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IM DIENSTE DES KROKODILS


Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.09.2019

Der Kultbetrieb im Tempel von Dimê

Ein internationales Team erforscht in verschiedenen Teilprojekten das Leben in Dimê, einem antiken Ort in der ägyptischen Wüste. So gräbt dort eine Mission der Università del Salento (Lecce) den Tempelbezirk aus. Die Entzifferung und Erschließung der Papyri aus dieser Grabung liegen in den Händen von Würzburger Ägyptologen, die außerdem Handschriften aus Altgrabungen in Dimê bearbeiten. Neuerdings beschäftigt sich ein deutschfranzösisches Forschungsprojekt an den Universitäten von Würzburg und Bordeaux mit der Tempelbuchhaltung, die uns auch die ökonomischen Dimensionen ...

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Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 5/2019

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... des Kults besser verstehen lassen.

Abb. 1 In jährlichen Grabungskampagnen erforscht ein Team der Università del Salento in Lecce die Ruinen des Soknopaiostempels von Dimê; links ist das Grabungszelt der Missione Archeologica dell’Università del Salento Lecce zu sehen.


Die «Insel des Soknopaios»: ein verlassener Ort in der Wüste

Diese antike Siedlung liegt gut 2 km nördlich des Fayumsees heute einsam in der Wüste. Ein ehemals großer Tempel dominierte diesen Ort, den die Griechen Soknopaiu Nesos nannten – die «Insel des Soknopaios». Soknopaios, seinerseits die griechische Form des ägyptischenSobek neb Pai , war als «Sobek, der Herr von Pai» eine Lokalform des krokodilköpfigen Gottes. Von dem Tempel dieses Sobek sind noch beeindruckende Ruinen erhalten, die die Reste eines vermutlich zwischen 100 v. Chr. und ca. 50 n. Chr. errichteten Baus sind (Abb. 1). Doch nicht wegen seiner Architektur ist das Heiligtum in der Ägyptologie berühmt – auch wenn hier die Ausgrabungen eines Teams unter Leitung von Mario Capasso und Paola Davoli von der Università del Salento (Lecce) zu einem Wandel in der Wahrnehmung führen –, sondern wegen der unglaublich reichen Papyrusfunde, die vor allem aus Raubgrabungen stammen und Ende des 19. Jhs. in europäische Sammlungen kamen. Hier sind an erster Stelle das Ägyptische Museum Berlin und die Österreichische Nationalbibliothek in Wien zu nennen. Diese Papyri sind eine Schatzkiste, weil wir aus ihnen reichhaltige Informationen sowohl zum Alltagsleben als auch – häufig eng damit verknüpft – zu Religion und Kult in Dimê erhalten. Der Hauptanteil der Texte datiert in die Zeit von etwa 50 v. bis 250 n. Chr. Seit über zwanzig Jahren erforschen Ägyptologinnen und Ägyptologen der Julius-Maximilians- Universität Würzburg die unterschiedlichsten Aspekte, die sich aus dem Quellenmaterial ergeben. Demnach entspricht die architektonische Dominanz des Soknopaios-Tempels in Dimê der kultisch-religiösen, aber eben auch ökonomischen Prägekraft der Institution für den gesametn Ort.

Das Soknopaiosritual: ein Text in der «bösesten» ägyptischen Schrift

Zu den Ritualen, die wie in jedem ägyptischen Tempel täglich durchgeführt wurden, gehörten das Opferritual und ein Ritual, bei dem das Kultbild neu eingekleidet wurde. Die Texte, die Priester zu den Kulthandlungen desTäglichen Rituals rezitierten, sind aus dem Soknopaios-Tempel in einer Reihe demotischer Handschriften des 1. und 2. Jhs. n. Chr. überliefert (Abb. 2). Ihre Edition steht nun nach fast 20 Jahren Arbeit daran kurz vor dem Abschluss. Das ab der Mitte des 7. Jhs. v. Chr. in Gebrauch gekommene Demotische gilt ohnehin als «von allen bösen ägyptischen Schriftarten die böseste», wie es einmal der Ägyptologe Hermann Grapow ausdrückte. Erschwerend kommt hinzu, dass der Text in einer eigenartigen Weise, nämlich «unetymologisch » notiert wurde. Einerseits wollte der Schreiber dadurch zusätzliche Bedeutungsebenen einschreiben, indem das Schriftbild weitere Assoziationen beim Leser weckt, andererseits den Klang des Textes festhalten. Dem Klang wurde nämlich eine besondere kultische Wirksamkeit zugesprochen. Diese unetymologischen Schreibungen stellen indes – neben dem teils schlechten Erhaltungszustand der Papyri – enorme Herausforderungen für die Entzifferung dar, weil der Entzifferer sich nicht sicher sein kann, ob er es mit einzelnen Wörtern zu tun hat oder ob sich die Wörter als Silben zu einem ganz anderen Begriff zusammenfügen. Die Schwierigkeiten können nur durch Parallelen in anderen ägyptischen Schriften (Hieroglyphen und Hieratisch) und Ritualszenen, d. h. bildliche Darstellungen des Kults in Verbindung mit Inschriften, auf den Wänden anderer ägyptischer Tempel überwunden werden. Doch die Dimê- Fassung desTäglichen Rituals ist über die Demotistik hinaus von allgemeinem ägyptologischen Interesse, weil hier die letzten Handschriften für diese Zeremonien vorliegen, die Redaktions-, Kompositions- und Texttradierungsfragen und den Umgang mit dem altägyptischen Ritualtextkorpus beleuchten. Dimê lag auch in der Antike an der Peripherie Ägyptens, doch erweisen die Ritualhandschriften diesen Ort als einen, der durchaus gute Verbindungen zu den großen religiö sen und damit intellektuellen Zen tren des Landes hatte. Und nicht zuletzt finden sich in den Handschriften Texte, die für dasTägliche Ritual sonst nirgends erhalten geblieben sind, wodurch sich das Spruchkorpus noch erweitert.

Abb. 2 Irgendwann im Verlauf des 2. Jhs. n. Chr. hat ein unbekannter Schreiber auf der Rückseite des Papyrus Berlin P. 8043 Texte zum «Täglichen Ritual» niedergeschrieben (hier ein Ausschnitt).


Wer war eigentlich Soknopaios?

Worüber sich jedoch dasTägliche Ritual aus Dimê ausschweigt, sind Aussagen zu dem Gott, für den es zele briert wurde. Die Krokodilsköpfigkeit spielt genausowenig eine Rolle wie spezifische Eigenschaften und Zuständigkeiten des Sobek oder seiner Lokalform Soknopaios. Seine Verbindung zu Isis, die in Dimê eine prominente Verehrung genoss, genauso wie seine physische Stärke, Aggressivität und sexuelle Potenz, wie wir sie aus anderen Quellen kennen, werden an keiner Stelle erwähnt. Das ist letztlich auch kein Wunder, denn der Text ist mindestens 1400 Jahre älter als die konkreten Papyrushandschriften, wurde ebenso in Tempeln anderer Gottheiten verwendet und musste deshalb allgemein genug sein, um auch dort zu funktionieren. Es kommt noch etwas hinzu: Sobek ist nicht «für genau dieses oder jenes zuständig», wie das gerne für Gottheiten in polytheistischen Systemen abgefragt wird, sondern er hat ein ausgesprochen universales Wesen. Er ist eine Form des Sonnengottes, ja solarer Urgott, der aus dem Urwasser hervorkam und die Welt erschuf. Darauf verweist auch die Ikonographie einer Gottheit, wie sie auf einer in Dimê ausgegrabenen Stele zu sehen ist (Abb. 3). Obwohl die griechische Inschrift nicht vollständig erhalten geblieben und damit der Name des Gottes verlorengegangen ist, so wird man hier doch ziemlich sicher Soknopaios erkennen dürfen. Mit ihren drei Köpfen – Mensch, Falke, Krokodil – verweist diese Darstellung auf Sobek als höchsten Allgott.

Abb. 3 Die kaiserzeitli - che Stele, die 2010 in Dimê ausgegraben wurde (ST10/731/3533), zeigt Soknopaios als Gottheit mit drei Köpfen, die seine mögliche Vielgestaltigkeit als Urund Schöpfergott zum Ausdruck bringen.


Kult kostet Geld

Die religiöse und die ökonomische Sphäre kommen sich nicht nur deswegen nahe, weil schon in Ägypten galt «money makes the world go round», sondern sie berühren sich auch materiell wie Papyrus Berlin P. 8043 zeigt: Auf der Vorderseite findet sich eine listenförmige Abrechnung, eine Art Kassenbuch des Tempels (Abb. 4). Ein anderer Schreiber hat die Rückseite genutzt, um dort Texte zumTäglichen Ritual aufzuschreiben. Heute ist dies der längste erhaltene Zeuge jener Spruchsammlung. Schon die Verteilung auf dem Papyrus ist bemerkenswert: das Kassenbuch auf der schönen Vorderseite, der religiöse Text aber später auf der für Schrift wegen der senkrechten Papyrusfasern eher schlecht geeigneten Rückseite, als die Abrechnungsrolle schon zu Altpapyrus geworden war! Aber der Kult kostet natürlich auch etwas und hatte damit eine handfeste finanzielle Dimen sion.

Ägyptische Tempel waren schon deshalb nicht nur religiöse Kristallisationspunkte, sondern auch Wirtschaftszentren, und Dimê bietet wie kaum ein anderer Ort eine reichhaltige Materialbasis für das Studium der hellenistisch-kaiserzeitlichen Tempelwirtschaft. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass die Finanz- und Naturalbuchhaltung des Heiligtums mit dem «Schreiber der Priester» an der Spitze die Einnahmen und Aus gaben der Tempelkasse detailliert und in mehreren Stufen dokumentierte: Auf Tonscherben (Ostraka) notierten die Schreiber täglich die Namen der anwesenden Priester und den Ein- und Ausgang von Geld und verschiedenen Waren wie Weizen und Brot. Die Empfänger bzw. Einzahler erhielten dafür Quittungen auf Papyrus. Die Ostraka mit den Anwesenheitslisten und Abrechnungen hingegen wurden im Buchhaltungsbüro gesammelt und nach einer gewissen Zeit nach Datum oder Verwendungszweck sortiert auf Papyrusrollen in Listenform übertragen (Abb. 4). Auf diese Weise behielt die Priesterschaft den Überblick über den Kassenstand und konnte die korrekte Buchführung des Schreibers kontrollieren, die diesem regelmäßig mittels sog. Entlastungsquittungen schriftlich bescheinigt wurde. Zudem dienten die mehrere Meter langen Papyri als Grundlage für die obligatorischen, auf Griechisch abzufassenden Finanzberichte an die römische Staatsverwaltung.

Priester, Hirten, Schwertträger: der Tempel als Arbeitgeber

Der Soknopaios-Tempel spielte eine wichtige Rolle im lokalen und regionalen ökonomischen System als Verpächter von Betrieben, Filialheiligtümern und Berufslizenzen sowie als vermittelnde Institution zwischen Hand - werkern und Gewerbetreibenden einerseits und der staatlichen Administration andererseits. Die dokumentarischen Zeugnisse geben zudem einen Einblick in den realen Kultbetrieb: Sie dokumentieren die für den Unterhalt des Heiligtums und für die Kulthandlungen benötigten Naturalien, deren Kosten, Herkunft und Menge sowie die Bezahlung des Tempelpersonals in Geld und Lebensmittel für den normalen Tempeldienst nebst Bonuszahlungen zu besonderen Anlässen. Als außerordentlich ergiebig erweisen sich die weitestgehend unpublizierten listenförmigen Abrechnungen.

Die zahlenmäßig größte Gruppe, die auf der Lohnliste des Heiligtums steht, bestand aus Mitgliedern des Kultpersonals, allen voran die in fünf Mannschaften (Phylen) organisierten Wab-Priester. Jede Phyle bestand aus ca. 30 Männern, die abwechselnd für je einen Mondmonat Dienst im Tempel taten und für einen Großteil der kultischen und kultorganisatorischen Aufgaben zuständig waren. Dazu gehörte etwa der Opferdienst und damit verbunden der Transport des Weizens für das Opferbrot für Soknopaios. Das Getreide wurde aus dem Magazin zur Bäckerei des Tempels und die fertigen Brote dann zum Heiligtum gebracht. Neben Geldzahlungen erhielten diese Priester Bier und Wein sowie Öl. An besonderen Festtagen wurde ihnen zudem Weizen ausgeteilt. Unmittelbar am Götterkult beteiligt waren auch die entlohnten Sänger und Tänzer, die aber vermutlich keine Priesterausbildung absolvieren mussten.

Abb. 4 Ausschnitt aus der Vorderseite des Papyrus Berlin P. 8043 mit listenförmigen Abrechnungen: Charakteristisch für diese Dokumente ist das zweispaltige Layout mit dem Texteintrag wie Personennamen, Amtstitel oder Produkte sowie Abgaben in der einen und einem Geldbetrag in der zweiten Spalte. Hier sind also sechs Kolumnen zu je zwei Spalten zu sehen


Der Kult konnte nur ausgeführt werden, da das Heiligtum über technisches Personal mit vielfältigen Aufgaben verfügte. Dazu gehören die mit Bier, Brot und Öl bezahlten Fütterer, die sich um die Aufzucht und Haltung der lebenden Krokodile kümmerten. Die Krokodile galten als die sog. heiligen Tiere, die in enger Assoziation zum Gott Soknopaios standen und einen Teil des Tempelinventars darstellten. Die für den Kult benötigten Opfertiere, zumeist Rinder, wurden von den sog. Hirten des Gottes versorgt, die dafür Brot und Geld ehrielten.

Sehr häufig sind in den Listen Schwertträger erwähnt, denen vermutlich die Bewachung des Tempels oblag, die aber auch als Leibwächter offizieller Funktionäre wie etwa des königlichen Schreibers (basilikos grammateus ) auftraten. Dieser war selbstverständlich nicht in Dimê stationiert, sondern kam möglicherweise während Inspektionsreisen dort vorbei. Der Eintrag in den Abrechnungslisten lässt darauf schließen, dass sein Bodyguard Brot und in Öl eingelegte Oliven zur Verköstigung sowie Reiseproviant vom Tempel erhielt. Ob das im Jahr 2006 gefundene frührömerzeitliche Schwert aus Eisen, das von der italienischen Grabungsmission innerhalb des Tempelbezirks entdeckt wurde, ein Utensil der in den Dokumenten erwähnten Schwertträger gewesen sein könnte, müssen weitere Forschungen erweisen.

Einige der in den Listen verzeichneten Naturalien fanden in religiösen Ritualen Verwendung, wurden für die Instandhaltung der Gebäude oder die Herstellung von Tempelinventar benötigt. Zu Letzterem gehörten Lampen und Lampendochte für die Beleuchtung sowie verschiedene Gefäße, Schalen und Kisten aus Metall und Holz. Die genaue Verwendung der Gegenstände geben die Abrechnungen nicht an, aber griechische und demotische Listen über Tempelinventar, die bereits publiziert sind, werden für die Interpretation der Gegenstände sehr hilfreich sein.

Ein halbes Jahreseinkommen für räucherwerk

Als regelmäßige Ausgabe ist jene für Myrrhen-Harz, Kyphi undneheh -Öl verzeichnet. Ähnlich wie Weihrauch war Myrrhe ein Bestandteil des Duftbalsams, mit dem ein Offiziant das Kultbild imTäglichen Ritual salbte. Die Harz-Klümpchen konnten jedoch auch verbrannt und zur Räucherung vor Götterstatuen verwendet werden. Myrrhe war darüber hinaus eine Hauptzutat von Kyphi, einer weiteren Räuchermischung, die für guten Duft und damit rituelle Reinheit sorgte. Die Schreibung des Wortes in den Abrechnungen mit dem Zeichen «Mast mit Segel», das auch Wörter wie «Wohlgeruch » und «Rauch/Qualm/Dampf» einschließt, verdeutlicht die Anwendung dieses Kyphi.

Die Listen verraten nichts über den Empfänger der Räucherungen, aber die griechischen Finanzberichte erläutern, dass Kyphi und andere Aromata der Statue des Soknopaios und des Harpokrates zugutekamen und den Tempel im Jahr fast 600 Drachmen kosteten. Zum Vergleich: Der Bedarf eines sechsköpfigen Haushaltes für Ernährung, Kleidung und Wohnung wird auf ca. 1100 Drachmen pro Jahr geschätzt! Für das häufig genannteneheh -Öl ist der Zweck in den Abrechnungen fallweise angegeben, wenn es heißt: «neheh -Öl (für) die Türen der Kapelle der Isis». In Abmachungen aus Dimê, die die Regeln für den Unterhalt und die Reinigung von Gebäuden verzeichnen, wird näher ausgeführt, dass die Türen, in dem Fall des Großen Tores und des westlichen und nördlichen Einganges, mit dem Öl «gesalbt » werden sollten.

Der heute so einsam in der Wüste liegende Tempelbezirk des Soknopaios war also einst ein geschäftiger Ort: Jeden Tag aufs neue fanden die Rituale an den Götterstatuen im verborgenen Allerheiligsten und unter Mitwirkung nur weniger Eingeweihter statt. An den nicht seltenen Festtagen wurden die Kultbilder im Beisein von größeren Mengen Gläubiger aus dem Inneren herausgetragen, während ein umfangreicher Mitarbeiterstab tagtäglich rege damit beschäftigt war, die administrativen und wirtschaftlichen Grundlagen für den Kult und den Erhalt des Heiligtums zu schaffen. Der Begriff «Kultbetrieb» passt insofern in doppelter Hinsicht.

Adressen der Autoren
PD Dr. Maren Schentuleit und
Prof. Martin Andreas Stadler
Lehrstuhl für Ägyptologie
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
residenzplatz 2
D-97090 Würzburg

Bildnachweis
Abb. 1: Foto: M. Stadler; 2. 4: © Staatliche Museen zu
Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung,
Foto: S. Steiß; 3: © M. Capasso, P. Davoli – Missione Archeologica
dell’Università del Salento Lecce.

Literatur Ein virtuelles Modell des Tempels in rekonstruktion findet sich auf: https://www.museopapirologico.eu/sok_sito.htm

M. CAPASSO/P. DAVOLI (Hrsg.), Soknopaiou Nesos Project I (2003–2009), 2012.

H. KOCKELMANN, Der Herr der Seen, Sümpfe und Flußläufe: Untersuchungen zum Gott Sobek und den ägyptischen Krokodilgötter-Kulten von den Anfängen bis zur römerzeit (2017).

S. L. LIPPErT/M. SCHENTULEIT, Quittungen (2006).

DIES., Die Tempelökonomie nach den demotischen Texten aus Soknopaiu Nesos, in: DIES. (Hrsg.), Tebtynis und Soknopaiu Nesos – Leben im römerzeitlichen Fajum. Akten des internationalen Symposions vom 11.–13. Dezember 2003 in Sommerhausen (2005) 71–78.

M. SCHENTULEIT, Keeping Track of Accounts: The Editing Platform DimeData, in: C. römer (Hrsg.), Acts of the 7th International Fayoum Symposion, 29 October – 3 November (in Vorbereitung).

M. A. Stadler, Théologie et culte au temple de Soknopaios: Études sur la religion d’un village égyptien pendant l’époque romaine (2017).