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IN GELB GETAUCHT


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 07.12.2018

Als strahlend gelbe Tupfen öffnen sich die kleinen Blüten des Winter-Jasmins, mitten im grauen Winter.


Artikelbild für den Artikel "IN GELB GETAUCHT" aus der Ausgabe 1/2019 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 1/2019

Manchmal schon im Dezember, spätestens aber von Januar bis April öffnen sich die strahlend gelben Blüten.


Auf den ersten Blick erscheint es leichtsinnig, was der Winter-Jasmin J. nudiflorum treibt. Aber er nutzt eine ökologische Nische. Auch in seiner chinesischen Heimat, auf der Ostseite des Himalaja, ist der Winter nicht durchgängig kalt und wird hin und wieder von milderen Phasen unterbrochen. Dann fliegen Insekten umher, die etwas Energie für die noch kommenden Winterwochen suchen. Die leuchtend ...

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... gelben Blüten signalisieren weithin, dass es hier etwas zu holen gibt. Konkurrenz durch andere Blütenträger gibt es um diese Jahreszeit kaum. Daher braucht der Winter-Jasmin auch keinen intensiven Duft, wie er für die anderen Jasminarten typisch ist. Der wäre Energieverschwendung.

Fünf oder sechs Blütenzipfel? Dann muss es Winter-Jasmin sein. Forsythien haben nur vier davon und blühen erst im Frühjahr.


Blüten – nach und nach

Kommt der nächste Wintereinbruch, gibt es im Garten schöne Schauspiele von Schnee oder Reif auf den zarten, gelben Blüten. Natürlich überstehen die geöffneten Blüten den Frost nicht. Sobald es taut, fallen sie in sich zusammen. Aber der nächste Blütenflor lauert schon auf mildes Wetter, denn das Gehölz setzt nie alles auf eine Karte. Es öffnet seinen Knospenvorrat nach und nach. Kaum eine andere Pflanze hat eine derart lange Blütezeit.

Dem Schnee halten die zarten Blüten nicht stand, aber die nächsten Knospen warten schon.


Ohne Samen

In China ist der Winter-Jasmin mit dieser Strategie erfolgreich und setzt reichlich Samen an. Bei uns geschieht das seltener, obwohl die Blüten auch hier von Hummeln und Schwebfliegen angeflogen werden. Woran das liegt, ist nicht ganz klar. Vermutet wird, dass der Winter-Jasmin selbststeril ist, das heißt, er kann sich nicht selbst befruchten. Da alle Winter-Jasmine in den Gärten von nur wenigen Exemplaren abstammen, klappt es meist nicht mit dem Samenansatz.

Hinauf oder hinab

Vermehren lässt er sich trotzdem durch Steckhölzer oder Absenker. Das geschieht auch im Garten, denn überall dort, wo seine schmiegsamen Triebe dem Boden aufliegen, bildet er bald Würzelchen. Meist nestelt er sich aber mit seinen langen, weichen Trieben nach oben ans Licht. In seiner Heimat nutzt er wie ein Bergsteiger die Standfestigkeit anderer Gehölze, schiebt sich durch Buschwerk und Dickichte und überzieht ganze Hänge mit seinem Gelb. Die gleiche Strategie kennen wir von Kletter- und Ramblerrosen. Botaniker und Gärtner bezeichnen diese Pflanzen als Spreizklimmer. Im Garten lassen sich mit ihnen Mauern, Wände und Pergolen begrünen. Auch als Sichtschutz eignen sie sich. Mithilfe eines Klettergerüstes arbeiten sie sich bis über drei Meter hoch. Nur zu Anfang müssen ihre Triebe aufgebunden werden, um die Richtung festzulegen. Danach schieben sie sich von allein in die Höhe. Ohne Klettergerüst legen sich die weichen Triebe über den Boden oder hängen bis zu zwei Meter herab. Sie begrünen kahle Treppenwangen und Böschungen und können zur Befestigung von rutschgefährdeten Hängen genutzt werden. Hübsch machen sie sich in Kübeln und Gefäßen, über deren Rand sie herabfließen.

Blätter gibt es im Winter nicht, nur grüne Blütenkelche.


Ein Kränzchen aus noch ungeöffneten Haselkätzchen zusammen mit einem Blütentrieb des Winter-Jasmins


Sommerliche Schlichtheit

So unübersehbar wie der Winter-Jasmin sich in der kalten Jahreszeit in Szene setzt, so schlicht und zurückhaltend wirkt er im Sommer. Die im Winter völlig blattlosen, grünen Triebe – der Name nudiflorum = nacktblütig verrät es – entfalten erst im Frühjahr dunkelgrüne Blättchen, die nur ein bis drei Zentimeter groß werden. Sie besitzen eine charakteristische Form aus einem größeren lanzettlichen Teilblättchen in der Mitte und je einem kleineren rechts und links. Damit wirken sie zierlich und leicht und bilden den Sommer hindurch einen gefälligen, neutralen Hintergrund. Ältere Triebe verholzen mit der Zeit und werden braun.

Auch in Trögen und Gefäßen bezaubert der Winter-Jasmin, der dort entweder ein Klettergerüst berankt oder über den Gefäßrand herabhängt.


Geschützter Standort

An den Standort stellt der Winter-Jasmin kaum Ansprüche. Zwar bevorzugt er gleichmäßig feuchte (nicht nasse), nahrhafte und lockere Böden, aber er ist anpassungsfähig und nimmt auch mit nährstoffärmeren und trockeneren Plätzen vorlieb. Von schwach sauer bis stark alkalisch akzeptiert er jeden Boden. Am liebsten steht er in voller Sonne, aber auch im lichten Schatten wächst er zufriedenstellend. Er sollte immer ein wenig geschützt stehen, damit seine Blüten nicht beschädigt werden. In harten Wintern und bei Kahlfrost friert er manchmal zurück. Dann treibt er willig wieder aus, braucht aber ein bisschen, bis er das alte Ausmaß wieder erreicht hat. Winter-Jasmin ist bis etwa minus 17 Grad winterhart.

Kaum Pflege

Einmal gepflanzt und in die gewünschte Richtung gelenkt, braucht der Jasmin wenig Pflege. Hin und wieder tut ihm ein Rückschnitt gut, damit sein Blütenreichtum nicht nachlässt. Neue Blüten bilden sich meist an den jungen Trieben. Unmittelbar nach der Blüte ist die richtige Zeit für den Schnitt. Um die ganze Pflanze zu verjüngen, kann der Strauch bis auf ein Drittel seiner Höhe abgeschnitten werden. Ansonsten werden abgestorbene oder einzelne alte Triebe herausgeschnitten und unerwünschte bewurzelte Zweige gleich mit entfernt.

■ Text: Helga Panten, Fotos: Marion Nickig (2), Friedrich Strauß (3), Botanikfoto (2), Flora Press (1)

AUS DER FERNE GEHOLT

Lässt die Blüte nach, schneidet man den Strauch zurück.


1830 entdeckte der russische Botaniker Alexander von Bunge den Winter-Jasmin auf seiner Forschungsreise in die Wüste Gobi. 14 Jahre später gelang es dem Schotten Robert Fortune, ein Exemplar aus dem Land zu schmuggeln. Seither wächst er in Europa. Zuerst pflanzte man ihn in die Wintergärten, weil niemand sich vorstellen konnte, dass er winterhart ist. Erst im 20. Jahrhundert zog er langsam in die Gärten ein. Inzwischen hat er sich in Frankreich sogar in der freien Natur eingebürgert.