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Im Nebelwald


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 01.10.2021

BÄUME

Im Rahmen

Es zahlt sich häufig aus, ein und denselben Ort mehrmals zu besuchen. Als ich zum ersten Mal den Feenwald betrat, habe ich mich hauptsächlich auf einzelne, im Nebel stehende Bäume konzentriert. Diese komplexe Bildkomposition habe ich erst bei meinem dritten Besuch im Wald entdecken können. Das Bild habe ich so komponiert, dass die krumme Wuchsform des Baumes im Vordergrund als Rahmen für die beiden Bäume auf der linken Seite dient und gleichzeitig den Betrachtenden über die diagonal verlaufende Wurzel zu dem Baum auf der rechten Seite führt. Trotz eines Ultraweitwinkelobjektives brauchte es drei einzelne Aufnahmen, die ich später in Lightroom zusammengefügt habe, um diese Bildwirkung zu kreieren. Fokussiert habe ich dabei jeweils auf den Baum im Vordergrund, da dieser möglichst scharf abgebildet sein sollte. Die Bäume im Hintergrund wollte ich etwas weicher darstellen, um den Effekt ...

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... des Nebels noch zu verstärken.

Geschwister

Besonders die alleinstehenden und charaktervollen Bäume im Fanal haben es mir angetan. Bei diesen faszinierenden Exemplaren habe ich immer das Gefühl, dass sie mir eine Geschichte über längst vergangene Tage erzählen können. Welche Stürme über sie hinweggefegt sein mögen, welche Menschen zu ihren Füßen gesessen oder wie sie stoisch der sich ändernden Welt getrotzt haben. Dieses Bild zeigt einen meiner Lieblingsbäume im Fanal, der, unabhängig der widrigen Bedingungen auf dem Hochplateau, nie aufgegeben hat, zu wachsen.

Wenn Sie, wie in dieser Komposition, einen einzelnen Baum im Nebel herausstellen wollen, ist es wichtig zu beachten, dass es keine Überschneidung zwischen dem Objekt und den übrigen Bäumen im Hintergrund gibt. Häufig reicht dazu ein Schritt nach links oder rechts, um störende Überschneidungen von Baumstämmen und Ästen zu verhindern. Gleichzeitig sollten Sie auch den Rand Ihrer Komposition nach weiteren Elementen absuchen, die eventuell in das Bild hineinragen und so die Bildwirkung stören.

Kamera: Fujifilm X-T3

Objektiv: Fujifilm XF 4/10-24 mm R OIS

Einstellungen: 12 mm, f/9, 1/400 s, ISO 250, Stativ

DER FOTOGRAF

Den Fokus seiner Fotografie legt Johannes Kowalewski auf europäische Wälder und Bäume. Insbesondere im nebeligen September und Oktober zieht es ihn fast täglich mit der Kamera nach draußen. Der aus Schleswig - -Holstein stammende Fotograf lebt in Göttingen und studiert Forstwirtschaft. Er leitet Workshops, in denen er sein Wissen über Bäume und Fotografie vermittelt und präsentiert seine Bilder auf ausgewählten Ausstellungen.

www.johannesmk.com

Es gibt Wettervorhersagen, die lassen das Herz eines jeden Fotografiebegeisterten höherschlagen. Die einen mögen sich über die angekündigten Schneefälle freuen, manche über das gute Wetter und den blauen Himmel für die Urlaubsfotografie, andere wiederum freuen sich über die leichte Wolkendecke am Abend, die einen dieser spektakulären Sonnenuntergänge verspricht. Die beste Wettervorhersage für mich persönlich ist die Aussicht auf Nebel. Ab September bis weit hinein ins Frühjahr, wenn die Tage deutlich wärmer als die Nächte sind und die häufigen Regenschauer viel Feuchtigkeit ins Land tragen, stehen die Chancen gut, morgens in einem dicken Schleier aus Nebel aufzuwachen. Die beste Möglichkeit den Nebel zu nutzen und richtig in Szene zu setzen, besteht darin, den Fotorucksack zu schultern und sich in den nächstgelegenen Wald zu begeben. Der Nebel verleiht dabei diesem sonst so chaotischen Ort eine gewisse Ruhe: Der ungeordnete Hintergrund bleibt durch eine weiche, weiße Wand verborgen und einzelne Bäume, diedem Betrachtenden ohne Nebel im restlichen Wald nicht ins Auge fallen würden, treten nun hervor. Hier lohnt es sich mit offenen Augen durch den Wald zu wandeln und nach Bäumen mit besonderen Formen, einer interessanten Rindenstruktur oder sich wiederholenden Mustern Ausschau zu halten und diese in den Mittelpunkt der Bildkomposition zu stellen.

Ein ganz besonderer Ort für die Waldfotografie im Nebel befindet sich auf Madeira, einer kleinen zu Portugal gehörenden Insel vor der Küste Afrikas. Der Fanal, auch Feenwald genannt, ist ein uralter und als UNESCO-Weltkulturerbe geschützter Lorbeerwald, der auf einem Hochplateau an der Nordseite der Insel wächst. Auf Grund der besonderen geographischen Bedingungen Madeiras liegt der Fanal fast ganzjährig im Nebel, da hier die großen Wetterfronten des Atlantiks erstmals auf die über 1800 Meter hoch aufragenden Berge der Vulkaninsel treffen. Viele der knorrigen Lorbeerbäume sind durch die rauen Sturmböen, die vom Meer aus über den Wald peitschen, gezeichnet.

Verstrickt

Normalerweise empfiehlt es sich in der Waldfotografie, den Himmel auszulassen und den Fokus auf die Baumstämme beziehungsweise den Waldboden zu legen. Helle weiße oder blaue Lichter in den Baumkronen lenken häufig vom eigentlichen Subjekt des Bildes ab, da das menschliche Auge die Tendenz besitzt, zu den hellsten Stellen eines Bildes zu wandern. Ist der Wald jedoch von Nebel erfüllt, lohnt sich der Blick himmelwärts. Der Nebel erzeugt dann ein weiches und diffuses Licht, das den Blick auf die interessanten Ast- und Baumstrukturen konzentriert und so die Bildwirkung unterstützt. Für Detailaufnahmen der Baumkrone verwende ich gerne ein Teleobjektiv, wie bei diesem Bild aus dem Fanal. Besonders fasziniert hat mich das sanfte Licht auf den Moos- und Farnblättern, die sämtliche Äste des alten Baums bedeckt hatten. Die Schärfe auf dem mittleren Bildausschnitt betont das bildwichtige Detail.

Kamera: Fujifilm X-T3

Objektiv: Fujifilm XF 2,8/50-150 mm R LM OIS

Einstellungen: 61 mm, f/5, 1/10 s, ISO 160, Stativ

Medusa

Alleinstehende und ausladende Bäume eignen sich hervorragend, um den Betrachtenden anhand eines Astes in das Bild zu führen. In diesem Fall habe ich darauf geachtet, dass die beiden oberen Ecken des Bildes von Ästen besetzt sind, die das Auge zum Stamm in der Bildmitte leiten. Damit der gesamte Baum im fertigen Bild scharf abgebildet ist, habe ich an drei unterschiedlichen Punkten am linken hereinführenden Ast fokussiert. Einmal ganz in der Ecke, ein zweites Mal in der Mitte des Astes und ein mal am Stamm. Die Bilder habe ich anschließend in Photoshop zusammengefügt, um ein durchgängig scharfes Bild zu erstellen. Generell empfiehlt es sich für das Focus Stacking, eine kleine Blende zwischen f/11 und f/16 zu wählen, um in jedem Bild möglichst viel Schärfe zu haben. In diesem speziellen Fall musste ich mit einer Blende von f/8 arbeiten, um die ungünstigen Lichtverhältnisse auszugleichen.

Kamera: Fujifilm X-T3

Objektiv: Fujifilm XF 4/10-24 mm R OIS

Einstellungen: 10 mm, f/8, 1/125 s, ISO 320, Stativ 3 Bilder Focus Stack

Es sind genau diese windschiefen und knorrigen Bäume, die dazu noch von filigranen hellgrünen Farnen und von vor Feuchtigkeit tropfenden Moosen bewachsen sind, die die spezielle mystische Atmosphäre dieses Ortes ausmachen und mich Mal um Mal in ihren Bann schlagen.

Neben einem Weitwinkelobjektiv sollten Sie ein leichtes Telezoom (24-105 mm Vollformat) einstecken, um einzelne Bäume oder kleine Details ablichten zu können. Des Weiteren empfiehlt es sich. ein Mikrofasertuch einzustecken, um eventuelle Feuchtigkeit, die sich am Objektiv bildet, rückstandsfrei entfernen zu können. Darüber hinaus kann ein Polfilter hilfreich sein. Dieser verstärkt sowohl die Sättigung der Farben, was im Herbst besonders eindrücklich ist, und reduziert darüber hinaus den Glanz des noch nassen Waldbodens, der vom eigentlichen Motiv des Fotos ablenken könnte.

SO FINDEN SIE NEBEL

Um den Wald im stimmungsvollen Nebel fotografieren zu können, ist es wichtig, die vorherrschende Wetterlage richtig interpretieren zu können. Die größte Wahrscheinlichkeit für Nebel in deutschen Wäldern ist generell zwischen September und Mai gegeben. In einigen Mittelgebirgen können allerdings auch im Sommer durch tiefhängende Wolken nebelige Momente in den Bergwäldern eingefangen werden. Nebel entsteht, wenn die Temperatur über Nacht unter den sogenannten Taupunkt fällt.

Das ist der Punkt, an dem die Luft die über den Tag aufgenommen Feuchtigkeit nicht mehr speichern kann und diese als Nebel oder Tau kondensiert. Dies geschieht regelmäßig, wenn eine klare und kühle Nacht auf einen regnerischen Tag folgt. Ist dies der Fall und die Nacht ist dazu noch windstill, können Sie sich auf einen nebeligen Morgen einstellen.

Um diesen bestmöglich zu nutzen, sollten Sie früh aufzustehen, da der Nebel in der Regel durch die aufgehende Sonne und den zunehmenden Wind nach Sonnenaufgang schnell aufgelöst wird.

Gerade zur Herbstzeit gibt es allerdings auch besondere Momente, weil sich der Nebel im Wald den gesamten Tag über nicht auflöst. Zur Vorhersage und Planung meiner Fotografieausflüge hat sich die App „Clear Outside“ (kostenlos für iOS/Android) bewährt, die zwar in englischer Sprache, aber leicht verständlich, den Taupunkt, die Windgeschwindigkeit und die Nebelwahrscheinlichkeit für einzelne Orte zuverlässig angibt.

In Reihe

Es erfüllt mich immer mit Freude, durch einen stimmungsvollen Nebelwald zu laufen. Besonders magische Momente entstehen, wenn die Sonne durch die Nebelschwaden bricht und die warmen Sonnenstrahlen auf die Bäume und den Boden treffen. Diese besondere Stimmung lässt sich am besten frühmorgens an den Waldrändern einfangen, wenn die Sonne über ein angrenzendes Feld oder eine andere Freifläche steigt und in den Wald hineinscheint. Als ich einmal das kurze Glück hatte, sowohl Nebel als auch Sonne am Rande des Fanalwaldes zu erwischen, wählte ich eine Bildkomposition aus vier Bäumen, die das Auge des Betrachters über den ersten und zweiten Baum zu den Sonnenstrahlen in der rechten Bildhälfte führen. Um in einem chaotischen Wald nicht den Überblick zu verlieren, kann es helfen, wenn Sie nach ordnungs- und strukturgebenden Elementen suchen. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, wiederholende Muster zu nutzen, so wie ich es in diesem Bild mit den vier aufeinander folgenden Bäumen tat.

Kamera: Fujifilm X-T3

Objektiv: Fujifilm XF 2,8/16-55 mm R LM WR

Einstellungen: 16 mm, f/9, 1/110 s, ISO 160, Stativ