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IM REVIER DER VENUSPERLEN


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 70/2021 vom 14.06.2021

REISE Elba

Elba ist der ideale Ausgangspunkt für Segeltörns durch die Inselwelt des Toskanischen Archipels. Zwar sind die Eilande eher klein und überschaubar, doch haben sie alles, was Genusssegler begeistert: Schöne Buchten, azurblaues Wasser, malerische Hafenörtchen und beste Regioküche. In der Nachsaison ist das Revier zudem kostengünstig und spürbar ruhiger


Artikelbild für den Artikel "IM REVIER DER VENUSPERLEN" aus der Ausgabe 70/2021 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segeln, Ausgabe 70/2021

Portoferraio ist der Ausgangspunkt vieler Segelreisen rund um Elba


An Elbas prominentester Persönlichkeit scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für einen Reformer und Visionär. Die anderen für ein Monstrum, das Europa im Blut ertränkte. Die Rede ist von Napoleon Bonaparte. 20 Jahre hatte der gebürtige Korse die Welt in Atem gehalten, war – wie Goethe schrieb – von Schlacht zu Schlacht, von Sieg zu Sieg geeilt, dann stoppen der russische Winter und die Völkerschlacht bei Leipzig seinen Expansionsdrang. Militärisch schwer ...

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... angeschlagen, streckt er Anfang April 1814 die Waffen. Die Siegermächte – allen voran Russland, Österreich und Preußen – billigen ihm ein glimpfliches Schicksal zu. Er geht nach Elba ins Exil, behält seinen Kaisertitel und wird souveränes Oberhaupt der Insel. Fern von Paris, ohne seine Grande Armée – so die Idee der Siegerallianz – könne er Europa nicht mehr gefährlich werden.

Oktober 2020: Mit einem dumpfen Ton aus dem Schiffshorn läuft die Moby Baby Two in die Bucht von Portoferraio ein. Während es auf dem Autodeck der Linienfähre turbulent wird, machen wir in aller Seelenruhe unsere Lady Lale klar. Petrus präsentiert sich von seiner besten (Nachsaison-)Seite. Der Himmel über der Inselkapitale ist wolkenlos. Das Bordthermometer kratzt die 20-Grad-Marke. Carolin, ihres Zeichens Basisleiterin, drückt uns noch zwei Flaschen Hermia Weißwein in die Hand, dann heißt es Leinen los. Mit 1.500 U/min schiebt der Volvo-Penta die Bavaria 39 aus der Box. Backbord querab klettert Portoferraios Altstadt in mediterraner Gelassenheit die Uferhügel hoch. Wir passieren den Leuchtturm Faro di Porte Stella. Wenige Schiffslängen hinter dem 230 Jahre „jungen“ Prachtexemplar – für viele übrigens der schönste Vertreter seines Genres im gesamten Mittelmeerraum – nimmt Martin am Ruder Kurs auf das Capo Vita.

Verträumte Buchten

Apropos Kurs: Navigatorisch gesehen ist Elba unkompliziert. Die Häfen sind gut befeuert, die wenigen Untiefen in der Regel betonnt und der Tidenhub - na, sagen wir: piccolino - vernachlässigbar klein. Mit anderen Worten: Wenn nicht gerade der Mistral oder der Libeccio die Crew zum Reffen übers Deck scheucht, lässt sich Napoleons letzter Amtssitz mit seinen verträumten Buchten, einladenden Stränden, schroffen Steilküsten und malerischen Fischerörtchen gemütlich mit einem Prosecco von der Plicht aus genießen. Das gilt natürlich auch für die Nachbarinseln. Der Legende nach haben sich einst sieben Perlen von der Halskette der Göttin Venus gelöst und sind ins Tyrrhenische Meer gepurzelt. Dabei entstanden die Inseln Elba (224 km2), Gorgona (2,2 km2), Capraia (19,3 km2), Pianosa (10,3 km2), Montecristo (10,4 km2), Giglio (23,8 km2) und Giannutri (2,6 km2). Ob's stimmt, sei der Fantasie des Lesers überlassen, jedenfalls hat die Regierung in Rom rund 600 Quadratkilometer des „Venus-Reviers“ zum Nationalpark und damit zum größten Meeresschutzgebiet Europas erklärt.

Zurück auf das Boot: Portoferraio liegt rund eine Stunde hinter, das Capo Vita als nördlichster Punkt der Insel jetzt direkt vor uns. Wir hatten raumen Wind, Vortrieb durch Winddruck lautete das (lehrbuchmäßige) Zauberwort entlang der grünen Nordküste, jetzt aber heißt es raumschots ade und Kurs am Wind. Das Himmelsgebläse schaltet einen Gang zurück. Der Sensor am Masttopp meldet knapp zwei Beaufort. „Damit“, so Martin, „lassen sich keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Aber“, schmunzelt er, „das wollen wir ja auch nicht.“ Recht hat er! Und so legen wir Eros Ramazzottis neueste Sommerhits in den CD-Player und trommeln die fetzigen Rhythmen fröhlich auf dem Teakdeck mit. Natürlich ist Elba – wie ihre Nachbarinseln auch – nicht als Perle vom Himmel gefallen, vielmehr wurde das Eiland in den Kinderschuhen des Erdzeitalters als feuriger Mineralcocktail aus der Tiefe gehoben. Die meisten Wiegenbeigaben waren Eisenerze. Von den Etruskern über die Prinzen von Piombino, die Medici, selbstredend Napoleon und last but not least das Königreich Italien – sie alle verdienten am Erz. Anfang des 20. Jahrhunderts rauchten in Portoferraio gar die Hochöfen, wer es sich leisten konnte, gönnte sich nahe der Schürfgebiete einen respektablen Wohnsitz mit Blick auf das Meer.

Im Dornröschenschlaf

„Landgang?“, fragt Martin. Was für eine Frage! Natürlich wollen wir uns Rio Marina anschauen. Schließlich war das beschauliche Fischerörtchen am Fuße des Monte Fico früher einmal so etwas wie Elbas Hauptstadt des Eisens. Ein Freiluftbergwerk reihte sich an das nächste, Myriaden von Arbeitern buddelten die dunkelbraunen bis schwarzen Erzbrocken aus der Erde, schleppten sie auf ihren Schultern zum Hafen und verschifften sie in die Hüttenwerke auf dem Festland. Wir legen gegenüber dem zinnenbewehrten Uhrturm Torre degli Appiani an, statten dem kleinen Bergbaumuseum einen Besuch ab und machen uns dann auf den Weg in den Parco Minerario. Gut zwei Stunden spazieren wir durch eine bizzare, von Schneisen, Trassen und Senken durchwirkte Mondlandschaft, bestaunen alte Bergbaumaschinen und freuen uns über die Natur, die seit der Schließung der letzten Tagebaugruben 1981 hier langsam aber sicher wieder das Sagen hat.

Vorbei an den grünen Hängen von Marciana Marina


Gut zwei Stunden spazieren wir durch eine bizzare, von Schneisen und Trassen durchwirkte Mondlandschaft

Che differenza! Während Rio Marina jetzt Mitte Oktober schon im Dornröschenschlaf liegt, präsentiert sich Porto Azzurro rund fünf Seemeilen südlicher noch recht munter. Das 3.800-Seelenstädtchen an der Baia di Mola ist eine Augenweide. Die Einfahrt in die Bucht flankieren zwei spanische, hoch auf wuchtigen Felsklippen thronende Festungen. Wir bergen die Segel, zirkeln unter Motor an den Optimisten der örtlichen Segelschule vorbei, visieren die schmale Lücke zwischen zwei schmucken 50-Fuß-Segelyachten an und laufen präzise wie auf Schienen in die (Mooring-)Box ein. „Gekonnt ist gekonnt“, grinst Martin. Ich reiche ihm ein Ankerbier – ein in Portoferraio gebrautes Craftbeer namens … Napoleon – dann rollt uns Porto Azzurro auch schon den roten Sightseeingteppich aus. Wir machen uns landfein, flanieren die weitläufige Hafenpiazza entlang und tauchen in ein pittoreskes Gewusel aus verwinkelten Puppenstubengässchen und lauschigen Hinterhöfen ein. Kleine Trattorias wecken den Appetit. Unsere Wahl fällt auf das Kellerrestaurant Il Sottoscala. Auf die Frage, was er denn empfehlen könne, antwortet der Cameriere, „Zuppa di Pesce, Fischsuppe“. Das klingt nach Zwischenmahlzeit … aber okay, im Zweifelsfall gibt‘s ja noch die Carta dei Dolci, die Dessertkarte. Wir ordern … es dauert eine Weile, dann türmt sich ein wahres XXL-Gebirge fangfrischer und köstlichst zubereiteter Neptungesellen vor uns auf.

Unterwegs deckt man sich am besten an den zahlreichen Obstständen ein


Frischen Fisch gibt es ebenfalls in den meisten Orten


Auch Wein wird auf Elba angebaut wie im Weingut Arrighi


Abendstimmung in Marina di Campo


In der Nachsaison sind die Strände nicht mehr voll


Zum Napoleonkastell

Wir haben Zeit. Der geplante Abstecher nach Korsika fällt aufgrund der hohen Corona-Inzidenz dort aus. Giglio, das Minieiland mit seinem bilderbuchschönen Bergdörfchen und der Horrorhavarie der Costa Concordia 2012 ist bei zwei Beaufort und Wind von vorn auch kein Stoff, aus dem die Segelträume sind. Also, ab in den Golfo Stella, klar zum Ankern, rein in die Badehose und kopfüber in die blauen Fluten. „Wie wär‘s mit Pianosa“, frage ich Martin. „Eine interessante Insel“, sagt er, „früher mal Strafkolonie, später Hochsicherheitsgefängnis und heute ein Naturschutzkleinod. Inklusive Napoleonkastell und historischem Liliputdorf.“ Dann legt er die Stirn in Falten. „Aber leider, leider dürfen dort keine Privatyachten anlegen. Doch wir können morgen von Marina di Campo aus einen Tagesausflug mit der Fähre machen.“ Gesagt, getan! Zurück von Pianosa, decken wir uns bei den Fischern im Hafen von Marina di Campo mit frischen Doraden ein, bringen Groß und Fock in Arbeitsposition und bummeln bei drei Beaufort die Küste Richtung Westen entlang. Backbord taucht die tiefe Abendsonne das Meer in sanftes, goldfarbenes Gegenlicht, steuerbord bestimmt ein pittoresker Mix aus glatt geschliffenen Granitfelsen, immergrüner Maccia, Pinien und stillen Badeplätzen das Bild. Nach vier Seemeilen erreichen wir die Baia di Fetovaia und damit einen der schönsten – wenn nicht den schönsten – Ankerplatz des Eilands. Während die Badegäste am feinsandigen Strand langsam aber sicher ihre Sachen packen und zurück in ihre Unterkünfte fahren, dünstet unser Schuppentiereinkauf in würzigem Tomaten-Weißwein-Sud ihrem lukullischen Tischlein-Deck-Dich-Ende entgegen.

Früher wurde in Rio Marina im großen Stil Erz abgebaut


INFO:

Anreise

Mit der Bahn oder dem PKW über Mailand nach Piombino (ab Frankfurt via A5 und A2: ca. 1.050 km). Von dort mit der Fähre in einer Stunde nach Portoferraio (www.traghetti-elbareservation.it/de). Die österreichischen und schweizer Autobahnen sind vignetten-, die italienischen Autostrade gebührenpflichtig. In der Hochsaison sollte die Fähre möglichst früh vorgebucht werden.

Charterfirma
Getreu dem Motto: Klein aber fein, hat Yachtcharter Buechi 17 Bavaria und Jeanneau Yachten zwischen 32 und 50 Fuß sowie einen Fountaine Pajot Katamaran (Lucia 40) im Angebot. Abhängig von Größe, Baujahr (zwischen 2006 und 2021) und Saison liegen die Wochenpreise für die Boote in der Nebensaison (bis 14. Mai und ab 9. Oktober 2021) zwischen 1.700 Euro (Bavaria 32, 2012)) und 3.700 Euro (Lucia, 2017) beziehungsweise in der Hochsaison (31. Juli bis 20. August) zwischen 2.450 Euro und 7.700 Euro. Die Basis ist cirka fünf Autominuten vom Fähranleger in Portoferraio entfernt, große Supermärkte (u. a. Conad Superstore) sind in der Nähe. Yachtcharter Buechi, Via della Ferriera 29-31, I-57037 Portoferraio, Tel: +39-0565-914198, Mobil: +39-333-8738851, Email: elba@buechi-yachting.com, Internet: www.buechi-yachting.com. Informationsbüro in Deutschland: 02204- 68703, info@buechi-yachting.com.

Interboot Yachtwoche Mittelmeer/Elba
Sofern es die Infektionslage erlaubt, führt KH+P Yachtcharter/Stuttgart auch in diesem Herbst wieder seine beliebte Interboot Yachtwoche „Elba“ durch (16. bis 23. Oktober 2021). Start und Ziel ist die Buechi-Basis in Portoferraio. Selbstfahrer zahlen ab 515 Euro/Woche, Mitsegler auf Yachten mit Skipper ab 690 Euro/Woche. Telefon: 0711- 638282, Internet: www.khp-yachtcharter.com.

Revier
Familienfreundliches Revier ohne navigatorisch größere Herausforderungen. Häfen und Kaps sind gut befeuert, die wenigen Untiefen in der Regel entsprechend betonnt. Tidenhub (cirka 30 cm) und -strom sind moderat. 1996 wurde der Parco Nazionale Archipelago Toscana ins Leben gerufen. Er umfasst 179 km² Land- und 568 km² Seefläche und bürdet auch Wassersportlern einige Beschränkungen auf. So dürfen z. B. die Inseln Pianosa, Gorgona und Montecristo gar nicht angelaufen werden (www.islepark.it, Übersetzungssoftware: www.deepl.de). Elba und seine sechs Nachbarinseln locken mit bergigem Hinterland, Natur, Historie, guter Küche und malerischen Italoambiente. Kosika ist in einem halben Tag (Portoferraio – Bastia ca. 40 sm), Sardinien in eineinhalb Tagen erreichbar (Marina di Campo – La Maddalena ca. 100 sm).

Nautische Literatur
Red & Lucinda Heikell‘s englischsprachiger „Italian Water Pilot“ als fundierte Informationsquelle für Wassersportaktive zwischen dem Tyrrhenischen Meer und Malta, Imray, 10. Auflage 2019, 512 Seiten, ab 49,80 Euro.

Seekarten
Imray M 45 Tuscan Archipelago (www.imray.com), NV-Atlas IT1 und IT2

Reiselektüre
Elba: Gut illustrierter und kartographierter Reiseführer mit viel Hintergrundinfos und Kurzbeschreibungen der Nachbarinseln. Baedeker Verlag, 11. Auflage, 2019, 316 S, 21,99 EUR.
Napoleons Welt. Ein Zeitalter in Bildern. Bekanntes und Unbekanntes über Napoleon und seine Zeit, spannend geschrieben, aus der kompetenten Feder der Geschichtsprofessorin Ute Planert. WBG, 2021, 192 Seiten, 40 Euro.

Wind und Wetter
Elba hat gemäßigtes Mittelmeerklima (Durchschnittstemperaturen im Sommer: etwa 25° C, im Winter: etwa 10° C) Bei stabilen Wetterlagen kommt der Wind im Sommer vorwiegend aus NW. Die Insel zählt zwar eher zu den windklimatisch ruhigeren Regionen, gelegentlich auftretende Starkwinde wie Mistral (NW), Scirocco (SO) oder Libeccio (SW) können aber für turbulente Verhältnisse sorgen.

Wetterberichte
Neben windfinder.com informieren u. a. die italienischsprachige Website www.meteo.it und Meteomar auf UKW -Kanal 68.

Navigation
Terrestrisch. Der Kartenplotter dient der Kontrolle.

Beste Reisezeit
Anfang/Mitte September bis Mitte Oktober. Das Wetter ist ruhig, das Meer wohltemperiert, die Atmosphäre entspannt und die großen Touristenströme sind passé. Im August katapultieren die landesweiten Ferien (Ferragosto) die Preise in schwindelerregende Höhen und füllen die Marinas bis zum letzten Steg. Grundsätzlich ist Elba kein Billigrevier. Der Liegeplatz für eine 39-Fuß-Yacht liegt im August im Mittel bei 100 Euro, im Oktober bei 35 Euro/Nacht.

Törnroute
Start unseres rund 100 sm langen Sechs-Tage-Törns ist die Charterbasis von Buechi-Yachtcharter in Portoferraio. Von dort über Rio Marina (ca. 12 sm) und Porto Azzurro (ca. 5 sm) via Golfo Stella und Golfo di Locona nach Marina di Campo (ca. 18 sm) und weiter über Fetovaia (ca. 5 sm) und Marciana Marina (ca. 12 sm) nach Capraia (ca. 18 sm). Von dort zurück nach Portoferraio (ca. 32 sm).

Informationen

Touristische Informationen: www.italia.it (Italien). www.visitelba.de (Elba)
Corvid-19-Informationen: www.italia.it/de/nuetzliche-infos/updatecovid-19-nuetzliche-informationen-fuer-reisende.html
Häfen/Marinas: www.marinas.com (Suchwort: arcipelago toscano)

Die Felsen an der Südküste speichern die Wärme des Sommers


Vor Portoferraio liegt diese befeuerte Felsinsel


„Fisch muss schwimmen“, schmunzelt Martin, greift zum Korkenzieher und öffnet einen Hermia Weißwein. „Das besondere“, erklärt er, „ist sein Ausbau. Statt in modernen Edelstahltanks reift der Wein in großen Terrakottaamphoren. Wie bei den alten Römern.“

Anderntags Punkt 12 Uhr laufen wir im Sportboothafen von Marciana Marina ein. Doch was ist das? Der Porto Turistico ist voll. Wie die Perlen an der viel zitierten Kette reihen sich die Masten vom alten Wehrturm am Ende der Mole bis zum Leuchtfeuer an der Hafeneinfahrt. Was tun? „Kein Problem“, versichert der Hafenmeister. Zwar hätten gerade die Teilnehmer der 28. Elba Yachtwoche angelegt, aber er habe noch freie Plätze. Sagt‘s und dirigiert uns neben die Sun Odyssey des Veranstalters. „Hi, ich bin Hartmut“, stellt sich dieser vor und hilft beim Festmachen. Wir kommen ins Gespräch. „Kennt ihr Capraia“, fragt er. „Da wollen wir morgen hin“, antworte ich. „Na, dann viel Spaß“, schmunzelt er, „laut Wetterbericht pfeifen euch gut sieben Beaufort ins Tuch.“

Groß ist Elba nicht, bietet aber doch reichlich Abwechslung


Am-Wind-Zickzack

Ballando non duole il piede … sagt man in Italien. Was frei übersetzt so viel heißt wie: Wer Spaß hat, spürt keinen Schmerz. Und in der Tat, trotz Kreuzseen und Vollwaschgang wird die Überfahrt am nächsten Tag zum Feuerwerk der Glückshormone. Gegen Mittag schält sich Capraia aus den Wellen. 32 Seemeilen notiert Martin im Porto di Capraia ins Logbuch. „Prima Schiff“, klopft er der Bavaria auf die Sprayhood, „mehr als acht Knoten und das bei diesem Am-Wind-Zickzack.“ Deutlich weniger entzückt dürfte wohl Sir Thomas Ussher gewesen sein. Im Dienste seiner Majestät, dem König von England, gerät der Kapitän der Undauted in der Nacht zum 3. Mai 1814 vor Capraia in schwere See. An Bord seines Dreimasters ist Napoleon. Zwei Tage später geht der Exilant in Portoferraio an Land, regiert zehn Monate auf und über Elba und macht sich dann heimlich aus dem Staub seines, wie er es sarkastisch nennt: Royaume d‘Opérette, Operettenkönigreichs. Dreieinhalb Wochen später marschiert er an der Spitze von 30.000 Soldaten in Paris ein und besteigt – als wäre nichts geschehen –wieder den Thron. 100 Tage später platzt sein Traum vom Maître de l‘Univers – vom Herrn des Universums – endgültig. Ort des Geschehens ist ein kleines Irgendwo im belgischen Nirgendwo namens Waterloo. Danach kennt die Siegerallianz kein Pardon mehr. Der Schrecken Europas wird auf den trostlosen Steinhaufen St. Helena im Südatlantik verbannt. 1.000 Seemeilen von Afrikas Küste und 4.500 Seemeilen von Elba entfernt langweilt sich Napoleon im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Am 5. Mai 1821 stirbt der Empereur … und steigt im Nachleben über den roten Teppich seiner eigenen Heldenlegenden in den Olymp der Unsterblichkeit auf.


Foto: Gerald Penzl

Fotos: Gerald Penzl

Fotos: Gerald Penzl, Karte: Robert Biedermann / shutterstock