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Im Zick-Zack


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 12.11.2021

Treibjagd

Artikelbild für den Artikel "Im Zick-Zack" aus der Ausgabe 120/2021 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Hund hat bereits Wind vom Fasan, gleich macht er ihn hoch.

Es herrscht noch eine leichte morgendliche Dämmerung und man spürt die Spannung. Die Vorfreude finde ich Jahr für Jahr ergreifend. Zur Begrüßung lodert eine Feuerschale und der Streckenplatz ist für den Abend bereits mit Tannengrün ausgelegt. Die Treibjagd kann beginnen!

Althergebracht

Beim Thema Treibjagd reichen meine Erinnerungen zurück bis in längst vergangene Kindertage. Von Oktober bis Dezember waren wir traditionell mehrere Wochenenden Jahr für Jahr verplant und meist ganztägig unterwegs. Treibjagden bei Jagdfreunden in der näheren Umgebung standen an: zunächst als Treiber, dann als Jungjäger bzw. Durchgehschütze und schließlich als „richtiger“ Jäger. Und natürlich endeten diese Gesellschaftsjagden meist mit einem gemütlichen Schüsseltreiben auf irgendeiner Bauerndiele.

Im Wandel der Zeit

Das ist alles längst Geschichte und in vielen Regionen sind Treibjagden nur noch Teil der ...

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... jagdlichen Erinnerungskultur und sprudelnde Quelle für manch urige Anekdote. Vielerorts ist die Drückjagd vor allem auf Schwarzwild an die Stelle von Treibjagden auf Niederwild gerückt. Die Jagd hat sich eben an eine, doch sehr deutlich veränderte, Flora und Fauna angepasst. Und schließlich haben wir es ja auch ein Stück weit selbst in der Hand. Eine konsequente Bejagung von Raubzeug sowie die Schaffung entsprechender Biotope sind Grundvoraussetzungen.

Warum jagen wir?

Wer heute eine Treibjagd auf Niederwild durchführen möchte, sollte Klarheit schaffen: Ist der Niederwildbesatz in meinem Revier wirklich derart, dass ich eine Jagd auf Hase und Fasan verantworten kann? Mir sind, ehrlich gesagt die „Treibjagden“ ein Graus, bei denen 30 bewaffnete Grünröcke einen ganzen Tag den Wald unsicher machen und am Abend ein reichlich zerschossener und von der Hundemeute angeschnittener Hase auf der Strecke liegt.

Wer aber das Glück hat, als Revierinhaber in einer Niederwildjagd jagen zu dürfen, der sollte drei Schritte bei der Planung beachten, damit die eigene Treibjagd nicht zu einer großen Enttäuschung wird. Ohne eine gründliche Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung sollte man davon lieber Abstand nehmen.

Tipp Es hilft nichts: Bewährt hat sich bei uns im Revier die gesamte Jagd vorab und zwar vor Ort durchzuspielen. Das „kostet“ einen Tag, ist aber gut angelegte Zeit, damit es am Jagdtag nicht zu bösen Überraschungen kommt.

TEIL 1

Die Vorbereitung

Eine Treibjagd ist eine Gesellschaftsjagd bei der ein zu bestimmender Jagdleiter die Verantwortung trägt. Darüber sollte sich jeder Revierinhaber vorab im Klaren sein. Meine Erfahrung ist: Allein schafft man das nicht und im Team macht ohnehin vieles mehr Spaß! Der Jagdleiter sollte sich also einen festen Kern an Helfern suchen, die ihn unterstützen. Drei bis vier ortskundige Jäger sind hierfür vollkommen ausreichend. In der Regel sind das die Mitjäger des Reviers, die am Jagdtag als Gruppenführer die Schützen anstellen oder die Treiberwehr anführen. Hilfe ist in jedem Fall Gold wert!

Ort des Treffpunktes

Zunächst sollte geklärt werden, wo der morgendliche Treffpunkt sein soll. Dabei gilt es zu beachten, dass 30 Gäste entsprechend Platz brauchen. Im Vorteil ist, wer auf dem eigenen Grundstück ausreichend Platz hat. Alternativ kann man sich natürlich im Revier treffen, aber Vorsicht: Viele Autos, die in der Natur abgestellt werden, lösen bei Spaziergängern nicht nur Freude aus.

Jagdliche Logistik

Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, vom Treffpunkt mit einem dafür zugelassenen Treckergespann zu den einzelnen Treiben zu fahren. Das fördert die Kommunikation enorm und vereinfacht die Logistik erheblich. Zusätzlich ist dann meist nur noch mein Jagdwagen als Funktionswagen im Einsatz: Strecke, Absperrbänder, Verbandskasten für Mensch und Hund usw.

Tipp

Lächeln Sie bei Ihrer Ansprache mindestens einmal und strahlen Sie Ruhe aus!

Die Treiben

Schauen Sie sich das Gelände, durch das die Treiberwehr laufen soll, vorab einmal in Ruhe an oder laufen Sie es am besten einmal ab, damit Sicherheit über die zeitliche Dimension der Jagd besteht. Vor Ort lässt sich gut abschätzen, welche Jagdart zum Umfeld passt. Bei uns im Revier haben wir uns meist auf die klassische Vorstehjagd beschränkt. Böhmische Streife und Kesseltreiben sind bei vielen Jägern und Treiber mittlerweile ohnehin weitgehend unbekannt. Also lieber keine Experimente! Es empfiehlt sich, Treiben für Treiben exakt zu planen: Wo sollen die einzelnen Schützen stehen? Wo starten und enden die Treiben? Wie ist die Folge? Wir haben das am Vorbereitungstag jeweils - analog oder digital - auf einer Revierkarte notiert. Am Jagdtag führt dann jeder Gruppenführer als Anstellschütze eine Karte bei sich und notiert, wo welcher Schütze steht. Legen Sie unterwegs auch fest, wer sich um die Strecke kümmert. Überhaupt sollten alle anfallenden Aufgaben vorab namentlich festgelegt werden, damit es bei der Jagd nicht zu unnötiger Hektik kommt. Mancher Stand verbessert sich übrigens enorm, wenn vorab der eine oder andere störende Ast beseitigt wird.

Am Mittag

Als Platz für die Mittagspause hat sich bei uns seit Jahrzehnten eine Schutzhütte für Wanderer mitten im Revier bewährt. Wollen Sie Essen und Getränke vorbereiten? Oder gibt es Verpflegung „aus dem Rucksack“ – teilen Sie das gleich bei der Einladung mit. Bei uns gibt es Jahr für Jahr selbstgemachte Niedersachsensuppe – allein deshalb lohnt sich die Teilnahme!

Aufbrechen

Machen Sie sich vorab darüber Gedanken, wo nach Ende der Jagd das Wild versorgt wird und angemessen gelagert werden soll. Dass sich jeder Erleger selbst um seine Stücke kümmert und die Stücke auf- bricht, versteht sich eigentlich von selbst. Beim Niederwild erlebt man da manchmal böse Überraschungen.

Einladungen per Telefon

Definieren Sie vorab eine Höchstzahl an Teilnehmern, mit der Sie sich als Verantwortlicher gut fühlen und die sich sinnvoll einsetzen lassen. Bei uns heißt die Zahl seit Jahren 35: 25 Schützen und zehn Treiber. Das schriftliche Einladen habe ich irgendwann aufgegeben. Persönlicher und direkter ist der kurze Anruf: So haben Sie schnell einen Überblick über die zu erwartende Teilnehmerzahl. Weisen Sie dabei auf die Pflicht hin, den gültigen Jagdschein mitzuführen, und – aktuell - die jeweils geltenden Corona-Regeln zu beachten. Bei den Treibern ist auf eine gute „Geländegängigkeit“ zu achten. Bei uns beträgt die Laufstrecke immerhin 15 bis 18 Kilometer durch Wald und sumpfiges Gelände. Das schafft nicht jeder Teilnehmer. Für die Treiber und für alle Fälle halte ich einige Warnwesten vor. Wichtig ist, dass ausreichend Hundeführer die Treiberwehr verstärken. Wir sind dem Tierschutz verpflichtet und dem ist nur mit ausreichend brauchbaren Hunden gerecht zu werden. Großen Wert lege ich auch immer darauf, dass eine ausreichende Anzahl an Jagdhornbläsern dabei ist. Zumindest für das Streckelegen gehört das einfach dazu.

Checkliste Treibjagd:

Regelmäßiges Wildzählen während des gesamten Jagdjahres spätestens vier Wochen vorher verbindlich einladen – Telefoneinladungen! auf eine ausreichende Anzahl Hundeführer und Jagdhornbläser achten Jagdleiter und Orgateam festlegen – 3-4 Personen einen Probetag mit dem Orgateam durchführen und die gesamte Jagd einmal durchspielen – Zeiteinschätzungen! Stichwortzettel rechtzeitig vorher schreiben – Sicherheitsbelehrung! Aufbruchplatz vorbereiten Wildverwertung organisieren Und stets gilt: Ruhe bewahren

TEIL 2

Die Durchführung

Für das Wetter können Sie als Veranstalter nichts. Aber seien Sie auch ehrlich zu sich selbst und Ihren Gästen: Wenn es nicht geht, geht es eben nicht. Besser einen Tag vorher die Jagd absagen und nur zum Schüsseltreiben treffen, als mit durchnässten Gästen acht Stunden durch den Busch zu laufen.

Üblicherweise trifft sich bei uns das Organisationsteam eine halbe Stunde vor Beginn der Jagd. Die in der Luft liegende Spannung ist jedes Mal atemberaubend. Ein Teammitglied sollte bei den ankommenden Gästen die Jagdscheine kontrollieren. Als Jagdleiter verlieren Sie hier im allgemeinen Trubel schnell den Überblick. Und warum nicht die gute alte Streckenlotterie spielen? Traditionen sollten gepflegt werden und abends hebt das nochmal die Stimmung.

Hörnerklang zur Begrüßung

Pünktlich zur angesagten Zeit sollten die Jagdhornbläser zur Begrüßung blasen. Dann kommt Ihr Auftritt als Jagdleiter: Sicherheitsbelehrung, allgemeine Verhaltensregeln im Revier, Vorstellen der Gruppenführer, grober Ablauf des Tages mit Erklärung der Folge, natürlich die Freigabe und schließlich der Zeitpunkt des Schüsseltreibens. Lange Reden will morgens übrigens niemand hören.

Schützengruppen auf Zuruf

Auf eine Einteilung von festen Gruppen habe ich seit Jahren verzichtet. Flexibler ist man, wenn die Gruppe spontan z.B. nach Sitzordnung auf dem Anhänger festgelegt werden. Konkret: Der Trecker hält und es erfolgt das Kommando: „Die ersten fünf links absitzen.“ Dass der fußlahmste Jäger nicht den weitesten Weg zum Stand hat, versteht sich von selbst. Die Gruppenführer weisen die einzelnen Vorstehschützen auf ihren Ständen ein: Richtung des Treibens und Schussrichtungen werden erläutert. Sinnvoll kann eine Liste mit d en wichtigsten Handynummern sein.

Kommunikation während der Jagd

Die Gruppenführer melden dem Leiter der Treiberwehr per Handy, dass die Schützen stehen und das Treiben wird von einem Bläser und Durchgehschützen angeblasen. In der Regel führe ich die Treiberwehr selbst an. Jedes Jahr wundere ich mich, was ich beim Durchgehen im Revier so alles entdecke. Wichtig sind in etwa gleichmäßige Abstände zwischen den Treibern und ein moderates Schritttempo. Frontläufer oder Nachzügler gilt es verbal entsprechend zu dispziplinieren. Hin und wieder sollte das Kommando „Das Ganze halt“ erfolgen. Häufig springt der Hase dann. Beim zweiten Treiben klappt das alles meist schon ganz passabel. Sobald die Treiber durch sind, wird abgeblasen und die Gruppenführer melden erlegtes Wild. Kurze Nachsuchen erfolgen sofort, für schwierigere Geschichten ist ein Hundegespann abzustellen. Zwischen den Treiben sollte nicht zu viel Leerlauf sein. Also motivieren Sie Ihre „Truppe“ zwischendurch ruhig einmal, insbesondere nach der Mittagspause kann das durchaus notwendig sein.

Nach dem letzten Trieb

Wenn das letzte Treiben beendet ist, erfolgt am Sammelplatz das Streckelegen. Selbstverständlich illuminieren ein Lagerfeuer oder Fackeln die Strecke. Achten Sie darauf, dass das erlegte Wild korrekt abgelegt wird. Der Jagdleiter geht kurz auf den Jagdtag ein und die einzelnen Wildarten werden verblasen. Anschließend erfolgt das Aufbrechen. Hier ist das Orgateam noch einmal gefragt, damit in kurzer Zeit alle anfallenden Arbeiten erledigt sind. Nichts ist schlimmer, als wenn am nächsten Morgen noch irgendwelche Stücke auf dem Hof herumliegen.

Schüsseltreiben

Das Schüsseltreiben erfolgt bei uns in der eigenen Jagdhütte – mit 35 Personen ist da – in Nichtcoronazeiten - die absolute Maximalbelegung erreicht. Umfallen geht nicht. Selbstverständlich wird zum Essen geblasen. Über die weitere Gestaltung des Abends mag sich jeder Jagdleiter seine eigenen Gedanken machen. Mutters pikante Wildgulaschsuppe hat sich bewährt, die Proklamation des Jagdkönigs, Streckenlotterie, die ein oder andere Rede, ein maßvolles Jagdgericht und der Mann am Klavier gehören einfach dazu.

Tipp Vorherige Sperrungen aufgrund der Jagd werden beim zuständigen Ordnungsamt angegeben. Entsprechende Schilder sind vorzuhalten. Über die Jagd selbst sollte die örtliche Polizeidienststelle informiert werden. Wenn sich besorgte Spaziergänger oder Anwohner über Schusslärm beschweren, erspart das so manche überflüssige Kontrolle.

TEIL 3

Die Nachbereitung

Zu einer vorher festgelegten Uhrzeit trifft sich das Orgateam am Tag nach der Jagd. Sollten nicht alle Stücke am Abend einen Verwerter gefunden haben, wird sich zunächst um die weitere Wildversorgung gekümmert. Anschließend empfiehlt es sich, noch einmal die Stationen des Vortages abzufahren: einzelne Patronenhülsen, Mützen, Schals, Absperrbänder – irgendetwas findet sich immer. Auch wenn es viel Arbeit und Anstrengung war, kommen wir Jahr für Jahr zur Erkenntnis: Nach der Jagd ist vor der Jagd!

Volker Wrigge ist seit 34 Jahren aktiver Jäger und in das heimische Revier „hineingeboren“ worden. Seit Generationen bejagt die Familie die „Feldmarkjagd“ der Jagdgenossenschaft Soltau.

Der Autor ist seit 2002 einer der vier Mitpächter und leitet seit 2018 den Hegering Soltau-West. Jagdhunde spielen in der Familie traditionell eine große Rolle. Teckel, Kurz- und Drahthaar wurden geführt. Derzeit ist der selbst ausgebildete Labrador Iago vom Idsinger Holz ständiger Revierbegleiter.