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Ihre Fragen: Unsere Antworten


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2010 vom 26.03.2010

In 25 Jahren sammeln sich eine Menge Fragen an. Hier bekommen Sie Antwort auf alles, was Sie wissen wollen.


Wer sucht die Produkte aus, die getestet werden?

ÖKO-TEST muss immer eine Auswahl treffen und kann (fast) nie zum Beispiel 300 Shampoos für normales Haar untersuchen, die in den Regalen stehen. Daher versuchen wir immer, die Marktführer aus den verschiedenen Vertriebsschienen wie Supermarkt, Discounter, Naturwarenhandel, Reformhaus, Drogeriemarkt zu berücksichtigen. Dazu kommen Produkte, die uns besonders interessant erscheinen, die gerade neu auf dem Markt sind, die besonders viel beworben oder in ...

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ÖKO-TEST muss immer eine Auswahl treffen und kann (fast) nie zum Beispiel 300 Shampoos für normales Haar untersuchen, die in den Regalen stehen. Daher versuchen wir immer, die Marktführer aus den verschiedenen Vertriebsschienen wie Supermarkt, Discounter, Naturwarenhandel, Reformhaus, Drogeriemarkt zu berücksichtigen. Dazu kommen Produkte, die uns besonders interessant erscheinen, die gerade neu auf dem Markt sind, die besonders viel beworben oder in unserer ökologischen Verbraucherberatung häufig nachgefragt werden. Außerdem versuchen wir, auch immer mal wieder einen kleinen Hersteller zu berücksichtigen.

Wer stellt die Testprodukte zur Verfügung?

Wir kaufen die zu testenden Produkte selbst anonym im Laden ein. So verhindern wir, dass uns Hersteller frisierte Produkte unterjubeln. Auch im Versandhandel bestellen wir so weit möglich anonym.

Was ist, wenn eine Firma nicht getestet werden will?

Hersteller haben keinen Einfluss darauf , ob sie getestet werden oder nicht. Sie können weder erreichen, dass ihre Testergebnisse nicht veröffentlicht werden, noch können sie irgendetwas tun, um berücksichtigt zu werden. Die Entscheidung trifft allein die Redaktion.

Eine Ausnahme machen nur einige Tests von Finanzprodukten und Versicherungen. Hier sind wir teilweise auf die Mitarbeit der Hersteller angewiesen. Das heißt nicht, dass wir uns auf die Angaben der Hersteller verlassen. Doch ohne Prüfung der von uns erhobenen Daten zum Beispiel für Riester-Renten oder Pensionskassen könnte es leicht zu Fehlern kommen. Verweigert ein Versicherer diese Prüfung, nehmen wir sein Produkt daher unter Umständen aus dem Test – machen die Verweigerung aber öffentlich. Unsere Leser können dann ihre eigenen Schlüsse aus der Tatsache ziehen, dass sich ein Unternehmen einem offenen Vergleich nicht stellen will.

Gibt es Abstände, in denen bestimmte Testreihen wiederholt werden (müssen)?

Dafür gibt es keine Regeln oder Vorschriften. ÖKO-TEST versucht jedoch, für gebräuchliche Produktgruppen immer aktuelle Testergebnisse zu haben. Deshalb wiederholen wir Tests in unregelmäßigen Abständen. Wann, das hängt davon ab, ob in einer Produktgruppe, zum Beispiel Nuss-Nougat-Cremes, neue Produkte auf den Markt gekommen sind, ob viele Hersteller ihre Produkte geändert haben oder ob alte Probleme weggefallen und neue erkannt wurden wie 3-MCPD-Fettsäureester bei Nuss-Nougat-Cremes.

Wie lange dauert ein Test von der Idee bis zur Veröffentlichung im Heft?

In der Regel sind es kaum mehr als vier Monate. Zwei Wochen dauert der Einkauf, etwa einen Monat nehmen die Untersuchungen im Labor in Anspruch, sechs Wochen braucht die Redaktion für das Verfassen und die Auseinandersetzung mit den Herstellern, der Rest der Zeit bis zum Druck ist Puffer für Unvorhergesehenes.

Foto: Eisenhans/Fotolia.com

Komplizierte Tests, an denen viele Labore beteiligt sind , oder für die wir ganz neue Parameter untersuchen, können aber auch viel länger dauern. Oft muss zunächst einmal ein Gutachten über eine Produktgruppe erstellt werden, in dem mögliche zu untersuchende Probleme festgelegt werden. Dann kann auch schon mal mehr als ein halbes Jahr ins Land gehen.

Nach dem Einkauf der Produkte eines Tests muss es jedoch zügig vorangehen. Denn andernfalls wären bei Veröffentlichung einige Produkte nicht oder zumindest nicht mehr in der getesteten Version am Markt erhältlich.

Schnell muss es auch gehen, wenn eine völlig neue Produktgruppe auf den Markt kommt, zum Beispiel vor einiger Zeit die Smoothies. Dann wollen die ÖKOTEST- Leser selbstverständlich zeitnah wissen, was davon zu halten ist.

Wie ÖKO-TEST seine Unabhängigkeit garantiert

Nehmen Anzeigenkunden Einfluss auf die Testergebnisse? Oft wird im ÖKO-TEST-Magazin für Produkte geworben, die im gleichen Heft oder im Monat vorher mit „sehr gut“ oder „gut“ getestet wurden.

Grundsätzlich, so hat der Bundesgerichtshof entschieden , rechtfertigen Anzeigen in einer Testzeitschrift nicht einmal den Verdacht, es fehle den Tests an der erforderlichen Neutralität und Sachkunde. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit manchmal versucht, ÖKO-TEST allein durch den Hinweis auf die Anzeigen im Heft in Misskredit zu bringen.

Allerdings träfe ein entsprechender Verdacht (fast) alle Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkanstalten und Fernsehsender, die sich meist in wesentlich höherem Maße über Anzeigen finanzieren als ÖKO-TEST. Eine Ausnahme macht die Stiftung Warentest, bei der man sich allerdings fragen müsste, ob Abhängigkeit vom einzigen Geldgeber, dem Staat, besteht.

Auch Hersteller versuchen vor Gericht immer wieder Zweifel an der Unabhängigkeit von ÖKO-TEST zu säen. Denn in Hunderten von Klagen wurde versucht Tests verbieten zu lassen mit dem Argument, die Testergebnisse seien falsch. Erfolglos.

Wäre ÖKO-TEST jedoch nicht unabhängig, könnten Gerichte unsere Tests verbieten, selbst wenn die Testergebnisse richtig sind. Doch auch mit dieser Strategie, missliebige Tests aus der Welt zu schaffen, hatte noch kein Hersteller Erfolg.Besonders deutlich zeigt sich die Unabhängigkeit von ÖKO-TEST auch am Beispiel der Kosmetikindustrie. Die gibt in anderen Zeitschriften Unsummen für Werbung aus. Nur im ÖKO-TEST-Magazin schalten die großen Hersteller keine Anzeigen. Der Grund: Häufig fallen deren Produkte bei uns mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Dass sich daran durch die Schaltung von Werbeanzeigen etwas ändern könnte, nehmen die Hersteller ganz offensichtlich nicht an. Denn sonst würden sie ÖKO-TEST mit Anzeigen überhäufen – das Geld dafür haben sie ja.

Dass es keinerlei Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden gibt, zeigt auch die Tatsache, dass immer wieder Anzeigen veröffentlicht werden für Produkte, die im gleichen Heft mit „ausreichend“, „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“ getestet wurden. Verständlich ist allerdings, dass viel häufiger für „sehr gute“ oder „gute“ Produkte geworben wird. Denn ÖKO-TEST teilt den Herstellern vorab die Testergebnisse zur Kontrolle und zur Stellungnahme mit. Obwohl die Hersteller nur die Laborwerte bekommen und nicht die Bewertung und das Gesamturteil, können sie abschätzen, ob sie besser oder schlechter abschneiden werden.

Foto: photoalto

Wenn Firmen für ihre Produkte mit „ÖKO-TEST sehr gut“ werben, macht das auch ÖKO-TEST bekannter. Sorgt ÖKO-TEST daher dafür, dass möglichst viele Produkte gut abschneiden?

Dieser Verdacht wird immer mal wieder erhoben. Genauso wie der umgekehrte Verdacht, ÖKO-TEST bewerte Produkte ohne wissenschaftliche Grundlage und Begründung schlecht und schüre ohne Grund Panik. Dass beides gleichzeitig nicht geht, dürfte unstrittig sein. Aber auch beide Vorwürfe für sich entbehren jeder Grundlage. Unsere Tests müssen nämlich sachkundig sein. Das heißt, wir können nicht ohne Grund Produkte schlecht bewerten. Dass unsere Tests sachkundig sind, haben immer wieder Gerichte in Prozessen gegen uns bestätigt. Tests müssen aber auch neutral sein. Das heißt: Wir können nicht ohne Grund Produkte gut oder sogar zu gut bewerten. Auch da rüber wachen die Gerichte, die oft genug von Herstellern angerufen werden.

Müssen Hersteller für die Verwendung des ÖKO-TEST-Labels bezahlen?

Für die Nutzung vieler Gütesiegel fällt eine umsatzabhängige Gebühr an, die schnell Tausende von Euro erreichen kann. Anders bei ÖKO-TEST: Bei uns zahlen die Verwender des Labels einmalig eine Bearbeitungsgebühr von 300,00 Euro (die Stiftung Warentest verlangt mit 500,00 Euro etwas mehr). Das Geld verwenden wir unter anderem für die rechtliche Verfolgung von Labelmissbrauch. Mit dem Rest unterstützen wir die ökologische Verbraucherberatung in unserem Hause. Sie beantwortet Fragen von Verbrauchern, auch wenn sie nicht im Zusammenhang mit Tests oder der sonstigen Arbeit von ÖKO-TEST stehen.

Beliebt: Das Label ÖKO-TEST „sehr gut“

Wie lange ist ein ÖKO-TEST-Label gültig? Manchmal wird mit Tests geworben, die schon Jahre alt sind.

Ein Label darf verwendet werden , solange das Produkt nicht verändert wurde. Daher kann auch ein älteres Label durchaus noch gültig sein. Allerdings darf ein Produkt auch nicht mehr gelabelt werden, wenn es einen neuen Test gibt. Eine Nuss-Nougat-Creme, die vor Jahren mit „sehr gut“ abgeschnitten hat, darf dieses Label nicht mehr tragen, wenn sie in einem neueren Test mit „gut“ bewertet wurde. Genau diesen Fall gab es übrigens beim Marktführer Nutella. Selbst wenn ein Produkt zwar in einem älteren, nicht aber im neuesten Test berücksichtigt wurde, ist die Verwendung des alten Labels nicht mehr gestattet – außer der Test wurde mit den gleichen Testkriterien durchgeführt. So erreichen wir, dass nur für aktuell „sehr gute“ oder „gute“ Produkte mit unserem Label geworben wird.

Alle Lebensmittel sollten ein Label von ÖKO-TEST aufdrucken. Schlechte Noten erfährt man sonst nicht.

Natürlich werden Sie über schlechte Testergebnisse informiert: in allen Heften oder Tests im Internet. Nur: Hersteller finden es aus nachvollziehbaren Gründen prickelnder, nur dann zu labeln, wenn das Produkt besser als befriedigend abgeschnitten hat. Wer wie wirbt, darauf haben wir aber keinen Einfluss, denn wir sind ein unabhängiges Unternehmen.

Warum dürfen Hersteller für frisches Obst und Gemüse mit dem ÖKO-TEST-Label werben?

Sicherlich ist das Obst oder das Gemüse , für das mit dem ÖKO-TEST-Label geworben wird, nicht mehr das gleiche wie das getestete. Doch die Hersteller müssen sicherstellen, dass die Produkte den getesteten entsprechen, also keine Pestizide oder andere Schadstoffe enthalten. Die Verwendung des ÖKO-TEST-Labels für frische Produkte hält also den Druck auf die Hersteller aufrecht, für gleichbleibend gute Qualität zu sorgen.

Welche Ansprüche gegen die Hersteller eines „mangelhaften“ oder „ungenügenden“ Produktes habe ich?

Immer wieder stellen wir durch unsere Tests fest , dass Produkte nicht den gesetzlichen Vorschriften genügen. Solche Produkte bewerten wir grundsätzlich mit „ungenügend“. Sie können an den Hersteller zurückgegeben bzw. ins Geschäft zurückgebracht werden.

Darauf haben Sie bei Produkten, die den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, keinen Anspruch. Oft nehmen die Hersteller „mangelhafte“ oder „ungenügende“ Produkte jedoch aus Kulanz zurück.

Kann ich mich auf das ÖKOTEST- Label verlassen? Gibt es viel Missbrauch?

Das ÖKO-TEST-Label ist begehrt. So sehr offenbar, dass Firmen es sich selbst verleihen für Produkte, die wir gar nicht getestet haben. Solche Missbrauchsfälle werden in der Regel allerdings recht schnell aus der Welt geschafft. Dafür sorgt schon die Konkurrenz. Denn sie wird durch ein fälschlich genutztes Label benachteiligt.

Sobald wir vom Missbrauch eines Labels erfahren , bekommt die betreffende Firma Post von unseren Anwälten. Daraufhin wollte kürzlich eine Firma – gegen Geld an uns – eine Aufbrauchfrist für die Verpackungen mit dem falschen Label aushandeln. Das haben wir selbstverständlich abgelehnt. Die Firma musste die Verpackungen überkleben. Und je 5.000 Euro an zwei Umweltverbände spenden. Sie war dazu bereit, weil es inzwischen möglich ist, sogenannte Unrechtsgewinne durch Gerichte abschöpfen zu lassen. So musste Lidl kürzlich 25.000 Euro für die unrechtmäßige Verwendung eines Labels der Stiftung Warentest auf einer Matratze zahlen.

Berichte über Labelmissbrauch veröffentlichen wir unter: www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=intern;co=

Stimmt es, dass schon Firmen bankrottgegangen sind, weil eines ihrer Produkte von ÖKO-TEST schlecht bewertet wurde?

Im Zusammenhang mit der Pleite des Spielzeugherstellers Nici wurde in einem Teil der Presse der Eindruck erweckt, unser Test des von Nici hergestellten WM-Maskottchens Goleo sei schuld an der Insolvenz. Dabei war Nici bereits pleite, als unser Test erschien.

Gegen den Goleo- Test hat der Insolvenzverwalter von Nici übrigens zunächst eine einstweilige Verfügung erwirkt und ÖKO-TEST danach auf 750.000 Euro Schadensersatz verklagt. Angekündigt war sogar eine Klage auf über 3,5 Mio. Euro. Auch diesen Prozess haben wir allerdings gewonnen – und dürfen das Testergebnis des Goleo ohne Einschränkung veröffentlichen.

Darüber hinaus gilt: ÖKO-TEST ist nur der Überbringer einer schlechten Nachricht, sprich eines schlechten Testergebnisses. Verantwortlich dafür, und für mögliche Probleme, ist der Hersteller selbst.

Warum werden von Gerichten immer wieder einstweilige Verfügungen erlassen, mit denen die Verbreitung der Testergebnisse untersagt wird?

Das wissen wir nicht. Wir können nur feststellen, dass einstweilige Verfügungen oft ohne mündliche Verhandlung erlassen werden, also ohne uns anzuhören. Endgültig haben wir allerdings bis auf einen Fall im Jahre 1988 keinen Prozess um Testergebnisse verloren. Damals haben wir den Herstellern die Testergebnisse noch nicht vorab zur Stellungnahme zugeleitet, sodass wir auf den Fehler nicht aufmerksam wurden.

Hat ÖKO-TEST schon Testergebnisse nicht veröffentlicht aufgrund von Schadensersatzklagen?

Wenn ein Produkt eingekauft und ins Labor geschickt wurde , werden die Testergebnisse auch veröffentlicht – sofern die Veröffentlichung nicht von einem Gericht untersagt wird, oder zumindest die Gefahr besteht. So konnten wir in der Maiausgabe 2009 bestimmte Ergebnisse für ein Kinderfahrrad der Firma Bico nicht veröffentlichen, weil die Firma eine einstweilige Verfügung beantragt hatte. Wäre ihr stattgegeben worden, hätten wir die Maiausgabe unter Umständen nicht ausliefern können und das Heft einstampfen müssen. Das haben wir in der Testtabelle erklärt, und nach gewonnenem Prozess die Ergebnisse wie versprochen umgehend im Internet veröffentlicht.

Grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, dass ÖKO-TEST auf Schadensersatz verklagt wird. Da die Schäden durch unsere Tests zum Teil erhebliche Höhen erreichen, könnte schon ein verlorener Prozess das Ende von ÖKO-TEST bedeuten.

Das Ende von ÖKO-TEST wäre allerdings auch eingeläutet, wenn wir uns erpressbar machten und aus Angst vor Schadensersatzklagen Testergebnisse nicht veröffentlichen würden. Dann würden – zu Recht – unsere Leser das Vertrauen in unsere Tests verlieren.

Andererseits ist es nicht ganz einfach, erfolgreich gegen uns Schadensersatz einzuklagen. Dazu müsste zunächst einmal gerichtlich festgestellt werden, dass das von uns veröffentlichte Testergebnis falsch war. Das war bislang nur ein einziges Mal der Fall. Nur im Jahr 1988 haben wir einen Prozess um ein Testergebnis endgültig verloren. Die Firma hat sich dann aber damit zufriedengegeben, dass uns die weitere Verbreitung des Tests gerichtlich untersagt wurde, und keinen Schadensersatz von uns verlangt.

Foto: irisblende.de

Wer garantiert die Unabhängigkeit der Labore, die für ÖKO-TEST untersuchen?

ÖKO-TEST arbeitet grundsätzlich nur mit fachkundigen Laboren zusammen, die ihre Qualifikation durch eine entsprechende Zulassung (Akkreditierung) unter Beweis gestellt haben. Der Grund: Die Zusammenarbeit mit den besten Laboren ist zwar teuer, verbessert unsere Chancen in gerichtlichen Auseinandersetzungen aber erheblich. Viele der Labore sind zudem gerichtlich vereidigte Sachverständige. So waren kürzlich in einem Prozess, den ein Kinderfahrradhersteller gegen uns angestrengt hat, sowohl unser wie der Gutachter der Gegenseite vereidigte Sachverständige. Unser Gutachter hatte dem gegnerischen bei der IHK die Prüfung abgenommen. Den Prozess haben wir gewonnen.

Warum hat ÖKO-TEST keine eigenen Labore?

Tests müssen unabhängig sein , sonst können sie gerichtlich verboten werden. Durch ein eigenes Labor wäre diese Unabhängigkeit infrage gestellt. Außerdem sind die von ÖKO-TEST beschäftigten Labore hoch spezialisiert und besitzen teilweise jahrzehntelange Erfahrung. Ein ÖKO-TEST-Labor käme daher kaum an die Qualität der Analysen externer Labore heran.

Die Konkurrenz: Stiftung Warentest

Was unterscheidet ÖKO-TEST von der Stiftung Warentest?

Die Unternehmen: Viel, aber weniger als oft angenommen wird. ÖKO-TEST ist eine Aktiengesellschaft, die heute zu rund 65 Prozent im Besitz der Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft DDVG ist. Die DDVG ist ihrerseits die Medienholding der SPD. Die Stiftung Warentest wurde zwar vom Staat gegründet, ist aber keine staatliche Institution, sondern eine privatwirtschaftliche Stiftung. Beide Unternehmen müssen also vom Verkauf ihrer Produkte leben. ÖKO-TEST vom ÖKO-TEST-Magazin, den Ratgebern, Jahrbüchern usw. Die Stiftung Warentest gibt die Zeitschriften Test und Finanztest heraus, verkauft ebenfalls Sonderhefte und Bücher. Die Publikationen der Stiftung müssen im Gegensatz zu denen von ÖKOTEST anzeigenfrei sein. Dafür bekommt die Stiftung jährlich vom Staat einen Zuschuss. 2008 waren es 6 Mio. Euro. Durch den Verzicht auf Anzeigen sollte eine mögliche Einflussnahme von Anzeigenkunden auf die Tests verhindert werden. Dass die Stiftung durch diese Konstruktion in ständiger Abhängigkeit vom Staat als ihrem größten Geldgeber ist, hat man als unproblematisch angesehen. Die Stiftung selbst sieht das offenbar anders und hat um die Jahrtausendwende gefordert, sie mit einem Stiftungskapital von 160 bis 170 Mio. DM auszustatten. So könnten die Zinsen für dieses Kapital den staatlichen Zuschuss ersetzen. Jetzt bekommt die Stiftung tatsächlich 50 Mio. Euro. Sie wird „durch die Erhöhung des Stiftungskapitals wesentlich unabhängiger“, so Verbraucherministerin Aigner.

Warum kommen ÖKO-TEST und die Stiftung Warentest oft zu unterschiedlichen Testergebnissen?

Die Tests: Gab es in den Anfangsjahren ein ignorierendes Miteinander zwischen ÖKO-TEST und der Stiftung Warentest, so hat sich die Konkurrenzsituation im Laufe der Jahre deutlich verschärft. Denn die Testprogramme und -konzepte bewegen sich aufeinander zu. In den Anfangsjahren konnte ÖKO-TEST beispielsweise ein Waschmittel allein aufgrund seiner Umwelteigenschaften bewerten, heute wollen unsere Leser auch wissen, ob es besser oder schlechter wäscht. Umgekehrt kann die Stiftung Warentest Tee nicht mehr nur nach dem Geschmack bewerten, sondern muss auch die Pestizidbelastung untersuchen. ÖKO-TEST und die Stiftung sprechen also ganz ähnliche Leserschichten an, auch wenn die Leser von Test – historisch bedingt – wesentlich älter sind als die ÖKO-TEST-Leser.

Das kann mehrere Ursachen haben. Oft sind es, bei aller Annäherung, unterschiedliche Testkonzepte.
Beispiel Bio-Cappuccino: So bemängelt die Stiftung Warentest Bio-Cappuccinopulver, weil es keinen feinporigen Schaum bildet. ÖKO-TEST dagegen akzeptiert das. Denn der feinporige Schaum ist nur mit Zusatzstoffen zu erreichen, die Bio-Hersteller nicht verwenden.

Foto: Jasmin Merdan/Fotolia.com

Generell liegt das Augenmerk der Stiftung bei Tests von Lebensmitteln mehr auf Fragen der Sensorik, das heißt auf Geschmack, Aussehen und Geruch, während ÖKO-TEST größeres Gewicht auf die Inhalts- und vor allem Schadstoffe legt. Im Test Cappuccinopulver beispielsweise floss die „sensorische Fehlerfreiheit“ mit 40 Prozent in das Gesamturteil der Stiftung ein, die Schadstofffreiheit nur mit 20 Prozent. ÖKO-TEST dagegen würde die Schadstoffe viel stärker gewichten. Nach dem Motto: Über Geschmack kann man streiten, über Schadstoffe nicht.

Beispiel Kosmetik: Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Testkonzepte im Bereich Kosmetik. Hier untersucht und bewertet die Stiftung die Inhaltsstoffe in der Regel überhaupt nicht, sondern führt sie lediglich an den Angaben der Hersteller auf. Getestet wird von der Stiftung vorrangig die Wirksamkeit. ÖKO-TEST dagegen lässt die Inhaltsstoffe analysieren. Denn schädliche Inhaltsstoffe können durchaus „positive“ Wirkungen haben. Durch einen Stoff, der die Haut reizt und aufquellen lässt, erscheint sie auch glatter. Durch die Analyse der Inhaltsstoffe können wir auch feststellen, ob ein Produkt überhaupt verkehrsfähig ist. Denn es ist genau vorgeschrieben, was in Kosmetik enthalten sein darf und was nicht. Die Wirksamkeit von Kosmetik zu untersuchen halten wir, wie oben beschrieben, in den meisten Fällen für überflüssig. Unsere Untersuchungen zeigen übrigens, dass den Angaben der Hersteller nicht immer zu trauen ist. So waren wiederholt, obwohl verbindlich vorgeschrieben, allergienauslösende Duftstoffe nicht auf der Verpackung deklariert.

Beispiel Riester- und Rürup-Renten, Direktversicherungen und Pensionskassen: Die Stiftung Warentest hat lange Zeit mit ihrer Zeitschrift Finanztest grob gesagt die Rendite dieser Altersvorsorgeprodukte in der sogenannten Ansparphase untersucht, also bis zu Rentenbeginn. ÖKO-TEST berücksichtigt dagegen schon länger auch die Rentenphase und hat festgestellt, dass bei Einbeziehung der Rentenphase die Rendite oft lausig ist und viele Versicherte kaum die Chance haben, ihre Einzahlungen zurückzubekommen – von einer Verzinsung nicht zu reden.

Beispiel Mückenschutz: Oft bewerten wir gleiche Testergebnisse auch unterschiedlich. Beim Test von Mückenschutzmittel akzeptiert ÖKO-TEST, dass die Wirksamkeit von natürlichen Produkten nicht so lange anhält wie bei chemischen Produkten. Dafür sind natürliche Produkte für den Menschen gesundheitlich unbedenklich.

Beispiel Kakao: ÖKO-TEST vergab im Januar 2008 an das KakaopulverRapunzel Tiger Quick undNaturata Kakaogetränk ein „sehr gut“ und schrieb damals: Cadmium sei zwar in allen untersuchten Pulvern nachweisbar, aber gesundheitlich unbedenklich. In der Dezemberausgabe 2008 der Stiftung Warentest bekamen beide Produkte dagegen wegen „vergleichsweise hohem“ Cadmiumgehalt im Schadstofftest ein „ausreichend“.

Allerdings sagt „vergleichsweise hoch“ nichts. Auch ein insgesamt gering belastetes Produkt ist vergleichsweise hoch belastet, wenn der Maßstab ein unbelastetes ist. Wir haben die Stiftung Warentest daher nach den gemessenen Gehalten gefragt – und keine Auskunft bekommen. Auch die Bewertungs- bzw. Abwertungsgrenzen wollte uns die Stiftung nicht nennen. Also haben wir die Hersteller der beiden Produkte um die von Warentest ermittelten Werte gebeten – und sie bekommen. Danach enthalten beide Produkte 0,16 Milligramm Cadmium pro Kilo (mg/kg). Für Rapunzel entspricht das exakt unserer eigenen Messung, Naturata enthielt bei uns mit 0,19 mg/kg noch ein wenig mehr. Damit lagen beide Pulver – wie Warentest richtig schreibt – unter dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgeschlagenen Höchstwert für Schokolade.

Das bedeutet allerdings noch nicht viel. Denn ÖKO-TEST wertet oft Produkte ab, auch wenn sie die gesetzlichen Werte einhalten. Da es für Kakaopulver jedoch keine Höchstmenge gibt, hatten wir unser Labor seinerzeit beauftragt, zu berechnen, wie viel Cadmium Kinder durch die Pulver aufnehmen. Die Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass „die ermittelten Cadmiumgehalte insbesondere auch im zubereiteten Getränk als unauffällig zu beurteilen“ sind.

Dem lag folgende Berechnung zugrunde. Bereitet man den Kakao nach Herstellerangaben, enthält ein Liter vier bis acht Mikrogramm Cadmium (Rapunzel) bzw. 2,9 bis 7,6 (Naturata). Trinkt ein Kind jeden Tag ein Glas (200 ml), nimmt es pro Woche zwischen vier und 11,2 Mikrogramm Cadmium zu sich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, pro Woche und Kilogramm Körpergewicht sieben Mikrogramm nicht zu überschreiten. Für ein 15 Kilogramm schweres Kind wären das 105 Mikrogramm. Das heißt, durch den Kakao wären 3,8 bis 10,7 Prozent der WHO-Empfehlung ausgeschöpft. In einer Risikoabschätzung schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: „Bei anderen Lebensmitteln mit gesetzlich geregelten Höchstgehalten werden Anteile in dieser Größenordnung akzeptiert.“

Inzwischen hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Höchstwert zwar auf 2,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt. Dennoch wären die beiden Pulver im schlechtesten Falle „gut“.

Beispiel Fantrikots: In der Novemberausgabe 2009 hat die Stiftung Warentest die Fantrikots der 18 Vereine der Fußballbundesliga untersucht. Bei der Schadstoffbelastung schnitten zwei mit „mangelhaft“ ab, der Rest war „sehr gut“ bis „befriedigend“. Einen Monat später hat ÖKO-TEST in der Dezemberausgabe 2009 ebenfalls die Fantrikots untersucht. Elf davon waren „ungenügend“. Der Grund: Zum einen hat die Stiftung Warentest keine hochgiftigen zinnorganischen Verbindungen gefunden. Die Gehalte lagen nach Auskunft von Warentest unter der Bestimmungsgrenze. Wie hoch diese liegt, teilte die Stiftung allerdings nicht mit. ÖKO-TEST hat dagegen bis zu 8.770 Mikrogramm pro Kilogramm (μg/kg) nachgewiesen. Unsere Nachweisgrenze liegt bei 0,3 bis 0,4 μg/kg.

Zum Zweiten hat ÖKO-TEST ein breiteres Spektrum an Schadstoffen untersucht und gefunden. Beispielweise phosphororganische Verbindungen, die meist als Flammschutzmittel für Kunststoffe eingesetzt werden, aber auch als Weichmacher. Sie werden in der Regel gut von der Haut aufgenommen, wirken häufig nervengiftig und sind zum Teil möglicherweise krebserregend. Außerdem Triclosan. Der Stoff wurde bereits in der Muttermilch nachgewiesen, kann Allergien auslösen, ist häufig mit Dioxin verunreinigt und steht im Verdacht, die Resistenz von Bakterien auch gegen Antibiotika zu fördern, was von den Herstellern bestritten wird. Triclosan wird auch Kosmetika, zum Beispiel Zahncremes und Deos als antibakterieller Wirkstoff zugesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert, auf solche Anwendungen ebenso zu verzichten wie auf die biozide Ausrüstung von Kleidung mit Triclosan.

Beispiel Olivenöl: Unterschiedliche Testurteile können auch auf unterschiedliche Messwerte zurückgehen. Kritiker von ÖKO-TEST führen gerne das Beispiel eines Olivenöltests aus dem Jahre 2005 an. Ein von uns damals mit „sehr gut“ bewertetes Produkt fiel ein Jahr später bei der Stiftung Warentest durch, weil es gesundheitlich bedenkliche Weichmacher enthielt. Es handelte sich zwar um eine andere Charge, vermutlich sogar um eine andere Ernte, als die in unserem Test. Doch hatten wir nach diesen Weichmachern nicht gesucht, weil es keinen Hinweis auf eine mögliche Verunreinigung gab. So etwas kann aller Sorgfalt zum Trotz passieren, nicht nur ÖKO-TEST.

Foto: fancy

Beispiel Sojaprodukte: Im September 2007 veröffentlichte die Stiftung Warentest eine Untersuchung von Sojaprodukten. Kein einziges enthielt Gen-Soja. Einen Monat später fanden wir in 51 von 92 untersuchten Produkten gentechnisch veränderte Bestandteile. Zum Teil stammten unsere belasteten Produkte aus der gleichen Charge, die auch die Stiftung untersucht hatte. Warum Warentest nicht fündig wurde, wissen wir bis heute nicht.

Beispiel Honig: Das gleiche Problem. ÖKO-TEST fand im Januar 2009 in fast 50 Prozent der untersuchten Honige Gen-Pollen. Einen Monat später war bei der Stiftung alles genfrei. Hier, vermuten wir, liegt der Grund in der sogenannten Nachweisgrenze. Während unser Labor noch 0,01 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile nachweisen kann, findet das Stiftungslabor vermutlich bestenfalls 0,03 Prozent.

Strenger als der Gesetzgeber

Warum ist ÖKO-TEST strenger als der Gesetzgeber? Oft schneiden Produkte, die alle gesetzlichen Vorgaben einhalten, bei ÖKO-TEST „ungenügend“ ab.

Foto: Xalanx/Fotolia.com

Für ÖKO-TEST steht der gesundheitliche Verbraucherschutz an erster Stelle. In gesetzliche Grenzwerte fließen viele weitere Überlegungen ein. Zum Beispiel, ob es für gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe Alternativen gibt, ob diese sich wirtschaftlich rechnen, ob den Überwachungsbehörden überhaupt Testmethoden für die Untersuchung zur Verfügung stehen.

Beispiel Farbstoffe , die krebserregende aromatische Amine bilden. Sie sind für Kleidung verboten, aber nur, wenn der Gehalt über 30 Milligramm pro Kilogramm liegt. Die Amine sind zwar auch in geringerer Menge krebserregend, aber lange Zeit war den Überwachungsbehörden ein sicherer Nachweis von weniger als 30 Milligramm nicht möglich. Daher gelten laut Gesetz immer noch weniger als 30 Milligramm als nicht vorhanden. Die ÖKO-TEST-Labors konnten dagegen schon immer fünf Milligramm nachweisen. ÖKO-TEST daher bewertet Kleidungsstücke mit über fünf Milligramm pro Kilogramm als „mangelhaft“.

Beispiel gentechnisch veränderte Bestandteile: Lebensmittel gelten in der EU als gentechnikfrei, wenn sie nicht mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten – vorausgesetzt die Verunreinigung ist zufällig und technisch unvermeidbar. Die damals zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou hat im Sommer 2008 sogar laut über einen möglichen Schwellenwert für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen von 0,1 Prozent nachgedacht. Wenn Europa bei der Nulltoleranz bliebe, würde das zu einer Futtermittelknappheit führen. Zwar ruderte die Kommission kurze Zeit später zurück. Doch sollten hier die Vorschriften der wirtschaftlichen Realität angepasst werden. Denn Gen-Technik breitet sich – wie von den Gen-Konzernen beabsichtigt – unkontrollierbar aus. Sogar Bio-Lebensmittel sind betroffen, wie unser Test von Sojaprodukten schon im Oktober 2007 gezeigt hat. Eine strenge Grenze oder sogar Nulltoleranz würde bei den Herstellern von Honig, Nuss-Nougat-Cremes, Sojamilch, Maischips, Senf und vielen anderen Lebensmitteln enorme Kosten für Untersuchungen verursachen, wäre also unwirtschaftlich. Trotzdem wertet ÖKO-TEST Lebensmittel ab, selbst wenn sie nur 0,01 Prozent Gen-Material enthalten (so genau können die von uns beauftragten Labore messen). Denn nur so erfahren die Verbraucher – die Gen-Technik in Lebensmittel mit großer Mehrheit ablehnen – wie weitverbreitet die Gen-Technik inzwischen ist. Und nur so lässt sich die weitere Verbreitung möglicherweise aufhalten und verhindern, dass in einiger Zeit vielleicht fünf Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile als „zufällig und technisch unvermeidbar“ und so belastete Lebensmittel offiziell als gentechnikfrei gelten.

Foto: stockbyte

Foto: Labor

Kleinster gemeinsamer Nenner: Die meisten gesetzlichen Regelungen gelten EU-weit, müssen also mit der gesamten EU abgestimmt werden. Nicht selten gehen die Ansichten darüber, was erlaubt werden sollte, weit auseinander. Hinter den Differenzen stecken meist wirtschaftliche Interessen. Meist einigen sich die Gremien daher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – nicht unbedingt zum Vorteil des Verbraucherschutzes.

Regelungslücken: Viertens gibt es in den gesetzlichen Vorgaben oft Regelungslücken. So waren die oben erwähnten krebserregenden aromatischen Amine zwar in Textilien verboten, in Baby- und Kinderspielzeug wie Stoffbilderbüchern aber noch erlaubt. Selbstverständlich hat ÖKO-TEST in seinen Tests auf diese Absurdität hingewiesen und belastete Produkte abgewertet.

Neue Gesetze: Das ist der fünfte Grund, warum ÖKO-TEST oft strenger ist als der Gesetzgeber: Die Kritik von uns wird oft später in Gesetze und Verordnungen übernommen. So wurden nicht nur die aromatischen Amine für Kinderspielzeug nach unseren Tests verboten. Auch die Verwendung bedenklicher Phthalatweichmacher in Beißringen und anderem Spielzeug wurde nach unserer Kritik untersagt. In Kosmetik beispielsweise hatten wir den bedenklichen Konservierungsstoff Euxyl K 400 negativ bewertet, weil er häufig Allergien auslöst. Danach wurde seine Verwendung zunächst eingeschränkt und 2006 ganz verboten.

Beispiel Fahrräder: Bei Tests geht nicht nur ÖKO-TEST über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So erschien im Mai 2009 zeitgleich mit unserem Test von Kinderfahrrädern bei der Stiftung Warentest ein Test von Trekkingrädern (übrigens von demselben Labor durchgeführt). Danach wurden die Stiftung Warentest wie ÖKO-TEST wegen der Testmethoden kritisiert (ÖKO-TEST wurde zudem noch – erfolglos – vor Gericht gezerrt). Grund für die Kritik: ÖKO-TEST und die Stiftung hielten sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften, sondern legten selbst „willkürlich“ Anforderungen fest. Dass dies keineswegs willkürlich geschieht, hat das Gericht unserem Test Kinderfahrräder bescheinigt.

Auch der Bundesgerichtshof hat geurteilt , dass Testzeitschriften in der Wahl ihrer Testmethoden und Bewertungsmaßstäbe nicht an gesetzliche Vorschriften gebunden sind. Sie dürfen durchaus umstritten, müssen aber diskutabel sein. Der Hintergrund: Auch Verbraucher legen auf unterschiedliche Dinge Wert. So interessiert den einen nicht, wie viel Wasser und Strom eine Waschmaschine verbraucht, sondern er legt Wert darauf, dass sie mit mindestens 1.600 Touren schleudert.

Für einen gesunden Versicherten ist vielleicht wichtig, welche finanziellen Vorteile seine Krankenkasse bietet. Wer an einer chronischen Krankheit leidet, für den ist nicht die günstigste Kasse die beste, sondern die, welche für chronisch Kranke die höchsten Leistungen bietet.

Bei Lebensmitteln vertrauen die einen darauf, dass die Hersteller die gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffe einhalten und dass die Grenzwerte ausreichend schützen – und entscheiden daher nach dem Preis oder dem Geschmack. Anderen ist egal, ob der Bio-Cappuccino einen feinen Schaum bildet oder nicht. Sie wollen, dass der Hersteller möglichst wenige Zusatzstoffe verwendet. Ober sie wollen, dass ihre Kinder mit möglichst wenigen Schadstoffen belastet werden – selbst wenn höhere Werte gesetzlich zulässig sind.

Solche unterschiedlichen Verbraucherwünsche dürfen Testzeitschriften abbilden. Es muss nur deutlich werden, worauf sich die Bewertung stützt, warum ein Produkt „sehr gut“ oder „ungenügend“ ist, auf dem 1. oder dem 6. Rang liegt. Im ÖKO-TEST-Magazin findet sich daher zu jedem Test ein „So haben wir getestet“. Damit erklären wir, welche Produkte wir eingekauft haben, was wir untersuchen lassen und was nicht, und wie wir die Untersuchungsergebnisse bewerten.

Foto: ccvision.de

Beispiel Duftstoffe: Allerdings ist ÖKO-TEST nicht immer strenger als der Gesetzgeber. So schreibt die Kosmetikrichtlinie der EU vor, dass 26 Duftstoffe in Cremes, Shampoos, Parfüms und anderen Kosmetika deklariert werden müssen, weil sie Allergien auslösen können. Durch Zusammenarbeit mit dem Informationsverbund Dermatologischer Kliniken IVDK, der über die größte Allergiedatenbank der Welt verfügt, wissen wir jedoch, dass nur sieben dieser Duftstoffe als Allergieauslöser von Bedeutung sind. ÖKO-TEST wertet daher nur die tatsächlich allergenen Duftstoffe in Kosmetik ab. Und wir unterscheiden sogar noch zwischen weniger starken Allergenen, die wir nur um eine Note abwerten, sowie stärkeren, die zwei Minuspunkte bekommen.

Das Beispiel Duftstoffe zeigt auch: ÖKO-TEST wertet nicht aufgrund umstrittener oder sogar unhaltbarer Annahmen Produkte ab, die eigentlich unbedenklich sind. ÖKO-TESTs sind auf wissenschaftlich fundierter Basis und durch Zusammenarbeit mit führenden Experten Wegbereiter für eine Verbesserung des Gesundheitsschutzes der Verbraucher.

Modernste Testmethoden: Dazu kommt: Für unsere Untersuchungen verwenden die von uns beauftragten Labore die modernsten Testmethoden. Das hat vor einiger Zeit ein Gericht sogar ausdrücklich bestätigt. In dem Prozess ging es um das gefährliche und verbotene Antibiotikum Chloramphenicol in Shrimps. Ein Hersteller, der gleich zwei belastete Produkte im Angebot hatte, erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen uns, durch die wir gezwungen waren, dem bereits gedruckten ÖKO-TEST-Magazin einen Hinweiszettel beizulegen. Darin wurde ÖKO-TEST unter anderem verpflichtet, Mengen unter 1 μg/kg als „unmaßgeblich“ zu bezeichnen.

Dagegen legten wir umgehend Widerspruch ein und bekamen recht. Die einstweilige Verfügung wurde aufgehoben. „Würde ÖKO-TEST verurteilt“, schrieb das Gericht in seiner Begründung, „bei einer Belastung von Shrimps oder Garnelen von 0,19 μg/kg bzw. von 0,3 μg/kg dem Leser mitzuteilen, dass diese Belastung mit Chloramphenicol unmaßgeblich sei, wäre dies falsch und würde nicht der aktuellen Rechtslage entsprechen.“ Denn bereits zwei Jahre zuvor hatte das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) festgelegt, dass Produkte zu beanstanden und aus dem Verkehr zu ziehen sind, die lediglich 0,1 μg/kg Chloramphenicol enthalten. Damit Shrimps überhaupt verkauft werden dürfen, verlangten die Überwachungsbehörden Untersuchungsberichte, bei denen die Nachweisgrenze nicht höher als 0,3 μg/kg liegt. Auf den gleichen Wert verständigte sich auch der zuständige Fachausschuss der EU. Diese verhältnismäßig hohe Grenze wurde nur zugelassen, weil genauere Tests extrem teuer sind. Außerdem haben nur wenige Labore die Ausrüstung für Untersuchungen, wie sie ÖKO-TEST durchführen lässt – „die nach dem momentanen Stand der Technik aufwendigste und modernste Messmethode überhaupt“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Bio-Lebensmittel im ÖKO-TEST

Warum bewertet ÖKO-TEST Bio-Lebensmittel nicht grundsätzlich besser als konventionelle oder konventionelle nicht grundsätzlich bestenfalls mit „gut“?

Die Frage, ob ein Lebensmittel aus kontrolliert ökologischem Anbau bzw. aus kontrolliert ökologischer Tierhaltung stammt, ist im Labor nicht nachprüf- und beweisbar. ÖKO-TEST müsste sich daher auf die Angaben der Hersteller und Vertreiber verlassen. Das lehnen wir aber ab. Auch, weil es die Gefahr von Fehlurteilen birgt.

Beispiel Bio-Hähnchen: Kürzlich wurden große Mengen konventionelle Hähnchen als Bio-Geflügel verkauft. Bei einem Test hätte ÖKO-TEST diese Hähnchen untersucht und – sofern keine weiteren Mängel vorgelegen hätten – nur diese angeblichen Bio-Hähnchen mit „sehr gut“ bewertet. Kurz nach Erscheinen unseres Tests wäre der Skandal aufgeflogen. Dann hätten unsere Leser sowie die gesamte Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Tests verloren. Auf die Testergebnisse von ÖKO-TEST könne man sich nicht verlassen, hätte es geheißen, denn wir würden lediglich die Angaben der Hersteller abschreiben.

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Beispiel Bio-Getreide: Am 2. Juni 2009 vermeldeten die niederösterreichischen Nachrichten:Vom Bio-Guru zum verurteilten Betrüger: Als Mann der Stunde, der als Erster das Potenzial von Bio-Getreide und dessen Produkten erkannte, wurde Andreas K. (49) aus Raabs an der Thaya bei einem Großteil der österreichischen Bauern hochgehalten, ja nahezu als Bio-Papst hochgejubelt: Er hat das Bio-Angebot gebündelt und konnte so stark gegen den Handel auftreten. Damit hat er für uns, die Bio-Bauern, bessere Preise erzielt. Der Bio-Getreide-Guru entpuppte sich aber als Betrüger, der in den Jahren 2000 und 2001 mit dem Wörtchen bio im Getreidehandel schändlichen Missbrauch betrieben und der Waldviertler Firma Ökoland VertriebsGmbH einen tödlichen Imageschaden versetzt hat. In den ertragsarmen Erntejahren 2001/02 kamen durch den Waldviertler Getreidehändler Adolf A. (37) und den leitenden Angestellten im Getreidesektor bei der Firma Ökoland, Andreas K., in Geras an die 14.000 Tonnen konventionelles Futtergetreide als Bio-Ware auf den Markt. Verrechnet wurde der höhere Bio-Preis und damit satter Profit eingefahren. Schaden: über eine Million Euro.

Solche Betrugsfälle sind zwar die Ausnahme, aber im Labor nicht zu entdecken, sondern allenfalls durch die Arbeit der Öko-Kontrollstellen. Sie lassen sich die Bücher zeigen und prüfen beispielsweise Eingangs- und Ausgangsrechnungen auf Plausibilität oder Unstimmigkeiten.

Darüber hinaus bewertet ÖKO-TEST konventionelle Lebensmittel nicht grundsätzlich schlechter, weil es Erzeuger gibt, die zwar nach den Vorgaben der EUÖko-Verordnung produzieren, aber aus Kostengründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie keine Anerkennung als Bio-Betrieb erwerben.

Solche Bio-Produkte würden die rote Karte bekommen, obwohl sie sehr hochwertig sind.

Nicht zuletzt wurden in der Vergangenheit immer wieder Bio-Lebensmittel als konventionell verkauft, um Überschüsse abzubauen. Das war bei Milch und Fleisch der Fall, als das Angebot die Nachfrage zeitweise überschritt. Auch solche Produkte wären im Labor nicht zu erkennen. Gegen eine Abwertung könnte sich der Hersteller aber gerichtlich zur Wehr setzen.

Warum wertet ÖKO-TEST Milch von Kühen, die Gen-Futter gefressen haben, nicht ab?

ÖKO-TEST muss seine Testergebnisse im Zweifel vor Gericht belegen können. Das ist aber bei der Fütterung mit Gen-Soja nicht möglich, in der Milch finden sich davon keine Rückstände. Wir haben es da viel schwerer als zum Beispiel Greenpeace. Denn es ist eine Sache, eine Molkerei anzuprangern, weil sie ihren Bauern nicht die Verwendung von Gen-Soja verbietet. Eine andere Sache ist es, ein konkretes Produkt deswegen abzuwerten. Denn die Molkerei könnte immer behaupten, gerade diese Milch stamme nicht von Kühen, die mit Gen-Soja gefüttert wurden – und ÖKO-TEST könnte das nicht widerlegen.

Warum berücksichtigt ÖKOTEST nicht, wenn Kosmetik ohne Tierversuche hergestellt wird?

Um die Frage der Tierversuche gibt es beträchtliche Verwirrung. Bereits seit 2004 dürfen europaweit keine fertigen kosmetischen Mittel mehr im Tierversuch geprüft werden. Seit 2009 gilt in der EU zudem ein Tierversuchsverbot für die Prüfung von kosmetischen Inhaltsstoffen wie Tenside und Konservierungsstoffe. Umgekehrt sind alle Rohstoffe – auch die für tierversuchsfreie Kosmetik – irgendwann einmal im Tierversuch getestet worden.

Tierversuche waren die Voraussetzung, dass Rohstoffe überhaupt verwendet werden durften. Das Label für Tierversuchsfreie Kosmetik – es zeigt ein Kaninchen unter einer schützenden Hand und wird vom Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTK) vergeben – stellt sicher, dass keine Rohstoffe verwendet werden, die nach dem 1.1.1979 im Tierversuch getestet wurden. Tabu sind auch Rohstoffe, die durch Tierquälerei gewonnen oder für die Tiere eigens getötet wurden. Rohstoffe von lebenden Tieren stammen bevorzugt aus ökologischer Tierhaltung.

Allerdings sind auch nach 1979 neue Rohstoffe entwickelt und wie vorgeschrieben im Tierversuch getestet worden, die sogar für zertifizierte Naturkosmetik zugelassen sind. Beispielsweise physikalische Lichtschutzfilter, ohne die es keine modernen Sonnenschutzmittel geben würde. Die großen Hersteller von Naturkosmetik sind daher nicht Mitglied im Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik und labeln ihre Produkte auch nicht mit dem Kaninchen.

Kinderarbeit, Nachhaltigkeit, fairer Handel

Warum spielen die Herstellungsbedingungen bei ÖKO-TEST keine Rolle? Zum Beispiel, ob ein Produkt ohne Kinderarbeit hergestellt oder ob es fair gehandelt wurde.

Wir empfehlen in unseren Tests immer wieder zum Beispiel Fairtrade-Produkte. Nur können wir weder fairen Handel, Kinderarbeit, artgerechte Tierhaltung, nachhaltige Produktion und sonstige soziale Aspekte (CSR – Corporate Social Responsibility) in die Bewertung für einzelne Produkte aufnehmen oder sogar zur Grundlage der Bewertung machen. Die Gründe sind ähnlich wie beim ökologischen Anbau von Lebensmitteln.

ÖKO-TEST kann nicht nachprüfen, ob die Angaben der Hersteller und Anbieter wirklich stimmen. Und allein auf deren Angaben verlassen wir uns nicht. Aus rechtlichen wie aus Gründen der Glaubwürdigkeit.

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Corporate Social Responsibility: Viele große und weltweit operierende Unternehmen haben heute CSR-Leitlinien zum Beispiel für Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern – und bemühen sich auch, die Einhaltung der Regeln bei ihren Lieferanten zu kontrollieren und sicherzustellen. Doch in einer Welt globalisierter Produktion und Warenströme ist eine lückenlose Kontrolle einfach nicht möglich. Aus Berichten von engagierten Gruppen wie der christlichen Initiative Romero ist bekannt, dass die tagtägliche Wirklichkeit vor Ort oft eine andere ist, als sie bei gelegentlichen Kontrollen dargestellt wird und sich dann in den Unternehmensberichten wiederfindet. Allem – sogar ehrlichem – Bemühen zum Trotz, liegt bei Arbeitszeiten, Überstundenbezahlung, Kinderarbeit oder gewerkschaftlicher Betätigung in vielen Erzeugerländern noch vieles im Argen.

Außerdem sind oft die „Hersteller“ nicht die tatsächlichen Hersteller. In den Erzeugerländern werden von den Auftragnehmern oft Subunternehmen und von diesen weitere Subunternehmen zugezogen, die sich jeglicher Kontrollierbarkeit entziehen. Das stellt sich immer wieder als Grund für problematische Testergebnisse heraus. Da beauftragt ein deutsches Unternehmen einen Hersteller in China, Indien oder der Türkei und schreibt genau vor, welche Zutaten verwendet werden dürfen und welche nicht. Die Herstellerfirma gibt den Auftrag (teilweise) weiter, weil sie in der Kürze der vorgegebenen Zeit nicht fertig würde. Aus dem gleichen Grund muss auch der Subunternehmer seinerseits einen Teil der Arbeit weitergeben. Irgendwo in dieser Kette gehen die Spezifikationen für die Produktion verloren – und die ÖKO-TEST-Labors finden krebserregende aromatische Amine in einem BH, obwohl der Vertreiber in Deutschland die Verwendung entsprechender Farben untersagt hatte.

Nachhaltigkeit: Neben den schon beschriebenen Problemen der Überprüfbarkeit der Angaben und Daten gibt es bei der Frage der Nachhaltigkeit mindestens zwei weitere Probleme.

Erstens: Was ist überhaupt ein nachhaltiges Produkt? Ein Drei-Liter-Auto? Oder ist Mobilität in der heutigen motorisierten Form überhaupt nicht nachhaltig möglich, da im Weltmaßstab eine Motorisierung wie in den Industrieländern auch mit Drei-Liter-Autos untragbar wäre.

Zweitens: fehlende Daten. Um zum Beispiel zu beurteilen, ob ein Produkt in Bezug auf einen einzelnen Aspekt wie die Energie, die zu seiner Herstellung gebraucht wird, nachhaltig ist, genügt es nicht, den Energieverbrauch zu kennen. Man müsste auch wissen, wie diese Energie gewonnen wurde: aus Atomkraft, aus Kohlekraftwerken mit guter oder schlechter Filtertechnik, aus Gaskraftwerken oder aus regenerativen Quellen. Solche Daten stehen aber in der Regel für das konkrete getestete Produkt nicht zu Verfügung.

Fairer Handel: Sicherlich sind gerade die Angaben von seriösen Organisationen wie Fairtrade in den allermeisten Fällen korrekt und vertrauenswürdig. Aber Fehler – ob unbewusst gemacht oder um bewusst zu täuschen – sind nicht auszuschließen und zu vermeiden.

Überflüssig, wirkungslos – und „sehr gut“?

Sie schreiben immer, Nahrungsergänzungsmittel sind überflüssig und nützen nichts. Trotzdem sind sie zum Teil „sehr gut“. Wie passt das zusammen?

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Tatsächlich halten wir , und nicht nur wir, Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich für überflüssig. Denn wer sich abwechslungsreich ernährt, hat keinen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen zu befürchten. Auch wer es nicht schafft, fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, wie Ernährungswissenschaftler empfehlen, wird nicht krank. Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts, das ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention, liegen die Deutschen bei fast allen Vitaminen über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Nicht ausreichend versorgt sind unter Umständen Raucher und Alkoholiker, die jedoch besser etwas gegen ihre Sucht unternehmen sollten, anstatt mit Pillen etwas gegen die Folgen. Auch wer (fast) ausschließlich von Fast Food lebt, ist möglicherweise unterversorgt, ernährt sich durch die Pillen aber auch nicht wesentlich gesünder. Schließlich kann ein Teil der alten Menschen den Bedarf an bestimmten Vitaminen nicht mit der normalen Ernährung decken, ebenso wie Schwangere. In diesen Fällen sollte jedoch ein Arzt entsprechende Medikamente verordnen.Gegen Vitaminpillen und Mineralstoffpräparate spricht zudem, dass sie – gesetzlich vorgeschrieben – nicht gegen Krankheiten wirken dürfen. Sonst wären es Medikamente, die anders als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen werden müssen. Sie dürfen daher allenfalls vorbeugend gegen einen – in der Regel nicht bestehenden oder drohenden – Mangel eingesetzt werden.

Dass ein Produkt überflüssig ist, reicht jedoch nicht als Begründung, es mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ zu bewerten. Denn oft ist die Einschätzung sehr subjektiv. Ein Vegetarier hält Fleisch und Wurst für überflüssig, ein politisch Interessierter vielleicht die FDP. ÖKO-TEST legt daher immer objektivierbare Bewertungsmaßstäbe an. Im Falle von Nahrungsergänzungsmitteln sind das im Wesentlichen die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung. Das BfR hat bereits im Jahr 2004 Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln vorgeschlagen. Werden diese Grenzen eingehalten – nur für wenige Stoffe ist ÖKO-TEST strenger als das BfR – sind Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungen „sehr gut“.

Das zwingt aber niemanden, die Pillen zu kaufen und zu schlucken. Ob er sich unserer Meinung und der vieler Experten anschließt, dass die Mittel überflüssig sind, bleibt jedem selbst überlassen.

Sie haben Actimel mit „gut“ bewertet. Dabei wirkt es nicht besser als ein normaler Joghurt, ist aber wesentlich teurer und enthält auch noch Zucker.

Actimel aktiviert Abwehrkräfte: Diese plakative Werbung wird immer wieder kritisiert. Dabei stimmt die Aussage, das haben nicht nur firmeneigene Studien ergeben. Allerdings wirkt Actimel nicht wesentlich besser als ein normaler, erheblich billigerer Joghurt. ÖKO-TEST schreibt daher: Es gibt keinen Grund, probiotische Produkte essen zu müssen.

Man kann Hersteller Danone jedoch nicht vorwerfen, das in seiner Werbung zu verschweigen. Schließlich fordert auch niemand von Mercedes, darauf hinzuweisen, dass in der Regel auch ein wesentlich billigerer VW reichen würde. Denn es ist ein Wesen der Werbung, die Vorteile des eigenen Produkts anzupreisen.

Da Actimel in unserem Test zudem keine Schadstoffe oder schädliche Keime enthielt, blieb als einziger Abwertungsgrund der Zucker. Daher ist der Joghurt nicht „sehr gut“, sondern hat nur ein „gut“ bekommen.

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Wie können Fertiggerichte „gut“ oder sogar „sehr gut“ abschneiden? Das fördert doch eine ungesunde Ernährungsweise.

Problematisch ist , dass sich viele Menschen hauptsächlich von Fertigprodukten ernähren. Das ist, wie jede einseitige Ernährung, auf Dauer ungesund. Andererseits ist nichts gegen ein Fertigprodukt einzuwenden, wenn es mal schnell gehen muss. Auch dann sollten es möglichst ausgewogene und keine zu fetten, zu salzigen oder mit Schadstoffen belastete Produkte sein. Mit unseren Test bewirken wir, dass die Hersteller solche mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewerteten Produkte umstellen und verbessern. Das kommt dann auch denen zugute, die häufig und ohne auf Testergebnisse zu achten, Fertigprodukte essen. Sie ernähren sich dadurch zwar nicht gesund, aber zumindest ein wenig gesünder.

Wie können Cellulitecremes „sehr gut“ sein, obwohl sie nicht gegen Cellulite helfen?

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Tatsächlich können Cremes nichts gegen Cellulite ausrichten. Sie dürften es nicht einmal. Denn die Wirkung von Kosmetika muss laut Gesetz an der obersten Hautschicht enden. Die Ursachen für Cellulite liegen jedoch beim weiblichen Körper tiefer und gewissermaßen in der Natur der Sache. Während beim Mann das obere Bindegewebe so fest und stark ist, dass es auch prall gefüllte Fettzellen in der Unterhaut gut in Schach halten kann, muss das weibliche Bindegewebe nachgiebig und dehnbar bleiben, um für Schwangerschaften gewappnet zu sein. Der Haken daran: Dieses zarte, dünne Bindegewebe hat den Fettzellen in den unteren Schichten weniger entgegenzusetzen. So zeichnen sich oben schnell unschöne Dellen ab. 80 bis 90 Prozent der Frauen sind davon betroffen, je nach Veranlagung und Alter mal mehr, mal weniger. Schlanke und Moppelige trifft es dabei gleichermaßen. Aber wo mehr Fett gespeichert wird, kann auch die Cellulite deutlicher hervortreten.

Somit sind alle Cellulitecremes gleich wirkungslos – und doch gibt es Unterschiede. Zum Teil enthalten die von ÖKO-TEST untersuchten Produkte schädliche, andere dagegen pflegende Inhaltsstoffe. Außerdem „können die Pflegemittel, wenn sie sorgfältig und regelmäßig einmassiert werden, durchaus die Durchblutung verbessern und für ein besseres Hautbild sorgen“, erklärt die Kölner Hautärztin Dr. Anne Hundgeburth. Nicht zuletzt können Hersteller für ihre Creme von uns nur ein „sehr gut“ bekommen, wenn sie deutlich darauf hinweisen, dass Cremes keine Alternative zu Sport, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung sind. So hilft ein „sehr gutes“ Produkt auch, das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise wachzuhalten.

So untersuchen wir die Wirksamkeit

Warum untersucht ÖKOTEST nicht die Wirksamkeit oder den Gebrauchswert von Produkten?

Das ist falsch. Selbstverständlich untersucht ÖKO-TEST,
■ wie gut Waschmittel waschen,
■ ob ein Autokindersitz die Kleinen bei einem Unfall wirklich schützt,
■ wie viel Flüssigkeit Katzenstreu aufnimmt,
■ ob Matratzen ergonomisch günstig sind,
■ wie gut Akkubohrer mit Holz, Beton oder Metall fertig werden
■ und vieles mehr.

Eine Übersicht finden Sie: www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=intern;co= Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeitstests wird vor allem in Bezug auf Kosmetika erhoben – und ist auch hier nicht richtig. Generell gilt, dass die mögliche Wirkung von Kosmetika per Gesetz eng begrenzt ist. Sie muss sich auf die obere Hautschicht beschränken.

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Anti-Falten-Cremes dürfen daher schon per Gesetz nicht gegen Falten wirken, denn die entstehen in viel tieferen Hautschichten. Zudem: Die ehemals Faltenlosen und Reichen würden sich sicherlich nicht mit Botox vollpumpen und unters Messer legen, wenn sie sich gegen ihre Falten auch einfach etwas Creme ins Gesicht schmieren könnten.

Trotzdem werben Kosmetikhersteller oft mit Tests, die die Anti-Falten-Wirkung belegen sollen. Bei solchen Tests – oft in Ländern des ehemaligen Ostblocks durchgeführt – wird gern getrickst. Trinken beispielsweise die am Test beteiligten Frauen zwei, drei Tage nichts, bekommt ihre Haut aufgrund des Wassermangels tiefe Falten. Wird dann eine Anti-Falten-Creme aufgetragen, glättet sich die Haut durch die Feuchtigkeitszufuhr tatsächlich sichtbar. Im Normalfall verringert sich die Faltentiefe durch eine Creme jedoch nur um Mikrometer, also im nicht wahrnehmbaren Bereich. Zudem hält die Wirkung nur so lange an, wie die Creme benutzt wird.

Die besten Mittel gegen Falten sind gesunde Ernährung, genügend Schlaf, nicht zu rauchen und regelmäßig zu sporteln. Cremes oder Lotionen auf der Grundlage von natürlichen Fetten und Ölen können die Haut zusätzlich pflegen. Wichtig ist nach Meinung von ÖKO-TEST, dass sie nicht Inhaltsstoffe enthalten, die die Haut reizen oder Allergien auslösen können. Doch die natürliche Hautalterung ist auch durch die gesündeste Lebensweise und die beste Creme nicht aufzuhalten.

Zahnpasten: Anders als für Cremes fällt die Antwort für Zahnpasten aus. Zahnpasten sollen vor allem Karies verhindern helfen.

Dafür enthalten sie unterschiedliche Fluoridverbindungen, die sich in ihrer Wirksamkeit kaum voneinander unterscheiden. Allerdings gibt es auch Zahnpasten auf dem Markt – zumeist von Naturkosmetikherstellern – die kein Fluorid enthalten. Sie können von ÖKO-TEST auch kein „sehr gut“ bekommen, denn ihnen fehlt der entscheidende Wirkstoff.

Eine Ausnahme machen nur Kinderzahnpasten. Hier gibt es einen bis heute nicht entschiedenen Streit zwischen Zahnärzten und Kinderärzten um die richtige Kariesprophylaxe: Mit fluoridierter Zahnpasta oder mit Fluoridtabletten. Sicher ist nur: Beides zusammen ist schnell zu viel und führt zu Fluorose, das sind weiße Flecken auf den Zähnen. Daher rät ÖKO-TEST, das eine oder das andere zu machen – und bewertet auch Kinderzahnpasten ohne Fluorid mit „sehr gut“.

Nicht untersucht wird bei Zahnpasten die Reinigungswirkung. Denn zum einen erbringen die Tests oft unterschiedliche, nicht nachvollziehbare Ergebnisse für ein und die gleiche Zahnpasta. Zum anderen hängt die Reinigungswirkung auch stärker von der Putztechnik des Anwenders als von der Zahnpasta ab.

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Sonnenschutzmittel: Testmethoden, die kaum oder nur schwer verwertbare Ergebnisse bringen, sind ein Grund dafür, dass ÖKO-TEST bei Sonnenschutzmitteln die Schutzwirkung nicht untersucht. Außerdem erfordert der Test, Versuchspersonen so lange zu bestrahlen, bis sie einen leichten Sonnenbrand haben. Beide Probleme umgehen wir, indem wir empfehlen, die versprochene Schutzwirkung nicht voll, sondern nur zu 60 Prozent auszunutzen. Viel wichtiger als die Frage, ob der angegebene Schutzfaktor im Test zu 100 oder nur zu 90 Prozent erreicht wird, ist ohnehin ein anderes Problem: Die meisten Menschen cremen sich viel zu dünn ein, sodass der Schutzfaktor daher nicht erreicht wird.

Deos: Auch bei Deos erübrigt sich unserer Meinung nach ein Test der Wirksamkeit. Denn klar ist: Die Leistung der von ÖKO-TEST mit „sehr gut“ getesteten Deos – oft, aber nicht nur von Naturkosmetikherstellern – reicht nicht an die Leistung der Produkte von konventionellen Herstellern. Wer stark schwitzt, muss ausprobieren, ob die adstringierende Wirkung von natürlichen Substanzen ausreichend ist. Ansonsten bleiben nur herkömmliche Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen, die die Schweißdrüsen stark zusammenziehen (adstringieren) und so den Schweißfluss unterdrücken, aber auch zu Entzündungen der Drüsen führen können. Das Gleiche gilt für die Entstehung des Schweißgeruchs. Herkömmliche Deos töten die Bakterien. Doch die antibakteriellen Substanzen sind oft gesundheitlich bedenklich.

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Mückenschutzmittel: Anders als immer wieder berichtet, werden wirkungslose Mückenmittel von uns nicht mit „sehr gut“ bewertet. ÖKO-TEST hat mehrfach die Schutzwirkung von Produkten auf der Basis von natürlichen Abwehrduftstoffen untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Naturprodukte Mücken durchaus fernhalten. Allerdings lässt ihre Wirkung nach etwa zwei Stunden nach, während Produkte mit nervenschädigenden Substanzen wie DEET mehr als fünf Stunden lang schützen.

Schuppenshampoos: Oft wird ÖKO-TEST kritisiert, weil wir bei Schuppenshampoos keine Wirksamkeitstest durchführen. Unbestritten ist, dass es Substanzen gibt, die den lästigen Schnee wirksam bekämpfen. Doch die Wirkstoffe selbst sind nicht unproblematisch. Climbazol gehört zu den halogenorganischen Verbindungen und kann im Körper das krebsverdächtige Chlorphenol abspalten. Kosmetika, deren Climbazolgehalt einen Anteil von 0,5 Prozent überschreitet, dürfen daher in Deutschland seit Juni 2008 nicht mehr an den Endverbraucher verkauft werden. Selendisulfid soll eine erhöhte Talgproduktion reduzieren. Denn Talg bietet den für die Schuppenbildung verantwortlichen Hefepilzen einen idealen Nährboden. Selendisulfid wirkt so stark, dass Dermatologen empfehlen, die Substanz nur in medizinischen Produkten für sehr ernste Fälle zu verwenden. In freiverkäuflichen Schuppenshampoos ist Selendisulfid nur bis zu einer Konzentration von einem Prozent zugelassen. Zudem muss auf die Shampooflasche der Warnhinweis: Enthält Selendisulfid, Kontakt mit Augen und gereizter Haut unbedingt vermeiden. Zinkpyrithion hemmt die Zellteilung eines bestimmten Hefepilzes und dadurch die Schuppenbildung. Doch die Kopfhaut kann auf diesen Wirkstoff sensibel und gereizt reagieren, was sich in Jucken, Ausschlag und Entzündungen äußert.

Weil zudem unbestritten ist, dass die Schuppen bei einem Wechsel des Shampoos zurückkommen, verzichten wir auf eine Untersuchung der „Wirksamkeit“. ÖKOTEST rät vielmehr, die Ursachen der Schuppenbildung zu suchen und ein mildes „normales“ Shampoo zu verwenden, das die Kopfhaut nicht zusätzlich reizt.

Wird man krank, wenn man beispielsweise mit Pestiziden belastetes Obst gegessen hat?

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In der Regel nicht. Das gilt auch für die Benutzung von Kinderspielzeug, selbst wenn es verbotene Weichmacher enthält, für Kleidung mit krebserregenden Farbstoffbestandteilen, „ungenügenden“ Lacken, Farben oder Kosmetika. Unsere Tests dienen dem vorbeugenden Verbraucherschutz.

Was das heißt, lässt sich am Beispiel des Rauchens verdeutlichen. Nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs. Trotzdem muss auf den Zigarettenschachteln davor gewarnt werden. Denn mit jeder Zigarette erhöht sich das Risiko, zu erkranken.

Genauso ist es mit Schadstoffen, die wir in Lebensmitteln, Kinderspielzeug, Kleidung, Kosmetik und all den anderen Produkten finden, die wir Monat für Monat untersuchen lassen. Mit jeder zusätzlichen Schadstoffdosis aus belasteten Produkten steigt das Risiko, dass irgendwann das buchstäbliche Fass überläuft und eine Krankheit ausbricht.

Hier liegt ein weiterer Grund, warum ÖKO-TEST oft über die gesetzlichen Bestimmungen und Grenzwerte hinausgeht. In der Regel gibt es Grenzwerte für einzelne oder auch eine Vielzahl von Schadstoffen in einem Produkt. Sie sollen verhindern, dass die Höchstwerte (ADI- bzw. TDI-Werte) überschritten werden, die als unbedenklich für die tägliche Aufnahme gelten. Bei der Festlegung der gesetzlichen Grenzwerte wird zudem nicht berücksichtigt, dass sich unterschiedliche Schadstoffe in ihrer Wirkung nicht nur addieren, sondern gegenseitig verstärken können.

Beispiel Margarine: Sie enthält den vor Kurzem entdeckten Fettschadstoff 3- MCPD-Fettsäureester. Zum Teil in so hohen Mengen, dass der TDI-Wert schon durch den Verzehr der normalen Menge Margarine überschritten wird. Häufiger noch werden 50 Prozent des TDI erreicht. Allerdings finden sich 3-MCPD-Fettsäureester, die die Nieren schädigen und in hohen Dosen gutartige Tumoren verursachen können, ebenso in anderen Lebensmitteln. Wir fanden den Schadstoff beispielsweise auch in Nuss-Nougat-Cremes oder Doppelkeksen. Wer verschiedene belastete Lebensmittel isst, kann daher über dem TDI-Wert liegen, obwohl die einzelnen Lebensmittel allein als unbedenklich gelten.

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Unmittelbare Gefahr besteht allerdings , wenn, wie in unserem Test Kinderfahrräder (Heft 5/2009) die Rahmen brechen, oder wie in unserem Test Kaffeemaschinen (ÖKO-TEST-Magazin 12/2008) die elektrische Sicherheit nicht gewährleistet ist. In seltenen Fällen wird bei Pestiziden auch der sogenannte ARfD-Wert überschritten. Das heißt: Schon der einmalige Verzehr so belasteter Lebensmittel kann zu Schäden führen. Absurd und ein weiterer Grund dafür, dass ÖKO-TEST oft strenger ist als der Gesetzgeber: Auch wenn der ARfD-Wert überschritten ist, kann das belastetete Produkt die gesetzlichen Grenzwerte einhalten.

Beispiel Allergien: Unmittelbar kann sich auch eine Allergie bemerkbar machen, die zum Beispiel durch Duftstoffe ausgelöst wird, die wir in Kosmetika kritisieren und abwerten. Umgekehrt kann es allerdings auch passieren, dass Menschen mit Produkten nicht zurechtkommen, an denen ÖKO-TEST nichts zu bemängeln hat, und beispielsweise auf eine „sehr gute“ Creme allergisch reagieren. Denn grundsätzlich kann (fast) jeder Stoff bei einzelnen Menschen eine Allergie auslösen. Solche Einzelfälle können wir in unsere Tests und Bewertung jedoch nicht einfließen lassen. Wer davon betroffen ist, wird mit ziemlicher Sicherheit allerdings mit einem „sehr guten“ Produkt einer anderen Firma richtig liegen, das den betreffenden Stoff nicht enthält – und selbstverständlich auch keine Stoffe, die bekanntermaßen Allergien auslösen.

Welchen Sinn macht es, frisches Obst und Gemüse zu testen? Die untersuchten Produkte bekommt man nicht mehr, wenn der Test veröffentlicht wird.

Bei Obst und Gemüse untersuchen wir immer drei verschiedene Chargen. Möglichkeit 1: Alle Ergebnisse zum Beispiel für die Kirschen eines Vertreibers sind gleich gut. Dann hat der Hersteller eine gute Qualitätskontrolle und hohe Qualitätsansprüche, und Sie können davon ausgehen, dass auch später von Ihnen gekaufte Kirschen in Ordnung sind.

Möglichkeit 2: Der umgekehrte Fall, alle drei Chargen sind durchgefallen. Dann stellt sich doch die Frage, warum später gekaufte Kirschen besser sein sollen.

Dritte Möglichkeit: Die Testergebnisse schwanken, im Extremfall zwischen „sehr gut“ und „ungenügend“. Der Einkauf in diesem Supermarkt ist somit ein Glücksspiel – entweder weil die Qualitätskontrolle nicht funktioniert oder weil der Hersteller niedrige Qualitätsansprüche hat.

Sowohl bei durchgängig schlechten wie bei schwankenden Ergebnissen können Verbraucher Druck machen, indem sie die Produkte im Regal liegen lassen. Dass dieser Druck tatsächlich Erfolge hat, können Sie in der Rubrik Nachwirkungen im ÖKO-TEST-Magazin nachlesen. Dort berichten wir jeden Monat über Verbesserungen, die die Hersteller vorgenommen haben.

Warum testet ÖKOTEST auch „überflüssige Lebensmittel“ wie Fertigpizza, Salatsaucen oder Nuss-Nougat-Cremes?

Eine allgemeingültige Definition , was überflüssig und was unverzichtbar ist, gibt es nicht. Weder bei Lebensmitteln noch bei anderen Produkten. Vegetarier würden wahrscheinlich Tests von Wurst und Fleisch für überflüssig halten, für Veganer (sie verzichten völlig auf tierische Produkte) bräuchten wir wahrscheinlich auch keine Eier testen. Ökologisch ausgerichtete Baufamilien finden möglicherweise einen Test von Dämmstoffen aus Mineralwolle verzichtbar.

Doch diese und viele andere „überflüssige“ Produkte werden gekauft und die Verbraucher haben ein Recht auf Informationen darüber.

Sie sollen wissen, welche Dämmstoffe frei von krebserregenden Fasern sind (auch aufgrund unserer Tests inzwischen alle), welche Eier gesundheitsschädliche Farbstoffe enthalten (viele) und krank machende Salmonellen (wenige) und welches Fleisch Rückstände von Antibiotika enthält.

Sind die Testergebnisse, zum Beispiel bei Lippenstiften, von der einen auf die andere Farbe übertragbar?

Die Testergebnisse gelten immer nur für die getestete Farbe. Denn Farbstoffe können, bei ansonsten gleichem Produkt, zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen. In manchen roten Lippenstiften wird beispielsweise der Farbstoff 17.200 eingesetzt.

Er kann – was ÖKO-TEST überprüft – krebsverdächtige aromatische Amine abgeben. Ein solcher Lippenstift ist dann „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Eine andere Farbe der gleichen Marke ohne 17.200 kann dagegen durchaus „gut“ oder „sehr gut“ sein.

Andererseits stehen die Testergebnisse nicht nur für das konkret getestete Produkt. Die Hersteller können sich nicht darauf rausreden, es handle sich um einen „Ausreißer“, seine Produkte seien in der Regel besser. Hier hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass bei industriell hergestellten Produkten ein getestetes Produkt für die ganze Serie steht, dass der Hersteller also für gleichbleibende Qualität zu sorgen hat.

Industriell hergestellt im Sinne des Bundesgerichtshofes sind auch Lebensmittel wie Joghurt. Bei anderen Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse, die in ihrer Qualität schwanken können, untersucht ÖKO-TEST daher immer drei unterschiedliche Chargen.

Warum ändert ÖKO-TEST seine Testkriterien immer wieder? Die gleichen Produkte werden ein Jahr später auf andere Schadstoffe untersucht als ein Jahr zuvor.

Wir passen unser Testprogramm laufend an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse an, aber auch an die Reaktionen der Hersteller.
Beispiel Nuss-Nougat-Cremes: Jahrelang waren sogenannte Transfettsäuren ein großes Problem. Sie entstehen bei der Verarbeitung von Fetten und Ölen und sind für Herz und Kreislauf noch schädlicher als Cholesterin. Dieses Problem haben die Hersteller aber in den Griff bekommen. Neu entdeckt wurde allerdings der Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester, der ebenfalls bei der Verarbeitung von Fetten und Ölen entsteht. ÖKO-TEST hat daher die 3-MCPD-Fettsäureester ins Untersuchungsprogramm aufgenommen. Dagegen stehen gentechnisch veränderte Bestandteile seit Jahren unverändert auf dem Testprogramm. Erstmals fanden wir September 1997 Gen-Technik in dem beliebten Brotaufstrich.

Danach wurden wir viele Jahre lang nicht fündig. Doch uns war klar, dass sich das Problem, anders als das der Transfettsäuren, nicht erledigen würde. Weil weltweit immer mehr Gen-Soja produziert wird – Sojalecithin ist ein Bestandteil von Nuss-Nougat-Cremes – war es nur eine Frage der Zeit, bis wieder Verunreinigungen mit Gen-Soja auftauchen. Tatsächlich fanden wir im Juni 2009 wieder zwei belastete Produkte.

Warum teilt ÖKO-TEST den Herstellern vorab die Testergebnisse mit?

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Das ist zum einen eine Frage der Fairness. Denn mit unseren Tests greifen wir die Hersteller zum Teil massiv an. Wir finden, dass sie daher die Möglichkeit haben sollten, sich zu verteidigen, auch wenn uns das selbst angreifbar macht. Denn immer wieder versuchen Hersteller, vorab die Veröffentlichung der Testergebnisse vor Gericht verbieten zu lassen.

Außerdem hat die Vorabmitteilung praktische und juristische Gründe. Wenn Hersteller mit den Testergebnissen nicht einverstanden sind, legen sie uns oft Gegengutachten vor. Dann beginnt bei uns und unseren Labors die Suche nach den Gründen. Oft beziehen sich die Gegengutachten auf andere Chargen und sind somit nicht aussagekräftig. Das Gleiche gilt, wenn völlig andere Testmethoden verwendet werden. Lassen sich unterschiedliche Laborwerte jedoch nicht erklären, erfolgt von unserer Seite eine weitere Untersuchung, um auszuschließen, dass das von uns beauftragte Labor einen Fehler gemacht hat – was allerdings so gut wie nie der Fall ist. Trotzdem schützen wir uns durch die frühzeitige Mitteilung der Testergebnisse an die Hersteller vor der Veröffentlichung falscher Testergebnisse.

Rechtlich ist die Benachrichtigung der Hersteller zwar nicht zwingend vorgeschrieben. Verpflichtend ist jedoch das „Bemühen um Richtigkeit“. Die Vorabbenachrichtigung der Hersteller ist für Gerichte ein Indiz für dieses Bemühen. Das Verfahren ist daher auch bei anderen seriösen Testzeitschriften wie Stiftung Warentest Standard.

Ist der Name ÖKO-TEST noch Programm, wenn oft Discounterprodukte unter den Testsiegern sind?

Um die Discounter tobt in der ÖKO-TEST-Leserschaft ein Glaubenskrieg. Die einen fordern, Produkte von Discountern nicht in Tests zu berücksichtigen. Zum Beispiel wegen der Arbeitsbedingungen oder wegen der Behandlung von Lieferanten. Beliebtes Beispiel sind die Milchpreise, die tatsächlich unter anderem wegen der Preispolitik der Discounter für Bauern ruinös sind. Aber auch, weil es offenbar wieder eine Überproduktion gibt. Denn wäre Milch knapp, könnten ja die Bauern höhere Preise durchsetzen.

Foto: [M] ÖKO-TEST, Pe Jo/Fotolia.com

Auf der anderen Seite sind viele – oft Familien mit kleinen Kindern – froh, dass Discounter bei ÖKO-TEST berücksichtigt werden. Ihr Argument: Sie könnten es sich nicht leisten, ihren gesamten Bedarf im Naturwarenhandel oder in Bio-Supermärkten zu decken. Durch unsere Tests könnten sie, ohne ein schlechtes Gewissen wegen möglicher Schadstoffbelastungen haben zu müssen, beim Discounter einkaufen.

ÖKO-TEST kann, wie oben dargestellt, immer nur das Produkt testen und bewerten, nicht aber die Herstellungsbedingungen. Dabei schneiden die Discounter häufig recht gut ab, weil sie ihre Marktmacht nicht nur einsetzen, um Löhne und Preise zu drücken. Sie fordern beispielsweise von ihren Lieferanten Produkte, die bei ÖKO-TEST (oder auch bei der Stiftung Warentest) mindestens mit „gut“ abschneiden. Dadurch wird zum Beispiel der Einsatz von Pestiziden in der Produktion von Obst- und Gemüse eingeschränkt. Denn ÖKO-TEST wertet Produkte schon ab, die mehr als zehn Prozent des gesetzlichen Grenzwertes enthalten. Das ist nur möglich, wenn man so weit wie möglich auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet.

Foto: Ullrich Böhnke

Ein anderes Beispiel sind Aromastoffe. Wir kritisieren den Einsatz unter anderem, weil Aromastoffe die Verwendung von minderwertigen Zutaten überdecken können und schon Kinder nicht mehr zwischen natürlichen Zutaten und künstlichem Geschmack unterscheiden können. Seit einiger Zeit verzichten daher Discounter immer häufiger auf Aromastoffe, die im Übrigen nicht nur von ÖKO-TEST, sondern auch von Ernährungswissenschaftlern abgelehnt werden.

Nicht zuletzt ist der Boom der Bio-Produkte, wie wir ihn heute erleben, erst durch die Discounter möglich geworden. Erst seit sie Bio-Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen anbieten, sind sie für einen Großteil der Bevölkerung überhaupt verfügbar und damit zu einer Alternative zu konventionellen Produkten geworden. Andererseits muss man nicht gutheißen, dass auch Leute bei Discountern für billiges Geld einkaufen, die es sich leisten könnten, nicht nur auf die Preise und die direkte Produktqualität zu achten.

SPD und Grüne: ÖKO-TEST und die Parteien

Was hat ÖKO-TEST mit den Grünen zu tun?

Nichts. Und auch mit der SPD nichts , obwohl die Mehrheitsaktionärin der ÖKO-TEST Holding AG, die deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft DDVG, der SPD gehört. Grundsätzlich achtet ÖKO-TEST nicht nur auf Distanz zu Parteien, sondern auch zu Umweltorganisationen oder Verbraucherverbänden. Damit unterstreichen wir unsere Unabhängigkeit.

Die DDVG hat die Mehrheit an ÖKO-TEST in einer wirtschaftlich schwierigen Lage im Jahr 2002 übernommen, inzwischen besitzt sie rund 65 Prozent. Der Rest ist im Streubesitz von rund 900 Aktionären.

Die Beteiligung der DDVG dient manchen Kritikern, die redaktionelle Unabhängigkeit von ÖKO-TEST infrage zu stellen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Denn es gibt eine erhebliche politische Auseinandersetzung um die Medienbeteiligungen der SPD. Die hessische Landesregierung beispielsweise hat versucht, der DDVG jegliche auch noch so kleine Beteiligung an Radiosendern zu untersagen, ist damit aber am Bundesverfassungsgericht gescheitert. In dieser Situation könnte sich die DDVG überhaupt keine Eingriffe in die redaktionelle Unabhängigkeit von ÖKO-TEST leisten. Zudem: Wo sollte sie eingreifen? Alle Testergebnisse können die betroffenen Firmen vor Gericht überprüfen lassen.

Über ÖKO-TEST

ÖKO-TEST wurde 1985 von unabhängigen Journalisten gegründet, um Verbraucher durch vergleichende Tests umfassend über die Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen auf die eigene Gesundheit und auf die Umwelt zu informieren.

ÖKO-TEST kauft die zu untersuchenden Produkte anonym ein – und auf eigene Kosten.

Wir lassen in unabhängigen Laboren untersuchen und verwenden die „nach dem momentanen Stand der Technik aufwendigste und modernste Messmethode überhaupt“, wie ein Gericht vor einiger Zeit feststellte.

Unser Testurteil ist streng. „Sehr gut“ bekommen nur die Besten, ein „ungenügend“ kann es auch geben, wenn staatliche Vorgaben und Gesetze eingehalten werden.

Die Publikationen von ÖKOTEST sind nicht anzeigenfrei. Daher sind wir unabhängig von staatlichen Zuwendungen. Wir bedanken uns bei den Anzeigenkunden für ihren Beitrag zur Verbraucheraufklärung.

Selbstdarstellung der Stiftung Warentest