Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Im Bann der Berge


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 23.08.2021

NACHBARLAND

Das Wasser des Rißbachs schäumt um große Findlinge herum, wird an breiten Stellen ganz langsam, um gleich darauf wieder tosend um die nächste Kurve zu sprudeln. Der Fluss passiert die Grenze zwischen Bayern und Tirol, Kühe erfrischen sich in seinen Fluten. Wer ihm flussaufwärts durch die sagenhafte Bergwelt folgt, landet in einem Tal, dasnach gut 30 Kilometern endet. Hier gibt es nur einen Weg: zurück.

„Wir gehören zu Österreich“, sagt Lisa Böhm vom Museum im Naturparkhaus Hinterriß, „aber uns erreicht man nur aus Deutschland. Von München sind es knapp zwei Stunden.“ Dann zeigt sie den Besuchern an einem Modell die vier parallelen Bergreihen des Karwendelgebirges mit ihren tief eingeschnittenen Längs- und Quertä- lern und dem Hauptkamm. Seine steilen Felswände verhindern am Ende des Rißbachtals jedes Weiterkommen. „Wie Perlen reihen sich die Gipfel aneinander“, sagt Lisa Böhm. „Für mich ...

Artikelbild für den Artikel "Im Bann der Berge" aus der Ausgabe 5/2021 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 5/2021

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von daheim. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2021 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 5/2021 von UNSER LAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNSER LAND
Titelbild der Ausgabe 5/2021 von Unsere Leser schreiben …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unsere Leser schreiben …
Titelbild der Ausgabe 5/2021 von DAS LIEBEN WIR!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS LIEBEN WIR!
Titelbild der Ausgabe 5/2021 von Auf die Plätze. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Auf die Plätze
Titelbild der Ausgabe 5/2021 von Zeitzeugen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zeitzeugen
Vorheriger Artikel
daheim-Rätsel
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel VIERTELE AUS DEM KAUKASUS
aus dieser Ausgabe

... ist das Karwendel die Perle der Alpen.“

1

Hier, auf dem Großen Ahornboden, stammen die meisten Bäume aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618– 1648), einige haben aber auch schon 600 Mal den Lauf der Jahreszeiten erlebt. Besonders eindrucksvoll zelebrieren sie den Herbst. Wenn günstige Faktoren aus Feuchtigkeit, Wind und Temperatur zusammenkommen, kann es sein, dass sich das Laub gelb färbt, die Berge silbern vor blauem Himmel leuchten und der Ahornboden bereits mit einer dünnen Schneeschicht überzuckert ist.

„Das passiert alle paar Jahre“, sagt Hermann Sonntag, „und es sieht fantastisch aus.“ Meistens jedoch weht ein Sturm die Blätter vorher davon. Dann werden sie als Einstreu für die Ställe verwendet oder wie früher in die Matratzen gestopft, weil sie so weich sind. Doch noch drängen sich die Kühe unter den Ahornen um einen Schattenplatz vor der Kulisse des Hauptkamms mit der mächtigen Grubenkarspitze.

Der Naturpark Karwendel ist mit 727 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet in Tirol. Die Gegend zwischen Innsbruck, Garmisch-Partenkirchen und dem Achensee ist gesegnet mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an natürlichen Lebensräumen, etwa Sekundärurwälder und Flüsse wie die Riß. Typische Tier- und Pflanzenarten der Alpen haben hier bedeutende Vorkommen: Steinadler, Flussuferläufer und die Deutsche Tamariske, ein Strauchgewächs, zum Beispiel.

2

Hunderte Bergahorne zelebrieren den Herbst

Ausgezeichnet: Bergkäse und Buttermilch von der Alm

Wanderer und Bergsteiger können sich an 340 Quellen erfrischen. Die prominenteste ist die der Isar. Der Fluss ist hier noch unverbaut und sucht sich nach jedem Hochwasser ein neues Bett, indem er die alten Schotterbänke wegspült und neue erschafft. Für die Gefleckte Schnarrschrecke und die Uferspinne ist das der perfekte Lebensraum.

Hermann Sonntag, der Bergahornexperte, kennt fast alle Tiere der Gegend und alle Älpler auf den Hütten. In der Engalm stärkt er sich gerne mit einem Glas Buttermilch. Dort macht Eduard Radinger einen der besten Bergkäse, mehrfach ausgezeichnet bei der Käseolympiade. Am köstlichsten schmeckt er auf den Bänken vor der alten Hütte mit Blick über die Berge und auf den letzten Gletscher des Karwendels. „Die Kühe fressen hier nur vom Besten“, sagt der Bauer, „das gibt die beste Milch.“ Von seiner Käserei sieht er hinunter auf den Ahornboden und versichert, dass es auf der ganzen Welt keinen schöneren Platz gebe. „Nicht für mich, aber auch nicht für die Tiere.“

Seit mehr als 1000 Jahren wird die Gegend als Alpe genutzt. Zeit spielt hier keine große Rolle. Auch das Holz eines Bergahorns kann erst verarbeitet werden, wenn der Baum 120 bis 140 Jahre alt ist. „Schon vor der ersten Eiszeit standen hier die ersten Exemplare“, sagt Hermann Sonntag. „Kein anderes Gewächs ist resistenter gegen Steinschlag und Kälte. Es gibt Bäume, deren Stamm unter einer zwei Meter hohen Schlammlawine begraben wurde und die überlebt haben.“

3

Wenn ihm nach anstrengenden Klettertouren der Rücken oder die Beinen zwicken, nutzt Sonntag ein uraltes Hausmittel der Gegend: 180 Millionen Jahre altes Steinöl.

1

Schatz des Karwendels: Steinöl aus dem Urmeer

„Das haben die Menschen im Karwendel schon immer verwendet.“ Für sich und ihre Tiere. Auf der Engalm gibt es einen Fußbalsam mit dem geheimnisvollen Öl. Wer von dort zu Fuß über die Rappenspitze Richtung Achensee wandert, ist gut beraten, den Balsam dabei zu haben. Die Tour dauert einen ganzen Tag. Auf dem Weg findet man im Geröll manchmal dunkle Schiefersteine. Reibt man die Finger daran, riechen sie deutlich nach Erdöl. Und würde man die Steine in ein Feuer legen, könnte man beobachten, wie sie anfangen zu glimmen. Entstanden ist der Schatz des Karwendels durch die Organismen eines Urmeers. Im Bächental am Achensee baut die Familie Albrecht das ölhaltige Gestein seit 1902 ab und verarbeitet es zu Shampoos, Salben und Saunaaufgüssen.

Gewonnen wird das schwarze, dickflüssige Produkt, indem die Steine in einem Ofen auf 1500 Metern über dem Achensee entzündet werden, wodurch das Öl verdampft und verflüssigt wird. Rund 60 Kilo Material braucht man für einen Liter des sehr intensiv riechenden Öls. In einem kleinen Museum in Pertisau kann man die Herstellung erleben.

2

Die Anlegestelle der Achensee- Schifffahrt befindet sich keine 50 Meter davon entfernt. Eine Rundfahrt über den Bergsee ist unbedingt zu empfehlen, ein Fernglas hilfreich. An klaren Tagen sieht man bis zum Hauptkamm des Karwendelgebirges, wo Hermann Sonntag womöglich gerade auf einem der Gipfel steht oder in einer Felswand hängt und nichts hört außer dem Gebimmel der Kuhglocken auf einer Wiese voller Bergahorne.

„Es ist ein Paradies“, sagt er, „vor allem, wenn ein Steinadler seine Kreise zieht und ich weiß: Hier ist die Welt noch in Ordnung, weil wir sie schützen, pflegen und so ursprünglich lassen wie nur möglich.“

TIPPS FÜR DEN NATURPARK KARWENDEL

DIE REGION

Das Karwendelgebirge liegt zwischen Innsbruck, Garmisch-Partenkirchen und dem Achensee. 80 Prozent gehören zu Tirol/Österreich, 20 Prozent zu Deutschland. Es ist der größte Naturpark Österreichs und verkehrsmäßig kaum erschlossen, deshalb heißt es vor allem: wandern!

ANREISE

Ab München oder Innsbruck fahren Regionalbahnen und Busse Richtung Jenbach am Achensee, Mittenwald und Seefeld. Ins Rißtal kommt man nur über Deutschland, der letzte Teil ist eine Mautstraße (4,50 Euro). www.bahn.de

ÜBERNACHTEN

Im Alpengasthof Die Eng in Hinterriß gibt es vom einfachen Lager bis zum Almchalet mit Wellnessangebot ein Quartier für jeden Geldbeutel; geöffnet von Mai bis Oktober (DZ ab 60 €). Die Hotel Pension Tyrol in Seefeld liegt direkt am Waldrand und bietet gemütliche Zimmer im alpenländischen Stil. Der Blick ins Inntal ist inklusive (DZ ab 114 €). www.eng.at www.hotel-tyrol.at

ESSEN & TRINKEN

Die Falkenhütte erreicht man vom Parkplatz in der Eng in etwa 2,5 Wanderstunden. Das Tiroler Gröstl mit Kartoffeln, Speck und Ei sollte man sich nicht entgehen lassen. Einen sagenhaften Blick hat man vom Café Bergkristall in Eben auf den Achensee. Dazu schmecken Pressknödel mit Suppe und Krautsalat.

www.alpenverein-muenchenoberland.de/huetten/ alpenvereinshuetten/falkenhuette Café Bergkristall Tel. 00 43/52 43 53 84

NATURPARKHAUS

Hier erfährt man Wissenswertes vom Sagenschatz bis zu seltenen Tierund Pflanzenarten im Karwendel, bekommt Wandertipps sowie Informationen zum Großen Ahornboden (zirka 15 Minuten mit dem Auto vom Naturparkhaus Hinterriß entfernt). www.karwendel.org

WANDERUNG AM ACHENSEE

Von Pertisau zur Gaisalm braucht man etwa 1,5 Stunden, gute Schuhe und Trittsicherheit. Die Rückfahrt mit dem Schiff lohnt sich schon wegen des grandiosen Bergpanoramas. www.tirolschiffahrt.com/gaisalm

KARWENDELBAHN

Mit der Seilbahn geht es von Mittenwald auf 2244 Meter. Dort startet unter anderem der schöne und einfache Passamani-Panoramaweg. www.karwendelbahn.de

GLEIRSCHKLAMM

Der Gleirschbach ist ein ungebändigter Wildfluss und die Klamm ein geologisches Kleinod. Man erreicht sie ab Scharnitz in gut zwei Stunden. Unterwegs ist eine Einkehr in der Scharnitzer Alm möglich.

STEINBÖCKE BEOBACHTEN

Die Alpenbewohner kann man am besten an der Montscheinspitze erleben, wo sie sich gern in den Hängen sonnen. Vom Parkplatz Gerntal zum Gipfel dauert die Tour drei Stunden.

STEINÖL

Verschiedene Produkte findet man im Steinöl-Shop in Pertisau. Im Museum erfährt man alles über die Herstellung und Anwendung. www.steinoel.at

KONTAKT: Naturpark Karwendel Unterer Stadtplatz 19, 6060 Hall in Tirol; Tel. 00 43/5 24 52 89 14 www.karwendel.org