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Ihr neues Leben mit der Jugendliebe


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 39/2021 vom 22.09.2021

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RÜCKZUGSORT Die beiden im Garten ihres Hauses auf Usedom

Sie hatten sich 40 Jahre nicht gesehen – dann funkte es plötzlich wieder zwischen Margot Käßmann, 63, und ihrer Jugendliebe Andreas Helm, 62. Bei einem Vortrag in Gießen sprach er sie 2014 an, wenige Monate später wurden sie ein Paar. Doch vor der Öffentlichkeit hielt die ehemalige Landesbischöfin ihre Beziehung geheim.

Warum ließen Sie es in Interviews so wirken als seien Sie Single, Frau Käßmann?

Ich habe versucht, ehrlich zu bleiben. Daher sagte ich: „Ich lebe allein.“ Das stimmte ja. Ich wollte nicht, dass unsere Liebe zur „Story“ wird und andere sie aus ihrer Sicht beschreiben. Wenn, dann wollte ich unsere Geschichte zusammen mit Andreas erzählen.

Wie ist ein Neustart mit der Jugendliebe?

Es war gleich ein großes Vertrauen da, weil wir uns ja schon kannten. Ich wusste genau, woher Andreas kommt. Als mich seine Mutter nach 40 Jahren zum ersten Mal wieder sah, meinte sie nur: ...

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... „Hallo Margot, lange nicht gesehen!“ Andreas ist ein Mann, der mich nicht als Frau Dr. Käßmann, ehemalige Landesbischöfin oder Ratsvorsitzende sieht. Er projiziert keine Bilder auf mich. Für ihn bin ich einfach Margot.

Wieso wohnen Sie beide nicht zusammen, sondern pendeln zwischen Gießen, Hannover und Usedom?

Im Moment macht es uns beiden so Spaß. Die Mutter von Andreas wohnt bei ihm in der Nähe, außerdem ist er dem Kindertheater, in dem er auftritt, sehr verbunden. In Hannover habe ich viele Freundinnen, außerdem leben dort zwei meiner Töchter mit ihren vier Kindern, auf die ich regelmäßig aufpasse. Wenn ich ein paar Tage alleine da bin, verabrede ich mich zum Klönschnacken ohne zu denken, da wartet jemand zu Hause auf mich. Andreas und ich haben einen großen Kalender, in den wir alles eintragen: Hat er einen Auftritt in Gießen, sind wir dort, halte ich ei-nen Gottesdienst in Hannover ab, sind wir hier. Aber dieses Lebensmodell ist nicht in Stein gemeißelt.

Wann würden Sie es ändern?

Unter anderem, wenn einer von uns in seiner Mobilität eingeschränkt wäre. Dann würden wir wahrscheinlich in meine Wohnung in Hannover ziehen, die ist barrierefrei.

Spricht man in höherem Alter schneller über solche Möglichkeiten?

Wir sind uns bewusst, dass es die letzte Etappe unseres Lebens ist.

Schlaganfälle, Herzinfarkte, anfangende Demenz – das gibt es jetzt in unserem Bekanntenkreis.

„Ich genieße es, das Leben zu teilen“

Ich habe alles geregelt, von der Patientenverfügung bis zur Betreuungsvollmacht. Bei Andreas ist das anders. Da seine Mutter noch so fit ist, sind diese Dinge in seinem Kopf oft noch weit entfernt.

In Ihrer beider Leben gibt es viele Parallelen: Sie waren beide 26 Jahre lang verheiratet, haben jeweils vier Kinder, darunter Zwillinge. Zwei Töchtern gaben Sie dieselben Namen. Ist das ein Zeichen von oben?

Wir waren auch oft ohne es zu wissen an denselben Orten. Als wir das alles nun im Nachhinein feststellten, war es mir fast ein bisschen unheimlich.

Glauben Sie an Schicksal?

Nein. Dass Andreas und ich uns wiedergetroffen haben, war kein Schicksal. Er hasst es, Schlange zu stehen. Man kriegt ihn nicht ins Museum, wenn zehn Leute vor ihm warten. 2014 wollte er nach meinem Vortrag erst nicht zu mir nach vorne kommen, weil dort so viele Menschen standen. Dann hat er es doch getan. Das war der Schlüsselmoment.

Also sind Sie zusammen, weil Andreas seine Komfortzone verließ?

Ja – und dazu möchte ich Menschen in unserem Alter ermutigen. Wagt es doch! Singt im Kirchenchor, übernehmt Ehrenämter, geht auf jeden Fall unter Menschen. Man kann immer noch mal neu aufbrechen.

Sind Sie traurig, dass Ihr Wiedersehen nicht schon früher stattgefunden hat?

Darüber haben wir auch gesprochen und festgestellt: Wir sind sehr froh, dass wir uns erst getroffen haben, nachdem wir beide schon ein paar Jahre geschieden waren. Es ist schwierig, wenn einer von beiden der Scheidungsgrund ist. 2014 hatten wir beide das Ende unserer Berufstätigkeit in Sicht. Davor wäre unsere Liebe nicht lebbar gewesen: Andreas war im Arbeitsalltag als Ingenieur total eingebunden und ich als Reformationsbotschafterin ständig unterwegs.

Was macht Ihnen gemeinsam Spaß?

Ich habe vorher noch nie mit einem Mann Urlaub gemacht. Mein Ex-Mann hatte da nie richtig Lust drauf und wenn, dann waren wir haben gerade eine Woche Gardasee hinter uns, das war toll. Ich genieße es, das Leben zu teilen. mit vier Kindern unterwegs. Andreas und ich

Nicht nur in guten Zeiten. 2019 kehrte bei Ihnen der Krebs zurück, verraten Sie in Ihrem Buch. Wie haben Sie das gemeinsam erlebt?

Ich fand es gut, dass Andreas dabei war. Er sagte: „Ich weiß nicht, ob ich jetzt alles richtig mache, aber ich mache es, so gut ich kann.“ Wenn mich jemand betüddelt, werde ich nervös. Andreas blieb ruhig und war immer für mich da. Er brachte mich in die Klinik, besuchte mich jeden Tag und holte mich wieder ab.

Warum behielten Sie diese zweite Krebs- Diagnose für sich?

Ich wollte es nicht an die große Glocke hängen. Als 2006 bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde, war mir die Aufmerksamkeit zu viel. Ich musste alle anderen beruhigen, das war fast anstrengender als die Krankheit selber.

Würden Sie nochmal heiraten?

Ich brauche kein Dokument des Staates oder der Kirche, das die Verlässlichkeit unserer Beziehung bestätigt. Außerdem hat mich die öffentliche Debatte um meine Scheidung 2007 ziemlich mitgenommen. Auch für Andreas ist Heirat kein Thema. Aber lustigerweise hat er kürzlich bei unserem Auftritt in einer Talkshow gesagt: „Na ja, man weiß ja nie…“ Wir schließen es also nicht ganz aus. ◼

ANNA BUTTERBROD