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Im Reich der Stille


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 12.11.2019

Winterzeit, motorradlose Zeit – auch wenn es in manchen Wochen

Winterzeit, motorradlose Zeit – auch wenn es in manchen Wochen in Deutschland warm genug zum Motorradfahren wäre. Weiter südlich kann es recht früh im Jahr schon frühlingshaft zugehen. Ein wenig ungewöhnlich mutet eine Gardasee-Reise lange vor der Saison dennoch an.


Artikelbild für den Artikel "Im Reich der Stille" aus der Ausgabe 12/2019 von Tourenfahrer - Motorrad Reisen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tourenfahrer - Motorrad Reisen, Ausgabe 12/2019

Der »Tunnelblick« aus der Brasa-Schlucht lohnt: Von einer Nische aus bestaunen wir das See- und Berg-Panorama.



Ein einsames Sträßchen, und die klare Winterluft – die Stille hier ist fast schon unwirklich. Grandios!


Der Charme des Südens: Oberhalb von Arco geht es kurvenreich durch ...

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... die Olivenhaine.


Traumhafte Strada della Forra – am gegenüberliegenden Seeufer glitzern Monte Altissimo und Monte Baldo.


Im Felsenmeer: Kurven satt und null Verkehr auf dem Weg hinauf zum 2180 Meter hohen Monte Bondone.


Spektakulärer und enger geht’s fast nicht: Unter dem Schutz der illuminierten Madonna fahren wir in die Brasa-Schlucht.


Hinein ins Schattenreich: Gerade mal einspurig führt die »Straße der Schlucht« durch den Schluf in die Unterwelt


Out of Season: Die Verkehrssituation auf der Gardesana am Westufer ist normalerweise nicht so entspannt.



Die vor 90 Jahren erbaute Küstenstraße mit ihren vielen aufwendigen Tunneln verläuft knapp an der Wasserlinie



Eine schmale, kurvige Bergstraße exponiert an der Felswand – nur für uns. Zum Spielen und zum Genießen


Da fehlt etwas, denke ich, als wir aus Riva del Garda auf die Gardesana herausfahren. Unter mir eine BMW R nineT, vor mir auf einer weiteren BMW und einer Moto Guzzi, Peter und Yassin, hinter mir niemand. Da fällt’s mir auf: kein Verkehr, kein orientierungsloser Tourist, kein Wohnmobil, kein Reisebus. Der eigene Fahrrhythmus bestimmt das Tempo, nicht der Stau.

Wir swingen durch die Kurven, durch die zahlreichen Tunnel, genießen die Aussicht über den See. Die Sonne scheint, ein klarer, strahlend blauer Himmel zieht sich über die noch verschneiten Gipfel des Monte Altissimo und Monte Baldo am gegenüberliegenden Ufer. Frische zwölf Grad bestätigen meine Entscheidung zum Pullover unter der Kombi. Schon beim obligatorischen Kaffee, sprich Espresso, an der verwaisten Promenade war die Stille fast unwirklich, als wir mit den Motorrädern einfuhren. »Va bene, la strada è libera. Potete passare«, hat uns der Polizist zugerufen. »Ist okay, fahrt schon, es ist sowieso keiner da.« Und wirklich, niemand beschwert sich, als wir für die Fotos mit den Motorrädern vor den Hotels flanieren. Und ohne Touristenmassen kommen die farbenfrohen Fassaden der Häuser und die verwinkelten Gassen und Plätze erst richtig zur Geltung.

Gardasee im Februar – ich muss gestehen, die Idee kam mir ziemlich exotisch vor. Doch Fotograf Peter braucht Bilder, also habe ich interessehalber mal zugesagt. München zeigte sich noch dick verschneit bis matschig-grau, in Innsbruck reihten wir uns in die Kolonne der Winterurlauber mit Skisärgen am Dach ein, doch ab Bozen konnten wir den oberitalienischen Frühling ahnen. Die Motorräder hinter uns im geschlossenen Kastenhänger salzfrei verstaut, Heizung, Musik, keine Einschränkungen beim Gepäck. Ja, die Anfahrt war entspannt. Abends bei der Ankunft im Hotel jedoch konnte auch Italien den Winter nicht verbergen – einstellige Temperaturen und eine mehr schlecht als recht funktionierende Heizung. Ein Hoch auf den mitgebrachten warmen Schlafsack. Am nächsten Tag Sonnenschein und klarer Himmel.

Auf der Weiterfahrt Richtung Limone sul Garda kommen wir an geschlossenen und verrammelten Hotelanlagen und Badeplätzen vorbei. Das Hotel und Restaurant in herausragender Alleinlage an der Felswand gleich hinter Riva, mit der Zufahrt durch den Tunnel, ist schon seit Jahren geschlossen – wegen fehlender Parkplätze, verrät Yassin, der hier seine Jugend verbrachte. Der Sound der Motorräder kommt in den langen Tunneln so richtig zur Geltung. Wenn nur wir drei unterwegs sind, stört das vermutlich niemanden. Röhren aber mehrere hundert an einem schönen Sommertag, legt sich ein permanenter Sound-Teppich über die Seestraße.

Glück gehabt: Während die Bauarbeiter Mittagspause haben, dürfen wir die Auffahrt nach Pieve passieren.


Doch wir sind weiterhin alleine. Kein Stau durch Parkplatz-suchende Autos, Badegäste oder durch Radfahrer. Der Steg parallel zur Straße, frei schwebend über dem See, erfüllt zur Hochsaison sicher eine lebenserhaltende Funktion. Derzeit scheint er verwaist. Wären wir keine solchen Warmduscher, könnten wir uns die schönsten Badeplätze aussuchen – exklusiv und allein für uns.

Der Hafen von Limone empfängt uns, wie erwartet, menschenleer. Ohne jemanden zu stören, brummen wir bis zum kleinen Marktplatz, der mit einheimischen Fahrzeugen zugeparkt ist. Kaffeepause. DerVigile Urbano, der Stadtpolizist, schaut uns streng an und widmet sich wieder seinem Espresso. Erst im Hinausgehen – zurück zum Dienst – weist er uns darauf hin, dass wir eigentlich nicht bis in die Stadt fahren dürfen. Und lässt das »eigentlich « so stehen.

Beim Ausfahren durch die engen Gässchen sehen wir über uns die Gewächshäuser der Zitronenbäume. Wobei sich der Name der Ortschaft nicht von der Zitrusfrucht, sprich Limone, sondern vom lateinischen Wortlimes (Grenze) ableiten dürfte. Wenige Kilometer nördlich von Limone endete einst die Republik Venedig. Die in den Jahren 1928 bis 1931 gebaute »Gardesana Occidentale«, die auch »Strada Statale (SS) 45 bis« genannte Küstenstraße am Westufer mit ihren vielen aufwendigen Tunneln, ließ die Welt in das bis dato nur schwer zugängliche Limone kommen.

Wir fahren weiter knapp an der Wasserlinie und durch etliche Tunnel bis zur Abfahrt Richtung Pieve. Dort, am Einfahrtstunnel in die Brasa-Schlucht, stehen Absperrbalken: Auffahrt gesperrt wegen Baumfällungen. Klar, außerhalb der Hochsaison werden an den Straßen die fälligen Renovierungsarbeiten durchgeführt. Während wir noch beraten, wohin wir als Alternative fahren, hält ein Ducato-Transporter am Gatter. »Ah, belle macchine«, bewundert der Capo der Bautruppe unsere Motorräder. Was wir denn vorhaben und wohin wir wollen, möchte er wissen und erklärt uns, seine Kollegen und er seien jetzt in dernell’ora di pausa pranzo, also in der Mittagspause. Wenn wir mögen, könnten wir schon reinfahren, bis sie wiederkommen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen.

Eine schmale, kurvige Bergstraße exponiert an der Felswand ohne Verkehr. Nur für uns – zum Spielen, zum Fotografieren, zum Genießen. Nach einigen Kurven, Kehren und einer Steinschlag-Galerie verschlingt uns der erste Tunnel. Die zahlreichen Nischen bieten aus den Felslöchern grandiose Aus- und Überblicke auf den See und das gegenüberliegende Ostufer. Das wissen auch die Liebespaare der Umgebung, die am Abend hier die romantischen Aussichten genießen. Manche der »Love Cars« bleiben über Nacht und wollen nicht gestört werden, erinnert sich Yassin grinsend.

Die zwei Kehren zur eigentlichen Brasa-Schlucht liegen beständig im Schatten, sind feucht, kalt und rutschig. Jetzt in den Vormittagsstunden des Februar vielleicht auch angefroren. Entsprechend vorsichtig tasten wir uns voran. Nur nicht die schön gefrästen Ventildeckel der Sonderausstattung »Option 719« oder den Chromtank der Guzzi verkratzen. Der Eingang in die Brasa- Schlucht ist immer wieder ein Erlebnis, besonders ohne den fast unvermeidbaren Stau zur Hochsaison. Spektakulärer und enger geht’s fast nicht. Gerade mal einspurig und Ampel-geregelt durch den Schluf in die Unterwelt. Zum Glück wacht die beleuchtete Madonna am Ausgang über den Verkehr und gedenkt der Arbeiter, die innerhalb von vier Jahren die Straße im Jahr 1913 fertigstellten.

Auf der Fähr-Überfahrt von Maderno noch Torri del Benaco begrüßt uns die Sonne.


Riva del Garda – das sehenswerte Städtchen am nördlichen Seeufer ist normalerweise ein Touristenmagnet.



Weiß verschneite Gipfel leuchten im Sonnenlicht. Was für eine Aussicht! Was für ein


Tag!

Film
Der TF-Film
»Unvergessliches Trentino«
(Spielzeit 40 min) entführt an die Region zwischen Gardasee und Dolomiten und ist erhältlich im TF-Shop als DVD sowie als Film on Demand. Infos unter:
film.tourenfahrer.de

Die außergewöhnliche Straßenführung stand schon Pate im James-Bond-Film »Ein Quantum Trost«. Ein geschickter Filmschnitt machte es möglich, dass dort die Strada della Forra, die Straße der Schlucht, in einem Marmorsteinbruch in der Nähe von Carrara endet. In Wirklichkeit kommt man an der Pizzeria »La Forra « aus der Unterwelt. Wenn die Anzahl der einheimischen Fahrzeuge ein Zeugnis der Qualität eines Lokals darstellt, so müssen die Speisen dort ausgezeichnet sein. Wir jedenfalls finden keinen Platz mehr. Übrigens: Der Zebrastreifen ist keine Deko. Also bitte nicht den Kellner überfahren, der die Gäste auf der anderen Straßenseite bedient! Heute ist es uns allerdings noch zu kalt für den Gastgarten.

Jeder, der mal eine Kurve von 270 Grad erleben möchte, kann sie hier ausprobieren. Wie ein Korkenzieher wendelt sich die Straße nach oben, überbrückt die Pizzeria und schlängelt sich heraus aus dem kleinen Talkessel auf die Hochebene von Pieve. Hier oben, 400 Meter über dem See, bläst der Wind kälter, sind die Straßen noch einsamer. Am »Hotel Paradiso« in Tremosine hält Yassin an.Chiuso (geschlossen) steht an der Tür. Doch für einen obligatorischen Espresso – oder auch zwei – ist immeraperto . Wir sind die einzigen Gäste.

Die Attraktion schlechthin ist die Terrazza del Brivido, auf Deutsch: die Schauderterrasse. Rund vier Meter ragt der Balkon ins Nichts hinaus. 400 Meter unter dir der See, vor dir die klare Winterluft und freie Rundumsicht auf das gegenüberliegende Ufer, das zum Teil noch im Schatten liegt. Nur die weiß verschneiten Berggipfel leuchten in der Sonne. Was für eine Aussicht! Was für ein Tag!

Auf der Hochfläche von Pieve erwarten uns kleine Dörfer, kein Verkehr, Kurven satt und ein permanenter Ausblick auf die verschneiten Gipfel. Auch wenn sich heute vermutlich keiner für uns und eine illegale Auffahrt zum Passo di Tremalzo interessieren dürfte, würden wir aufgrund der Schneelage nicht weit kommen. Wir bummeln lieber wieder einige Stockwerke tiefer zur Uferstraße, wo die Dorfjugend knatternd in der Applauskurve Schräglagen trainiert.

Nächster Stopp Campione del Garda. Allein die Anfahrt ist ein Abenteuer. Mitten in einem der zahlreichen Tunnel gilt es, die Abfahrt nicht zu verpassen und den feuchten Asphaltstellen auszuweichen. Die Kehre im Tunnel führt uns auf den kleinen Fleck ebener Fläche unterhalb der mächtigen Felswände. Die wenigen Häuser umringen den Dorfplatz, außerhalb stehen die Ruinen der Textilfabrik aus dem Jahr 1896, die bis 1981 den Bewohnern Arbeit und Einkommen bot. In den Siebzigerjahren, als es mit der Auftragslage der Textilfabrik bergab ging, kamen die Surfer. Trotzdem ist Campione immer noch eine Art Ge- heimtipp am Gardasee. Das liegt auch an der fehlenden Infrastruktur. Die ehemalige Textilfabrik steht unter Denkmalschutz, was Investoren von Luxushotels abschreckt. Der Campingplatz bietet keinen großen Luxus, Hotels sind Mangelware.

Am frühen Nachmittag sitzen wir auf der Piazza im Schatten. Die hohen Felswände schirmen nicht nur im Sommer recht früh die Sonne ab. »Fffuuumpp« – ein lauter Knall lässt uns hochschrecken. Nur Yassin lächelt wissend. Ein Basejumper hat seinen Schirm geöffnet und gleitet auf die Halbinsel zu. Nun machen auch die großen Rucksäcke der jungen Leute am Nachbartisch Sinn.

Langsam wird es kalt, wir wollen auf die Ostseite des Sees in die Sonne wechseln. Von Maderno nach Torri del Benaco quert die Fähre über den Gardasee. Doch vorher genießen wir noch einen schnellen Abstecher zum Lago di Valvestino. Von Gargnano führen wunderschöne Kehren den Berg hinauf – nur nicht ablenken lassen vom Blick über den See – und dann am Berghang entlang zum Stausee. Wären da nicht der feucht-glatte Schattenasphalt in den Kurven, könnten wir die Fahrt so richtig auskosten. So heißt es immer wieder besonders aufpassen. Bloß nicht die Motorräder verkratzen …

Arbeitsteilung im Hafen von Maderno. Der Ticket-Verkäufer verkauft die Fahrkarte, der Ticket-Abreißer, der sich gerade noch mit uns beim Fahrscheinkauf unterhalten hat, verlangt das Ticket vor der Einfahrt auf die Fähre und entwertet es, der Einweiser weist uns unseren Stellplatz zu. Neben unseren drei Motorrädern setzt noch ein Auto über den See nach Torri del Benaco. Manchmal kann ein Job schon hart sein … Gut, in der Hauptsaison wird der Stress-Level sicher höher sein. Auf der Hälfte der Überfahrt begrüßt und wärmt uns wieder die Sonne.

Am Ufer angekommen, versuchen wir, den Monte Baldo zu erklimmen. Einsamste Straßen, notdürftig asphaltiert, enge Kehren, grandiose Aussicht. Doch ab der Hälfte des Weges ist die Straße vereist. So, wie es uns am Tag darauf am Monte Bondone ergehen wird. Also gibt’s noch einen Tagesabschluss- Kaffee am Hafen in Malcesine. Auch hier interessieren sich die Carabinieri vor allem für unsere Motorräder und gestatten uns die eigentlich verbotene Einfahrt in die Fußgängerzone. Kleine Gassen, versteckte Durchgänge, Häuser aus einer vergangenen Epoche. Der menschenleere Hafen – nur eine Bar hat geöffnet. Im letzten Sonnenlicht ein letzter Espresso. Nein, mir fehlt gerade nichts.

Pause im Paradies: Am Hafen von Riva del Garda mit der malerischen Altstadt lässt es sich aushalten.


Allgemeines

Ein Hinweis vorweg: Da wir außerhalb der Saison gereist sind, durften wir ausnahmsweise auch durch sonst für Motorräder gesperrte Innenstädte fahren. Dies war in jedem Einzelfall genehmigt und soll nicht dazu anhalten, ein Fahrverbot zu missachten.
Der Gardasee wurde in der vergangenen Eiszeit durch einen Seitenast des Etschgletschers geformt. Seine Lage zwischen der Po-Ebene und Alpen machte ihn schon früh zum Sehnsuchtsort besonders für deutsche Touristen. Mit einer Länge von fast 52 und einer Breite von 17 km ist er der größte See Italiens.

Der Name »Garda« stammt wahrscheinlich aus der Völkerwanderungszeit und der langobardischen Eroberung Italiens (ab 568 n. Chr.). Das Wort ist verwandt mit dem deutschen »Garten« und bezieht sich auf einen geschützten Bereich bzw. befestigten Stützpunkt in stratetisch günstiger Lage. Dieser wiederum gab dem ganzen See seinen Namen. Zuvor, in römischer Zeit, wurde der See – nach einer Gottheit – »Lacus Benacus« genannt.

Geschichte

Erste Pfahlbau-Siedlungen am Seeufer werden um das Jahr 2000 v. Chr. datiert und zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. In die Geschichtsbücher ein ging die im Jahr 268 n. Chr. ausgetragene Schlacht am Lacus Benacus, in der die Römer erfolgreich gegen die Alamannen kämpften.

Im 13. und 14. Jahrhundert behauptete sich die Dynastie der Scaliger am Gardasee, die zahlreiche Burgen errichtete, zum Beispiel in Malcesine, Torri del Benaco, Lazise und Sirmione. Im 15. Jahrhundert stritten das Herzogtum Mailand und die Republik Venedig um die Vorherrschaft, wobei der Gardasee an Venedig fiel. Ende des 18. Jahrhunderts schlug die französische Armee unter Napoleon die Habsburger Truppen nahe des Sees. Nach dem Frieden von Pressburg (1805) fiel die Nordspitze des Gardasees für vier Jahre an das Königreich Bayern und danach der gesamte See an das Königreich Italien, um nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 an das Kaisertum Österreich zu gehen; damit war der Gardasee Bestandteil des Königreichs Lombardo-Venetien.

1859 fand am Südufer die Schlacht von Solferino statt, bei der die Österreicher dem Königreich Sardinien samt Bündnispartner Frankreich unterlagen. Die Österreicher verloren erst das Westufer und dann das Ostufer des Gardasees und konnten bis 1918 lediglich die nördliche Spitze mit Riva del Garda halten. Die Front des Ersten Weltkriegs verlief direkt am Nordufer.

Auch im Zweiten Weltkrieg spielte der Gardasee eine Rolle. Die Gegenregierung des gestürzten Mussolini hatte zu Kriegsende ihren Sitz am Westufer. Mit der Befreiung von Torbole und Riva Ende Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg am Gardasee.

Dank steigender Mobilität begann Mitte des 20. Jahrhunderts die touristische »Invasion« über die Alpen.

Anreise

Von Norden stellt der Brenner die kürzeste und schnellste Verbindung dar. Auf den Autobahnen in Österreich ist eine Vignette notwendig, die für ein Motorrad zwischen 5,30 Euro für zehn Tage und bis zu 35,50 Euro für die Jahresvignette kostet (Stand: 8/2019). Die mautpflichtige Brenner-Autobahn kostet auf der österreichischen Seite 9,50 Euro, die Benutzung der italienischen Autostrada A 22 ist streckenabhängig. Die Ausfahrten zum Gardasee sind hier Rovereto Süd, Affiund Verona Nord.

Aus der Schweiz muss für Autobahnen und Nationalstraßen eine Jahresvignette für 40 Schweizer Franken gelöst werden.

Da im Winter eine Anreise auf Motorradachse eher entfällt, kommen für die Fahrt mit einem Pkw mit Motorradanhänger von Deutschland bis zur Ausfahrt Affifolgende Kosten zusammen: Zehn-Tages- Vignette Österreich: 9,20 Euro (gilt auch für die Rückreise innerhalb von zehn Tagen), Sondermaut für Brennerautobahn 9,50 Euro, Mautgebühren Italien 21,20 Euro = 39,90 Euro (Stand: 8/2019).

Klima und Reisezeit

Der Gardasee wird vom mediterranen Klima mit heißen Sommern und milden Wintern beeinflusst. Zu der in dieser Tour erwähnten Reisezeit liegt die durchschnittliche Maximaltemperatur zwischen sechs und acht Grad. Wobei diese Temperaturen in der Sonne natürlich als höher empfunden werden können. Das Baden im See wird bei durchschnittlichen acht Grad Wassertemperatur mehr als erfrischend ausfallen.

Unterkünfte

Während in der Hauptsaison zwischen Ostern und September alle Unterkünfte geöffnet und oft ausgebucht sind, gönnen sich die meisten Hotels, Pensionen und Campingplätze eine Ruhe- oder Renovierungszeit in den Herbst- und Wintermonaten. Manche Hotels haben aber offen und bieten Sonderkonditionen an.

Direkt an bzw. nahe der Route liegen die folgenden TF-Partnerhäuser: »Hotel Rosalpina« in Pregasina, »Garni Al Poggio« in Piovere / Tignale, »Residence Hotel Monte Gargnano« in Sasso di Gargnano, »Hotel Villa Alba« in Malcesine, »BikeHotel Toresela« sowie »Hotel Continental«, beide in Nago-Torbole, »Hotel Martinelli« in Ronzo-Chienis und »Hotel La Pineta« in Fiavè – mehr Infos unter www.tourenfahrer-hotels.de.

Karten

Für die Entdeckerreise mit dem Motorrad bieten sich topografische Wanderkarten im Maßstab 1:500.000 oder 1:25.000 an wie von freytag & berndt, Marco Polo und Kompass zu Preisen von 8 bis 14 Euro.