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IHR KAMPF GEGEN DEN KREBS


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 26/2022 vom 22.06.2022

GESELLSCHAFT

Artikelbild für den Artikel "IHR KAMPF GEGEN DEN KREBS" aus der Ausgabe 26/2022 von Frau im Spiegel. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 26/2022

MONA LISA MODERATORIN

VORREITERIN FÜR FRAUEN 1988 startete Maria von Welser mit dem ersten Frauen-Journal im TV. Nach 25 Jahren wurde es im ZDF von Intendant Thomas Bellut eingestellt

MIT IHREM EHEMANN

DRITTE EHE Seit 1994 ist die Moderatorin mit dem ehemaligen Luftwaffen-Offizier Klaus Häusler verheiratet. Das Paar lebt seit 2003 in Hamburg

BEREIT FÜR NEUE

TATEN Maria von Welser blickt positiv in die

Zukunft. Für den Ruhestand fühlt sie sich noch zu jung

Wie viele Leben kann man leben? Die meisten haben nur eines, Katzen angeblich sieben. Maria von Welser, 75 hat drei. Das ist keine Vermutung, nein, das verkündete sie selbst, als sie in den Ruhestand eintrat. Bei der Vollblut-Journalistin ist es eher ein Unruhestand geworden. Nicht nur beruflich, auch gesundheitlich. Gehirntumor, Hüft-OP und eine große Sehschwäche waren die gesundheitlichen Stolpersteine, die ihr das Schicksal in den ...

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... Weg legen wollte. Aber, wer Maria von Welser kennt, weiß, dass sie sich durch nichts aufhalten lässt. Es spornt sie eher an – etwa zu recherchieren und darüber zu berichten, wie es sich anfühlt, mit einem Gehirntumor leben zu müssen.

„Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht“ ist ein Buch, das Menschen Mut machen soll. Krankheit ist noch lange nicht das Ende, scheint ein Lebens-Motto der Autorin zu sein. Maria von Welser war 1988 das erste weibliche Gesicht eines „Frauen-Journals“ im deutschen Fernsehen.

Bei „Mona Lisa“ ging es nicht um Mode, Beauty oder Haushalt. Frau von Welser und ihr ausschließlich weibliches Team legten den Finger in Wunden, um auf Missstände aufmerksam zu machen, zogen in den Krieg nach Bosnien und kämpften für Frauen,

Aufgeben kam für sie noch nie in

Frage … die selbst zu schwach waren, ihre Rechte zu durchzusetzen. Die Mutter von zwei Söhnen hat den Beruf der Journalistin gewählt, um alles fragen zu können, was sie interessiert. Ihre Eltern, eine Journalistin und ein japanischer Konsul, ermahnten sie bei Einladungen öfter „Frag‘ nicht so viel.“ Das Fragen und Nachfragen hat sie bis heute nicht verlernt.

Als FRAU IM SPIEGEL die ehemalige Moderatorin in München trifft, bewegt sie sich noch ein wenig eingeschränkt und geht am Stock. Sie hat eine Hüft-OP hinter sich, die Pandemie und viele Ideen für zukünftige Buchprojekte. Ihre beiden Gehirntumore „schlafen“, was ihr weitere Bestrahlungen erspart. Wegen ihres Augenleidens (Blepharopasmus, eine Augenlidverkrampfung) geht sie tapfer alle drei Monate zum Spritzen. Eigentlich könnte sie mit ihrem dritten Ehemann Klaus Häusler, 83, endlich ihr drittes Leben genießen. Stattdessen räumt sie ihr Leben noch mal richtig auf – und beginnt wieder mal ein neues. l

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Frau von Welser, wie geht es Ihnen nach der OP?

Der Operateur war gut. Aber es ist ein langer Weg nach einer Hüft-OP, so einen Eingriff steckt man nicht so leicht weg. Ich war drei Wochen zur Reha im Jägerwinkel in Bad Wiessee, jetzt bin ich zwei Mal pro Woche bei der Physiotherapie. Sechs Wochen lang bin ich an Krücken gegangen, seit sechs Wochen an Stöcken. Und abends muss ich ein Schmerzmittel nehmen, sonst kann ich nicht schlafen. Meine Physiotherapeutin beruhigt mich immer und sagt: „Das braucht sechs Monate. Nimm‘ dir Zeit.“

Was war der Grund für die OP? Verschleiß oder ein Unfall?

Ich habe mir mit 18 beim Skifahren mein linkes Sprunggelenk zertrümmert. Vorletztes Jahr bekam ich dann plötzlich Probleme im Oberschenkel und keiner wusste, woran das liegt. Vielleicht ein Muskelfaserriss? Der erste Orthopäde meinte: „Wir machen ein MRT vom Oberschenkel.“ Da war alles gut. Ich musste aber vier Ibuprofen einnehmen, weil ich vor Schmerzen nicht mehr gehen konnte. Der zweite Orthopäde hat ein MRT von der Lendenwirbelsäule gemacht.

Nix. Dann bin ich meiner Verzweiflung zum Neurologen gegangen. Der hat mich zum drit-ten Orthopäden geschickt. Der hat sich die Hüfte angeguckt und gesagt: „Die Hüfte ist verrottet. Die brauchen Sie neu – wegen des Sprunggelenks.“

Die Tumore im Gehirn schlafen nur

Sie haben in den vergangenen fünf Jahre einen gewaltigen Ärztemarathon hinter sich gebracht. 2017 wurden Sie wegen eines Gehirntumors operiert…

Ja, danach habe ich sehr lange gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen, weil mir sehr schwindelig war. Es war eine fünfstündige Operation am Kleinhirn-Brücken-Winkel. Zwei Jahre hatte ich einen sogenannten Gang-Schwindel. Die Ursache war nicht die Operation, sondern meine Gleitsichtbrille. Als ich sie auf Empfehlung meines Webmasters weggelassen habe, war alles okay. Orthopäde, Augenarzt und Neurologe haben gestaunt.

2021 mussten Sie sich erneut operieren lassen.

Ich war wieder im UKE in Hamburg. Leider konnte mein Professor nicht alles wegoperieren. Es hieß dann, dass die Tumore noch bestrahlt werden müssen. Im Sommer steht die nächste Kontrolle an.

Sind Sie nach der Diagnose nicht in ein emotionales Loch gefallen?

Nein, ich habe gekämpft.

KORRESPONDENTIN IN LONDON

ERFAHRUNGEN IM AUSLAND Nach „Mona Lisa“ arbeitete Maria von Welser als Leiterin des ZDF Büros in London. Sie berichtete häufig über die britischen Royals

MIT IHRER ENKELIN

STOLZE GROSSMUTTER Ihrer Enkelin Melanie, 25, ermöglichte sie eine Ausbildung im Hotelfach

Wie waren die Bestrahlungen für Sie?

Ich habe nach der ersten OP 32 Bestrahlungen bekommen. Das war die Hölle. Die Maske, die fürs Gesicht angefertigt wurde, musste bei jeder Bestrahlung aufgesetzt werden. Sie wird auf ein Holzbrett geschraubt, dass man sich keinen Millimeter bewegen kann. Da habe ich ein bisschen vor mich hin gelitten.

Haben Sie viel geweint?

Seltsamerweise nicht. Ich habe mich tatsächlich gefragt: Habe ich das Weinen verlernt? Das ist etwas, was mich speziell in der letzten Zeit bewegt: Wo sind meine Gefühle geblieben? Warum weine ich nicht mehr?

LEA-ACKERMANN-STIFTUNG

FÜR KINDER IM ELEND Die Stiftung hat das Ziel, weltweit bedürftige Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Wer helfen möchte: Das Spendenkonto hat die IBAN DE45 5605 1790 0101 2542 82. Weitere Infos im Internet unter lea-ackermann-stiftung. org oder Tel. +49-6741-9812737. Adresse: Propsteistraße 2, 56154 Boppard

Konnten Sie sich durch Arbeit ein wenig ablenken? Sie haben einen Lehrauftrag für praktische Philosophie an der Universität Paderborn.

In der Corona-Zeit haben wir die Vorlesungen online gestellt. Das war eine wahnsinnige Arbeit. Ich saß jeden Tag ab 9.00 Uhr am Computer. Jetzt hatte ich das letzte Semester – wieder im Präsenzunterricht. Und fand, dass ich mit 75 Jahren nicht mehr an der Universität lehren muss.

Sie waren in Ihrem Leben immer konsequent. Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal als Moderatorin zu arbeiten?

Nein. Ich finde, dass man in einem gewissen Alter nicht mehr vor die Kamera muss. Ich bin mit 64 gegangen und habe mein drittes Leben angefangen. Ganz bewusst organisiert. Ich habe Bücher geschrieben, Vorträge gehalten und einen Lehrauftrag gehabt. Zurück ins Fernsehen zieht es mich nicht mehr.

IHR BUCH

AUFGEBEN IST KEINE OPTION Ein berührender Bericht über das Leben mit einem Gehirntumor. Maria von Welser möchte Menschen Mut machen nicht aufzugeben (Ludwig Verlag)

Sie sind immer noch in aktuellen Themen informiert. Können Sie Ihre Erfahrungen nicht weitergeben?

Ich spreche nur über Themen, wenn ich mir vor Ort ein Bild gemacht habe. Das ist mein Anspruch an den Beruf der Journalistin. Nur aus Zeitungen nacherzählen reicht nicht.

Also, zu Ihrem dritten Leben. Sie krempeln gerade einiges um …

Ich habe noch nie Probleme gehabt, etwas Neues anzufangen. Wir haben nach 21 Jahren unser Haus auf Ibiza aufgegeben. Jetzt ist die nächste Station das Gut Trenthorst in Schleswig-Holstein. Ich richte ein Ferienhäuschen ein. Wir behalten aber unsere Wohnung in Hamburg. Ich räume auf. Breche auf zu neuen Ufern. Und ich werde wieder Bücher schreiben. Ideen dazu habe ich genug. Aber das ist noch nicht alles, oder?

Ich unterstütze Lea Ackermann, eine ehemalige Ordensschwester, die mit 84 Jahren eine Stiftung für Kinder in Not gegründet hat. Ich bin stellvertretende Vorsitzende und habe die Website gestaltet. Wir haben schon mit 300 000 Euro Kindern geholfen. 50 000 gingen ins Ahrtal, wo wir einen Kindergarten wiederaufgebaut haben. ◼

CELIA TREMPER, CLAUDIA CIESLARCZYK