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Im Interview: Ina Paule Klink: „Die Pferde zeigen mir, wo ich herkomme“


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 23.01.2019

Sie ist Schauspielerin, vielen bekannt aus der Krimireihe „Wilsberg“. Sie ist Sängerin. Sie ist ein Self-Made-Wunder mit Berliner Schnauze und eigenem Kopf. Und sie ist Reiterin, eine Pferdenärrin. Ina Paule Klink. Ein Gespräch über Promistatus im Stall, Misten als Meditation, Muffensausen im Sattel und ein Traumpferd namens Pummel.


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Mit Pummel posieren fürs Foto, ausnahmsweise ohne Reitkappe. Mit dem Holsteiner war Ina Paule Klink von Beginn an ein Dreamteam.


FOTO: C. STÜLPNER

Ein kleines beschauliches Dorf in Brandenburg. Der Berliner Großstadtrummel eine halbe Stunde entfernt. Auf einer Reitanlage mit ...

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... herrschaftlichem Wohnhaus treffe ich Schauspielerin Ina Paule Klink. Es ist die Reitanlage einer Freundin. In der Ferne grasen einige Pferde, auf der Nachbarkoppel wälzen sich drei Alpakas. Aus dem Fenster des fein geschmückten Reiterstübchens schaut sie zu den Weiden. „Is dit schön hier! Oder Papa?“ Mit kessem Blick dreht sie sich um zu ihrem Vater Reinhard Knäblein, ein drahtiger Mann, der seine Tochter zu diesem exklusiven Interview begleitet hat. „Ick bin nur der Fahrer“, sagt er mit einem Augenzwinkern und vergräbt sich hinter einer Pferdezeitschrift. Die Bühne gehört seiner Tochter. Groß ist sie, trägt eine tannengrüne Bluse, schiebt mit ihren Fingern den Pony aus dem Gesicht, kaut energisch auf ihrem Kaugummi. „Klink“ hatte sie sich kurz zuvor auf dem Parkplatz vorgestellt, höflich die Hand gegeben. Mit dem Vorschlag bei den Vornamen zu bleiben, folgte ein Ausatmen. „Total gerne! Paule.“ Bereit fürs Interview.

Paule, wir reden heute über Pferde …

Endlich!

Wie hat dich das Pferdevirus ereilt?

Wahrscheinlich schon, bevor ich geboren wurde. Mein Vater war und ist Pferdenarr, er war Profi-Springreiter. Er hat seit Jahrzehnten mit Pferden zu tun. Da bleibt es nicht aus, dass die Kinder mitziehen müssen, weil wir die Pferde zum Großteil auch zu Hause hatten. Somit musste jeder mal ran, egal welchen Alters, bei Wind und Wetter.

Eine Traumkindheit also.

Als Kind ist man da ja recht undankbar und weiß erst später zu schätzen, was man eigentlich hatte.

Zum Beispiel?

Morgens aufstehen, auf die Koppel gucken, dort drei Pferde sehen und sagen „meins“. Das vermisse ich heute. Das habe ich damals schön gefunden, aber nicht so schön, wie ich es wahrscheinlich heute finden würde.

Das war der Start für Paule und die Pferde, auf dem Bauernhof.

Genau, ein Bauernhof mit Pferden in Blankenfelde. Dort bin ich aufgewachsen. Größtenteils standen fünf Pferde bei uns.

Wann war für dich klar, dass du Springreiterin werden willst und damit deinem Vater nacheiferst?

Meine Schwester war ja auch Springreiterin, sie ist zehn Jahre älter. Sie war sehr erfolgreich, ist Jugendmeisterschaften geritten und Spartakiaden, was es so alles in der DDR gab. Sie war sehr talentiert und hatte natürlich den besten Trainer, unseren Papa.

Und wie lief es bei dir im Sattel?

Naja, das waren natürlich alles so richtige Springpferde. Die sind schwere Klasse mit Papa gegangen, mit meiner Schwester Klasse M. Das waren keine smarten, coolen, gelassenen Pferde, sie waren mehr „wie der Herr so das Gescherr“. Mein Papa hat sehr viel Energie und seine Pferde auch. Das war für ein kleines Mädchen wie mich mit so einem 1,80 Meter großen Pferd manchmal beängstigend. Ich habe lange gebraucht, bis ich die Muffe verloren habe. Heute lache ich darüber, bin erfahrener und weiß, was das bedeutet und warum sie so sein müssen. Aber damals hat mir das fast den Spaß genommen.

Aber du hast nicht aufgegeben.

Derrick hat es rausgerissen. Er hieß eigentlich Dispatcher und war das Erfolgspferd von meinem Papa. Er hat dafür gesorgt, dass ich wieder mehr Mut bekam, weil er so ein Profi war. Er stand zwar meist im Reitverein, um näher an Turnieren zu sein und weil wir keine Halle hatten. Aber wenn er bei uns zum Urlaub war, habe ich mit ihm rumgeschnüddelt. Man könnte fast sagen, Derrick war einer meiner besten ersten Freunde.

Eine große Rolle für ein Pferd …

Ich habe früh viel gedreht und gearbeitet. Freundemäßig war es schwierig. Kinder und Jugendliche sind gnadenlos, das war in meinem Fall auch so. Da musste man sich extremst anpassen, um irgendwie mitspielen zu dürfen. Dementsprechend war ich, wenn ich nicht gerade beim Gesangsunterricht, im Studio oder beim Dreh war, im Stall.


Der Stall ist mein Heiligtum und mehr als mein Wohnzimmer.


Der Stall als heiliger Hafen?

Bis heute ist das so. Unser Stall ist ein heiliger Platz und da kommen nur ausgewählte Leute hin. Tor zu und alles bleibt davor. Meistens jedenfalls. Der Stall ist mein Heiligtum und mehr als mein Wohnzimmer.

Was fasziniert dich so sehr an den Pferden, an dieser Zusammenarbeit mit ihnen?

Pferde sind Lebewesen und nicht dafür gemacht, dass wir auf ihnen reiten. Sie dulden es nur. Das muss man sich jeden Tag aufs Neue sagen, egal was man selber für eine Laune hat. Diese Empathie, die zwischen Mensch und Pferd existiert und diese Sprache, die beide miteinander führen – wenn sie denn hoffentlich gefunden wird – das ist für mich wie Magie. Ich habe eine Freundin, die ist Ostheopathin und behandelt auch unsere Pferde. Bei der fahre ich manchmal mit, wenn ich nicht drehe und mache ein bisschen Praktikum bei ihr. Seit fast neun Jahren. Ich bin immer dabei und gucke genau hin.

FOTO: C. STÜLPNER

Legst du selbst auch Hand an?

Manchmal, einfache Sachen. Die Handgriffe zu beherrschen ist toll, aber noch besser sind die Antworten, die dir die Pferde geben. Wie sie plötzlich anfangen, sich zu entspannen, und merken, dass ihnen geholfen wird. Da kriege ich Gänsehaut.

Was macht das mit dir selbst?

Das bringt mich selbst total runter. Ich bin dann wie in einer Glocke in dem Moment. Ich bin ja sehr energiegeladen, nur auf Achse, kann schlecht stillsitzen. Aber wenn ich bei den Pferden bin, bin ich im Hier und Jetzt. Egal, ob ich ein Pferd massiere oder reite. Selbst beim Misten. Misten ist für mich wie Meditation! Ich könnte am Tag zwölf Boxen misten. Ist anstrengend, aber ich liebe es.

Darfst du als Schauspielerin überhaupt reiten?

Eigentlich nicht. Die wissen natürlich alle, gerade bei Wilsberg, dass ich nicht zum Pferdestreicheln zum Stall fahre.

Aber hast du deinen Job nicht doch im Kopf, wenn du reitest?

Es reitet schon der Schatten mit. Man muss ja nicht mal auf dem Pferd sitzen, man kann auch am Boden blöd fallen, stolpern, ein blaues Auge kriegen, alles schon passiert. Turniere reite ich beispielsweise wirklich nur, wenn ich nicht drehe.

Ina Paule Klink

Geboren: 23. Dezember 1979 in Zossen. „Weil die Charité zu weit war. Alle haben so schöne Geburtsorte wie Paris, Berlin … Ich hab halt Zossen.“

Eltern : Mutter Maskenbildnerin, Vater Pilot und Springreiter.

Schauspielerin : Erste Rolle im Kunstmusical von Horst König „Liane“. Danach unterschiedliche Rollen in Serien und Filmen. Aktuelle Fernseh-Projekte: Der „Zürich-Krimi“, die neue Craig Russel-Verfilmung „Walküre“. Seit 19 Jahren spielt sie die Alex Holtkamp in „Wilsberg“.

Sängerin: Arbeitet an einem neuem Album. „Ich nenne es französische Popmusik: relativ melancholische, leise, mit deutschen Texten verpackte Musik.“ Außer sie steht mit Ärzte-Sänger Bela B. auf der Bühne. „Das ist was anderes.“

Moderatorin: „Eineinhalb Jahre, für Radio und Fernsehen. War schön, aber so gern laber ich dann doch nicht!“

Reitvereins-Vorsitzende : „Momentan haben wir 22 Pferde, davon zwölf Einsteller. Reicht auch.“

Seit 19 Jahren spielt Ina Paule Klink die Alex Holtkamp in der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“. Gemeinsam mit Leonard Lansink, Rita Russek, Roland Jankowsky und Oliver Korittke (v. l.).


FOTO: DPA

FOTO: C. STÜLPNER

„Schnüdeln“ und Springen und das am liebsten mit ihrem elf Jahre alten Holsteiner Contefinn alias Pummel. „Er lässt mich gut aussehen.“


FOTO: C. STÜLPNER

Ist das der Sportsgeist in dir, der aufs Turnier will?

Ich bin kein Wald- und Wiesenreiter. Ich schnüddel und tüddel schon gern und mache mal Bodenarbeit. Aber ich mag es, Ziele zu haben.

Welche Ziele hast du dir für 2019 gesteckt?

Das sag ich lieber nicht. Sonst wird das nischt.

Aber mit wem du diese Ziele verfolgst, kannst du verraten?

Ich habe seit letztem Jahr ein neues Pferd. Den habe ich gesehen, draufgesessen und wir waren von der ersten Sekunde an ein Team. Das ist Pummel. Also eigentlich heißt er Contefinn.

Pummel. Ist er so dick?

Nein! Die Figur täuscht natürlich.

Was für eine Type ist Pummel, dass ihr beide so gut zusammenpasst?

Pummel ist das ausgeglichenste Pferd, das ich je in meinem Leben getroffen habe.

Gleicht er dich aus?

Ja, er gibt mir Ruhe. Das ist abgefahren. Unser erstes gemeinsames Turnier war unser eigenes Hofturnier. Da bin ich nach langer Zeit mal wieder ein L-Springen geritten. Ich hatte das eigentlich nur aus Spaß genannt. Ich war zuvor im A-Springen platziert und mein Vater sagte, „komm die zwei Zentimeter mehr macht der doch im Schlaf!“. Und so war es auch. Ich war wahnsinnig aufgeregt. Aber dieses Pferd ist so cool! Egal auf welchem Platz ich mit Pummel bin, ich kann die Zügel an der Schnalle anfassen. Er ist so ein Profi und so unfassbar gelassen. Und sobald wir in den Parcours reiten, ist er da.

Aber es gab noch ein anderes Pferd in deinem Leben, Grandier?

Den gibt es immer noch. Grandier ist der Professor in meinem Leben. Grandier ist das komplizierteste, störrischste, sturste, tollste, schönste Pferd. Bei ihm haben alle relativ früh gesagt, „verkauf‘ den wieder, das ist ein Männerpferd, schaffste nicht“. Und sie hatten recht. Ich habe es nicht geschafft. Zumindest nicht das, was ich gerne gehabt hätte, nämlich mit ihm Turniere reiten und den Spaß haben, den ich jetzt mit Pummel habe.

Dennoch hast du an ihm festgehalten. Warum?

Der Weg war das Ziel. Sieben Jahre lang haben wir‘s versucht. Je nach Tagesform haben wir gewonnen, waren platziert oder kamen gar nicht in den Parcours, weil er schon am Eingang Monster gesehen hat. Er hat eine mega Abstammung, Goldwing mal Cartier, kann springen wie ein Gott, aber tut’s halt nicht. Weil er glaubt, er ist ein Hund.

Was ist aus Grandier geworden?

Er steht jetzt in Hamburg bei Freunden, er ist Familienpferd und wird nur noch ausgeritten, so wie er lustig ist. Er verarscht alle, aber erfreut sich seines Lebens.

Du führst gemeinsam mit deinem Vater einen Reitstall und ihr seid beide im Vorstand eines Berliner Reitvereins, du bist zweite Vorsitzende. Was ist dort deine Aufgabe?

Wir haben um die 130 Mitglieder. Ich hab immer schon meinen Vater bei der Vereinsarbeit unterstützt. Hatte lange die Position der Einsteller-Vertreterin. Ich bemuttere sozusagen unsere privaten Einsteller. Dabei sind bei mir die Pferde an erster Stelle.

Als Stallbetreiber braucht es sicherlich auch psychologische Kenntnisse, oder?

Oh ja! Soziales Verhalten, psychologisches Verhalten – habe ich alles dort gelernt. Viele Reiter, und da trete ich bestimmt keinem zu nahe – ich hab ja selbst ein kleines Ding am Laufen – sind schon ein bisschen verrückt mit ihren Pferden. Mal mehr, mal weniger. Der Stall ist die Schule meines Lebens. Und das hilft mir auch im Job.

Inwiefern?

Alleine mein Vater war eine gute Schule, als Vorsitzender und Reittrainer. Dazu gehört ja auch, dass man eine Respektperson ist. Ich liebe Respektpersonen und weiß sie mittlerweile sehr gut zu nehmen. In meinem Job sind natürlich viele Alphatiere, viele Männer. Mit meiner Berliner Schnauze fahre ich da manchmal ganz gut, meist ist man sich dann schnell sympathisch.

Gibst du bei euch auch Reitunterricht?

Ja. Ich hab sogar den Trainerschein gemacht. Mein Abi und meine Friseur-Lehre hab ich abgebrochen – würde ich heute keinem mehr raten, aber es war auch eine andere Zeit. Jedenfalls habe ich gedacht, ich gebe so lange schon Unterricht, da könnte ich doch eigentlich mal ein Zertifikat in den Händen halten und diesen Schein machen. Ich muss dazu sagen, ich hatte immer wahnsinnige Prüfungsangst. Aber ich habe bestanden und bin offiziell Trainer C.

Wie gibt Paule denn Unterricht?

Ich bin schon streng. Ich habe eine laute Stimme, klar, als Sängerin kann ich auch brüllen. Aber bei der Trainerausbildung habe ich eine gute Kombination aus Konsequenz, Feinfühligkeit und Lob gelernt. Manchmal bin ich auch zu überschwänglich. Die jungen Reiter könnt ick manchmal zu Boden knutschen! Ich habe aber auch schon den einen oder anderen vom Pferd geholt, weil weder Pferd noch Reiter weiterkamen, in der zu reitenden Lektion feststeckten und nichts mehr funktionieren wollte. Dann ist es manchmal besser abzubrechen. Im Großen und Ganzen werde ich immer wieder gefragt, also so schlecht kann es nicht sein.

Wer sind deine Vorbilder im Reitsport?

Klar! Ingrid Klimke. Ich hatte mehrmals das Glück, sie zu besuchen, wenn ich zum Dreh in Münster war, und ihr dann privat zugucken zu dürfen. Es ist schon beeindruckend, was sie da macht. Diese Reitkunst, dieses Nicht-Sichtbare, diese Symbiose, wenn sie im Busch reitet. Bei den Männern ist es Marcus Ehning. Er ist so ein feiner Reiter. Und ich frage mich immer, „was machst du da im Sattel eigentlich, gar nischt!“

Welche Pferde hast du in deiner Kindheit bewundert?

Hmm. Dadurch, dass ick im Osten groß geworden bin, hatte ich das nicht so.

Hattet ihr hier keine Helden?

Ich war zu der Zeit vielleicht nicht so aufmerksam.

Welche Erinnerungen hast du an die Turnierbesuche mit deinem Vater oder deiner Schwester zur DDR-Zeit, waren die Turniere anders als im Westen?

Nee, kann man nicht sagen. Da waren auch viele Sprünge, alles schön geschmückt. Gab sogar Mikros.


Er kann springen wie ein Gott, aber er tut‘s halt nicht. Weil er glaubt, er ist ein Hund.


Aber die Turniere in den Filmen, die sind anders.

Horror! Wenn man selber reitet, hat man natürlich ein Auge drauf. Von der falschen Seite aufgestiegen, Sattel falsch drauf… Klar, merkt man sofort. Wobei die Leute beim Film sagen: „Die meisten Zuschauer haben keine Ahnung und interessiert das nicht, ob einer von links oder von rechts aufsteigt“. Aber ja, in den Filmen habe ich schon das eine oder andere Springturnier gesehen, wo ich dachte: Schön von unten gefilmt, damit das E-Springen aussieht wie S.

Wie oft bist du denn schon im Film geritten?

Ehrlich gesagt habe ich mich jahrelang gefragt, warum ich nicht für so eine Rolle besetzt werde. Es steht doch überall, dass ich das auch mache. Wat is denn dit Problem? Aber es soll nicht sein. Und wahrscheinlich würde ich mich auch zu Tode ärgern. Einmal habe ich einen Film eigentlich nur gedreht, weil ich darin reiten sollte. Das war so ‘ne Schmonzette, wie man so schön sagt.

Und wie war‘s, genau so romantisch?

Ich sollte im Dunkeln in einen See reiten, mit einem fremden Pferd. War nicht so klug… Bei Wilsberg bin ich auch einmal geritten. Ein ehemaliges Voltigierpferd, der witzigerweise Wilsberg hieß. Mit dem bin ich ein kleines Springen geritten. Da habe ich gesagt: „Gebt mir 20 Minuten, dann könnt ihr mich nochmal abtupfen. Und dann springe ich diesen Parcours genau dreimal.“ Da hatte ich die Zügel in der Hand und der Regisseur war gnädig. Beim Film keine Selbstverständlichkeit. Da wollen alle immer erst mal ihren eigenen Stiefel durchziehen.

Du bist eher durch Zufall beim Film gelandet, hattest keine klassische Schauspielausbildung. Wurdest du da nicht schräg von deinen Kollegen angeguckt?

Natürlich, die eine oder andere negative Erfahrung habe ich gemacht. Aber nur die macht einen stark. Meine Schauspiel-Ausbildung ist die Lansink’sche und die Russek’sche (Anm. d. Red.: nach Leonard Lansink und Rita Russek, Paules langjährigen Schauspielkollegen bei Wilsberg) – von den beiden wurde ich mit Zuckerbrot und Peitsche erzogen am Set. Ich erwische mich immer wieder, wenn ich denke „dit würde jetzt Leonard genauso sehen“ oder „Rita würde jetzt so und so handeln“. Das hab ich intus. Eine bessere Schule hätte es für mich nicht geben können.

Mit Leonard Lansink teilst du die Leidenschaft zu den Pferden .Was sind eure Themen am Set? Film oder Pferde?

Pferde! Er hat wirklich Ahnung. Er ist früher Military geritten, richtig krass. Am Set fragen sie uns schon mal, „Worüber redet ihr?“ „Ach nischt“, sagen wir dann. Er hat immer noch die Leidenschaft. Aber Pferde hat er keine mehr, nur Hunde. Das reicht ihm.

Neben den Pferden habt ihr Berlin als Gemeinsamkeit.

Ich bin und bleibe Berlinerin. Die Hamburg-Geschichte war schön, fünf Jahre habe ich dort gelebt. Aber Berlin ist zu toll. Jedes Mal wenn ich durch die Straßen gehe, denke ich, das ist so eine geile Stadt!

Warum bist du damals nach Hamburg gezogen?

Ich hatte mein Abi abgebrochen und keine Lust mehr auf Berlin. Berlin war mir zu groß, zu ätzend, zu miesepetrig. Und in Hamburg hat meine Karriere angefangen. Mein erster Film war in Hamburg, mein damaliges Management, meine damalige Plattenfirma, mein Produzent … Ich war, seit ich 13 war, immer wieder in Hamburg und habe mir einen Freundeskreis aufgebaut, der bis heute besteht. Das war der Grund.

Wirst du auf Turnieren oder im Stall oft auf deinen Job angesprochen?

Eine Zeit lang hat man mich ungeschminkt nicht erkannt. Mittlerweile ist das anders. Es wird mehr. Ist halt so. Ist nicht schlimm. Manchmal hoffe ich einfach, dass die Richter es nicht wissen. Deswegen reite ich ungern Stilspringen. Obwohl, eines bin ich mit Pummel geritten und hatte überraschenderweise eine wirklich gute Wertnote, dass ich das Springen sogar gewonnen habe. Konnte keiner glauben. Aber Pummel hat mich schön aussehen lassen.

Ist es dir unangenehm, berühmt zu sein, wenn du in deinem Privatbereich bist.

Normalerweise nicht. Aber beim Reiten, mit den Pferden am Stall ist es manchmal schon komisch, oder auf unserem Turnier, wenn ich zum Beispiel als Mit-Veranstalter und Mädchen für alles unterwegs bin. Wenn mich dort die Leute erkennen, ist es mir schon ein wenig unangenehm. Man fühlt sich beobachtet. Da kannste halt nicht mehr im Ohr popeln.


Es ist oft so, dass ich am Vormittag Ställe ausmiste und am Abend über den roten Teppich watschel. Genau das brauch ich.


Du bist Schauspielerin, Sängerin, machst Praktika bei einer Pferde-Osteopathin. Du tauchst offensichtlich gerne in andere Welten ein. Von wem hast du das?

Wahrscheinlich von meinem Papa. Weil er auch so vielseitig ist, immer viele Baustellen hat und nicht stillsitzen kann. Es ist tatsächlich oft so, dass ich am Vormittag Ställe ausmiste und danach in die Maske gehe, um am Abend über den roten Teppich zu watscheln. Genau das brauch ich. Jede Welt hat für sich Prüfungen und Lehreinheiten, die man mitnimmt. Jede Welt zeigt mir, wer ich bin. Die Pferde zeigen mir, wo ich herkomme. Mein Beruf zeigt mir, was meine Leidenschaft ist neben den Pferden. Ich sehe meinen Beruf auch nicht als Beruf. Ich entspann‘ mich beim Drehen. Man ist in so einer Glocke. Es wird natürlich auch viel für einen gemacht, man muss sich nicht ums Essen kümmern, man wird hin- und hergefahren. Man hat ein schönes Hotel. Ich bin schon sehr demütig und dankbar, dass ich da bin, wo ich bin.

Paule, vielen Dank für das Gespräch.

„Wenn ich bei den Pferden bin, bin ich im Hier und Jetzt. Wie in einer Glocke.“


FOTO: C. STÜLPNER

Paules Lieblinge

Lieblings-Pferdefilm? „Mein größtes Problem: Ich kann keine Pferdefilme gucken. Ich heule. Damals Black Beauty – zwei Tage! Aber gut: Black Beauty und Fury natürlich. Und ‚Der Pferdeflüsterer‘, da hab ich von der ersten Sekunde an losgeplärrt.“

Lieblings-Film ohne Pferde? „Beeindruckend immer wieder ‚Monster‘ mit Charlize Theron.“

Lieblingsbuch? „ Momentan gerne philosophische Bücher. Mein größtes und tollstes Buch war ‚Ein neues Ich‘ von Joe Dispenza. Es hat mein Leben komplett verändert, den Blick auf Menschen. Es ist sehr physikalisch und chemisch, die ersten 50 Seiten flippst du aus, da muss man sich durchprügeln. Dann irgendwann macht es Peng! Ansonsten gerne alles was Thriller und blutig ist.“

Lieblingsessen? „Am liebsten asiatisch, Currys sämtlicher Art, gerne scharf.“ Lieblings-Stadtteil in Berlin? „Kreuzberg, ich lebe dort, ich liebe es da.“

Lieblingspferd? „ Meine natürlich! Alle. Derrick, Grandier, Pummel.“

Lieblingsturnier-Erlebnis? „Könnte ich vielleicht Ende des Jahres sagen. Da hab ich mir ein Ziel gesetzt. Aber das will ich noch nicht ausplaudern, soll doch klappen.“

Lieblings-Turnier? „Es gibt ein schönes Turnier bei Berlin, das war eines der letzten, die ich mit Grandier gegangen bin, da ging er sogar gut: Krampnitz, bei Potsdam. Hinter dem Springplatz ist ein See. Wunderschön! Man könnte fast denken, man ist in Süddeutschland.“

Ein schöner Turniertag? „Gott sei Dank bin ich kein Dressurreiter! Wie ick das hasse, wenn da ‘ne 5 aufm Wecker steht und ich um 6 im Stall füttern muss. Lieber um 9 in den Stall, 10:30 losfahren, erstes Springen um 13 Uhr.“ Lieblings-Turnieressen? „Die Fritten, die Crêpes, die Bratwurst schmecken dort am besten. Und das Alster.“