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Im Herzen des Vulkans


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 40/2021 vom 01.10.2021

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Feuriger Riese

Was passiert bei einem Ausbruch im Inneren? Das zeigt ein Querschnitt des italienischen Schichtvulkans Vesuv

ASCHEREGEN

Die Wolke aus Asche, Glut und Gas kann mehrere Kilometer hoch in den Himmel steigen

KRATER

Kesselförmige Vertiefung, in der sich heiße, zähflüssige Gesteinsschmelze, das Magma, sammelt, bevor sie die Hänge hinunterfließt

LAVASTROM

Das beim Ausbruch austretende Magma nennt man Lava. Sie wird 800 bis 1200 Grad heiß

MAGMAKAMMER

Mit geschmolzenem Gestein gefüllter Hohlraum in der Erdkruste, von dem aus die heiße Flüssigkeit aufsteigt

Der Berg spuckt Feuer. Aschewolken steigen in den Himmel, glühende Lava bahnt sich den Weg ins Tal. Die Menschen fliehen, lassen alles zurück, was sie besitzen. Nur weg von der tödlichen Gefahr. Erst kürzlich gab es solch ein ...

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... Schreckensszenario auf der Kanareninsel La Palma, als nach 50 Jahren der Vulkan Cumbre Vieja wieder ausbrach. Im Mai 2021 war der Ort des Schreckens der 3470 Meter hohe Vulkan Nyiragongo im Osten der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika, einer der aktivsten Feuerberge der Welt: Viermal brach er in den letzten 40 Jahren aus. Die Millionenstadt Goma, nur 20 Kilometer südlich, trifft es jedes Mal besonders hart. 600 Menschen starben bei der bislang tödlichsten Eruption im Januar 1977. „Vulkane in solch stark besiedelten Regionen erweisen sich alsausge sprochen gefährlich“, so Prof. Torsten Dahm vom Deutschen GeoForschungs­ Zentrum in Potsdam. „Trotzdem gibt es auch in Europa Beispiele, wo Menschen rund um Vulkane leben.“ 572 beispielsweise auf der italienischen Insel Stromboli, 700.000 in der „roten Zone“ rund um den Vesuv nahe Neapel. Und etwa 83.000 auf La Palma. „Im Grunde ist das Ansiedeln in solchen Gebieten immer ein Abwägen zwischen Gefährdung und Platzbedarf.“

Drohende Katastrophe

Selbst ruhende Vulkane gelten als tickende Zeitbomben. Grund ist der Aufbau unseres Planeten. Er besteht aus dem Erdkern, der umgeben ist von f lüssigem Magma, heißem Gestein. Oberste Schicht ist die Erdkruste, die sich aus diversen tektonischen Platten zusammensetzt. Diese bewegen sich. Treffen sie aufeinander, oder driften sie ausei­ nander, können Spalte oder Risse entstehen, durch die Magma an die Oberf läche dringt (siehe Grafik oben). Wissenschaftler arbeiten weltweit daran, Ausbrüche vorherzusagen. „In der Forschung überwachen wir Vulkane mit speziellen Geräten, um mögliche Veränderungen früh genug feststellen zu können“, sagt Dahm. „Doch nicht jeder Vulkan wird überwacht, meist sind es vor allem die großen wie der Ätna auf Sizilien oder der Vesuv nahe Neapel. Bei ihnen sucht man nach Vorboten wie kleinen Erdbeben oder Gasen an der Oberf läche. Diese deuten darauf hin, dass sich Magmen im Untergrund bewegen.“

1500 AKTIVE VULKANE GIBT ES DERZEIT AUF DER ERDE

Weltkarte der SUPERVULK ANE

Tatsächlich offenbart jeder Vulkan spezifische Signale, die auf einen bevorstehenden Ausbruch hinweisen. So auch der Nyiragongo. „Hier gibt es einen Schmelzsee, gefüllt mit dünnf lüssiger Lava, dessen Spiegel stetig schwankt“, sagt Dahm. „Wenn der Kraterrand an einer Stelle bricht, kann Lava ungehindert ausf ließen. Eine typische Gefährdung bei diesem Vulkan.“ Vom Nyiragongo geht eine große Bedrohung für die Menschen in der Umgebung aus – dabei gehört er noch nicht einmal zu den gefährlichsten Vulkanen (siehe Karte oben). Sogenannte Supervulkane wie etwa der Yellowstone im gleich namigen US-Nationalpark könnten bei einem Ausbruch deutlich größere Schäden anrichten. Ihre Sprengkraft entspricht der mehrerer Atombomben. „Supervulkane zeichnen sich durch enorme Eruptionen aus. Sie hinterlassen große Calderen, auch bekannt als Einsturzkessel. Die Folgen wären in der Region verheerend und sogar global spürbar.“ Der Grund: Asche und schwefelhaltige Gase gelangen in die Atmosphäre. Letztere wandeln sich zu Aerosolen und schirmen so das Sonnenlicht ab, der Planet kühlt runter. Nach dem letzten Ausbruch des Yellowstone vor rund 650.000 Jahren soll der halbe nordamerikanische Kontinent mit Asche bedeckt gewesen sein.

Doch Vulkane besitzen nicht nur zerstörerische Kraft. Sie sind essenziell für das Leben auf unserem Planeten, betont Dahm: „Ausbrüche können in den Jahrhunderten danach durchaus positive Effekte haben.“ Ihre Asche düngt die Böden, ihre Wärme erschafft in kalten Regionen Leben, das von ihnen produzierte Kohlendioxid bringt Pflanzen zum Wachsen. Mehr noch: Mit dem Gestein, das sie aus dem Erdinneren an die Oberf läche befördern, gestalten sie Landschaften immer neu. Liegen sie im Meer, kann sogar neues Land entstehen.

So entstand auch die Insel Fernandina im Pazifik durch vulkanische Aktivität. Dort sind die Drusenköpfe heimisch. Die Leguane legen ihre Eier in den Krater des Vulkans La Cumbre – sein warmer Boden übernimmt dann das Ausbrüten. Diese Geschichte zeigt: Vulkane verbreiten zwar immer wieder Schrecken – und doch sind sie wesentlich für das Entstehen von Leben auf unserer Erde.

MELANIE KOCH