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IM AUGE DES DRACHEN


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 03.09.2021

KROATIEN

Artikelbild für den Artikel "IM AUGE DES DRACHEN" aus der Ausgabe 100/2021 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 100/2021

Für typische Sommerurlauber steht Kroatien für »Lignie na žaru«, felsige Strände und Promenaden, gut gefüllt mit Touristen aus Osteuropa. Doch nicht jeder sieht seine Erfüllung darin, sich an den Strand zu legen und Cocktails an der Strandbar zu schlürfen. Für diejenigen, die einen Urlaub mit mehr Sightseeing-Charakter und Erlebnissen in freier Natur bevorzugen, offenbart Kroatien Schönheiten, die ihresgleichen suchen. Schon in den 70er Jahren war Harald Reinl, der österreichische Regisseur der legendären Winnetou-Serie, von den Dinara-Bergen und der umliegenden Landschaft so überwältigt, dass er seine Indianer-Saga aus Amerika nach Kroatien übertrug. Die natürliche Schönheit dieser Region beeindruckte manche Zuschauer so sehr, dass für sie die Geschichte des Indianerhelden zweitrangig wurde. Und wir

können konstatieren, dass Wasserquellen und passende Wassersport-Aktivitäten in allen ...

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... Teilen der Serie eine bedeutende Rolle spielten. Ob es das Kanufahren im Fluss Zrmanja war, der Sprung in den Wasserfall Krka oder das Freitauchen mit Stroh in den Plitvicer Seen. Wäre die Serie 20 Jahre später gedreht worden, wäre möglicherweise auch das Tauchen in der Cetina-Quelle zu sehen gewesen. Oder vielleicht auch nicht, denn eigentlich begeben wir uns damit eher in das Revier von James Bond. Nichtsdestotrotz gehört die Quelle des Flusses Cetina, genannt Milasevo, die sich am Fuße des Dinara-Gebirges befindet, definitiv zu jenen Wundern, die jeden Besucher sprachlos machen.

Aber bei aller Schönheit: Obwohl das Dinara-Gebirge die Aussicht dominiert und versucht, einen in Winnetou-Stimmung zu ziehen, erinnert die Fahrt durch kleine Dörfer entlang der Grenze zu Bosnien und Herzegowina an eine andere Geschichte aus jüngerer Vergangenheit. Diese ist allerdings real. Leider. Zerfallene Gebäude, Häuser mit Einschusslöchern in den Wänden und menschliche Augen ohne Emotionen sind immer noch präsent und verweisen auf unglaubliche Gräueltaten, die sich vor nicht allzu langer Zeit in unserer Nachbarschaft ereignet haben.

Drachenauge mit Make-up

Das weite und trockene Land der Region zeugt eher nicht von reichlich vorhandenen Wasserquellen. Erst als die berühmte orthodoxe Kirche am Horizont auftaucht, werden düstere Kriegsgeschichten im Kopf durch Aufregung und Vorfreude ersetzt, und die letzten paar Hundert Meter werden fast per Autopilot gefahren. Doch bis man das Wunder mit eigenen Augen sieht, sind es nur diese umwerfenden Bilder aus dem Internet, die die Fantasie nähren, während die Realität möglicherweise weniger spektakulär sein kann. Das ist aber nicht der Fall. Der reale Blick hinunter in die Schlucht ist noch unglaublicher als jedes Bild, das man im Internet sieht. Eine 20 Meter tiefe und etwa 100 Meter breite Schlucht, gespickt mit weißen Kalksteinfelsen und grünen Büschen, endet in einem türkisfarbenen Pool. Und was für ein Pool! Aus der Vogelperspektive betrachtet, ruft er eine Menge Assoziationen hervor, wobei ein Smaragd-Edelstein oder ein Drachenauge die poetischsten sind.

POETISCH GESEHEN SIND AUGEN FENSTER ZUR SEELE. WER DURCH DIE PUPILLE IN DEN SCHLUND DER CETINA- QUELLE HINAB TAUCHT, KANN DIESE ASSOZIATION NUR ALLZU DEUTLICH NACHVOLLZIEHEN.

Im Frühling und Sommer, wenn der Pool mit grünen Büschen gesäumt ist, sieht es so aus, als hätte das »Auge« ein frisches, grünes Make-up. Später im Herbst wird das Make-up wärmer, während es in den kalten Wintermonaten fast verschwindet. Das Wasser quillt ständig mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aus der Quelle und bildet einen kleinen Strom. Auch das »Auge« selbst verändert sich. Da sich der Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf das Becken treffen, im Laufe des Tages und des Jahres ändert, bekommt die Iris eine tiefere oder flachere Struktur, und die Pupille erscheint heller oder dunkler. Wenn die Sonne senkrecht steht, scheint der Drache zu schlafen. Wenn die Sonnenstrahlen in einem schrägeren Winkel auf die Felsen treffen, öffnet sich das Auge langsam. Der Drache ist ein Tier, das überwiegend in der Dunkelheit lebt. Wenn wir unsere Fantasie von dieser Metapher leiten lassen und das Becken während der »blauen Stunde« beobachten, können wir sehen, wie der Drache erwacht.

Fenster zur Seele

Ein erster Blick unter die Oberfläche offenbart einen weiteren verrückten Effekt. Vom Tauchgerät freigesetzte Luftblasen wirbeln die Oberfläche auf, und das durch die Sonnenstrahlen verursachte Lichtmosaik auf den Felsen pulsiert rhythmisch. Da die Wände allmählich in die Tiefe fallen, scheint das Pulsieren aus dem Inneren des Auges zu kommen. Dieser Effekt ist so stark, dass er den Eindruck hervorruft, dass sich ein eigentlich vollkommen ruhig schwebender Taucher bewegt. Oder vielleicht ist es das Blinzeln des Drachenauges?

Poetisch gesehen sind Augen Fenster zur Seele, und wenn man durch die »Pupille« dieser Quelle hinabsteigt, kann man die Metapher nachvollziehen. Es fühlt sich wirklich so an, als würde man durch ein Fenster in die Seele der Erde tauchen, ursprünglich und rein. In 30 Metern verwandelt sich der mit kristallklarem Wasser gefüllte Kamin in eine typische, durch strömendes Wasser geformte Höhle und verzweigt sich durch zwei zusätzliche, horizontale, tote Gänge. Wir steigen durch den Schlot tiefer hinab. Die Wände sind glatt, was das Einrichten der Führungsleine erschwert. Auf 40 Metern holt uns eine große Gruppe von Forellen auf einem Sandfleck ein wenig aus der spirituellen in die reale Welt zurück. Was für eine Überraschung! Laut der Informationstafel leben in der Milasevo-Quelle mehrere endemische Forellenarten. Man sollte meinen, dass diese Fische in geringen Tiefen leben und nur gelegentlich hinabsteigen, um sich vor der starken, aufsteigenden Strömung zu verstecken. Aber hier sind sie – diese Geschöpfe verlassen offensichtlich die Quelle nicht und wandern nie den Bach hinunter. Versteckt vor dem Tageslicht und der Außenwelt bleiben sie die Diener des Drachen, die nirgendwo anders zu finden sind.

Ende unbekannt

Unsere heutige Entdeckungsreise endet bei 70 Metern. Selbst aus dieser Tiefe ist das Becken als winziger blauer Punkt sichtbar. An dieser Stelle verändert sich der vertikale Kamin zu einem 40-Grad-Schacht und fällt allmählich auf 120 Meter ab. Der dunkle Tunnel und das klare Wasser verleiten dazu, weiter auf Entdeckungstour zu gehen, aber die Kälte drängt recht schnell in den Trockentauchanzug herein, und es liegen 40 Minuten Dekompression bei acht Grad Celsius vor uns. Bis zu diesem Punkt war es noch ein relativ einfacher Trimix-Tauchgang. Aber ab hier, tiefer im Drachenauge, wäre viel mehr Ausrüstung nötig, um einen schwierigen technischen Tauchgang mit sicherer Rückkehr durchzuführen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. t

WEITERE INFOS ZUR CETINA-QUELLE:

➜ www.lust-auf-kroatien.de/dalmatien/ quelle-glavas-fluss-cetina-blue-eye/

➜ visitvrlika.com/de/was-besuchen/quelledes-flusses-cetina 

➜ www.dalmatia.hr/blog/discover-sourcecetina-source-life-dalmatia/