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In aller Ruhe gen Süden


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fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 11.11.2022

Mit dem UL nach Sardinien

Artikelbild für den Artikel "In aller Ruhe gen Süden" aus der Ausgabe 120/2022 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 120/2022

Ein Traum wird wahr Drei Jahre nach der ersten Planung konnten Katrin und Uli Zacher den La-Maddalena-Archipel überfliegen

M einMann und ich sind wieder in der Luft. Unter uns liegt die wunderschöne Toskana und vor uns die Berge des Pratomagno-Gebirges, wo sich unser liebstes Fleckchen auf der Welt befindet. Die Gedanken schweifen zurück auf voriges Jahr, als wir uns dort unten, in der katholischen Kirche in Talla, unser Ja-Wort gaben und anschließend mit lieben Freunden feierten.

Der Grund für unsere Reise liegt allerdings weiter zurück als die Hochzeit. Schon 2019 hatten wir gemeinsam mit einigen Fliegerfreunden geplant, Sardinien zu besuchen, einmal über die weißen Strände der Costa Smeralda zu fliegen, die luxuriösen Yachthäfen und den malerischen La-Maddalena-Archipel von oben zu sehen. Vor zwei Jahren platzte der Traum aus bekannten Gründen, jetzt soll es endlich losgehen.

Wieder wird es uns nicht leicht gemacht. In der Woche vor dem großen Abenteuer ist auf der Arbeit viel zu tun, ...

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... nebenbei bin ich als Helferin bei der Deutschen Segelflug-Meisterschaft in Zwickau eingeplant. Für die Reiseplanung bleiben nur noch die Abende. Und als endlich alles organisiert ist und wir aufbrechen wollen, kommt die Nachricht von Marcus, der uns mit seiner Frau begleiten wollte: »Bin krank geworden und muss leider zu Hause bleiben.«

Ich gucke Uli an, meinen Mann. Wir sind uns einig, diesmal lassen wir uns die Reise nicht nehmen. In Zwickau machen wir die Comco Ikarus C42 C unseres Vereins startklar und heben ab. Ziel des Tages ist Serristori (LIQQ) in der Toskana, über Mühldorf (EDMY) und mit Flugplan nach Trient (LIDT), wo aufgetankt wird. Für mich ist das schon bekanntes Terrain. Am Nachmittag haben wir unser Tagesziel erreicht.

Und schon liegt sie unter uns, die Kirche unserer Trauung

Das Hotel liegt direkt am Platz: Bei 30 Grad geht es nach dem Einchecken in den Pool, danach genießen wir ein tolles Abendessen draußen vor dem Restaurant. Es ist so schön hier, am liebsten möchte man bleiben. Aber wir haben noch viel vor. Am Morgen geben wir gleich nach dem Frühstück den Flugplan nach San Teodoro auf Sardinien ab.

Und schon liegt sie unter uns, die Kirche unserer Trauung. Wir genießen unseren kleinen Rundflug über das beschauliche, aber für uns so besondere Örtchen, dann geht es weiter Richtung Elba zur Mittelmeerküste. Nachdem sich FIS Rom gemeldet hat, können wir in aller Ruhe die traumhafte Küste von Korsika bewundern und machen noch einen kleinen Abstecher nach Bonifacio an der Südspitze Korsikas, diesem beeindruckenden Städtchen, das mit seiner Festung hoch oben auf die Felsen gebaut ist. Von hier sind es nur ein paar Meilen nach Sardinien. Noch besser: Hier liegt auch der wunderschöne La-Maddalena-Archipel mit teils winzigen Felsinseln. Kurz vor Olbia habe ich wieder Funkkontakt zu Rom Information und werde weit auf das Meer hinausgeschickt, damit wir die Kontrollzone von Olbia umfliegen. So bleibt uns der Blick auf die Yachten im Hafen der Reichen und Schönen verwehrt. Nach 15 Minuten Flug ins Blaue schiebt sich endlich der Platz von San Teodoro auf Sardinien ins Sichtfeld, wenig später landen wir auf der 500-Meter-Grasbahn. Das Tagesziel ist erreicht, nach zehn Stunden Fliegerei in zwei Tagen.

Nach 15 Minuten Flug ins Blaue sehen wir San Teodoro

Die nächsten Tage wollen wir am Boden verbringen und mieten uns in der Nähe des Flugplatzes ein Quartier für drei Nächte. Mit den Badesachen im Rucksack wollen wir schnell an den Strand der Costa Smeralda. Leider ist der viel weiter weg als es aus der Luft schien. Wir verlaufen uns in der brütenden Hitze – und landen in einer wunderschönen Pool-Landschaft inmitten eines hübschen Gartens. Dann baden wir eben hier.

Pizza im Vorgarten

Mit dem Strandbesuch klappt es am nächsten Tag. Wir mieten uns ein Moped und fahren nach San Teodoro. Wir spüren den feinen, weißen Sand unter den Füßen und springen ins türkisblaue Meer. Später machen wir uns noch mit dem Moped auf den Weg nach Norden und besichtigen Porto San Paolo, eine der idyllischen Hafenbuchten der Smaragdküste. Bei einem leckeren Cocktail genießen wir den Blick auf die Isola Tavolara, eine hoch aus dem Meer aufragende Kalksteininsel mit Stränden und Tauchplätzen. Wieder zurück in San Teodoro erleben wir im Ort ein buntes, turbulentes Treiben rund um die vielen Restaurants und Bars. Wir kaufen Pizza, die wir im Vorgarten unseres Quartiers verköstigen.

Am nächsten Tag geht es zum Golf von Orosei mit seinen Kalksteinhöhlen. Wir buchen schon mal eine Bootstour dorthin und lassen uns mit einem kühlen Drink auf der Terrasse des Hafenrestaurants nieder. Bald nach dem Ablegen ziehen wir in voller Fahrt an der Kalksteinküste Richtung »Grotte de Blue Marino« vorbei. Immer wieder versuche ich, die tolle Kulisse mit dem Handy einzufangen. Am Eingang der Höhle steigen wir aus und werden von einem englischsprechenden Guide empfangen, der uns durch die Tropfsteinhöhle führt. So mystisch und geheimnisvoll mit dem Wasser und den weißen Stalagmiten und Stalagtiten erinnert uns die Höhle an die Kulisse eines Fantasy-Films. Zurück in San Teodoro leisten wir uns ein romantisches Abendessen in einem gehobenen Restaurant mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen wird Uli später von einer Urlaubsbekanntschaft zum Flugplatz gebracht. Ich räume schon mal das Gepäck in den Flieger und bereite mich auf den bevorstehenden Flug vor. Anderthalb Stunden Flug trennen uns von der Toskana auf dem Festland. Ich will es wagen, über das Meer zu fliegen. Wem sollte man denn sonst vertrauen, wenn nicht einem nagelneuen Flugzeug?

Es wird ein ganz ruhiger Flug innen und außen. Unter uns taucht immer mal ein Schiff auf, auch die Fähre, die von Piombino nach Olbia schippert. Am bunten Design ist sie leicht zu erkennen. Auf der Frequenz von Rom Information hören wir den Funk mit. Nach gut einer Stunde ist Land in Sicht. Nun geht’s wieder über die grünen Hügel der Toskana gen Serristori. Den Platz erreichen wir schon gegen Mittag.

Am nächsten Tag nach dem Ausschlafen plane ich den Weiterflug nach Gabbiano. Ich möchte auf jeden Fall noch diesen Platz an der italienischen Westküste kennenlernen, der unser erstes Ziel auf der Tour mit Marcus gewesen wäre. Also fliegen wir los, wieder über das geliebte Pratomagno-Gebirge.

Weiter geht es an Siena vorbei Richtung Küste. In 500 Fuß fliegen wir über Berg und Tal, um die schöne Landschaft zu genießen. Wenig später kommt Elba in Sicht und bald darauf der Flugplatz von Gabbiano. Ich erkenne ihn sofort dank des Luftbilds, das im Flugplatzführer »Avioportolano« veröffentlicht war. Dann melde ich mich per Funk zur Landung an, aber es kommt keine Reaktion. In Italien ist das allerdings nicht ungewöhnlich. Also schauen wir nach dem Windsack und entscheiden uns für die Landung vom Meer aus. Bei der langen 800-Meter-Grasbahn ist das total entspannt. Ist ja fast wie daheim in Zwickau, denke ich so bei mir.

ORIENTIERUNG

Erster Anlaufpunkt für Tipps zum Fliegen in Italien ist die Website . Besonders für UL-Piloten ist der online und gedruckt erhältliche Flugplatzführer Avioportolano hilfreich (www.avioportolano. com), weil er viele kleine Plätze enthält, die sogenannten Aviosuperficie.

Landung auf dem höchsten Flugplatz Österreichs

Wir machen eine lange Landung und stellen den Flieger mit der Überzeugung ab, auf jeden Fall hierbleiben zu wollen. Wir werden überaus freundlich begrüßt und willkommen geheißen, müssen allerdings gleich als nächstes erfahren, dass wir hier auf keinen Fall übernachten können, noch nicht mal im Zelt. Um dieses Problem müssen wir uns aber später kümmern, denn jetzt werden wir spontan zum Essen eingeladen. Der Flugleiter hat gekocht und es duftet köstlich. In der Pfanne brutzeln Garnelen. »Mangiare?« fragt er mit einem prüfenden Blick über die runde Brille. Kurz darauf sitzen wir zu viert am großen Tisch. Es gibt Reiseintopf als Vorsuppe, Garnelen und Weißwein und zum Nachtisch Limoncello und Eis. Wir sind begeistert!

Al Casale ist immer einen Flug wert

Für die Fliegerei sieht es jetzt allerdings schlecht aus. Aber der »Chef de Cuisine« zaubert nach dem Dinner auch noch eine Lösung für die Übernachtung aus dem Hut. In der Nähe befindet sich nämlich der größte Campingpark Italiens. Er bringt uns mit seinem Auto dorthin. Wir bekommen ein Wohnwagen-Quartier für 100 Euro. Zurück würde es morgen zwar nur zu Fuß gehen, aber jetzt freuen wir uns erst mal auf den Strand. Der ist zwar kein Vergleich zu Sardinien, aber trotzdem sehr erfrischend und entspannend. Wir bleiben, bis die Sonne untergeht.

Am nächsten Tag wollen wir über Ozzano (zum Tanken) zum besonders bei deutschen UL-Piloten beliebten Platz Al Casale (LIPT). Es wird der letzte Aufenthalt sein, bevor es nach Hause geht. Diesen Flugplatz muss man einfach gesehen haben. Nach dem Frühstück steht aber zunächst der Spaziergang zurück nach Gabbiano an. Wir laufen über Feldwege und durch uralte, mächtige Alleen. Sie bieten angenehmen Schatten auf dem 90 Minuten langen Marsch. Zurück auf dem Flugplatz bereiten wir den Abflug vor und verabschieden uns vom gastfreundlichen Flugplatzchef. Sein Abendessen wird uns sicher im Gedächtnis bleiben.

Nach dem Start fliegen wir in nordöstlicher Richtung nach Ozzano (LIKO). Ich kenne den Flugplatz mit seiner langen Asphaltbahn sehr gut. Wegen der Tankstelle und dem Restaurant bin ich hier schon häufiger zwischengelandet. Danach geht es über die weite Po-Ebene bis an die Adriaküste, vorbei an Chioggia, Lido di Venezia und Caorle. An der Flussmündung des Tagliamento biegen wir ab und fliegen das wunderschöne Flusstal entlang, bis wir Al Casale erreichen. Nach unserer Landung parken auf dem Platz nur zwei Flugzeuge. Aber während wir uns ein Zimmer reservieren, ändert sich das schlagartig: Eine große Gruppe deutscher ULs fällt ein. Es wird ein geselliger und toller Abschlussabend unserer Flugtour, sehr amüsant und auch kulinarisch ein Highlight. Al Casale ist immer ein lohnendes Ziel, wenn das Wetter über den Alpen passt, auch wenn die Grasbahn mit 500 Meter Länge für viele E-Klasse-Flugzeuge etwas knapp ist.

Wir hatten die ganze Zeit tolles Wetter, und auch der letzte Tag begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel. Allerdings soll es kräftig wehen, sodass es Fallwinde geben könnte. Deshalb entscheide ich mich, vorsichtshalber das Kanaltal hinaufzufliegen, bis Villach, und dann über Mauterndorf, Radstadt und die Seen zurück. Am Flugplatz Mauterndorf (LOSM) melde ich mich kurzentschlossen zur Zwischenlandung an, um sicherheitshalber noch mal zu tanken. Außerdem wollte ich sowieso schon lange mal auf dem höchstgelegensten Platz Österreichs Station machen. Nach einer entspannten Kaffeepause, bei der wir den Segelfliegern beim Start zusehen, geht es weiter über den Gamskarlspass und den Gschüttpass, den Wolfgangsee und den Mondsee ins Donaudelta nach Vilshofen (EDMV) zum Mittagessen und dann zurück nach Zwickau, wo wir schließlich wohlbehalten und glücklich nach einer erlebnisreichen Flugtour landen.

Nun könnte natürlich Wehmut aufkommen, nach einer Tour, auf die wir drei Jahre hingefiebert haben, und die uns sogar über den Ort unserer Hochzeit führte. Doch zum Glück geht es schon bald wieder los. Während der Reise hatte Uli Kontakt zum Präsidenten des Mitropa Rally Cups aufgenommen, auf dessen Anwesen im Pratomagno-Gebirge wir schon viele tolle Partys erlebt haben. Spontan trafen wir uns und sprachen über die in wenigen Wochen bevorstehende Rallye Casentino. Nach kurzer Zeit stand fest: Dann wollen wir schon wieder in Italien sein, allerdings auf der Straße – als Teilnehmer mit unserem historischen Ford Escort MK2.