller Altersklassen begeistern.

"Musik ist ein komplexes Labyrinth aus einzelnen Noten.Es gibt endlose Möglichkeiten, aus denen du wählen kannst."

Du hast gerade von Ibanez dein eigenes Signature-Modell ICHI10 bekommen, das auf der Headless-Q-Serie basiert. Welche Features sind dir wichtig?

Ich bin etwas zwiegespalten im Bezug auf die Gitarre. Ich denke, je mehr Sounds dir eine Gitarre bieten kann, desto besser. Gleichzeitig denke ich aber auch, eine Gitarre sollte etwas Spezielles haben und sich darauf fokussieren. Ich denke, mein Signature-Modell schafft beides, einerseits Vielseitigkeit, andererseits etwas Eigenes mit einer großartigen Balance. Das hätte ich ohne die Zusammenarbeit mit Ibanez nie erreicht.

Deine Gitarre hat drei Ibanez-R-1-Singlecoil-Pickups anstelle der üblichen HSS-Konfiguration. Warum dieses Setup?

Ich wusste, dass drei Singlecoils die einzige Option sind, um meine Vorstellung von einem Clean-Tone umzusetzen. Wir haben eine Menge ausprobiert, um meinen idealen Sound zu realisieren. Und eine SSS-Gitarre von Ibanez – wie cool ist das denn?

Was für Amps benutzt du?

Ich spiele einen Line 6 Helix Guitar Processor und ein Fractal Axe-FX.

Du spielst nicht nur solo, sondern auch in einer Band namens Ichikoro. Ihr seid in Japan sehr berühmt, nicht zuletzt weil ihr 2018 auf der Fashion Week in Tokyo gespielt habt. Erzähl uns etwas über dieses Projekt.

Ich habe Ichikoro mit Enon Kawatani, einem anderen japanischen Musiker gegründet. Wir riefen die Band ins Leben und haben immer noch Spaß, auch wenn die Band gerade nicht so aktiv ist.Ich finde, in einer Band zu spielen, stärkt die Inspiration und die zwischenmenschliche Verbundenheit mehr als allein Musik zu machen. Und das Zusammenspiel der Bandmitglieder schafft

EQUIPMENT

● Gitarren: Ibanez ICHI10-VWM, Ibanez S5527QFX-GFB, Ibanez S5527QFX-DPB, Ibanez RGIT20FE-TGF, Ibanez TM730-IDG, Ibanez TM1730M-VWH, Ibanez RG90BKP-ISH.

● Weitere Instrumente: Ibanez EHB1000MS-SFM Bass, Salvi Harfe, Aoyama Harfe

● Amps: Line 6 Helix, Fractal AXE-FX

● Kabel/Zubehör: Gamechanger Audio Plasma Coil, Gamechanger Audio Plus Pedal, Vovox Sonorus Protect A Cable unerwartet neue Musik. Außerdem teilen wir diese Erfahrung. Das ist das Gute an einer Band.

Marty Friedman, der selbst in Japan lebt und dort sehr populär ist, nennt dich als einen der wichtigsten Impulsgeber der „online guitar revolution“. Ein nettes Kompliment?

Ich denke, ich bin noch am Anfang des Weges, meinen Traum wahr werden zu lassen. Ich glaube, ich habe noch nichts Großes erreicht. Aber ich weiß das Kompliment zu schätzen. Ich hoffe, ich komme einmal an Eddie heran.

Stichwort „online guitar revolution“: Du hast Duette mit Tim Henson und Yvette Young gespielt. Bist du im Austausch mit anderen jungen YouTube-Musikern?

Es gibt viele großartige Musiker auf der Welt und ihre Zahl wächst täglich. Auch die Musik, die sie machen, verändert sich rasant. Ein Musiker, den ich heute mag, klingt morgen vielleicht schon ganz anders. Deshalb versuche ich, mit so vielen anderen Musikern zu arbeiten und von ihnen zu lernen.

Du hast bereits mehr als 1,5 Millionen Follower auf deinem YouTube-Kanal. Hättest du je gedacht, wie fantastisch sich das entwickelt?

Ich wollte natürlich, dass viele Leute meine Musik hören. Das ist der Grund, warum ich bewusst mit dem Internet arbeite. Um ehrlich zu sein: Ein bisschen habe ich es schon gehofft. Aber ich hätte nie gedacht, dass alles so schnell geht. Ich bin sehr glücklich darüber.

Vielen Dank für das Gespräch!