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Im Reich der wilden Ponys


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 22.07.2022

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Im Reich der wilden Ponys" aus der Ausgabe 30/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 30/2022

Mutterinstinkt: Ein Jahr kümmern sich Konik-Stuten um ihre Fohlen

Auf den ersten Blick wirkt er in der Gruppe wie ein Fremdkörper: Marc Lubetzki sitzt inmitten wilder Ponys, die Kamera liegt auf seinem Schoß, die Koniks um ihn herum grasen ganz gelassen. Ein Mensch als Teil einer Herde – was für eine ungewöhnliche Szene!

Ruhe, Geduld, Einfühlungsvermögen: Der Fotograf weiß, wie man sich den frei lebenden Tieren nähert. Gut sechs Monate im Jahr verbringt er damit, die letzten Wildpferde zu beobachten, ihr Verhalten zu studieren und Motive einzufangen, etwa in Portugal oder in Bosnien. „Meine Frau hat einst die Begeisterung für die Vierbeiner in mir geweckt“, sagt er zu HÖRZU. „Es fasziniert mich, wie sie in der Natur leben und dort miteinander kommunizieren.“ Die über 50 Koniks im Naturschutzgebiet Geltinger Birk haben es ihm besonders angetan. Die ursprünglich aus Osteuropa stammende Rasse mit dem typischen Aalstrich erreicht ein Stockmaß ...

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... von 1,30 bis 1,40 Meter und gilt als robust und genügsam. Die Halbinsel in Schleswig-Holstein nahe der Ostsee bietet ihnen auf 450 Hektar reichlich Platz. „Sie haben dort auch eine wichtige Funktion für die Umwelt: Ihre Aufgabe ist es, mit den dort lebenden Rindern den Bewuchs von Büschen und Bäumen zu begrenzen.“

Erste Annäherungsversuche

In den Niederlanden werden die Ponys bereits seit Längerem für die Landschaftspflege eingesetzt. Als sie sich dort zu stark vermehrten, gaben die Holländer einige Koniks an die Geltinger Birk ab. „Auch hier wird darauf geachtet, dass der Bestand konstant bleibt, etwa um Überweidung vorzubeugen“, sagt Marc Lubetzki. „Einmal jährlich werden sie eingefangen, gechipt und einzelne Tiere verkauft.“

Es ist nicht das einzige Mal im Jahr, dass die Pferde Kontakt zu Menschen haben.Besucher dürfen das Naturschutzgebiet auf festen Wegen erkunden, von Juli bis Oktober werden Führungen angeboten, die sie bis auf Sichtweite zu den Koniks bringen. So nah wie Lubetzki kommt ihnen jedoch kein Tourist. Seit zehn Jahren hat er die Genehmigung, regelmäßig Zeit mit den Tieren zu verbringen. Nach und nach ist es ihm gelungen, Teil einer Herde zu werden.Seine Erfahrungen hat er in einem Bildband festgehalten (siehe Buchtipp Seite 20).

Bevor Lubetzki das erste Mal auf die Koniks zuging, musste er sich klar werden, welcher Herde er sich annähern wollte. Die Ponys der Geltinger Birk haben sich in mehrere unterschiedlich große Gruppen aufgeteilt, die alle ihre Besonderheiten haben. Sie unterliegen zudem einer gewissen Dynamik, nehmen regelmäßig neue Mitglieder auf oder verlieren sie an andere Herden. Lubetzki wusste, dass es unterschiedlich lange dauern würde, das Vertrauen der Pferde zu gewinnen. „Möchte ich etwa Teil einer Herde werden, die aus lauter Junghengsten besteht, geht das leicht: Ich muss mich nur ihrem Verhalten anpassen und mich ähnlich neugierig präsentieren. Bei kleinen Gruppen mit einem Hengst und nur Stuten kann es dagegen sein, dass das Männchen blockiert und keine weiteren Mitglieder zulässt.“

Ein Teil der Herde werden

Bis zu 15 Fohlen kommen jedes Jahr auf der Geltinger Birk zur Welt

BUCHTIPP

Im Gespräch mit wilden Pferden Marc Lubetzki erkundet die Welt der Koniks auf der Geltinger Birk Kosmos 176 S., 30 €

Im Lauf der Jahre hat sich bei Lubetzki eine gewisse Sicherheit im Umgang mit Wildpferden eingestellt. Er weiß, welche Schritte notwendig sind, um als Teil der Gemeinschaft akzeptiert zu werden: „Ich habe mehrere Beziehungsebenen ausgemacht, die bei diesem Prozess wichtig sind.“ Im ersten Schritt sollte man die natürliche Fluchtdistanz einhalten und sich den Pferden anpassen. Im zweiten geht es darum, diese Distanz zu unterschreiten. Entweder indem man auf die Tiere zugeht – oder darauf wartet, dass sie von sich aus kommen. Erst wenn das passiert ist, kann ein Mensch sich frei unter den Pferden bewegen, Teil ihrer Sozialgemeinschaft werden und mit der Zeit auch Aufgaben und Verantwortung in der Herde übernehmen. „Dieses Vorgehen kann auch Pferdebesitzern helfen, sich ihren Tieren auf eine zwanglose Weise anzunähern.“

Anfangs wahrte Lubetzki Sicherheitsabstand zur Herde, beobachtete ihre Umgebung. Eine wichtige Rolle spielen dabei Geräusche: Die sensiblen Tiere wissen, welche als gefährlich einzuordnen sind. „Um Teil der Gemeinschaft zu werden, muss ich damit vertraut sein, nur dann kann ich mich bei Gefahr genauso verhalten wie sie.“ Im nächsten Schritt begann er, Kontakt aufzunehmen. „Wenn man lange in einem gewissen Abstand zu den Wildpferden verweilt und sie merken, dass man keine Gefahr darstellt, kommt bei ihnen eine soziale Ader durch: Sie wollen nicht, dass einer von ihnen allein ist. Dann kommt schnell eines der Pferde herüber und lädt dich ein.“ In einem Halbkreis läuft es um den Menschen herum, stellt sich hinter ihn, macht den Weg zur Herde frei.

Fohlengeburten, Fellpf lege, Streicheleinheiten: Es gibt viele Aspekte, die Marc Lubetzki am Zusammenleben mit den Wildpferden faszinieren. Einen Moment allerdings schätzt er auch nach Jahren inmitten der Vierbeiner ganz besonders: „Wenn die Tiere abends nach dem Grasen gemeinsam an ihren Schlafplatz wandern und sich aufstellen. Es klingt unspektakulär, aber dann stellt sich bei mir immer ein Gefühl vollkommener Gelassenheit und Ruhe ein.“

MELANIE KOCH

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