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Impfpflicht – so kämpfen US-Tech-Konzerne gegen Corona


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 35/2021 vom 16.08.2021

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Von Jürgen Hill, Chefreporter Future Technologies

Während hierzulande Politik und Arbeitgeber angesichts der drohenden vierten Coronawelle nicht so recht wissen, wie sie mit Impfunwilligen am Arbeitsplatz umgehen sollen, zeigen die US Tech-Konzerne sowie US-Präsident Joe Biden klare Kante. So ordnete das Weiße Haus an, dass die über zwei Millionen Staatsbediensteten ihren Impfstatus nachweisen müssten.

Wer nicht vollständig geimpft sei, müsse ständig eine Maske tragen und sich zwei Mal pro Woche testen lassen. Die gleichen Regeln gelten für die etwa 3,7 Millionen Mitarbeiter von Vertragsfirmen, sagte Biden. Damit drängt die US-Administration ihre Mitarbeiter dazu, sich impfen zu lassen, ohne jedoch explizit eine Impfpflicht einzuführen.

Tech-Konzerne verordnen Impfpflicht

Das tun derweil viele Tech-Konzerne in den USA. Firmen wie Microsoft, Google, Cisco, Facebook, Uber, Netflix oder Twitter haben bereits eine Impfpflicht eingeführt oder planen ein entsprechendes Regelwerk. Experten gehen zudem davon aus, dass die Entscheidungen der großen Konzerne für kleinere Tech-Companies eine Vorbildfunktion haben werden und diese dem Beispiel der Big Player folgen.

So haben etwa bereits der Fahrdienst-Vermittler Lyft oder der Collaboration-Anbieter Slack ebenfalls angekündigt, für ihre Mitarbeiter eine Impfpflicht einzuführen. Die Firmen-Policy der US-Konzerne wird zudem auch Auswirkungen auf ihre ausländischen Niederlassungen und die europäischen Standorte haben.

Bei Cisco, wo im Juli und August nur eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern in den Offices arbeitet, gilt für diese mittlerweile eine Impfpflicht. Eine Vorgabe, die laut Francine Katsoudas, HR-Chefin bei Cisco, wahrscheinlich im Herbst verlängert wird, wenn der Konzern seine Büros wieder öffnen will. Mit Blick auf die steigenden Coronazahlen und die zunehmende Verbreitung der Delta-Variante in den USA erklärt die Personalchefin in den Medien: „Jeder hat anfangs versucht, die Entscheidung jedes Einzelnen für oder gegen eine Impfung zu respektieren, aber wir wissen, dass wir so eine gefährliche Situation für unsere Mitarbeiter schaffen können.“

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Wie schnell sich die Situation ändern kann, zeigt das Beispiel Twitter. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hatte das Unternehmen seine Büros in New York und San Francisco am 12. Juli geöffnet – zwei Wochen später wurden sie bereits wieder geschlossen. Zudem verlangt das Unternehmen von Mitarbeitern, die wieder ins Büro kommen wollen, einen Impfnachweis. Überhaupt scheint die Delta-Variante in Verbindung mit steigenden Corona-Zahlen die Öffnungspläne der US-Konzerne gründlich durcheinanderzuwirbeln. So hat etwa Uber seine Pläne verschoben und will frühestens am 25. Oktober die Büros wieder öffnen – aber nur für Geimpfte.

Office-Rückkehr verschoben

Amazon hat seine Office-Pläne ebenfalls revidiert. Statt am 7. September 2021 sollen die Mitarbeiter nun frühestens Anfang 2022 in die Büros zurückkehren. Wer vorher dort arbeiten möchte, muss entweder eine Maske tragen oder nachweisen, dass er vollständig geimpft ist. Eine Impfpflicht haben die Verantwortlichen des weltgrößten Online-Händlers bis dato aber nicht verordnet.

Auch Microsoft hat seine Reopening-Pläne geändert. Gegenüber The Verge erklärte das Unternehmen, dass es seine US-Standorte nicht vor dem 4. Oktober öffnen werde. Eine Impfpflicht wird es aber bereits ab September geben und zwar für jeden, der ein Microsoft-Gebäude betreten will – also sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden, Händler, Partner oder sonstige Gäste. Ähnlich rigoros will auch Facebook vorgehen und eine Impfpflicht für jeden einführen, der an einem der US-Standorte arbeiten will. Eine Entscheidung darüber, welche Regeln für die Standorte außerhalb der USA gelten sollen, hat das Unternehmen noch nicht getroffen.

Diesbezüglich ist Google bereits weiter. Der Konzern will nach einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung eine Impflicht nicht nur in den USA für seine Mitarbeiter festlegen, sondern auch in 40 anderen Ländern einführen. Betroffen ist davon auch der Standort Zürich. Hier unterhält der Konzern mit rund 4.000 Mitarbeitern den größten Forschungsstandort außerhalb den USA.

Die Situation in Deutschland

Ganz so einfach wird es in Sachen Impfpflicht für die US-Tech-Konzerne in Deutschland aber nicht. Hierzulande kann ein Arbeitgeber für seine Mitarbeiter nicht so einfach eine Impfpflicht einführen – allerdings steht dem Gesetzgeber ein solches Recht zu. Dementsprechend gibt es etwa bei Cisco Deutschland keine Pläne, die US-amerikanischen Vorgaben umzusetzen. Auf Nachfrage teilte die deutsche Dependance weiterhin mit, dass Mitarbeiter seit September in die Büros kommen könnten, falls sie dies müssten – allerdings unter Einhaltung der klassischen AHA-Regeln und der behördlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz. Weitergehende Regeln seien derzeit nicht angedacht, dies könne sich aber ändern, falls es neue behördliche Auflagen gibt. Andere US-Tech-Konzerne haben sich bis dato nicht darüber geäußert, wie die Impfregeln für ihre deutschen Mitarbeiter aussehen sollen.

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Francine Katsoudas, HR-Chefin bei Cisco: ?Jeder hat anfangs versucht, die Entscheidung jedes Einzelnen für oder gegen eine Impfung zu respektieren, aber wir wissen, dass wir so eine gefährliche Situation für unsere Mitarbeiter schaffen können.?

Incentives statt Impfpflicht?

Allerdings dürfen Arbeitgeber Geimpften mehr Rechte einräumen. Vorstellbar wäre etwa eine Incentivierung der geimpften Arbeitnehmer. Da es sich hierbei um eine Frage des betrieblichen Gesundheitsschutzes handelt und Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitern haben, darf ein Unternehmen „Belohnungen“ für seine Impfungen anbieten. Dabei haben die Firmen einen großen Spielraum: „Das kann ein Tag Extraurlaub sein oder auch ein finanzieller Anreiz“, veranschaulicht Michael Fuhlrott, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei FHM Rechtsanwälte sowie Professor für Arbeitsrecht an der Hochschule Fresenius in Hamburg. Auch mehr Freiheiten für geimpfte Arbeitnehmer seien im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz möglich – wie etwa ein Zutrittsrecht zur Kantine für geimpfte Beschäftigte oder perspektivisch auch eine Befreiung von der Maskenpflicht.

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