Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Im Einsatz für die Robben


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 16/2021 vom 16.04.2021

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Im Einsatz für die Robben" aus der Ausgabe 16/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 16/2021

GERETTET Helfer bringen fünf aufgepäppelte Robben wieder ans Meer. Die Freiheit ruft!


10 kg Fisch benötigt eine ausgewachsene Kegelrobbe

GESTÄRKTDiese kleine Robbe wurde in der Seehundstation Norddeich gepflegt. Bald kehrt sie in die freie Wildbahn zurück


GESTRANDETDie Seehundstation nimmt verwaiste Robbenbabys auf, sogenannte Heuler


Verzweifelt ruft die kleine Robbe nach ihrer Mutter. Ihr „Heulen“ klingt herzzerreißend. Doch die Mutter kommt nicht wieder, das Robbenjunge ist ein Waisenkind, ein Heuler. Hilflos und verlassen liegt es auf der Sandbank der Nordseeinsel Borkum. Schuld an der großen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 16/2021 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 16/2021 von Geparde MAMAS LIEBLINGE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Geparde MAMAS LIEBLINGE
Titelbild der Ausgabe 16/2021 von Totgeglaubte leben länger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Totgeglaubte leben länger
Titelbild der Ausgabe 16/2021 von Wenn die Seele Hilfe braucht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wenn die Seele Hilfe braucht
Titelbild der Ausgabe 16/2021 von Wer verdient den Oscar 2021?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wer verdient den Oscar 2021?
Titelbild der Ausgabe 16/2021 von DER FALL Maddie. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER FALL Maddie
Vorheriger Artikel
Wenn die Seele Hilfe braucht
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Wer verdient den Oscar 2021?
aus dieser Ausgabe

... Not des kleinen Geschöpfs ist ein Mensch.

Auf Borkum gilt es, zu Robbenbabys Abstand zu halten, mindestens 100 Meter sind vorgeschrieben. Aber nicht alle Besucher können bei den niedlichen Kreaturen mit den großen Kulleraugen der Versuchung widerstehen. Ein Tourist fasste eines der Tiere an - und brachte es auf diese Weise in Lebensgefahr: Riecht ein Jungtier nach Mensch, wird es von der Mutter nicht mehr angenommen und von ihr zurückgelassen. Ohne Muttermilch aber verhungert es.

Wieder ein Fall für die „Robben-Retter“: In der gleichnamigen Dokumentation (siehe TV-Tipp Seite 14) begleitete ein Filmteam sie bei ihren Einsätzen.

FREIHEITDie Heuler müssen sich erst an das Leben in der Nordsee gewöhnen


SCHUTZ Touristen sollen zur Seehundbank Hohes Riff auf Borkum Abstand halten


HILFEDie Jagdaufseher Christian Fink (l.) und Jonny Böhm haben im Sommer auf Borkum alle Hände voll zu tun


Während auf Borkum überwiegend Seehunde zu Hause sind, fühlen sich ihre größeren Verwandten, die Kegelrobben, vor allem an den Stränden vor Helgoland wohl. Das war nicht immer so. Früher wurden die Tiere hier gejagt, besonders die Jungtiere mit ihrem flauschig-weißen Fell. 1974 wurde die Jagd eingestellt, doch erst 1990 konnten vor Helgoland wieder Exemplare gesichtet werden. Seitdem wuchs die Population stetig. In diesem Winter gab’s mit mehr als 650 Neugeborenen einen neuen Rekord.

Schutz für Tier und Mensch

Für die Robben herrschen vor Helgoland ideale Bedingungen. Hier finden sie reichlich Futter, zudem sind die Strände gut geschützt. Damit das so bleibt, sperrt Michael Janßen das Gelände gut sichtbar ab - nicht nur zum Schutz der Kegelrobben, sondern auch der Menschen. „Ein Bulle wiegt 300 Kilo und ist 2,30 Meter lang.
Wenn der einen zu fassen bekommt, dann kann der einen Arm oder ein Bein abbeißen“, sagt Jagdaufseher Janßen. Kegelrobben sind die größten Raubtiere Deutschlands. Sie verdanken ihren Namen ihren spitzen, kegelförmigen Zähnen. Erst vor wenigen Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass sie auch ihre kleineren Verwandten, die Seehunde fressen. Die bleiben deshalb immer auf Abstand am Strand.

Auf Borkum sind die Seehunde in der Mehrzahl. Im Frühsommer werden hier Hunderte ihrer Babys geboren. Dann ist Jagdaufseher Christian Fink mit seinen Kollegen im Dauereinsatz. Überall hängen sie Plakate auf und verteilen Broschüren, um die Touristen über die Robben zu informieren. Und sie beobachten die Sandbänke, auf denen sich die Tiere tummeln. Entdecken sie ein verwaistes Baby, müssen sie schnell handeln. Fünf bis zehn Heuler fangen sie jede Woche ein. Bevor die in der Seehundstation Norddeich aufgepäppelt werden, kommen sie zunächst einige Tage in Quarantäne, damit sie keine Viren einschleppen. Sie werden untersucht, markiert, und sie erhalten einen Namen. Yoki taufen die Pflegerinnen den kleinsten Heuler. Er wird mit einem fischhaltigen Spezialtrunk gefüttert. Milch vertragen die Jungen nicht, weil sie laktoseintolerant sind. Feste Nahrung können sie noch nicht beißen. In der Seehundstation werden sie darauf trainiert, Heringe zu fressen. „Ziel ist ein Gewicht von 25 Kilo“, sagt Tierpflegerin Ramona Fetting. „Sobald sie das erreicht haben, werden sie ausgewildert.“

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Zehn Prozent der jährlich etwa 130 bis 160 Jungtiere schaffen ihn nicht, weil sie zu spät gefunden werden, zu krank oder zu schwach sind. Zum Glück kann die große Mehrheit gerettet werden.

VORSICHT Die Kegelrobbe ist das größte Raubtier in Deutschland


Neu gewonnene Freiheit

Nach zehn Wochen ist es geschafft: 25 Kilo bringt jede Robbe auf die Waage, genug um in freier Wildbahn zu überleben. Heute ist der große Tag für Yoki und vier weitere Robben: Es geht zurück in die Freiheit. Tierpfleger und Jagdaufseher fahren mit ihnen nach Juist, das dortige Landschaftsschutzgebiet ist menschenleer. Als die Robben-Retter die Körbe öffnen, kugeln die Jungtiere in den Sand. Sofort robben sie zum Wasser, um in der Nordsee in die neu gewonnene Freiheit abzutauchen. „Das ist der Lohn unserer Arbeit“, sagt Christian Fink. Alle sind stolz und glücklich: „Wir konnten Leben retten.“

Fischfütterung: Viermal täglich bekommen die Robben Heringe


Die Robbenbabys müssen lernen, sich zu behaupten


Alles im Griff: Tierpflegerin Ramona Fetting


FOTOS: S. 12-13: SCHUMACHER/RS-FILM (GR.), HECKER/TREBLIN/DDP (2); S. 14-15: SCHUMACHER/RS-FILM (7)