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IN OSTFRIESLAND DAHEIM


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 14.02.2018

Ihr Name leitet in die Irre. Ostfriesische Möwen? Die wenigsten werden dabei wohl an eine Hühnerrasse denken. Die lebhaften Tiere gehen den ganzen Tag auf Wanderschaft und suchen sich einen großen Teil ihres Futters selbst.


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Bildquelle: Landlust, Ausgabe 2/2018

Mit ihrer zarten Zeichnung sind besonders die Hennen der Ostfriesischen Möwen ein Hingucker. Schließlich ist jede einzelne Feder mit kleinen schwarzen Flocken versehen. Die Hähne hingegen sind fast einfarbig und bilden dadurch einen Kontrast. Der Hühnerhof ist mit Ostfriesischen Möwen also besonders hübsch – und das schon seit rund 150 Jahren. So lange kennt man die Ostfriesischen ...

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... Möwen als Hühnerrasse und unter diesem Namen wurden sie bei den ersten Geflügelausstellungen auch präsentiert.

Verwandt mit Spenkelhühnern

Ihr ursprüngliches Entstehungsgebiet liegt – wie der Name schon vermuten lässt – in Ostfriesland, wenngleich man die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Hühnerrasse etwas weiter ziehen muss. Sie gehört zur großen Rassengruppe der nordwesteuropäischen Sprenkelhühner. Diese haben graublaue Beine, mehr oder weniger fein gezeichnete Federn und werden in der Regel nur in zwei Grundfarben gezüchtet: in Silber und Gold. Fast gleich gezeichnete Hühner – wenn auch in einem etwas leichteren Gewichtsrahmen als die Ostfriesischen Möwen – findet man in den Niederlanden. Sie heißen Groninger Möwen oder Friesenhühner. Bei den Ostfriesischen Möwen wiegt der Hahn gut zwei bis drei Kilogramm, die Hennen dürfen jeweils ein Pfund weniger wiegen.

Für Selbstversorger

Wie überall in früheren Zeiten war die Hühnerhaltung auch in Ostfriesland weit verbreitet. Die Menschen wollten unkomplizierte Hühner, die sie regelmäßig mit Eiern und eventuell auch einem Braten versorgen konnten. So hatte im Grunde jede Region einen besonderen Hühnerschlag, der sich nach und nach zu einer Rasse entwickelte. In Ostfriesland waren das wohl schon immer besonders fein gezeichnete Tiere, die in der Korrektheit der Flockenzeichnung aber bestimmt nicht mit heutigen Tieren verglichen werden können. Hier ist durch Selektion vieles vereinheitlicht worden. Durch die Nähe zum Meer und intensive Handelsbeziehungen kann man davon ausgehen, dass auch in die Schläge vor Ort Hühner aus anderen Regionen hinzukamen. Jedenfalls lässt sich heute nicht mehr nachweisen, woher die Ahnen dieser „Möwen“ kamen. Wie viele alte Haustierrassen wurden auch sie im Lauf der Jahrzehnte immer mehr verdrängt. Sie konnten in der Leistung nicht mit den Hybridhühnern mithalten. Heute steht die Rasse, die nie eine große Verbreitung erfahren hat, auf der Roten Liste der Zentralen Dokumentation Tiergenetische Ressourcen.

Auf beiden Seiten des Federschaftes tragen die Hennen schwarze, reiskorngroße Flecken.


Die Flockenzeichnung der Hennen ist das Aushängeschild der Ostfriesischen Möwen.


Daunen wie Möwenküken

Auch wenn der Ursprung im Dunkeln liegt, so wissen wir zumindest, woher der besondere Name dieser Hühnerrasse kommt. Spätestens wenn man einmal Küken in ihrem Daunenkleid gesehen hat, ist die Sache klar. Sie haben eine frappierende Ähnlichkeit mit der Daunenzeichnung der Möwenküken. Was lag also näher, als die Hühner nach dem zu benennen, was vor der Haustür flog?
Dabei scheint es fast egal zu sein, dass man sie mal mit „v“ als Möven und dann wieder mit „w“ als Möwen beschrieb. Die Schwerpunkte lagen auf anderen Aspekten. Die Ostfriesischen Möwen mussten mit den klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Das heißt, dass ihnen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit keine Schwierigkeiten bereiten durfte. Zudem sollten sie nicht gern brüten. Man bevorzugte sogar Hennen, die nicht brüteten. Denn dann hatte man die Gewähr auf eine höhere Eierleistung. So ist es bis zum heutigen Tag geblieben: Ostfriesische Möwen brüten höchst selten einmal selbst, sodass Züchter die Eier meistens in einem Brutapparat ausbrüten lassen. In der Regel brachten und bringen es die Ostfriesischen Möwen auf rund 150 bis 180 weiße Eier, wenngleich das einzelne Eigewicht mit etwa 55 Gramm nicht besonders hoch ist. Dies entspricht jedoch der Legeleistung der meisten deutschen Landhühner.

Wenn sie die Möglichkeit haben, sind die agilen Hühner den ganzen Tag unterwegs.


Sehr selten ist der „goldene“ Farbschlag. Die Küken der Ostfriesischen Möwen ähneln in ihrem Aussehen stark dem der Möwen – daher der Rassename.


Bis auf das Schwanzgefieder ist der Hahn fast einfarbig weiß. Ansätze einer Flockenzeichnung treten höchstens am Schenkelgefieder auf.


Freiheitsliebend, aber hoftreu

Ostfriesische Möwen lieben die Freiheit – sie sind echte Kinder ihrer Heimat. Wer ihnen die Möglichkeit bieten kann, sich in einem großen Hühnerauslauf auszutoben, wird seine wahre Freude daran haben. Sie sind den ganzen Tag unterwegs, suchen hier und suchen dort und finden dabei einen großen Teil ihres Futters. Auffallend ist, dass sich die sonst recht temperamentvollen Möwen bei hoher Bewegungsfreiheit recht ruhig verhalten. Dabei sind die Ostfriesischen Möwen sehr hoftreu. Sie kommen immer wieder zurück – auch wenn sie den Tag über gern üppige Ausläufe nutzen.
Gezüchtet werden Möwenhühner heute problemlos bis in die höchsten Lagen der Mittelgebirge – ein eindeutiges Indiz für ihre hohe Anpassungsfähigkeit.

Flocken auf den Federn

Ostfriesische Möwen gehören zu den schönsten Hühnerrassen überhaupt. Der Hahn ist für die Vererbung der unverwechselbaren Hennenzeichnung bedeutsam. Jede Feder der Hennen trägt auf beiden Seiten des Federschaftes reiskorngroße schwarze, paarweise angeordnete Flecken (Flockenzeichnung). Nur ihr Halsgefieder ist einfarbig.
Der Hahn hingegen wirkt auf den ersten Blick mit Ausnahme des immer schwarzen Schwanzgefieders eintönig. Lediglich im Bereich des seitlichen Schenkelgefieders sieht man manchmal noch einen Ansatz zur Flockenzeichnung. Gerade diese Hähne vererben exakte Flocken bei den Hennen. Aber aufgepasst: Im Jugendgefieder zeigen auch die Hähne an vielen Federn Flockenzeichnung, die sich erst nach der Geschlechtsreife und dem damit verbundenen Gefiederwechsel verliert. Ostfriesische Möwen kommen nur in zwei Farbschlägen vor: silber- oder gold-schwarzgeflockt, wobei die Goldenen seltener sind als die Silbernen.

In der Regel legen Ostfriesische Möwen 150 bis 180 weiße Eier im Jahr.


Auch im S-Format

Wer Ostfriesischen Möwen die nötigen Platzverhältnisse nicht bieten kann, braucht auf das aparte Erscheinungsbild nicht zu verzichten. Es gibt die Rasse auch im S-Format. Dann heißt sie Ostfriesische Zwerg-Möwe und wiegt nur rund ein Kilogramm. Die Zwerghühner haben sogar weitere Farbvarianten. Gleichbleibend ist aber immer, dass die Hennen geflockt sind. Sie sind das Aushängeschild dieser Rasse.


Fotos: Andrea Schneider (4), Wilhelm Bauer (2), Anika Börries (2)