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IM LAND DER SCHWARZEN BERGE


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 15.04.2019

Es gibt ein Land an der Adria, das so facettenreich ist, dass man sich fragen mag, warum man noch nie da war. Timo Dersch entdeckte inMontenegro spannende Wracks und beeindruckend schöne Höhlen.


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Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 50/2019

Der „Schwarze See” Crno jezero ist ein Gletschersee im Durmitor-Nationalpark im Norden des Landes – ein absolutes Wanderparadies.


MONTENEGRO:- UTJEHA

Im Wrack der „Dague” findet man noch die Granaten aus dem Ersten Weltkrieg.


Schon der Landeanflug über die UNESCO-Welterbe-Bucht von Kotor versetzt ins Schwärmen. Der südlichste Fjord Europas liegt dort eingebettet in die Bergzüge der Küstenlandschaft. Die kleinen ...

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... Inselchen, die schroffen Felsen, die Altstadt am Buchtende, eine Burg hier, eine Festung da – hier kommen wahre „Game of Thrones”-Gefühle auf.

Meine Tauchreise geht in den Süden des kleinen Balkanlandes, besser gesagt nach Utjeha, in einen kleinen Ort zwischen Bar und Ulcinj. Auch hier liegen Hafenstädte mit jahrtausendealter Geschichte und traumhafte Festungen in unmittelbarer Nähe zu einzigartigen Naturschutzgebieten. Und genau hier, im kleinen, ruhigen Badeörtchen Utjeha hat es sich der Deutsche Michael Bader bequem gemacht. Denn nachdem er einmal auf den Balkan gekommen war, wollte er zunächst so schnell wie möglich wiederkommen – und dann irgendwann gar nicht mehr weg. Eine Ferienwohnung musste her. Aus einer wurden mehrere. Und aus der Liebe zum Land wurde das Bedürfnis, diese Liebe weiterzugeben, seine Wohnungen zu vermieten und seinen Gästen mit Rat und vor allem Tat zur Seite zu stehen. „Am meisten freue ich mich, wenn meine Gäste eine genauso innige Beziehung zum Land aufbauen wie ich. Dafür teile ich gern alle meine Geheimtipps.”

Und davon hat Michael einige. Denn der Montenegro-Experte kennt sich bestens aus. Er hat die Sprache gelernt, sich mit wichtigen Personen vernetzt und jede Menge tolle Orte ausfindig gemacht. So zum Beispiel den Cevapcici-Laden von Pojo in Ulcinj. „Die müssen auf Holzkohle gegrillt sein, sonst schmecken sie nicht”, sagt der Besitzer, wenn man seinen überdimensionalen Grill bestaunt. Und er hat Recht: Die zarten Hackfleischröllchen zergehen auf der Zunge. Noch ein Besuch bei den letzten wild lebenden Flamingos Europas in der alten Saline von Ulcinj, dann geht es ab ins Bett.

TROPFSTEINE UND TONSCHERBEN

Am nächsten Morgen geht es mit Željko Dragutinovic auf See. Der Serbe hat sich mit seinem schwimmenden Tauchcenter einen Traum erfüllt. Was das Tauchen in Montenegro ausmache? „Wracks, Wracks und nochmal Wracks.” Erster und Zweiter Weltkrieg, römische Handelsschiffe – in montenegrinischen Gewässern liegen sie herum.

Doch zunächst hat der bärtige Hüne die Mikovica-Höhle für uns auf dem Programm. In fünf Metern Tiefe, zunächst schwer zu erkennen, da verhaltene Sicht herrscht, liegt das runde Eingangstor in der Felswand. Die erste Halle ist ganz in mystisches Blau getaucht und die Sichtweite wird besser.

Montenegrinische Idylle: Queens Beach erreicht man nur mit dem Boot.


Es finden sich allerlei Meeresbewohner im Sand und auf den Höhlenwänden: Schwämme, Petersfische, Röhrenwürmer. Nach der ersten Ecke wird es finster. Es fällt kein Licht mehr von außen hinein. Im Schein der Lampen wird das Wasser plötzlich milchig. Es ist das Aufeinandertreffen von Salz- und Süßwasser. Was zunächst verwirrt, ist auf einmal ein Segen. Denn hat man den milchigen Teil passiert, herrscht in der Höhle hervorragende Sicht. Klares, vom Kalkstein gefiltertes Quellwasser findet sich hier. Wir passieren ein paar große Gesteinsbrocken und finden uns in einer Halle wieder. Hier kann aufgetaucht werden, um die Stalaktiten zu bewundern. Den Regler kann man sorglos aus dem Mund nehmen. Die Luft ist frisch und atembar. Sie dringt durch die Ritzen des Karstgesteins. Eine surreale Parallelwelt. Gerade saßen wir noch auf dem Boot in der Sonne, nun befindet wir uns in einer Welt voller Tropfsteine. Doch über Wasser gibt es kein Weiterkommen. Es geht zurück.

Die Oberflächenpause möchte Željko in einer Bucht verbringen, die im römischen Zeitalter als Hafen gedient haben soll. Diese unscheinbare Bucht? Wirklich? Ein flacher Tauchgang bringt Gewissheit. Denn siehe da, die Bucht liegt voller alter Tonscherben. Archäologische Relikte, so weit das Auge reicht. Mitnehmen darf man nichts, die Regierung hat alles unter Schutz gestellt. Doch geforscht wird hier auch nicht viel. Auf dem Grund schlummert auf jedem Quadratmeter derart viel Geschichte, dass es kaum zu fassen ist.

Als nächstes steht das Wrack der „Dague” an. Das französische Schiff diente im Ersten Weltkrieg und liegt in 18 Metern Tiefe an der Hafeneinfahrt von Bar. „Das ist sehr komfortabel für uns. Die meisten anderen Wracks liegen tiefer, da wo die Sichtweiten nicht so gut sind und uns die Grundzeit davonrennt”, sagt Željko. Das Schiff wurde in fünf Teile zerlegt, als im Hafen Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Die Segmente sind aber trotzdem gut erhalten. Wer sich traut, taucht unter Deck die Treppe hinab, wo ein altes Offiziersbett steht. In einer Ecke liegt ein Stiefel mit dem typisch spitzen Militär-Design der 20er-Jahre. Und dann zeigt der Guide auf etwas, das aussieht wie ein überdimensionales Chinaböllerarsenal. Es ist das ehemalige Waffenlager. Die alten Granaten liegen unverändert auf dem Meeresgrund. Etwas mulmig wird mir bei diesem Anblick.
Hoffentlich ist da nichts mehr scharf!

Der Skadar-See ist ein einzigartiges Biotop und Vogelschutzgebiet.


Aus den Tiefen des Gesteins sprudelt klares Wasser in den Skadar-See.


Eindrucksvolle Unterwelt: Die Lipa-Tropfsteinhöhle wurde für Touristen begehbar gemacht.


Die 140 Kilometer lange Tara verläuft später in einem eindrucksvollen Canyon.


Weltkrieg und liegt in 18 Metern Tiefe an der Hafeneinfahrt von Bar. „Das ist sehr komfortabel für uns. Die meisten anderen Wracks liegen tiefer, da wo die Sichtweiten nicht so gut sind und uns die Grundzeit davonrennt”, sagt Željko. Das Schiff wurde in fünf Teile zerlegt, als im Hafen Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Die Segmente sind aber trotzdem gut erhalten. Wer sich traut, taucht unter Deck die Treppe hinab, wo ein altes Offiziersbett steht. In einer Ecke liegt ein Stiefel mit dem typisch spitzen Militär-Design der 20er-Jahre. Und dann zeigt der Guide auf etwas, das aussieht wie ein überdimensionales Chinaböllerarsenal. Es ist das ehemalige Waffenlager. Die alten Granaten liegen unverändert auf dem Meeresgrund. Etwas mulmig wird mir bei diesem Anblick. Hoffentlich ist da nichts mehr scharf! Die Tauchtage mit Željko auf dem Boot sind eindrucksvoll abwechslungsreich: eine Höhle hier, ein Wrack da, ein Muränenhotspot hier, eine skurrile Felslandschaft dort. Besonders die „Wall of Boobs” lässt uns staunen. Die schräg abfallende Felswand hat eine perfekt flache Oberfläche, wären da nicht überall diese Ausbuchtungen. Und nun ja, man kann es den Namensgebern und den Männern an Bord nicht verübeln, die Ausbuchtungen sehen in der Tat aus wie weiblich geformte Rundungen. Auch unter Wasser setzt sich diese einzigartige Felsformation fort. Über ihre Entstehung können wir nur spekulieren. Das ist es, was das Land so besonders spannend macht. Es gibt Rätsel auf. Historische. Geologische. Biologische.

EIN WRACK WIRD ERKUNDET

Und ein weiteres Rätsel wollen wir lösen: das vom Schaufelraddampfer „Skenderbeg”. Der Skadar-See ist das größte Binnengewässer des Balkans und liegt etwa eine halbe Stunde Fahrt von Bar entfernt. Der See hat in etwa die Größe des Bodensees und liegt zu zwei Drittel in Montenegro sowie zu einem Drittel in Albanien. Viele Vogel und Fischarten sind hier heimisch. Einige davon endemisch, sprich sie leben ausschließlich hier. Eine Bootsfahrt auf dem See ist die absolute Touristenattraktion. Vogelliebhaber aus der ganzen Welt reisen an, unter anderem um den europäischen Krauskopf-Pelikan zu sehen, eine seltene Spezies die nur noch hier zu finden ist. Und da Michael eben auch Dinge möglich machen kann, die nicht üblich sind, laden wir unsere Tauchausrüstung auf das Vogelbeobachtungstouristenboot, das sich als hervorragende Tauchplattform erweist. Wir fahren durch die geschützte Schilflandschaft auf der Suche nach dem Dampfer, der von serbischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg versenkt wurde. Damals diente er als Transportmittel zwischen den Städten Rijeka Crnojevica und Skadar. Jetzt schlummert er in einem Seitenarm des Sees. Flach genug, um ihn mit der Drohne zu erspähen. Wir sind nicht die ersten, die dieses Monstrum betauchen, aber die ersten, die es dokumentieren. Wir notieren die GPS-Position, wir schießen Fotos, wir kartografieren und tauchen hinein. Der alte Stahlrumpf ist bestens erhalten. Auch das Schaufelrad ist perfekt intakt. In Zukunft kann Michael seinen Gästen einen exklusiven Tauchplatz bieten. Und im Skadar-See schlummert noch einiges mehr. An vielen Stellen sprudelt frisches Süßwasser aus tiefen Höhlen im Grund. Die Sichtweiten, der Bewuchs und der Fischreichtum sind an diesen Stellen besonders interessant. Nur die Wassertemperaturen sind ordentlich frisch – ein Trockentauchanzug ist angebracht.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Halt in der Lipa-Höhle. Die Tropfsteinhöhle ist ein Wunderwerk der Natur. Jahrtausendelang suchte sich das Wasser seinen Weg durch das Gestein und hat große Hallen, endlose Tunnel, schmale Durchgänge sowie weitläufige Passagen geschaffen. Spinnennetzartige Wege von immensem Ausmaß sind entstanden. Doch sie ist nur eine von vielen. Montenegro ist ein Tropfsteineldorado. Die Höhle Dalovica ist laut einigen Stimmen das größte Höhlensystem Europas. Sie müsste dafür nur noch etwas weiter erforscht werden. Und mit ihren zahlreichen Tauchpassagen und unter der Erde liegenden Seen ist sie wohl auch eine der schönsten. Noch mehr Explorationspotenzial. Der kleine EU-Beitrittskandidat wird noch spannender. Derart spannend, dass man ihm am liebsten das Prädikat für die am meist unterschätzteste Tauchdestination Europas verpassen möchte.

REISE-FACTS

ANREISE

Eigene Anreise mit dem Auto über Kroatien und Bosnien oder ab Deutschland mit dem Flugzeug nach Podgorica oder Tivat.

WOHNEN

Es gibt gut ausgestattete 4-Sterne-Apartments mit erstklassigem Service. Der Deutsche Michael Bader kümmert sich gern um alle Ausflüge und Tauchtrips. Info: www. utjeha.me

TAUCHEN

Das Scuba Quest Dive Center liegt in der Marina in Bar. Eine Tagesausfahrt mit zwei Bootstauchgängen kostet 60 Euro. Info: www. divemontenegro.com

HÖHLENAUSFLUGSTIPPS

Eine Überblick über sechs Höhlen gibt es auf der Webseite des Fremdenverkehrbüros www.montenegro. travel/en/objects/ caves-and-pits Weitere Infos über die Lipa-Höhle: www.lipacave. me

Perfekter Ort für einen Sundowner: die Festung von Ulcinj.


ALLE FOTOS: T. DERSCH