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IM GESPRÄCH MIT: IMOGEN POOTS: ZU BLACK CHRISTMAS


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 80/2020 vom 11.03.2020
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Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 80/2020

DEADLINE: Weshalb wolltest du bei BLACK CHRISTMAS unbedingt dabei sein?
IMOGEN POOTS: Wegen der Regisseurin. Ich bin ein wirklich großer Fan von Sophia Takal. Ich hatte ihre Arbeit schon lange verfolgt, und ich fand es interessant, wie sie an die weiblichen Fights herangeht und die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Horrorfilme sind meist eher oberflächlich, ich freute mich, dass dies bei diesem nicht so war und er in die Tiefe geht. deadline: Es gibt ja schon einige BLACK CHRISTMAS-Filme. Kennst du alle?
IMOGEN POOTS: Ich habe nur das Original gesehen, die anderen Teile kenne ich nicht.

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... Ich hielt es für inhaltlich nicht relevant. Der Film von 1974 war natürlich noch sehr progressiv. Ich freue mich, dass die Frauen nun viel stärker im Zentrum stehen und ihnen wesentlich mehr zugetraut wird als früher. Insofern sind es von der Art her schon zwei sehr unterschiedliche Filme, da die Zutaten für den Film sehr verschieden sind. Nur der Titel ist () der Gleiche. Die Story und die Figuren sind einfach anders, und nicht zu vergessen: Mit Sophia Takal inszeniert die erste Frau einen blacK christmas-Film. Dies ist wirklich eine sehr große Veränderung. Nein. Denn ich bin ja in England aufgewachsen, und da haben wir so etwas nicht. Ich wäre nie ein Teil einer Schwesternschaft geworden. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf, und ich hätte keine Schwesternschaft benötigt, um mit anderen Leuten eine Gemeinschaft zu bilden oder mich akzeptiert zu fühlen. Außerdem glaube ich nicht, dass man eine Frau auf eine bestimmte Rolle beschränken kann, denn jede Frau kann sehr vielseitig sein. Absolut. Der Einfluss ist offensichtlich und hat mich darin bestärkt, ein Teil des Projekts sein zu wollen. Wir gehen den Missbrauch von Studentinnen auf Universitäts-Campussen offensiv an, wenngleich blacK christmas natürlich dennoch in erster Linie ein Weihnachtshorrorfilm bleibt. Die Regisseurin hat beides gut miteinander verbunden. Und mir hat auch gefallen, dass nicht, wie so oft, eine Frau es alleine mit dem Bösen aufnehmen muss, sondern eine Gemeinschaft aus starken Frauen. Es ist eine Mischung aus beidem. Natürlich müssen einem solche Rollen erst einmal angeboten werden, aber wenn sie da sind, nehme ich diese natürlich gerne an. Es ist toll, dass es mittlerweile immer mehr Geschichten gibt, in denen Frauen auf eine seriöse Weise im Vordergrund stehen und es nicht immer nur um die Kerle geht. Dabei geht es gar nicht darum, dass Frauen immer stark sein und über alles triumphieren müssen, sondern dass sie einfach im Vordergrund stehen. Früher ging es oft um die Schauspielkollegen, mit denen ich arbeiten könnte, heute gucke ich mir in erster Linie an, welcher Regisseur oder welche Regisseurin da mit mir einen Film drehen möchte oder mit wem ich von mir aus Lust habe. Sophia war eine von ihnen. Wir stehen schon seit vielen Jahren miteinander in Kontakt und haben immer mal wieder nach einem Projekt Ausschau gehalten, welches wir zusammen realisieren können. Ich würde sehr gerne mit Cameron Jenkins zusammenarbeiten. Aber er ist, glaube ich, kein Regisseur, der sich im Horrorbereich wohlfühlen würde. Ganz unspektakulär zu Hause bei meiner Familie. In erster Linie Letzteres, denn dadurch, dass ich über das Jahr nicht oft Zeit habe, meine Familie zu sehen, steht diese für mich zu Weihnachten viel mehr im Vordergrund als Weihnachten selbst.

Regie: Travis Stevens / USA 2019 / 93 Min. Darsteller: Philipp »CM Punk« Brooks, Trieste Kelly Dunn, Sarah Brooks, Elissa Dowling, Travis Delgado, Tonya Key Freigabe: FSK 16 Vertrieb: Tiberius Blu-ray: Ja Cut: Nein Start: 02.04.2019

GIRL ON THE THIRD FLOOR

Travis Stevens, der sich seine Hörner im Filmbusiness als Produzent von Genre-Sidekicks wie 68 KILL und BIG ASS SPIDER! abgestoßen hat, legt nun mit GIRL ON THE THIRD FLOOR (2019) ein spannendes Debüt als Drehbuchautor und Regisseur vor. Interessanterweise ist die Geschichte rund um das von Geistern besessene Haus als eine Art Site-Specific-Werk entstanden, da um das tatsächliche »Dreh-Haus« bereits zuvor einige Gerüchte über Geistererscheinungen kursierten.

Die Liste von Haunted-House-Filmen ist nicht endlos, aber doch beträchtlich, und hat sich erst 2018 Netflix mit einer erstaunlich gelungenen Eigenproduktion, der Serie THE HAUNTING OF HILL HOUSE, hervorgetan, ist es dennoch kein Kinderspiel, dem Genre etwas Neues hinzuzufügen. Ein Glück für GIRL, denn Stevens versucht erst gar nicht, damit etwas zu beweisen, und das tut dem Film erstaunlich gut. Anstatt die Erzählung mit besonderen Twists auszuschmücken, generiert Stevens schauderhafte Momente des Suspense durch das einfache Element der Vorhersagbarkeit. Was die Zuschauer schon relativ bald erfahren: Don Koch (gespielt vom ehemaligen Pro-Wrestler Philipp »CM Punk« Brooks) ist ein abstinenter Alkoholiker mit einer schwangeren Frau und einer aufkeimenden Midlife-Crisis. Um sich von den Problemen seiner Vergangenheit zu erholen und auch um seiner Frau, auf deren Kosten er momentan sein Leben finanziert, etwas zu beweisen, will er ein völlig heruntergekommenes Haus in der Vorstadt von Grund auf renovieren. Doch egal, wie viel Energie Don in die Reparaturen steckt, die Rohre spucken weiterhin ekelhaften Dreck aus, und an den Wänden klaffen schwarze Wunden, die sich nicht schließen lassen wollen.

GIRL tut also genau das, er erzählt die Geschichte Dons, der wie bereits sein literarischer Namensvetter Don Quijote vergeblich gegen Windmühlen zu kämpfen versucht und sich dabei mehr und mehr in sein eigenes unabwendbares Unheil verstrickt. Dabei schafft Stevens es nicht nur, einen in allen Farben schillernden Drecksack als sympathischen Antihelden und glaubwürdigen Heimhandwerker zu inszenieren, er macht außerdem einen äußerst starken Kommentar zum Verlust und dem verzweifelten Versuch der Wiedererlangung männlicher Macht.

(RAFFAELA SCHÖBITZ)

HANDY-HAUNTED-HOUSE-FLICK