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In fremden Armen


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 01.12.2019

Argentinien: Mit dem Kajak durch das Paraná-Delta


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Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 12/2019

Schlammige Ufer: Ausstieg beschwerlich.


Seinen Namen verdankt der Río de la Plata gewiss nicht dem silbrigen Glänzen der riesigen Wasserfläche, die beim morgendlichen Anflug auf Buenos Aires im Sonnenlicht erstrahlt. Denn als die europäischen Entdecker zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf der Suche nach den sagenhaften Schätzen des neuen Kontinents mit ihren Schiffen die südamerikanische Küste hinabfuhren, müssen sie sich eher über die intensiv erdbraune Farbe des Wassers in dieser Bucht gewundert haben.

Dass dieses Gewässer aber keine Meeresbucht, sondern ...

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... der riesige Mündungstrichter zweier Flüsse ist, wird klar, wenn man ihm nach Norden folgt und feststellt, dass man es mit Süßwasser zu tun hat. Ist der Río de la Plata auf der Höhe von Buenos Aires zwischen Argentinien und Uruguay noch etwa 50 Kilometer breit, so verengt er sich zusehends bis zum Zusammenfluss seiner beiden Wasserspender. Dort, wo sich der Río Uruguay und der Río Paraná vereinen, etwa vierzig Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Buenos Aires, liegt Tigre, eine der zahllosen Vorstädte. Sie bildet den Ausgangspunkt für die Erkundung des sogenannten „Tigre- Deltas“, das den südlichen Teil des riesigen Paraná- Deltas bildet, eines der flächenmäßig größten Deltagebiete weltweit.

Hier, wo sich der von Norden kommende, gut 3000 Kilometer lange Río Paraná in ein unüberschaubares Netz von großen und kleinen Flussarmen auflöst, befindet sich ein Eldorado für Wassersportler, das relativ wenig bekannt ist. Schon auf früheren Fahrten haben zwei von uns große Gebiete dieser zum Teil urwaldähnlichen Wasserwüste kennen gelernt, und wir wollen sie nun erneut zwei Wochen mit dem Kajak durchstreifen. Hier gibt es keine Straßen und Wege. Alles findet auf dem Wasser statt.

Ohne Boot wäre man hilflos.

Da der Transport der Boote per Flugzeug zu teuer ist, haben wir über einen Verleiher zwei Zweier und einen Einer angemietet und über das Internet auch schon ein erstes Anlaufquartier im Delta unweit von Tigre gebucht, von dem aus wir in den ersten Tagen Rundtouren unternehmen wollen. Bereits beim Abholen der Boote zeigt sich, mit welchen Wassermassen wir es hier zu tun haben. Es herrscht wieder einmal „Sudestada“, das heißt, der Wind bläst längere Zeit aus Südosten und verhindert, dass das Wasser aus dem Mündungstrichter abfließen kann. Da der Paraná aber nicht einfach sein Wasser abstellen kann, fließt es eben rückwärts und steigt so lange an, bis der Wind nachlässt. Das kann mehrere Tage dauern und zusammen mit intensiven Regenfällen im Norden dazu führen, dass weite Teile des Deltas überflutet werden. Ein Anstieg des Wassers um drei bis vier Meter ist keine Seltenheit. Die Deltabewohner wissen, weshalb sie ihre Hütten auf Stelzen errichten. Auch wir waten bis zu den Knien im Wasser, bis wir die Station des Kanuverleihers erreicht haben. Nach kurzer Einweisung und Absprache, was im Fall einer Notlage zu tun ist, machen wir die ersten Paddelschläge auf dem „Rama Negra“, dem schwarzen Arm, der sich beschaulich zwischen tiefhängenden Bäumen und riesigen Bambus-Stauden hindurchwindet. Bald mündet er in einen größeren Arm, auf dem wir es mit regem Motorbootverkehr zu tun haben. Dieser Teil des Deltas ist auch Naherholungsgebiet für viele „Porteños“, wie sich die Bewohner von Buenos Aires nennen. Es gibt zahlreiche Ferienhäuser. Windschiefe Hütten und noble Luxusquartiere reihen sich entlang der Ufer. Jedes Domizil besitzt einen Bootssteg, auf dem meist ein Hund Wache hält und uns vorbeifahrende Kajaker mit lautem Gebell begrüßt.

Home, sweet home.

Wohnkomfort auf höchstem Niveau.


Lehmnest eines Horneros, des argentinischen Nationalvogels.


Achtung Lanchas

Besonders in Acht nehmen müssen wir uns vor den zahlreichen „Lanchas“. Diese wunderschönen langen Holzboote bilden im Delta den öffentlichen Nahverkehr. Sie fahren nach Fahrplan bestimmte Flussarme auf und ab, bringen die Wochenendbesucher zu ihren Hütten und die Deltabewohner nach Tigre. Auch wenn diese Wasseromnibusse auf kleinere Boote Rücksicht nehmen, muss man sich doch vor den hohen Wellen in Sicherheit bringen, die sie vor allem auf schmäleren Flussarmen erzeugen. Sind die Ufer dann noch mit Spundwänden verbaut, tanzen unsere Boote ganz ordentlich hin und her. Zum Glück machen sie einen ohrenbetäubenden Lärm, so dass man sie schon von weitem hört.
Hier in der ersten Sektion des Deltas, die bis zum ersten großen Paraná-Arm reicht, gibt es auch hin und wieder einzelne Gasthäuser, sogenannte „Recreos“, wo man anlanden und etwas essen oder trinken kann. Weiter draußen ist es einsamer. Dort findet man mit etwas Glück einen „Almacén“, einen kleinen Laden, wo man sich mit dem Nötigsten eindecken kann. Solche Versorgungspunkte bilden zusammen mit den Almacén- Lanchas, schwimmenden Kaufläden, die Infrastruktur für die wenigen dauerhaften Bewohner des Deltas. Daneben gibt es an markanten Stellen des Deltas Schulen, Polizeiposten und hin und wieder sogar eine Krankenstation.
In den ersten Tagen paddeln wir durch große und kleine Flussarme der ersten Sektion. Ohne Karte wäre man hier aufgeschmissen, denn immer wieder zweigen einzelne Arme ab, verlieren sich manchmal nach einigen Kilometern im schlammigen Uferdickicht oder treffen auf einen anderen Flusslauf, der wiederum Verbindung zu einem der größeren „Ríos“ hat, wie die breiteren Arme genannt werden. Zudem verändert sich das Delta durch die intensiven Sedimentablagerungen ständig. Neue Arme und Inseln entstehen, alte Arme sind plötzlich nicht mehr befahrbar oder von ausgedehnten Pflanzenteppichen, den sogenannten Camalotes verstopft, so dass es kein Durchkommen gibt. Hinter jeder Flussbiegung kann eine Überraschung lauern, und wir merken schnell, dass unser altes Kartenmaterial nicht mehr aktuell ist. Leider gibt es keine neueren Karten, denn nach Berechnungen wächst das Paraná- Delta jedes Jahr um fast einhundert Meter in den Río de la Plata hinaus, und da wären neuere Karten nach kurzer Zeit schon wieder veraltet. Manchmal hilft ein Blick auf Google Maps, um zu sehen, wo es weitergeht. Die Sonne scheint jetzt Ende März nicht mehr ganz so intensiv. Im argentinischen Hochsommer, Dezember bis Februar, wäre es auch auf dem Wasser viel zu heiß, um längere Strecken zu paddeln. Jetzt zeigt das Thermometer angenehme 22 bis 28 Grad, und dort, wo wir auf eine der kleinen Bars am Ufer treffen, lockt ein kühles Bier. Einmal verirren wir uns im Gewirr der Arme, biegen zu früh ab und landen in einer Sackgasse. Ein vor seiner Hütte dösender Einheimischer bestätigt unsere Vermutung und beschreibt uns den Weg zurück. Gut, wenn man Spanisch spricht, denn Wegweiser existieren hier nicht. Manchmal sind die kleinen „Arroyos“ kaum breiter als unsere Boote und völlig überwachsen. Mitunter müssen wir im Slalom Baumhindernisse umfahren. Die Ufer sind sumpfig und wegen der ständig wechselnden Wasserstände manchmal sehr hoch. Die Vegetation ist subtropisch und meist undurchdringlich. Riesige alte Bäume wie die Ceibos mit ihren feuerroten Blüten wechseln sich ab mit Bambuswäldern und meterhohem Buschwerk. Immer wieder können wir Vögel beobachten, wie den unscheinbaren „Hornero“, der seine kunstvollen Lehmnester in die Astgabeln herausragender Bäume baut. Die scheuen „Carpinchos“, Wasserschweine, zeigen sich uns leider nicht. Sie haben wohl schlechte Erfahrungen mit Booten gemacht. Die Deltabewohner schätzen sie jedenfalls als Leckerbissen.

Ein schwimmender Supermarkt


Von unserem Ausgangsquartier aus wollen wir uns langsam nach Norden bewegen. Also packen wir alles zusammen, was wir in den nächsten zehn Tagen brauchen. Zum Glück ist viel Platz in den Booten.

Flussüberquerung

Flussaufwärts geht es bei geringer Strömung bis zum ersten großen Paraná-Arm, dem Paraná de las Palmas. Er ist drei- bis viermal so breit wie unser Hausgewässer, der Rhein, und flößt uns Respekt ein. Es herrscht eine muntere Brise, die die Wellen mit einzelnen Schaumkronen vor sich her treibt. Einmal tief durchatmen, das Paddel fest greifen und los geht es. Unbedingt beieinander bleiben und auf die Seeschiffe achten, die hier zahlreich den Fluss befahren. Wir orientieren uns an der roten Tonne auf der anderen Seite. Langsam kommt das gegenüberliegende Ufer näher, der Wind lässt nach. Wir haben unsere erste große Flussquerung geschafft. Einige Kilometer flussabwärts biegen wir in einen breiteren Seitenarm ein, der uns zum Arroyo Durazno, dem „Pfirsichbach“ führt. Dort haben wir inzwischen über das Internet ein weiteres Quartier für drei Nächte gefunden. Unsere „Cabaña“, bestehend aus zwei miteinander verbundenen Hütten, liegt ruhig in der Nähe einer großen Bucht, deren Name, „Bajos del Temor“, auf Deutsch „Untiefe der Angst“ ahnen lässt, dass es in diesen Gewässern auch ungemütlich werden kann. Unsere Hütte ist jedoch sehr gemütlich, und Fabián, ein waschechter Deltabewohner, der einige hundert Meter entfernt mit seiner Familie in einer primitiven Hütte wohnt, weist uns in die Besonderheiten des Insellebens hier draußen ein. Auch wenn wir von Wasser umgeben sind, ist das Trinkwasser knapp. Es muss in Plastikbehältern herangeschafft werden. Wasser zum Kochen und Duschen kommt aus einem Tiefbrunnen und wird mit einer Pumpe zunächst in einen großen Tank gepumpt, wo sich der Schlamm ab- setzt, und dann weiter in einen Dachtank, der die Zapfstellen im Haus speist. Also genau überlegen, wer wann und wie lange duschen will. Die Alternative ist ein Bad im schlammig braunen Fluss, der ziemlich nach Brackwasser riecht. Wir probieren es trotzdem. Das Wasser ist ziemlich warm. Aber Mund zu, sonst knirscht es zwischen den Zähnen.

Das Boot, einziges Fortbewegun gsmittel für die Deltabewohner.


In den nächsten Tagen erkunden wir die Gewässer rund um die Angstbucht. Das Wetter ist schön, und so mancher aus der Gruppe beschließt, lieber auf der Veranda zu faulenzen, als eine längere Kajaktour zu unternehmen. Da in der Nähe unserer Cabaña einige Flussarme aufeinandertreffen, befindet sich dort auch eine Ansammlung von Häusern mit einem kleinen Restaurant, in dem wir abends hervorragend essen. Laura und Carlos tischen uns argentinische Köstlichkeiten auf. Brot, Wein und Käse erstehen wir unterwegs bei einem der schwimmenden Läden. Was brauchen wir mehr? Hier in der zweiten Sektion des Deltas gibt es nur noch vereinzelt Ferienhäuser. Wer hier wohnt, lebt dauerhaft im Delta. Viel braucht man hier nicht zum Leben, und das Leben ist beschaulich.

Internetzugriff auch im Delta

Unsere weiteren Tourenpläne werden dadurch beeinträchtigt, dass die ins Auge gefassten Unterkünfte, die wir aus früheren Fahrten kennen, nicht mehr existieren. Nicht nur das Delta verändert sich, sondern auch die Infrastruktur. Aber die neuen Möglichkeiten des Internets und des Mobiltelefons, auf die man selbst hier im Delta fast überall Zugriff hat, können da weiterhelfen. Über Google Maps finden wir eine weitere Hütte in der dritten Sektion. Per Handy klären wir, dass sie auch frei ist. Da ein noch weiter entferntes Quartier nicht zu finden ist, beschließen wir, nach einem dreitägigen Ausflug in unsere Cabaña am Durazno zurückzukehren. Zunächst jedoch machen wir uns auf zum Paraná Miní, einem weiteren großen Flussarm. Dort erwartet uns eine wunderschön direkt am Fluss gelegene Hütte. Hier ist das Wasser sauberer, und wir stürzen uns nach sechs Stunden im Boot erstmal in die erfrischenden Fluten. Wir sind nur noch ein paar Kilometer von dem nächsten großen Paraná-Arm, dem Paraná Guazú entfernt, der die Provinzgrenze zur nördlich gelegenen Provinz Entre Ríos markiert. Hier ist es noch einsamer. Dort, wo die natürliche Vegetation zurückgedrängt wurde, gibt es große Pappelplantagen und vereinzelte Orangenanpflanzungen. Menschen wohnen hier draußen kaum noch. Dennoch gibt es eine Station der Prefectura Naval. Die Wasserschutzpolizei wacht darüber, dass keine Grenzgänger unerlaubt vom benachbarten Uruguay herüberkommen. Uns lassen sie unbehelligt passieren. Wir sehen offenbar nicht wie Schmuggler aus.
In den größeren Armen kann das Wasser mitunter sehr schnell steigen. Auch jetzt herrscht wieder Sudestada, und der Paraná Miní fließt rückwärts. Bald steht das ganze Ufer unter Wasser. Laut Wetterbericht soll der Fluss in den nächsten Tagen bis drei Meter über n.N. steigen. Da bekommen wohl wieder einige nasse Füße. Wir sitzen trocken in unseren Booten und der Hütte auf Stelzen. Allerdings fällt mal der Strom, mal die Wasserversorgung aus. Daran muss man sich im Delta gewöhnen, und wenn man sich die windschiefen Strommasten und Leitungen anschaut, die kreuz und quer die Wildnis durchziehen, wundert man sich ohnehin, dass es hier überhaupt Elektrizität gibt


„Kaum zu glauben, dass sich dieses Naturparadies in solcher Nähe zu Buenos Aires befindet“


Achtung Lancha


Hohes Wasser

Zurück in unserer ersten Hütte, stellen wir fest, dass das Hochwasser inzwischen große Teile des Geländes überflutet hat. Vorsorglich binden wir die Boote an der Treppe zur Hütte an. Wie gut, denn über Nacht steigt das Wasser weiter und bedeckt bereits die ersten Treppenstufen. Jetzt können wir direkt von der Veranda aus einsteigen. Ein kleiner Bach, der neben der Cabaña abzweigt, hat sich in einen breiten Arm verwandelt. Neugierig folgen wir ihm aufwärts in ein riesiges Schilfgebiet, das sonst trocken liegt. Bei einer Tour durch die „Angstbucht“ verfahren wir uns fast in dem jetzt überschwemmten Uferdickicht. Nur im Stand lässt sich ausmachen, wo es weitergeht. Weiter draußen an der Mündung in den Río de la Plata empfängt uns ein frischer Wind. Ganz am Horizont sind einzelne Hochhäuser von Buenos Aires zu sehen. Kaum zu glauben, dass sich dieses nahezu unberührte Naturparadies in solcher Nähe zu einer Stadt mit zwölf Millionen Einwohnern befindet. Am nächsten Tag lässt der Wind nach. Der Durazno fließt jetzt wieder in die andere Richtung, und wir können zuschauen, wie der Wasserstand innerhalb weniger Stunden sinkt. Noch einmal wechseln wir das Quartier und finden eine ziemlich heruntergekommene Hostería am Paraná de las Palmas. Die beiden Besitzerinnen sind mächtig stolz darauf, ausländische Gäste zu beherbergen, und bekochen uns aufs Beste. Am Ufer des riesigen Stroms sitzend, lassen wir uns die köstlichen Empanadas schmecken, trinken kühles Bier und schauen den großen Seeschiffen nach, die flussaufwärts bis nach Paraguay fahren. Beim Sonnenuntergang über dem Fluss kommt etwas Wehmut darüber auf, dass unsere Kanutour morgen schon vorüber sein soll. Am nächsten Morgen liegt Nebel über dem Fluss, der sich langsam auflöst und die Stege am Ufer wie große Spinnen mit langen Beinen aussehen lässt. Wir wollen früh los, um nachmittags noch den Markt in Tigre zu besuchen, wo im „Puerto de Frutos“ so ziemlich alles verkauft wird, was das Delta hergibt. Ein buntes Treiben zwischen Früchten, Pflanzen aller Art, Korbmöbeln und Souvenirständen mit viel Kitsch. Ein letztes Mal nehmen wir abends die Lancha, um zu unserer Hostería zu kommen, die nur mit dem Boot erreichbar ist.

Wie gut, dass wir unsere Boote angebunden haben.


Achtung, auf dem Arroyo Durazno kommt Ihnen Camalote entgegen.


Sightseeing in Bunoes Aires

Die nächsten drei Tage sind für Buenos Aires reserviert. Denn wenn man sich schon mal ans andere Ende der Welt aufmacht, darf natürlich ein bisschen Sightseeing nicht fehlen. Ein Besuch im Teatro Colón, Tango in La Boca und ein Streifzug über den berühmten Recoleta- Friedhof bilden das Kontrastprogramm zu unserem Delta-Abenteuer. Beim Start vom internationalen Flughafen Ezeiza fliegt die Maschine zum Abschied noch einmal eine Schleife über den Río de la Plata.
Am Horizont sieht man das Gewirr der Wasserarme. Von oben lässt sich gut erkennen, wie sich langsam das schlammig braune Wasser des Paraná mit dem gelblichen des Uruguay vermischt. Wieder glänzt der „Silberfluss“ unter uns. Wir haben einige seiner Schätze kennen gelernt.■