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Im Zeit-Dialog


Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 18.04.2019

Mit spielerischen Eingriffen gelang dem Kreativ-Paar VERMEULEN/VENTER eine Referenz an das architektonische Erbe des Johannesburger Hauses.


Artikelbild für den Artikel "Im Zeit-Dialog" aus der Ausgabe 3/2019 von Atrium. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Atrium, Ausgabe 3/2019

Der gläserne Kubus spiegelt Teile des Gartens und gibt den Blick auf den in derselben Achse liegenden Brixton Tower in Johannesburg frei.


Die Blumentöpfe greifen in ihrer Form die Seerosenblätter im Wasserbecken auf und ergänzen das Gestaltungskonzept um organische Formen.


Von jedem Raum aus finden sich Zugänge in den in Höfe zonierten Garten.


Der Schornstein der Feuerstelle steht ebenfalls in einer Achse mit dem Brixton Tower und verwurzelt damit das Gebäude auf ...

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... subtile Weise mit seinem städtischen Kontext.


Wo einst die Veranda die Verbindung zum Strassenleben knüpfte, befindet sich heute ein in den Boden eingelassener Sitzplatz mit Feuerschale.


Der Aussenhof beinhaltet eine Outdoor-Küche, die zum geselligen Beisammensein im Freien einlädt.


Als Christo Vermeulen und Nico Venter ihr künftiges Zuhause im Johannesburger Vorort Parkhurst ein erstes Mal besuchten, war es in einem maroden Zustand. Die Decken waren durch einen undichten Durchlauferhitzer zerstört, und die Bausubstanz war – bis auf einige wenige Teile des Parketts – von wenig historischem Wert. Trotzdem glaubte das kreative Paar an die Qualitäten des Gebäudes und plante vier Jahre lang an dessen Renovation und Ausbau.

Ursprünglich als eine von vielen Massenunterkünften für die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrenden Soldaten gebaut, zeugte das Haus von bescheidenster Materialwahl und Bauweise. Doch genau diese Einfachheit gab dem Backsteinbau mit der zur Strasse hin ausgerichteten Veranda seinen unverwechselbaren Charakter.

Wechselspiel von Alt und Neu

«Wir möchten nicht, dass es zu ernst genommen wird, vieles entstand aus Spass», so Venter über das gemeinsam mit seinem Partner umgebaute Heim. Nichtsdestotrotz beinhaltet ihr Umbau einen reichen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Anstelle der Veranda findet sich heute ein abgesetzter Sitzplatz mit Feuerschale wieder. Im Boden versenkt und umgeben von grösstenteils ein heimischen wilden Pflanzen ist hier ein durchlässiger und doch privater Ort entstanden, wo bei einem Feuer den Geräuschen des Strassenlebens gelauscht und so eine Verbindung zum vorbeiziehenden Leben geschaffen wird.

Sehr zu ihrer Freude bemerkten der Textildesigner und der Stadtplaner zu Beginn ihres Umbaus, dass sich von dem leicht erhöhten Standpunkt des Hauses ein Ausblick über die flache Landschaft bis hin zum Brixton Tower, einer Johannesburger Sehenswürdigkeit, bot. Das Eingangstor platzierten sie so, dass der Turm auch vom hintersten Punkt des Gartens aus zu sehen ist. Entlang dieser imaginären Achse planten sie die Elemente ihrer Renovation und die Gestaltung des umliegenden Gartens. «Die Idee war, den Turm im Gebäude zu verankern», so Nico. Strassentor, Eingangsweg, Fronttüre und der Schornstein der Aussenfeuerstelle liegen exakt in jener unsichtbaren Linie, die das Haus mit seiner städtischen Umgebung verbindet.


Das Haus vermittelt einen spielerischen Dialog von Innen- und Aussen-raum, der mit der Zonierung des Gartens perfektioniert wird.


Auch in Details findet sich der Brixton Tower wieder: Als Holzdeko auf dem Sideboard setzt er einen warmen Farbakzent im Raum.


Der Weg nach draussen führt über Trittsteine über ein Wasserbecken in den Garten.


Der Spiegel wirft das über das Dachfenster einfallende Sonnenlicht in den Raum und erzeugt spannende Ein- und Ausblicke.


«Wir möchten, dass die Leute darin etwas Vertrautes und zeitgleich etwas Neues sehen.» NICO VENTER


Umhüllt und offenbar

Die Thematik von Alt und Neu findet sich auch in der Fassadengestaltung wieder. Der alte, bereits existierende Teil des Hauses ist in gewellten Zink gehüllt, als würde er davon beschützt – eine Referenz an das Wellblech, das ursprünglich als Material für die Dächer der Veteranenhäuser genutzt wurde. Als Fassadenverkleidung angebracht, wirkt es heute zeitgemäss und modern. «Wir möchten, dass die Leute darin etwas Vertrautes und genauso etwas Neues sehen», erklärt Venter. Die baulichen Erweiterungen des Hauses sind aus einfachem, weissem Sichtmauerwerk – abermals eine Referenz an die elementare Bauweise der Nachkriegsbauten. Ein Kubus verbindet den ursprünglichen Bau mit der zu einem Arbeitsstudio umgebauten Garage und bildet neu den Eingangsbereich des Hauses.

Im Innern ist der Blick über ein Wasserbecken bis hin zur Aussenfeuerstelle im hinteren Teil des Gartens freigegeben. Zusätzlich öffnet sich der Raum in die ehemalige Garage, die nun auch ein Büro enthält. Das aus der Bausubstanz gerettete Parkett wurde gesam melt und hier neu zusammengefügt. Weiter öffnet sich das ehemalige Raumgefüge in einen offenen, lichtdurchfluteten Bereich, bestehend aus Küche, Wohn- und Esszimmer.

Zur Strasse hin, nicht zur Sonne orientiert, waren die Räume dunkel und kalt. Durch die Öffnung von Wänden und Gängen und den Einbau von Dachfenstern präsentiert sich der Wohnraum nun freundlich und lichtdurchflutet. Die hellen Räume sind mit zeitgenössischem Mobiliar bestückt, das über dem Boden zu schweben scheint. Einige der Möbel sind Christos eigene Entwürfe: feine Stahlgestelle, die keinerlei visuelle oder physische Barrieren kreieren und so den Raum optisch noch mehr öffnen. Vintage-Stücke wie das skandinavische Sideboard und eine Vielzahl an Innenraumpflanzen bringen zusätzlich Farbe, Textur und Wärme und balancieren das mehrheitlich schwarz-weiss gestaltete Gesamtbild des kubischen Raums aus. Den Guss-asphalt versiegelten die beiden Designer mittels einer Technik, auf die sich Christo Vermeulens Firma «Vloer» spezialisiert hat. Durch den fugenlosen Bodenbelag gewinnen die Räume zusätzlich an Grosszügigkeit.

Der Übergang vom Innenraum zum Garten erfolgt über inszenierte Verbindungen und konstruierte Sichtachsen.


Im Badezimmer findet sich ein Mix aus Schlichtheit und verspielten Details, wie etwa die Füsse der frei stehenden Badewanne.


Ein lichterfüllter Innenhof ergänzt die Küche um einen kleinen Kräutergarten.


Zeremonie des Übergangs

Ursprünglich war der Zugang zum Garten nur über einen Weg um das Haus herum gewährt, so entwarfen der Textildesigner Christo Vermeulen und der Stadtplaner Nico Venter hofähnliche Zonierungen, die von allen Zimmern aus zugänglich sind. Die räumliche Orientierung zu den Gartenflächen hin lässt den Innen- und Aussenraum ineinanderfliessen – ein harmonisches Gegenüber von unterschiedlichen Raumstimmungen ensteht. Inszeniert wird dieser Dialog einerseits durch die grossen Fensterfronten, andererseits durch subtil gestaltete Übergänge. So überquert man vom Wohnzimmer aus über rechteckige Steinplatten den Seerosenteich, um in den hinteren Teil des Gartens zu gelangen. In Kombination mit der Spiegelung des Wassers scheinen die Platten zu schwimmen. Das damit verbundene bewusste und gemächliche Schreiten lässt das Nachdraussengehen zu einer Zeremonie werden, die anhält, bis man auf den Rasen tritt, den Blick vom Boden hebt und sich allmählich wieder aufrichtet.

Der Garten teilt sich hier in drei Zonen: Wasserbecken, Rasenfläche und Kiesplatz mit Aussenfeuerstelle. Deren turmähnlicher Schornstein spiegelt den Brixton Tower und nimmt damit einmal mehr Bezug zum urbanen Kontext. «Unsere Herangehensweise war es nicht, ein Haus zu designen und anschliessend einen Garten. Vielmehr sahen wir das gesamte Grundstück als unser Zuhause», so Christo Vermeulen. Ein Vorhaben, das mit dem Umbau dieses Johannesburger Hauses perfekt umgesetzt wurde.


Die räumliche Orientierung zu den Gartenflächen hin lässt Innen- und Aussenraum ineinanderlaufen.


Fotos: Greg Cox/bureaux.co.za