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IM BANN DER QUARTERMILE


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GRIP - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 11.03.2022

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A Angefangen hat es mit einer Beinahe-Scheidung. Michas Vater Tom, seit 25 Jahren im Dragster Club BDRC und Dauergast bei den NitrOlympX, beschloss eines Tages, ein Top Fuel Bike zu fahren. Vierzylinder, Gitterrohrrahmen, Mega-Gummiwalze achtern, befeuert mit Nitromethan, bis zu 380 km/h schnell. „Nur über meine Leiche“, drohte Gattin Jutta, „wenn du das machst, lass´ ich mich scheiden.“ Der Ehemann zog zurück, auch im Interesse der beiden Söhne, und nahm die Gattin mit zum nächsten Dragster-Rennen. „400 Meter geradeaus? Kann doch jeder, interessiert mich nicht“, sträubte sie sich zunächst, aber weil Tom ja auf sie gehört hatte, tat sie ihm den Gefallen. Und saß sprachlos auf der Tribüne! Das Höllenspektakel, die explosive Mischung aus High Speed, Action und Beschleunigung hatten sie gepackt. „Weißt du was? Nächstes Jahr fahr ich da mit“, beschloss Jutta, und nun war es Tom, dem die Spucke ...

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... wegblieb. Es gab lange Diskussionen im Hause Winter, Micha war damals 10, aber auch er konnte Mama nicht umstimmen. Sie fing gar an, in der Schokoladenfabrik zu jobben, um die Kohle für den Dragster zu erwirtschaften und Tom besorgte einen 79er Geiger Breitbau-Camaro und baute ihn extra-krass um, insgeheim hoffend, dass die Gattin doch noch einen Rückzieher machen würde.

Denkste! Jutta kam, fuhr und siegte. Das war 2000, 15 Jahre in Folge war sie immer unter den Ersten und ist eine der erfolgreichsten Frauen im Dragster-Sport. Tom zog mit einem Z28 Camaro nach und so räumten Herr und Frau Winter mit ihrem Heartbeat Racing Team ab, bis der beinharte Sport seinen Tribut forderte und sie um 2018 herum das Feld dem Junior überließen.

„Drag Racing ist bekloppt, aber faszinierend.“

Micha hatte im Grunde gar keine andere Wahl, als ebenfalls Teil des Heartbeat-Teams zu werden. Warum auch? Mit 16 baute er seinen ersten eigenen Motor nach dem Motto: Wenn du dich auf andere verlässt, bist du verlassen …, war mit 17 der jüngste Crew Chief Europas und verbriet in seinem ersten Jahr gleich sein Getriebe. Zwischendurch flog ihm auch mal ein Motor beim Burnout um die Ohren, aber er machte ernst: Der heute 32-Jährige fährt in den Klassen Competition Eliminators, Supercharged Outlaws Germany und Super Pro ET. Seit 2018 mischt er das Feld mit seinem roten Teufel Marke Eigenbau auf, in dem das geballte Knowhow der Familie steckt. Bei Events und Messen, am Hockenheimring, bei Tuning Days, natürlich auch beim GRIP-Motorevent ist die Crew von Heartbeat Racing am Start und lässt das Adrenalin sprudeln. Vier Fahrer, neun Mechaniker, Catering und Promogirls gehören zum Staff und wer meint, beim Race werde nur unnütz Methan verbrannt, irrt. „Zusammen mit unseren Werbepartnern demonstrieren wir auf außergewöhnliche Weise, was neue und etablierte Produkte können,“ rückt Micha das Bild vom rein spaßorientierten Heizertreffen zurecht, „wir leben für die Sponsoren und selbstredend für den Sport.“ Natürlich greifen Micha & Co. auf bewährte US-Fahrzeuge zurück, die den American Way of Drive am besten rüberbringen.

Dragracing ist in den 40ern in God´s Own Country entstanden, zumindest offiziell, vorher wurden die Rennen illegal mit empfindlicher Letalquote ausgetragen. Ein paar Sekunden volle Action, brüllende Hochleistungs-Maschinen am Limit, fette Slicks auf der Suche nach dem letzten bisschen Grip und Fahrer, die sich in Sekundenbruchteilen der körperlichen Belastung von Kampf-Jet-Piloten ausgesetzt sehen. In der Top Fuel-Klasse treten Dragster mit mehr als acht Liter Hubraum und bis zu weit über 10.000 PS an, das heißt: Die ersten 13 Startplätze bei einem Formel 1-Rennen haben gemeinsam gerade mal soviel Power wie ein Top-Dragster.

Sparsam geht anders... so ein Monster schluckt rund 22,5 Liter pro Sekunde (Nitromethan/Methanol). In Europa stationierte GIs brachten den Extremsport nach Germany, und seit den 70er Jahren sind angefixte Teams und eine ständig wachsende Fangemeinde mit Feuereifer bei der Sache.

ca. 4.000 PS. 10.0000/min. Noch Fragen?

Womit wir wieder bei Micha wären. Der gute alte Americar ist unter seinem Willys 41 auch für Insider schwer zu erkennen, die Metamorphose zum Dragster-Monster gelang zu 200%. Die Bodengruppe besteht aus einem Doppelrahmen (SFI25.1 I Pro Modified), der Motor ist ein 526 cui Alan Johnson Hemi Alky, ein High Helix Roots Kompressor und eine 18-fach Rage Methanol Einspritzung sorgen für Futter, ein Lenco Drive CS2 3-Speed Airshift-Getriebe hält den Urgewalten Stand und zum Schluss das, worum´s geht: irrsinnige 4.000 PS bei 10.000/min! Dass das nicht mit Tankstellensprit geht, sondern nur mit 99,9986-prozentigem Methanol, versteht sich von selbst ... Und wo wir gerade bei schwindelerregenden Zahlen sind: Der rote Teufel rennt bei optimalen Bedingungen die Viertelmeile in 6,2 s, hochgerechnet sind das 385 km/h oder Null auf 100 in 0,9 s! Coronabedingt war in den letzten beiden Jahren nicht besonders viel los im Dragster-Sport. NitrOlympX? Abgesagt. FIA/FIM Main Event? Abgesagt. Ein kleiner Lichtblick war die Drag Race Competition in Zerbst AMC Dessau, im Vergleich zu den sonst üblichen 25 Auftritten im Jahr ein eher schwacher Trost. Aber nun geht’s mit vollem Elan in die 2022er Saison: Juli Nürburgring, August Hockenheimring. Als großes Ziel steht die SEMA in Las Vegas ganz oben auf der Liste. Alles war geplant, die Flüge gebucht, der Transport geregelt – und dann kam Corona. Aber 2023 soll es klappen.

FACTs

Willys 41 Dragster

Pro Modified

Baujahr 1941

Chassis 2004gebaut, 2020 Komplett neu gebaut

526 cui/8.600 cm V8

ca. 2.942 kW (ca. 4.000 PS) weit über 1.500 Nm

3-Gang-Lenco Drive CS2

Hinterradantrieb

5.860/1.970/1.260 L/B/H mm

1.124 kg race-ready inkl. Fahrer

0-100 km/h in 0,9 s über 400 km/h Vmax ca. 250.000-300.000 €

heartbeat-racing.de

„Wir sind richtig heiß drauf“, so Micha, der die harte Zeit der Entbehrung dennoch gut genutzt hat. Der Umzug mit der ganzen Familie von Stuttgart nach Fulda konnte in Ruhe bewerkstelligt werden und verschaffte den Winters ein riesiges Anwesen mit zwei Hallen. In der einen Hälfte schraubt Micha an Dragstern und Hotrods für Kunden – natürlich auch am eigenen – in der anderen widmet sich Papa Tom dem Sonderfahrzeugbau.

Der kleine Bruder ist übrigens auch im Firmenimperium aktiv: Sascha begann seine Dragster-Karriere 2005 im Junior Dragster und später als jüngster Funnycar-Fahrer Europas im schnellsten Trabbi der Welt. Heute unterstützt er Micha als Mechaniker, aus dem aktiven Dragster Race ist er erst mal raus.

Jutta sorgt für Support und Catering, wenn´s wieder losgeht und da ist tatächlich eine weitere junge Dame, die komplett auf Dragster steht: Michas Freundin Vanessa Nohl, die er seit ewigen Zeiten kennt, aber erst in der Rhön für sich entdeckt hat, ist dem verrückten Sport ebenfalls verfallen. Dass der Mann bei seinem 48-Stunden-Tag eine Partnerin gefunden hat, die seinen Spleen teilt, grenzt schon an ein Wunder!

Urlaub? Eher nicht. Bei 150 -200.000 Euro, die Micha pro Saison in seinen Dragster-Sport steckt, bleibt trotz treuer Sponsoren nicht viel Luft für unbeschwerte Freizeitgestaltung. By the Way:

Neue Sponsoren sind immer willkommen ...

Für uns, die staunenden Zaungäste, bleibt nur: Daumen drücken und hoffen, dass Micha und seine Maniacs bald wieder erfolgreich durchstarten können. Wer einmal bei so einem Spektakel dabei war, wird garantiert süchtig. Show-Runs, Burnouts, Highspeed, qualmende Reifen, Flammen und Funken: Vernünftig ist anders. Aber Spaß macht´s monstermäßig.