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Im Gleichgewicht


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2021 vom 04.10.2021

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Eine gute Balance hängt eng mit vielen Punkten der Skala der Ausbildung zusammen.

SKALA DER AUSBILDUNG

Jeder Punkt hat Einf luss auf die Balance

Beim Gleichgewicht laufen im Hinblick auf die Skala der Ausbildung des Pferdes alle Fäden zusammen. Jedes Element, vom Takt bis zur Versammlung, bereichert und verbessert das Gleichgewicht des Pferdes. Während das horizontale Gleichgewicht etwas mehr mit Takt, Losgelassenheit und Anlehnung verknüpft ist, bezieht sich das laterale (seitliche) Gleichgewicht stärker auf die Geraderichtung.

Horizontale Balance

Das Ausbalancieren von hinten nach vorne, sprich das horizontale Gleichgewicht, ist eine der ersten Herausforderungen für das Pferd. Welche Rolle Hinterhand, Muskulatur und der Hals dabei spielen

DER HALS – WICHTIG FÜR DIE BALANCE DES GANZEN KÖRPERS!

Gerade der Hals, den das Pferd als Balancierstange so nötig braucht wie der Affe seinen Schwanz, ist für das horizontale Gleichgewicht von immenser Bedeutung. Von Beginn der Ausbildung an muss ...

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... das Pferd seinen Hals effektiv zum Ausbalancieren nutzen können, dazu ist es zwingend notwendig, dass das Pferd im Hals genügend „Platz“ hat, ihn also lang genug machen darf, damit er zur Balance-Findung dienen kann. Eine Art Faustregel besagt, dass das Pferd möglichst vor dem Sattel so lang sein sollte wie hinter dem Sattel. Das bedeutet für den Verlauf der Ausbildung: Am Anfang ist das Pferd insgesamt, damit also auch im Hals länger. Mit zunehmender Versammlung wird es sowohl hinten als auch vorne kürzer!

DER „MOTOR“ MUSS RUND LAUFEN

Die Hinterhand spielt beim horizontalen Gleichgewicht eine wesentliche Rolle. Als „Motor“ des Pferdes muss die Hinterhand locker vorschwingen, beide Hufe gleich weit vor, die jeweiligen Gelenke von der Hüfte übers Knie bis zum Sprunggelenk müssen sich leicht beugen. Im Verlauf der Ausbildung soll die Hinterhand mehr und mehr aus der Kraft heraus nicht nur Schub-, sondern auch Tragkraft entwickeln. Muskeln sollen sich aufbauen, die das Ausbalancieren in jeder Lektion und jeder Gangart, ob verstärkt oder versammelt, möglich machen.

OHNE MUSK ELKRAFT GEHT GAR NICHTS

Die Förderung der Muskelkraft muss eines der ersten Ausbildungsziele sein, denn Balance und Muskelkraft haben unmittelbar miteinander zu tun. Je mehr Muskelkraft ein Pferd durch sinnvolle Gymnastizierung bekommt, desto leichter wird es auch, durch kleine Muskelkontraktionen immer wieder zu versuchen, die instabile Balance beim Bewegen wieder herzustellen. Jeder Reiter kennt das: Lässt die Kraft allmählich nach, werden Bewegungen weniger kontrolliert und die Gefahr, aus dem Gleichgewicht zu geraten, eventuell sogar zu stolpern, wird immer größer.

So gelingt die horizontale Balance

TIPP 1

Wehret den Anfängen!

Legen Sie größten Wert auf schonende Ausbildung und überprüfen Sie häufig, ob sich im Laufe der Ausbildung Bewegungsmuster entwickeln, die nicht förderlich für das Gleichgewicht sind. Legt sich das Pferd auf die Hand, arbeiten Sie so lange daran, bis Sie eine Lösung gefunden haben (Wendungen). Findet es seinen Takt im Trab nicht, suchen Sie so lange nach einer Lösung, bis das Pferd sicher im Takt und Gleichgewicht trabt (Tempovariationen). Fußt es in Verstärkungen hinten breit, kräfigen Sie erst so lange die nötige Muskulatur und gymnastizieren Sie Ihr Pferd zum Beispiel mit Schenkel weichen und Seitengängen, bis es nicht mehr breit fußt. Beginnt Ihr Pferd beim Erlernen der Piaffe zu schwanken, piaffieren Sie nicht weiter, sondern versuchen Sie neue Übungen zu finden, die das seitliche Gleichgewicht des Pferdes fördern, so dass es ohne zu schwanken piaffiert! Denn hat sich ein falsches Bewegungsmuster erst etabliert, ist dies beim Pferd nur schwer aufzubrechen.

TIPP 2

Schaffen Sie Reize!

Um die horizontale Balance des Pferdes zu fördern, sollten Sie über die Grenzen Ihres 20 mal 40 Meter großen Reitplatzes hinausschauen. Jeder neue Bewegungsreiz kann helfen, das Pferd in eine bessere Balance zu bringen. Besonders gut ist das Bergauf- und Bergabreiten in allen Gangarten. Erstens gibt es Kraft, zweitens schult besonders das Bergaufreiten die Koordination des Pferdes. Die Hinterhand schiebt quasi „automatisch“ weit vor, darüber hinaus finden die Pferde fast von selbst in eine Dehnungshaltung, die das Gleichgewicht fördert: Sie senken Hals und Kopf und wölben den Rücken auf.

Beim Bergabreiten muss das Pferd ebenfalls mit der Hinterhand weit unterfußen, aber sich im Hals weiter aufrichten. In ihrer aktiven Zeit als Kaderreiterin nutzte die heutige Bundestrainerin der Dressurreiter, Monica Theodorescu, kleine Wälle, um ihre Pferde im Bergabreiten spielerisch an das Piaffieren heranzuführen. Die Trittsicherheit wird dadurch gefördert, und Trittsicherheit bedeutet ebenfalls Gleichgewicht!

Ein weiterer positiver Reiz für die horizontale Balance ist jede Form der Stangenarbeit. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, reiten Sie über Trabstangen, galoppieren Sie über Stangen, legen Sie Stangen als Gasse, durch die Sie hindurchreiten, legen Sie je zwei Stangen als „V“ und reiten im Schritt, Trab oder Galopp über die Spitze des „V“.

Wichtig bei allen Übungen: Damit die horizontale Balance gefördert wird, muss das Pferd seinen Hals als Balancierstange nutzen dürfen. Vorsicht also mit der Hand!

TIPP 3

Selbsthaltung in jedem Tempo

Sowohl das Tempo als auch die Selbsthaltung des Pferdes geben eindeutige Antworten auf die Frage, ob das Pferd gut im Gleichgewicht ist oder nicht. Nutzen Sie die Lösungsphase, aber auch kleine Momente innerhalb der Arbeitsphase, um das Pferd mal insgesamt etwas länger und dann wieder etwas kürzer zu reiten. Der Wechsel zwischen etwas mehr positiver Spannung und anschließendem Längerlassen unterstützt die An- und Ab spannung der Muskulatur.

Ziel sollte es sein, dass sich das Pferd weder beim Verkürzen noch beim Verlängern seine Balance auf Kosten der Reiterhand sucht. Lassen Sie sich Zeit beim Suchen des „Wohlfühltempo des Pferdes“: In jeder Gangart können Sie durch kleine Tempounterschiede herausfinden, wann das Pferd in seiner optimalen Balance schreitet, trabt und galoppiert.

TIPP 4

Wechsel zwischen Innen und Außen

Die Herausforderung, in der Balance zu bleiben, steigt mit den Anforderungen. Nach Erfahrung vieler Ausbilder fällt es dem jungen oder noch nicht so weit ausgebildeten Pferd leichter, zunächst einmal auf geraden oder, wenn überhaupt, auf großen gebogenen Linien sein Gleichgewicht zu finden. Je enger später eine Linie wird, desto stärker ist das Pferd gefordert, sich nicht nur horizontal, sondern auch lateral auszubalancieren.

Um die Balance des Pferdes im Laufe der Ausbildung zu stabilisieren, muss man als Reiter in Kauf nehmen, das Pferd kurzfristig aus der Balance zu bringen. In der Gewissheit, dass das Pferd in jeder neuen Situation sein Gleichgewicht sofort wieder suchen wird. Durch möglichst viele neue Gleichgewichts-Herausforderungen in der Ausbildung erweitert sich das Bewegungsund Balance-Spektrum des Pferdes. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel die wechselnde Stellung im Genick an der langen Seite (siehe Fotos rechts).

Balance in der Biegung

Die zweite wesentliche Gleichgewichtsrichtung des Pferdes ist die von rechts nach links und umgekehrt ( lateral). Nur wenn das Pferd die Balance auf gebogenen Linien halten kann, werden Ecken, Wendungen, Seitengänge – und am Ende auch das Geradeausreiten – zum Kinderspiel

WIE GERADE BLEIBT DIE KRUPPE?

Betrachtet man ein trabendes Pferd von hinten, lassen sich leicht Rückschlüsse darauf ziehen, wie ausbalanciert das Pferd ist. Wenn man sehen kann, wie die Kruppe sich abwechselnd rechts und links sichtbar hebt und senkt, kann man davon ausgehen, dass das Pferd sein Gleichgewicht noch nicht ausreichend gefunden hat. Stattdes- sen weicht es aus und „fällt“ ein bisschen von einer Seite zur anderen. Bei sehr weit ausgebildeten Pferden kann man von hinten sehen, dass das Heben der Kruppe von rechts nach links nur noch sehr wenig zu erkennen ist. Das Pferd bleibt also in der Hüfte/Kruppe stabil und kann seine Hinterbeine aus der gut ausgebildeten Muskula- tur und den großen Gelenken heraus aufund abfußen lassen.

VERWIRFT SICH DAS PFERD?

Verwerfen ist ein untrügliches Anzeichen, dass Pferd und Reiter am lateralen Gleichgewicht noch arbeiten müssen. Häufig kann man beobachten, dass ein Pferd auf größeren gebogenen Linien bereits gerade im Genick bleibt, aber in engeren Wendungen oder in flachen Traversalen wieder zum Verwerfen neigt. Je enger die Linie (und je höher das gewählte Tempo!), desto größer die Gefahr, dass das Pferd aus dem lateralen Gleichgewicht gerät.

WOHIN SPUREN DIE HINTERHU FE?

Zu Beginn der Ausbildung fußt das Pferd mit den Hinterbeinen noch geradeaus – und damit immer ein kleines bisschen an der Spur der schmaler fußenden Vorderhufe vorbei – denn die Kruppe des Pferdes ist bekanntlich breiter als die Schulter. Ziel der Ausbildung ist es, dass das Pferd sein Gleichgewicht mehr und mehr auf die schiebende und tragende Hinterhand verlagert. Dazu versucht der Reiter, das Pferd zum leicht diagonalen Vorfußen der Hinterbeine in Richtung Körpermitte zu bewegen, z. B. durch das Reiten vieler gebogener Linien, Schultervor und Seitengänge.

FÄLLT DAS PFERD AUF DIE VORHAND?

Pferde, deren vertikales Gleichgewicht noch nicht gut ausgebildet ist, „fallen“ besonders im Trab von einer Schulter auf die andere. Von vorne betrachtet kann man sehen, dass sie leicht schwankend traben. Häufig geht damit einher, dass von Leichtfüßigkeit keine Spur ist – man hört das Auffußen laut, der Boden „bebt“ sozusagen. Je besser ein Pferd in der Balance ist, desto leichtfüßiger werden seine Bewegungen.

TIPP 1

Nur das geradegerichtete Pferd kann ins Gleichgewicht kommen!

Ein ganz wesentliches Element des vertikalen Gleich gewichts ist die Geraderichtung des Pferdes. Das heißt, das Pferd soll sich im Idealfall in seiner Längsachse der gerittenen Linie anpassen. Beim Durchreiten einer Ecke zum Beispiel soll sich das Pferd vom Genick über den Hals, Widerrist und Rücken bis hin zur Kruppe zu einer Seite „krümmen“ – und zwar immer nur so viel, wie es die am schlechtesten zu krümmende Stelle leisten kann – und das ist der Lendenbereich . Häufig wird das Pferd im Hals zu stark gestellt (wie im Foto unten nachgestellt), und damit ist es in der gesamten verbleibenden Längsachse schon aus dem Gleichgewicht.

TIPP 2

Eine Ecke, eine Strecke im Wechsel reiten – Quadratreiten

„Es sind oft ganz einfache Linien und Figuren, die aber alles bieten, was ich für das Erarbeiten von Balance benötige“, beschreibt Dressurreiterin und -ausbilderin Uta Gräf eine ihrer Lieblings-Übungen auf dem Dressurviereck. „Man legt mitten im Viereck ein Quadrat an. Wenn man will, sogar noch so, dass man nirgendwo auf dem Hufschlag reitet. So entsteht ein tolles Wechselspiel zwischen dem Durchreiten einer Ecke, in der ich das Pferd stellen und biegen muss, und dann gibt es eine eine Linie, auf der ich geradeaus reite. Hier habe ich immer wieder die Chance, das Pferd geradezurichten und kann die gerade Linie außerdem nutzen, um die horizontale Balance zu erarbeiten oder zu überprüfen – zum Beispiel durch Überstreichen oder einen Übergang.“ Der ständige Wechsel der Anforderungen und Gleichgewichtssituationen schult nicht nur die Balance, es hält das Pferd außerdem schön konzentriert, verrät die Reiterin.

TIPP 3

Balance vom Boden aus

„Wir arbeiten alle Pferde auch vom Boden aus, weil wir das Pferd schon hier in seinem Gleichgewicht fördern können“, betont Dressurreiterin Uta Gräf. Bodenarbeit kann viele Facetten haben und sollte auch, je nach Pferd und Notwendigkeit genutzt werden. „Je mehr Variationen ich dem Pferd anbiete, um sich auszubalancieren, desto größer ist später auch unter dem Sattel sein Fundus an Möglichkeiten“, ergänzt Ausbilder Rolf Grebe.

Vom Boden aus lässt sich sowohl die horizontale als auch die laterale Balance sehr gut bearbeiten: Die Arbeit am langen Zügel, die eher im Geradeaus geleistet wird, beschäftigt sich mehr mit horizontalen Gleichgewichtssituationen, kann also die Aktivität der Hinterhand oder auch die Selbsthaltung fördern. Auch eine Wippe oder ein Stangen­ labyrinth zielen auf die Förderung der horizontalen Balance ab.

Die Arbeit an Longe und Doppellonge hat zusätzlich noch die laterale Balance im Fokus. Besonders beim jungen Pferd kann man an der Longe gut beobachten, wie es sein Gleichgewicht auf dem engen Zirkel durch Außenstellung und ein Fallen auf die innere Schulter auszugleichen versucht. Je ausbalancierter ein Pferd bereits ist, desto geringer fallen diese Aspekte auf.

Auch alle Arten von Übertreten lassen an der Hand in verschiedensten Variationen bringen das Pferd in immer neue Gleichgewichtssituationen, die es lösen muss.

TIPP 4

Trainieren Sie mit Köpfchen!

Vom Leichten zum Schweren: Stellen Sie sich und Ihrem Pferd in der Lösungsphase zunächst einmal Aufgaben, die ganz leicht zu lösen sind und für Sie selbst und für das Pferd Erfolg versprechen. Versuchen Sie nicht, alles auf einmal richtig zu machen. Konzentrieren Sie sich auf eine Sache und gehen Sie diese gezielt an.

Beispiel: Das Pferd legt sich bei Trab-Schritt- Übergängen auf die Hand, ist nach Ihrem Empfinden zu faul und fühlt sich rechts herum fester an. Setzen Sie Ihre Prioritäten zur Lösung Ihrer Probleme mit Hilfe der Skala der Ausbildung: Faulheit = Takt und Losgelassenheit stehen an erster Stelle, setzen Sie also zuerst hier Ihren Schwerpunkt. Hart in der Hand = Anlehnung steht an dritter Stelle der Skala, erst später bearbeiten.

Rechts fester als links = Geraderichtung ist Punkt fünf der Ausbildungsskala. Sorgen Sie nach Herausforderungen, z.B. engen Linien, für Entlastung wie Leichttraben und Zügel aus der Hand kauen lassen. Wenn Sie sich ein Trainingsziel gesetzt haben, nähern Sie sich diesem durch möglichst viele verschiedene Variationen.

Geraderichtende Biegearbeit sind nicht nur Volten, sondern auch Schlangenlinien, der Wechsel zwischen Geradeaus und Gebogen, in verschiedenen Tempi, auf beiden Händen. Je mehr Sie ausprobieren, desto größer die Chance, dass eine Variante besonders gut liegt und Sie schneller zum Ziel führt!

TIPP 5

Auch Fliegen will gelernt sein

Beim Springen kommt neben dem horizontalen und lateralen Gleichgewicht ein weiteres hinzu: das Fluggleichgewicht – wenn alle vier Beine in der Luft sind, muss das Pferd in sich stabil bleiben.

Kleinere Probleme wie noch nicht so gut ausgeprägte Geraderichtung kann ein guter Reiter über dem Sprung noch ausgleichen (Foto ganz rechts). Wenn aber die horizontale Balance noch nicht gefestigt ist und das Pferd seine Vorderbeine nicht gleich hoch über die Stangen bekommt (Foto rechts), ist das Fluggleichgewicht massiv gestört, es kann im schlimmsten Fall zum Sturz kommen. Viel Stangenarbeit, Vorlegestangen vor kleinen Steilsprüngen und dressurmäßige Arbeit durch zum Beispiel viele Übergänge festigen das Pferd in seiner horizontalen Balance und damit auch in seinem Fluggleichgewicht.

Autorin

Kerstin Niemann

Pferdewirtin und Fachbuchautorin. Sprach über die Balance auch mit den Dressurreitern und -ausbildern Uta Gräf und Rolf Grebe.