Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

IMO 2020 rüttelt die Märkte durch


Hansa - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 05.02.2020

Die Einführung der neuen Schwefelobergrenze (iMo 2020) zu Beginn des Jahres hat die Schifffahrtsmärkte wie erwartet verändert. Mit Scrubbern ausgestattete Schiffe sind mit weitaus höheren rateneinnahmen derzeit klar im Vorteil.


Relativ reibungslos sei der Übergang verlaufen, verkündete die iMo. Seit dem 1. Januar 2020 ist der Schwefelgehalt im Kraftstoff auf 0,5% begrenzt. die Ausnahme bilden Schiffe, die mit Abgaswäschern (Scrubbern) ausgestattet sind und weiter das zuvor übliche HFO(3,5%) bunkern können. alle Zweifel, ob sich die investitionen in die 2–5 Mio. $ teuren anlagen lohnen könnten, sind nach ...

Artikelbild für den Artikel "IMO 2020 rüttelt die Märkte durch" aus der Ausgabe 2/2020 von Hansa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hansa, Ausgabe 2/2020

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 14,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Hansa. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Deutschland in Dauerschleife. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Deutschland in Dauerschleife
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von ConRo mit göttlichem Beistand – aus Aloha- wird Kanaloa-Klasse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ConRo mit göttlichem Beistand – aus Aloha- wird Kanaloa-Klasse
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von News des Monats: SAL holt Berenberg-Manager. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News des Monats: SAL holt Berenberg-Manager
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Container markets holding up. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Container markets holding up
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von P&I-Rückversicherung wird nicht teurer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
P&I-Rückversicherung wird nicht teurer
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Reefer ships – a (c)old sector. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Reefer ships – a (c)old sector
Vorheriger Artikel
Hapag-Lloyd will wieder investieren
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Reederei-Kunde Ikea will keine Scrubber
aus dieser Ausgabe

... den ersten Wochen des Jahres erst einmal aus der Welt.

Denn mit der Einführung der Sulphur Cap sind die Bunkerkosten deutlicher gestiegen als erwartet. die Preisspanne zwischen schwefelarmem Kraftstoff (VLSFo) und HFo erreichte in Singapur bis zu 360 $/t. Während der Übergangsphase war der neue Kraftstoff vor allem in Singapur, einem der weltweit wichtigsten Bunkerspots, eher knapp. der VlSFo-Preis verteuerte sich innerhalb von vier Wochen um mehr als 30% und erreichte das Niveau des noch reineren Marine Gas oil (MGo, 0.1%), dessen Verwendung in allen ECa-Gebieten vorgeschrieben ist.

Jetzt, da der erste ansturm überstanden ist, pegeln sich die Verhältnisse langsam wieder ein.Die VlSFO-Preise sacken von ihrem rekordniveau von weit mehr als 700 $/t langsam wieder ab, die Spanne zwischen den einzelnen Sorten wird kleiner. dennoch: Während mit Scrubber-Schiffen derzeit mehr als »gutes« Geld verdient wird, müssen alle anderen Schiffseigner oder Charterer erheblich höhere Kosten schultern und konnten sie bislang nur teilweise an ihre Ladungskunden weitergeben. Für ein Schiff mit einem tagesverbrauch von 20 t haben sich die Bunkerkosten durch den schwefelarmen Kraftstoff nach Angaben von BiMCo von 7.400 $/tag auf 14.200 $ / tag nahezu verdoppelt.

Scrubber-Schiffe sparen nicht nur viel Geld beim Bunkern, sondern erzielen derzeit auch die weitaus besseren raten. Beispiel tanker: auf einer der Hauptrouten zwischen dem Mittleren osten und China erzielten VlCC mit Scrubbern um 24.000 $ höhere tageseinnahmen (tCE). Bei einem Suezmax-tanker zwischen Westafrika und rotterdam lag das Plus bei 14.000 $/tag.

Allein in der globalen Container-Linienschifffahrt wurden schon im Vorfeld die Mehrkosten auf rund 10 Mrd. $ beziffert. alle großen reedereien hatten unter verschiedenen Namen schon 2019 Bunkerzuschläge (Bunker adjust ment Factor) angekündigt und auch umgesetzt. doch die Kalkulation ist offenbar nicht gänzlich aufgegangen. die deutlichen ratenerhöhungen seit dezember 2019 hätten eher saisonale Gründe, erklärt BiMCo.

Bebunkerung in Singapur


© MPA

Die Spot-rate des Shanghai Containerized Freight index (SCFi) lag anfang Januar mit durchschnittlich 1.063 $ pro tEU zwar 60 $ über dem Fünfjahresdurchschnitt. »Eine Erhöhung um 60 $ wird nicht ausreichen, um die Kosten für die Einhaltung der iMo 2020 vollständig auszugleichen. die neuen BaF haben sich aufgrund mangelnder transparenz in den Berechnungen sowie schlechter Marktgrundlagen als schwer umsetzbar erwiesen«, erklärt BiMCo.

Linien wollen Zuschläge anheben

Sowohl Maersk als auch Hapag-lloyd haben inzwischen angekündigt, ihre Zuschläge vorfristig anzupassen, bei den Hamburgern erfolgt dies bereits zum 1. März. Berichtet wird auch von ersten Streitigkeiten zwischen Schiffseigner und ihren Charterern. Vor allem in laufenden Verträgen ist teilweise unklar, wer den Preisanstieg zu stemmen hat.

Sowohl Maersk als auch Hapag-lloyd haben inzwischen angekündigt, ihre Zuschläge vorfristig anzupassen, bei den Hamburgern erfolgt dies bereits zum 1. März. Berichtet wird auch von ersten Streitigkeiten zwischen Schiffseigner und ihren Charterern. Vor allem in laufenden Verträgen ist teilweise unklar, wer den Preisanstieg zu stemmen hat.

Die Einführung der neuen Schwefelgrenze gilt jedoch nur als aufgalopp für weitaus größere aufgaben. Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen um die Hälfte gegenüber dem ausstoß von 2010 reduziert werden. oberstes Ziel bleibt eine klimaneutrale Schifffahrt, die die schadstoffmenge nicht nur drastisch reduziert, sondern zudem alle Emissionen, die dann noch anfallen, anderweitig kompensiert.

Fest steht, dass dieses Unterfangen eine bespiellos hohe Summe von 1.000.000.000.000 $ (1 Billion) verschlingen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Beratungsgruppe UMaS, zu der Wissenschaftler des University College london gehören. Um das Klimaziel zu erreichen, seien zwar umfangreiche investitionen in neue Schiffe und effizientere antriebstechnologien erforderlich, schreiben die Forscher. Sie machen aber nur 13% der errechneten Ausgaben aus.

Der löwenanteil (87 %) entfällt hingegen auf die Kosten, die für den Bau neuer Produktionsanlagen für emissionslose, nicht-fossile Kraftstoffe, für lagerkapazitäten und die Bunkerversorgung in den Häfen anfallen.

Daraus folgt: Zwei Jahrzehnte lang müsse die Branche jährlich 50-70 Mrd. $ aufbringen, um das von der IMO vorgegebene Klimaziel zu erreichen. Für eine vollständige Emissionsfreiheit der globalen Schifffahrt seien zusätzliche 400 Mrd. $ fällig. Damit summierten sich die Gesamtkosten sogar auf mindestens 1,4 Bio. $.

Der immense investitionsbedarf könnte aus einer CO2-Abgabe finanziert werden, die mit einem Betrag von 10 $/t emittierten Kohlendioxids starten und bis 2030 auf etwa 75 $ steigen sollte, heißt es in der Studie. damit stünden zunächst jährlich etwa 8 Mrd. $ zur Verfügung, bei einer CO2-Abgabe in Höhe von 75 $ wären es 70 Mrd. $ per annum.

Dagegen mutet eine frühere initiative mehrerer dachverbände wie iCS, BiMCo, Clia, intercargo, interferry, intertanko, iPta oder World Shipping Council eher bescheiden an. Sie hatten die Einrichtung eines mit 5 Mrd. $ ausgestatteten Klima-Fonds vorgeschlagen – dafür wäre eine abgabe von 2 $ je tonne Kraftstoff nötig. Parallel prüft die EU derzeit die Einbeziehung der Schifffahrt in den europaweiten Emissionshandel.

Laut Schätzungen liegt der Bunkerverbrauch aller Schiffe weltweit derzeit bei jährlich 250 Mio. t, davon enfallen 4 Mio. t zum Beispiel auf Hapag-lloyd. die globale Schifffahrt ist für ungefähr 2% der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich.

Preisdifferenz zwischen HSFO und LSFO


Bunker-Volumina in Singapur


Abstract: IMO 2020 shakes up the markets

Amid a quite smooth implementation of IMO 2020 owners who fitted their vessels with scrubbers are currently benefitting from significant savings in bunker costs. The price spread between HSFO and LSFO widened towards record-breaking territory, but it seems likely that the spread might narrow in the coming months, as the fog of uncertainty clears. At current price spreads, fuel costs have effectively doubled, putting heavy financial pressure on companies. By now, liner companies still haven’t managed to pass on the additional costs to their customers and will be forced to increase their bunker surcharges (BAF). With IMO 2020 only being the first step towards greening, a new study suggests the costs for decarbonizing shipping would total between $ 1trn and $ 1.4trn over the next 30 to 50 years
Further information: redaktion@hansa-online.de