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Im RAUSCH der HÖHE


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 21.03.2019

Lebensgefährlich und illegal! Auf den höchsten Bauten der Welt riskierenROOFER alles für spektakuläre Fotos


Artikelbild für den Artikel "Im RAUSCH der HÖHE" aus der Ausgabe 2/2019 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 2/2019

HONGKONG Der russische Roofer Ivan Kuznetsov zeigt gern Selfies seiner Füße – stets hoch über einer Stadt


DUBAI Der Russe Dmitry Chernysh mit Freundin Polina auf der Spitze des 285 Meter hohen Millennium Tower


Ich spüre einfach nur, dass ich sehr, sehr hoch oben bin. Es ist fast wie imWELTRAUM. Ich bin glücklich da oben!
VITALIY RASKALOV _Roofer aus der Ukraine


SHANGHAI Vitaliy Raskalov auf der Baustelle des Shanghai Tower, gut 600 Meter über den Straßen der Stadt


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Es ist der absolute Albtraum, jedenfalls für die meisten von uns: In gut 600 Meter Höhe auf der Spitze eines Wolkenkratzers zu sitzen, die Füße über dem Abgrund baumeln zu lassen und Selfies zu schießen. Für einige wenige aber ist es der absolute Kick, das Größte überhaupt, pures Adrenalin. „Es ist fast wie im Weltraum. Ich bin glücklich da oben“, sagt etwa der junge Ukrainer Vitaliy Raskalov in einem Interview. Er und sein russischer Freund Vadim Makhorov zählen zu den Stars unter den „Rooftoppern“ oder kurz „Roofern“. Wer einen Blick in ihre bizarre Welt werfen möchte, wird auf Youtube fündig oder im Magazin „Urbex“ in der Mediathek von Red Bull TV. Doch Achtung: Schon die Bilder sind bestens geeignet, um Schwindelgefühl auszulösen!

URSPRUNG IN MOSKAU

Städte sind die Abenteuerspielplätze der Roofer, je imposanter die Skyline, desto spannender. Nicht umsonst ist Moskau mit seiner wilden Mischung aus stalinistischer und postmoderner Architektur der Ursprung der Bewegung, die mittlerweile weltumspannend ist. Auch hierzulande gibt es eine kleine Szene, in der es etwa die vor allem in Baden-Württemberg aktiven Grave Yard Kidz zu einiger Prominenz gebracht haben. Mit dem 363 Meter hohen Mast des Langwellen-Sendemasts Donebach erklommen sie immerhin das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Nachahmer haben allerdings keine Chance, der Mast wurde im Jahr 2018 gesprengt.

Roofer sind in den boomenden Metropolen Asiens unterwegs, in den Großstädten der USA, in Australien. Sie klettern auf Wahrzeichen wie die Sagrada Família in Barcelona, auf weltberühmte Wolkenkratzer, aber auch auf äußerlich öde, namenlose Bürotürme. Immer ungesichert, dafür ausgerüstet mit oft professionellem Kamera-Equipment. Und natürlich stets illegal.

Werden sie von Security oder Überwachungskameras ertappt, riskieren Roofer Anzeigen, Polizeiverhöre, in manchen Ländern gar Gefängnisaufenthalte – aber auch das ist ein Teil des Kicks. Zielobjekte auszukundschaften kann mehrere Wochen dauern. Es gilt, Zugänge zu finden, Alarmsysteme auszutricksen, Positionen und Gewohnheiten der Wachdienste auszuspionieren. In Moskau gibt es bereits Spezialisten, die mit Werkzeug vorangehen, um den Roofern verschlossene Treppenhäuser und Dachluken zu öffnen. Ein Restrisiko bleibt dennoch, egal wie gut die Aktion vorbereitet ist. Entsprechend schnell muss deshalb das eigentliche Abenteuer angegangen werden, in häufig atemberaubender Geschwindigkeit überwinden die Roofer Stockwerk um Stockwerk. Faszinierend zu sehen, selbst wenn man ihren Sport für völlig wahnsinnig hält.

Absolute körperliche Fitness ist die Grundvoraussetzung. Viele in der Szene kommen von der seit Beginn der 2000er-Jahre zunehmend populären Trendsportart Parkour, bei der es darum geht, in einer Stadt möglichst effizient von A nach B zu gelangen und sich dabei nicht von architektonischen und sonstigen Hindernissen aufhalten zu lassen. Andere Roofer sind erfahrene Freeclimber und haben die Felsen der Natur gegen die von Architekten geschaffenen „Felsen“ der Metropolen eingetauscht.

MOSKAU Kirill Oreshkin balanciert auf einem Hochhaus in „Moskwa City“, dem neuen Business-Bezirk der Hauptstadt


MOSKAU Derlei Klimmzüge in schwindelnder Höhe sind für Kirill Oreshkin ziemlich alltäglich


PER INTERNET ZUM STAR

Was ihnen gemeinsam ist: Sie bereiten sich mit gezieltem, hartem Training auf jede ihrer Aktionen vor, absolute Körperbeherrschung ist schließlich ihre Lebensversicherung. Und unverzichtbar auf dem Weg nach oben. Unterwegs gilt es, zu improvisieren und intuitiv Hindernisse zu überwinden – „offizielle“ Treppenhäuser führen selten ans Ziel, sie sind viel zu gut gesichert.

Und immer wieder ist natürlich Mut gefordert, nicht erst dann, wenn man von einem Dach ohne Brüstung auf eine Stadt im Modellbauformat hinabschaut. „Ich kenne keine Angst. Ich wüsste gern mal, wie sich das anfühlt“, sagt in einer Folge des eingangs erwähnten Magazins „Urbex“ ein junger Russe, der sich Oleg Cricket nennt und für besonders waghalsige Aktionen bekannt ist. Er macht Klimmzüge an Fassaden, fährt mit dem BMX-Rad in großer Höhe auf Mauervorsprüngen umher – in seinem Fall erscheint Mut fast pathologisch.

Olegs Ziel? Er will berühmt werden, wie er sagt, ein Star, einer, zu dem die Welt aufschaut. Das möchte auch so manch anderer Roofer, umso mehr, seit in der Szene zunehmend Geld im Spiel ist, etwa durch Sponsoring oder Auftritte in coolen, jugendaffinen Werbespots oder Musikclips. Die sozialen Medien bieten die Plattform, die Zahl der Follower und Besucher definiert den Status. Der Youtube-Kanal von Vitaliy Raskalov und Vadim Makhorov hat rund eine Million Abonnenten, ihr Aufstieg zum 632 Meter hohen Shanghai Tower wurde bisher 75 Millionen Mal aufgerufen.

Es gibt allerdings auch ein anderes Video im Netz. Es zeigt den chinesischen Roofer Wu Yongning bei Klimmzügen an einer Dachkante, die zunehmend unsicherer werden. Und dann seinen Absturz aus dem 62. Stock. Gefilmt von der eigenen Kamera, deren Bilder ihn doch eigentlich zum Helden machen sollten. „Das ist ein Spiel“, meint Oleg Cricket. „Man drückt auf ‚Play‘ – und dann gewinnt oder verliert man.“ Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. In anderen Spielen haben Verlierer immer die Chance auf eine neue Runde.

DONEBACH Die Grave Yard Kidz auf dem 363 Meter hohen Langwellen-Sendemast, der 2018 abgebaut wurde


HONGKONG Oleg Cricket an der Fassade eines Hochhauses. Der 27-Jährige sieht sich selbst als „urbanen Eroberer“


Vielleicht bin ich mit irgendeiner Fehlbildung auf die Welt gekommen: demFEHLEN DES ANGSTGEFÜHLS.
OLEG CRICKET (27) _ Roofer aus Moskau


FOTOS: S. 88: IVAN KUZNETSOV/CATERS NEWS, S. 90: CATERS NEWS (3), S. 92: ACTION PRESS (2), CATERS NEWS, YOUTUBE GRAVE YARD KIDZ