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Im Südwesten (fast) nichts Neues: Persönliches Log-Down-Buch


grow! Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 24.02.2021
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Bildquelle: grow! Magazin, Ausgabe 2/2021

Erst am Ende eines Jahres weiß man, wie sein Anfang war.
Friedrich Nietzsche (1844-1900)


2. Dezember 2020

Es ist Winter geworden und ich bin immer noch in Andalusien. Der Lockdown hat auch Spanien fest im Griff und wird alle vier Wochen um vier Wochen verlängert. Aber immerhin, und das ist der kleine, aber entscheidende Unterschied zu Deutschland oder Österreich beispielsweise, die Bars und Social Clubs dürfen bis 18 Uhr geöffnet bleiben, bis eine Inzidenz von 1000/100.000 (also 1 Prozent) positiver Tests erreicht ist.

Erstaunlich, in Deutschland ist die Schwelle deutlich niedriger, 20 Mal nämlich, sprich ...

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... 50/100.000. Warum? Nun ja. Da gibt es der Gründe viele. Wirtschaftliche natürlich und politische, aber auch epidemologische.

Durch den langanhaltenden Hardcore-Lockdown in der ersten Jahreshälfte und minimale staatliche Unterstützung sind inzwischen über 100.000 Euro in Tourismus und Gastronomie tätige Unternehmen, Pleite gegangen.

Das führte natürlich zu abartigen Arbeitslosenzahlen, doch während die großen Touristenhotels, allesamt sowieso nur in internationalen Investoren-Händen, halt die Türen zumachen und mal eine Weile keine Rendite erwirtschaften, sind, neben den vielen Arbeitslosen, die vielen in ihrer Existenz bedrohten Familien-Betriebe, eine echte gesellschaftliche Katastophe. Und so macht sich sehr viel Unmut breit an der Basis, erste Ausschreitungen in Madrid oder Mallorca. Die Rechtsradikalen scharren vehement mit den Hufen, gerade hier in Andalusien.

Allerdings gibt es auch, wie gesagt, medizinisch-seuchentechnische Erwägungen, den Lockdown-Schwellenwert zwanzigfach höher als in Deutschland anzusetzen. Am gewichtigsten wohl eine Untersuchung, nach der lediglich fünf Prozent aller Infektionen auf Gastronomie-Besuche zurückzuführen sind.

4. Dezember 2020

Tristesse. Seltsamerweise scheint die Krise die Gründung von Cannabis Social Clubs zu begünstigen. In der letzten grow! stellte ich ja schon zwei vor, inwischen haben auch in den Nachbargemeinden welche aufgemacht. Es scheint also auch außerhalb Kataloniens aufwärts zu gehen, was dieses Thema betrifft. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich inzwischen Rechtsanwälte darauf spezialisiert haben, CSC-Gründer zu betreuen.

3000 Euro kostet das etwa. Ein recht günstiges Start-Up, möchte ich meinen. Irgendwie Legalisierung durch die Hintertür.

Dennoch scheint selbst die aktuelle ultralinke Regierung Spaniens nicht willens zu sein, klare Verältnisse pro Cannabis Social Clubs zu schaffen. Warum wundert mich das bloß nicht?

7. Dezember 2020

Ja, so langsam geht sie echt verloren, die Freude am Leben. Auch hier im Südwesten des Kontinents, wo die Sonne immer scheint und die Zitronen gerade reifen.

Auch hier herrscht die mediale Vergewaltigung, glorifizierte Weltuntergangstimmung und zur Krönung gibt es inzwischen ein Corona TV mit Höchstquoten und -werbeeinnahmen.

Soviel kann man gar nicht rauchen, um das zu ertragen, was da gerade veranstaltet wird um der lieben Gesundheit willen.

So sitze ich nun da, ich Arschloch, privilegiert wie wenige und im strahlenden Sonnenschein, das Meer im Osten die Sierra Nevada im Westen, und jammere euch die Ohren voll. Sorry! Asche auf mein Haupt.

Aber mir fällt es derzeit wirklich schwer, noch irgendwelchen Optimismus aufzubringen. Da helfen 15 Grad mehr Außentemperatur und 200 Euro weniger Beschaffungsaufwand pro Monat auch nur wenig.

8. Dezember 2020

Das ist eine Zäsur, wie wir sie noch nie erlebt haben und hoffentlich auch nie wieder erleben müssen. Allein, mir fehlt der Glaube, dass es nochmals so wird, wie es mal war.

Vielleicht sollte es auch gar nicht mehr so werden? Ökologische Gründe braucht man nicht lange zu suchen. Vielleicht sollten tatsächlich nicht mehr eine Milliarde Menschen jährlich in den Urlaub fliegen? Da muss ich mich ganz besonders selber an die Nase greifen. Meine CO2-Bilanz ist trotz beachtlichen 50.000 Kilometern E-Bike verheerend, keine Frage. Hundert Flüge reichen nicht in meinem Leben, die Strecke zum Mond war das locker.

Eine Zäsur. Ein paar Jahre zu früh irgendwie. Aber irgendwie kommt alles zu früh, bis es dann plötzlich zu spät ist. Irgendwie …

Selbstmitleid? Resignation? Keine schönen Gedanken jedenfalls, die sich leider offenbar auch irgendwie auf meine landwirtschaftlichen Ambitionen (ich berichtete im letzten Heft) negativ auswirken.

Von zehn im naheliegenden Grow-Shop teuer erstandenen Auto-Outdoor-Profi-Samen haben gerade mal drei gekeimt und nur eine einzige Pflanze überhaupt wächst normal heran. Offenbar nicht die richtige Jahreszeit für Outdoor-Anbau, auch nicht für Autoflowers. Was für eine beschissene Quote in einem beschissenen Jahr. Der nächste Griff ins Braune. Gott, was bin ich negativ!

9. Dezember 2020

Zwecks Auffrischung der Vorräte, einen alten deutschen Bekannten in der Cortijo Grande besucht. Hat zurzeit nur noch eine Sorte: „Ammonia“. Nicht mein Fall, zu schwach. Ich kaufe dennoch eine größere Charge mit Rückgabe-Option, falls ich was anderes finde. Schöne Geste. Ein paar Bierchen und Tapas bei der Thai im „Méson de Pensionistas“und schon ist es kurz vor sechs und die Guardia Civil dreht ihre Sperrstunde-Runde.

10. Dezember 2020

Endlich mal wieder was Positives zu vermelden. Die Infiziertenzahlen gehen hier auch ohne Gastro-Komplett-Lockdown so schnell runter, wie sie parallel dazu mit selbigem in Deutschland steigen, und die spanische Regierung hat weitreichende Lockerungen beschlossen. Die wichtigsten sind, dass man wieder die Kommunen- und Provinzgrenzen überschreiten darf und vor allem, dass die Kneipen und Bars auch wieder am Abend öffnen dürfen. Da träumen meine Freunde in Deutschland von.

11. Dezember 2020

Und weiter geht’s mit den Hiobsbotschaften. Besuch bei meinen Kollegen vom „Dawg House“, um mal wieder unter normalen Kiffern zu sein. Denn was für normale Zeiten schon gilt, gilt umso mehr in den Zeiten von „Lockdown“ und „Social Distancing“ (fucking Anglizismen …): Alleine rauchen macht auf Dauer depressiv.

Richtiges Stichwort: depressiv. So ist die Stimmung, als ich meinem Lieblings-CSC betrete, und sofort sehe ich auch den Grund dafür: eine eingeschlagene Fensterscheibe und eine aufgebrochene Tür zum „Dispensary Room“, da, wo sich die Vorräte befinden beziehungsweise leider befanden.

Clive, der englische Club-Begründer und Alfredo, ergebener Mitarbeiter und gute Seele des Hauses, stehen mit feuchten Augen da und machen Schadensaufnahme: ein Pfund Gras, ein halbes Shit und eine doppeltverglaste Fensterscheibe. Wenigstens die bezahlt die Versicherung.

Bullshit! Joder! Was für eine Scheiße! Und anzeigen kann man das auch nicht. Da befinden sich die Social Clubs zu sehr in einer rechtlichen Grauzone. Das perfekte Verbrechen sozusagen.

Amüsanterweise wurde der Einbruch sogar von den clubeigenen Kameras minutiös aufgenommen. Zwei Täter, die vorbildlich diese blauen, medizinischen Masken trugen und sich mit einem weißen Kleinwagen aus dem Staub machten.

Alfredo zeigt mir auf dem CSC-eigenen Hauscomputer, für welchen sich die Diebe offensichtlich nicht interessierten, den Tathergang. Ich komme mir vor wie bei Aktenzeichen XY und in vier Minuten, von 0.12 bis 0.16 Uhr um genau zu sein, war die Sache gelaufen.

Daher leider nur eine Sorte Notfall-Gras am Start, ich nehme aus Solidarität drei G für einen Zwannie und empfehle den Herren die Anschaffung eines Tresors.

12. Dezember 2020

Neuen Dealer im „La Simona“ am Hafen von Garrucha kennengelernt. Yaci sein Name, optisch sympathisch, arabische Begrüßung mit Hand auf die Brust. Habe für hundert Stutz das Beste, was er besorgen kann, bestellt und eine Fuffi-Portion für das Schlechteste, was er offensichtlich finden konnte, bekommen.

Weiß nicht, wie oft ich schon auf diesen Trick reingefallen bin. Halt mal wieder ein dummer Tourist gewesen. Diese verfickten schnellen Deals in der Öffentlichkeit, bei dem der Verkäufer immer Vorteil ist und immer ganz schnell weiter muss. Keine gute Adresse.

14. Dezember 2020

Tatsächlich SMS von Yaci. Ob ich mehr „vegetales“ (Gemüse) möchte. Lehne barsch aus Qualitäts- und Quantitätsgründen ab. Er lässt nicht locker, ich möge ihm doch noch eine Chance geben. Bitte, bitte!

Na gut, nochmal lasse ich mich nicht verarschen und ich bestelle ihn statt auf den belebten Malecón von Garrucha, an dessen weit abgelegenen tanatorio (Friedhof). Da kann man in Ruhe testen und verhandeln.

Natürlich habe ich seinen Müll von vorgestern dabei, den ich ihm mit für meine Verhältnisse bösem Blick und dem klaren Hinweis, dass ich sein Vater sein könnte und länger kiffe, als er auf diesem Planeten verweilt, statt Handschlag überreiche. „Da, nimm Deinen Scheiß! No quiero eso!“

Yaci reagiert – ganz der marokkanische Dopehändler – gelassen und souverän, ganz nach dem Motto: „Man kann es ja mal versuchen!“

„Kein Problem!“ – er kann sogar Deutsch. „Ma känsch muschkil“ – und ich einen Satz Marokkanisch. Das gefällt ihm natürlich sehr gut und ohne Anstand tauscht er mir die Ware um.

Und dieses Mal hat er tatsächlich Vorzügliches. Da brauche ich nur kurz dran zu schnuppern.

15. Dezember 2020

Sitze auf der Terrasse vor meinem Haus, das Meer liegt still und schweiget. Schostakowitschs Walzer Nummer 2 im Hintergrund. Yacis Gras ist sensationell. Der „Indicativ“ schlechthin sozusagen. Leider keine Ahnung, was für eine Sorte. Aber ich liebe dieses Weed. Freue mich, dass ich mich überwinden konnte, Yaci noch eine Chance gegeben zu haben und fühle mich zum ersten Mal seit Wochen mal wieder richtig high und stoned und das sogar gleichzeitig.

Lustigen Artikel gelesen über „Wo es kein Corona gibt“: Vanuatu, Schwarzafrika, Laos, Vietnam und Nord Korea. Aha. Darauf gleich noch einen Joint!

17. Dezember 2020

Die Neugier treibt mich in den Social Club. Die Türe ist immer noch eingeschlagen, aber die Vorräte sind wieder aufgefrischt. Clive ist bester Dinge und lädt mich auf einen Mini-Joint mit „butane concentrate“ ein. „Only 40 Euro a gramm“ Geile Sache, keine Frage! Ich nehme eins. Interessantes Neues auch vom Überfall. Sehr Interessantes sogar. Es dauerte keine zwei Tage, da hat ein Mitwisser ausgeplaudert, wer den Club ausgeraubt hatte. Sie kommen aus Garrucha, die sogenannte „Marokko-Connection“. Solche also, die mit der Hand auf der Brust grüßen.

Ey, ey, ey. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Hatte deswegen Yaci plötzlich so gutes Material und das auch noch, ohne mit der Wimper zu zucken bereitwillig umgetauscht? Habe ich also Hehlerware vom Überfall auf meinen eigenen Social Club erworben? Habe ich mich also eigentlich selbst beklaut, denn schließlich bin ich ja mit 15 Euro pro Quartal Anteilseigner. Interessante juristische Frage.

Mein schlechtes Gewissen hält sich dennoch irgendwie in Grenzen, Westentaschen-Chicago …

Aber natürlich berichte ich Clive von meinen eigenen Kontakten zur „Moroccan Connection“ von Garrucha.Der nimmt es völlig gelassen und hat intelligenterweise nicht nur beschlossen, von jedweder Straf- oder Racheaktion abzusehen, sondern ist auch meinem Rat gefolgt und hat einen fetten Tresor in der Wand des „Dispensary Rooms“ versenken lassen.

Das übersteigt die Fähigkeiten des ortsansässigen Kleinstadtmafiosos dann doch deutlich. Schwamm drüber.

18. Dezember 2020

Allgemeine Polizeikontrolle am Kreisverkehr bei der Tankstelle. Wer steht da? Die zwei Komiker von der Corona-Kontrolle neulich im „Tal des Todes“. Freudige Begrüßung: „Da ist ja wieder unser E-Bike-Fahrer aus Deutschland! Que tal, amigo?“ Prima geht’s, Amigos! Danke der Nachfrage!

Abgesehen davon, dass ich natürlich meine Tagesration in den Hosentaschen habe, trage wieder weder Helm (90 Euro Strafe) noch eine medizinische Schutzmaske (100 Euro). Aber ich werde nicht einmal darauf hingewiesen, denn wieder ist mein E-Bike wichtiger als alles andere. Es wiederholt sich fast wortgetreu das Fachgespräch von letzthin mit anschließendem heftigem Händschütteln (100 Euro Strafe) und Schulterklopfen (soweit ich weiß, erlaubt) und einem freundlichen „buen paseo!“ Gute Fahrt. Schön, wenn man Freunde in Uniform hat …Passiert selten genug. Eigentlich nie.

19. Dezember 2020

Kam mit einem deutschen Elektriker in der „Trufi-Bar“ ins Gespräch. Ingo, ein Altfreak aus Osnabrück, der in den „goldenen“ 80er-Jahren hier hängengeblieben und seitdem als freier (Kleinst-) Unternehmer in Andalusien unterwegs ist. Hat mir meinen spanischen TV-Empfang auf deutsches Fernsehen eingestellt. Ich merke sofort: zur Abschreckung. Nach einer Stunde deutscher TV-Berieselung kommt mir der Gedanke, eigentlich nie wieder dahin zurückzuwollen.

Dann auch noch Nachricht von einem Freund erhalten, dass er im Januar nach Thailand zu fliegen plant. Die Einreise-Beschränkungen dort wurden massiv gelockert, die 14-tägige Quarantänepflicht allerdings bleibt bestehen. Bin gespannt, was er zu berichten hat. Sofort beginnt es zu jucken. Ein Silberstreif am Horizont …

Kurzer Besuch im „Dawg House“. Neue Mitarbeiterin hinterm Tresen beziehungsweise „Dispensary Room“ , Ramona, ca. 30, hübsch. Sehr hübsch sogar. Da bleibt man gleich gerne etwas länger.

Endlich gutes Hasch im Angebot. Sieht aus, riecht und schmeckt wie feiner Marokk, ist aber spanischer Herkunft, wie mir Ramona in einem überaus charmanten Fachgespräch versichert. Stark berauscht und leicht verliebt schwebe ich nach Hause.

22. Dezember 2020

Weihnachten naht, draußen füllen sich langsam die Straßen und Cafés. Die Hippie-Wohnmobile aus England, Frankreich und Deutschland rollen ein und müssen entsetzt feststellen, dass sie aus Infektionsschutzgründen nicht mehr an den Stränden übernachten dürfen. Zuwiderhandlung: 250 Euro. Sie tun es trotzdem.

Was sind das plötzlich für Probleme in Europa? Freiheit passé. Wem hilft oder nützt, wen rettet es, wenn ein Wohnmobil in der frischen Luft abends am Strand steht oder sich jetzt eben in irgendeinem Wohngebiet über Nacht verstecken muss? Und die Wohnmobilbesitzer auf die Campingsplätze hier zu lotsen, wie das vielleicht en passant erwünscht ist, klappt auch nicht recht. Wer sich für viel Kohle ein Wohnmobil kauft oder in liebevoller Heimarbeit seinen alten Transit in eines umbaut, der will ja nicht wochenlang als Dauercamper auf spanischen Campingplätzen abhängen. Obwohl es wirklich nette gibt, auch hier in der Gegend von Mojácar. Am erwähnenswertesten für unsereins sicherlich der „Camping Sopalmo“. Wer das Personal dort kennenlernt, weiß sofort warum.

23. Dezember 2020

Mir ist ein übler Fauxpas im Club passiert. Es war so nett und da ließ ich mich in meiner Euphorie dazu hinreißen, ein paar Schnappschüsse mit dem Handy zu machen. Dabei hat mich einer beobachtet und das kam überhaupt nicht gut an. ÜBERHAUPT NICHT. Ich befürchte, die halten mich jetzt für einen Spit zel, und ich habe jetzt auf einen Schlag alles zerstört, was ich mir in den letzten Monaten aufgebaut habe. Dumme Sache. Ganz schwarzer Tag.

Auch was das Virus betrifft übrigens. Die seit langem beschworene Mutation ist erwartungsgemäß endlich unterwegs und England wurde als erstes komplett abgeriegelt. Gab es schon einmal unter Kaiser Napoleon, 1806 und hieß Kontinentalsperre.

Mir schwant Übles. Der Wahnsinn nimmt kein Ende, die Maschine bekommt neuen Treibstoff.

24. Dezember 2020

Highlig Abend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Anruf von Pedro, mit froher Stimme und neuer Ernte. Nichts wie hin, man darf ja wieder die Kommune verlassen. Entscheide mich für „Banana Punsch“. Eine hervorragende Wahl.

25. Dezember 2020

Rechtzeitig zum highligen Feste ist es über Nacht für hiesige Verhältnisse richtiggehend kalt geworden. 10, maximal 12 Grad am Tag, nahe Null in der Nacht. Andalusischer Winter. Die rund 1000 Meter hohen Berge im Hinterland sind weiß gepudert und in der nahen Sierra Nevada wurde die Ski-Saison 2020 eröffnet.

Und so ist der nächste Pedro ist im Anmarsch und auch der verkauft Naturprodukte, sogar Kubikmeterweise! „Lena“, Brennholz. Vorzugsweise aus Eukalyptus und Olive. Hartholz, wärmt gut und brennt lange.

31. Dezember 2020

Glücklicherweise besteht in Spanien Weihnachten aus nur einem Feiertag und somit ist diese in diesem Jahr irgendwie besonders lästige Sache schnell und schmerzlos erledigt. Das Feuer brennt rund um die Uhr, sowohl im Kamin als am Mund.

Keine Pläne für das neue Jahr, keine Vorsätze, null Motivation, wenig Inspiration.

Die gesellschaftliche Agonie hat auch mich, obwohl seit Oktober auf der Flucht vor ihr, voll erwischt.

Da helfen auch Andalusien und Banana Punsch nicht mehr wirklich weiter. Müde. Ich bin nur noch müde.