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In aller Ruhe


DECO HOME - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 23.05.2019

Auf Mallorca hat sich das Architekturbüro More Design darauf spezialisiert, alte Fincas in moderne Ferienhäuser zu verwandeln


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Bildquelle: DECO HOME, Ausgabe 3/2019

Sofa und Sessel von Let’s Pause in Palma auf der überdachten Veranda, die wie ein zusätzlicher Raum anmutet


Naturstein, Holz und Glas – die Einrichtung der Casa Serena ist rustikal und einfach. Dennoch fehlt es nicht an Komfort. Viele Fenster und große Türen machen den Garten allgegenwärtig


Eigentlich sind wir ästhetische Psychologen“, erzählt Oro del Negro. Er ist Mitbegründer des Architekturbüros More Design im Künstlerdorf Deià an der Nordwestküste Mallorcas. Viele Kreative, etwa ...

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... Picasso, Miró, Andrew Lloyd Webber oder Michael Douglas ließen sich schon von der besonderen Atmosphäre dieses Ortes inspirieren. Und More Design ist darauf spezialisiert, mallorquinische Fincas für anspruchsvolle Kunden mit einem Mix aus traditionellen und modernen Elementen in Ferienhäuser zu verwandeln. Ästhetisch auf hohem Niveau, versteht sich – aber was hat das mit Psychologie zu tun? „Es ist wichtig, den Menschen nahezukommen, um ihre Träume erfüllen zu können“, erklärt Oro. Er ist in Deià geboren. Seine Großmutter lebt in München. Gut für deutsche Auftraggeber – er spricht ihre Sprache. Sein Geschäftspartner Manuel Villanueva wohnt seit 20 Jahren auf der Insel. Wenn die beiden und ihr sechsköpfiges Team, das bei Bedarf um Freelancer erweitert wird, einen Auftrag bekommen, schauen sie sich zusammen mit den Bauherren die Projekte an, die das Büro bereits realisiert hat. In Gesprächen und durch einfühlsames Zuhören werden die Wünsche der Kunden für ihr zukünftiges Domizil erspürt. Dann erst wird das Konzept für den Umbau, die Farben, Materialien und Möbel gemacht.

So geschehen auch bei der Casa Serena. Umgeben von einem üppigen Garten, liegt das in den 1970ern einfach gebaute Haus direkt an der Küste und hat über eine Treppe sogar Zugang zum Meer. Spektakulär ist der Ausblick ins magische Blau von zwei Terrassen auf unterschiedlichen Höhen. Im Haus befinden sich alle Räume auf einer Ebene und öffnen sich zum Garten oder dem traditionellen mallorquinischen Innenhof. Die Bepflanzung hat Katerina Christensson von der Garden Company geplant. „Dank der schützenden Trockenmauern konnten wir kälteempfindliche tropische Gewächse wie Bananenbäume, Passionsfruchtreben, Farne und Palmen einsetzen, die hier normalerweise nicht gedeihen. So ist der Innenhof immergrün“, erzählt die Gartendesignerin. Die Auftraggeber kommen aus London und wünschten sich einen Zufluchtsort fern der lauten Metropole. Hier wollen sie die Ruhe finden, die der Name verspricht: Casa Serena – ruhiges Haus. Durchaus typisch für die wilde Landschaft im Norden der Insel, die nichts mit der dicht bebauten Süd- und Ostküste gemein hat. Die neuen Bewohner waren sofort begeistert.

Das Kunstwerk über dem extra angefertigten Kamin stammt aus der Sammlung der Hausbesitzer


Die Sitzlandschaft im offenen Wohnraum wurde von der Tapicéria Tomas Riera in Manacor aufgearbeitet und neu bezogen


Nischen und Einbauten lassen die kleinen Räume größer wirken. Alle Elemente im Bad sind von More Design maßgeschneidert. Den schwenkbaren Spiegel fertigten lokale Handwerker


Morgenkaffee oder Sundowner? Das Haus hat zwei Terrassen. Beide bieten einen herrlichen Blick aufs Meer


Ihr Wunsch: Grundriss und Charakter des Hauses sollten erhalten und die Betonfassade mit regionalem Stein verkleidet werden. Ziel war es, alles möglichst schlicht und einfach zu halten, aber dennoch wohnlich. Ganz im Sinne von Leonardo da Vinci, der sagte: „Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung.“ Oro erzählt: „Auch wenn es nur eine Renovierung war, es fühlte sich an wie ein Neubau.“

Das Haus misst 280 Quadratmeter. Es gibt zwei Schlafzimmer mit En-suite-Bädern. Küche, Ess- und Wohnbereich gehen ineinander über. Eine geschützte Veranda und viele Glastüren führen in den Garten. Hier verschmelzen Innen- und Außenbereich zu einer offenen Lounge. Geschickt in die Wände gebaute Regale bieten Stauraum und ersetzen klobige Möbel. Das lässt die kleinen Räume größer wirken. Auch Badewannen und Betten fügen sich harmonisch in Wandnischen. Vieles im Haus wurde von More Design maßgeschneidert, etwa die geschwungene Abzugshaube in der Küche. Insgesamt überwiegen organische, weiche Formen. Ablageflächen sind nur halb hoch. Keine harten Linien stören das lichtdurchflutete Ambiente. Dazu passen die natürlichen Materialien mit groben und feinen Texturen: Holz, Stein, Schmiedeeisen, Glas. Die Arbeitsplatte in der Küche und der Waschtisch im Bad sind aus einem grauen Quarzitstein vom Festland, der vom Kunsthandwerker Juan Camposol bearbeitet wurde. Der schwenkbare Messingspiegel ist eine Maßarbeit der lokalen Handwerker Toni Calafell und Cristaleria Colomes.

Die Schwarzkiefer spendet Schatten über dem Tisch mit Felsenfuß – ein Fundstück beim Ausheben der Fundamente. Handverlegte Platten aus Santany-Stein bilden die Wege im Garten


Zwei Farbbereiche prägen das Ambiente der Casa Serena: softes, pudriges Grau und tiefes, kühles Grün. Ausgesuchte Accessoires aus Glas, Ton und gewebter Palmfaser greifen den lässigen Look auf. Dafür ist Oros Frau, Innenarchitektin Tille del Negro, zuständig. Sie leitet den Bereich More Decor und verleiht den Konzepten ihres Mannes mit Textilien, Kunst, Leuchten und Möbeln den letzten Schliff. Manches findet sie auf Flohmärkten. Mallorcas größter ist immer sonntags in Consell. „Meine Frau hegt große Leidenschaft für Stoffe und hat eine besondere Affinität zu Mustern und Farben“, lobt Oro. Auch hier liegt das Augenmerk auf Naturtönen und -materialien. Akzente setzen Kissen in der typisch mallorquinischen Webart Roba de Llengües, einer Art Ikatmuster, das an Flammen und Feuerzungen erinnert. „Wir verwenden hauptsächlich Leinenstoffe. Sie sind langlebig und passen mit ihrer kühlen Note perfekt zum mediterranen Klima“, erklärt Tille.

Und wo ist Oros Lieblingsplatz im umgestalteten Haus? „Ich liebe den Küchen- und Essbereich, weil er diese einzigartige Verbindung zum Innenhof hat, der die Frische und Ruhe des Morgens hereinbringt. Gleichzeitig reicht der Blick von hier bis zum Meer mit traumhaften Sonnenuntergängen. Die Nähe zur Natur ist Balsam für meine Seele.“ Klar, er ist ja auch ästhetischer Psychologe. |Info: www.moredesign.es


Fotos: GREG COX