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...in Regensburg


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 10.09.2021

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Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 10/2021

Was hat Regensburg nur, was andere Städte nicht haben? Jedenfalls weit mehr als die Tatsache, dass die Hauptstadt der Oberpfalz mit den ehrwürdigen pastellbunten Gebäuden und gewundenen Gassen in ihrer Altstadt die einzig erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands hat. Zur Antwort gehört auch, dass man sich hier am nördlichsten Punkt der Donau und den Mündungen von Regen und Naab seit Langem den Luxus leistet, die gemeinsame Gegenwart im Café oder in der Kneipe zu genießen, wo bald ungefragt das bevorzugte Getränk vor einem steht. Man kennt sich eben. Deshalb kann man auch zusammen schweigen und vielleicht ab und an mal ein Wort einwerfen. Besucher werden dabei unaufgeregt und mit einer Gelassenheit betrachtet, als gehörten sie schon immer hierher und dazu. Mag sein, weil nach Regensburg seit alters viele kommen − und manche bleiben.

Schon in der Steinzeit war der Donaubogen an dieser Stelle ...

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... besiedelt. Die Römer kamen, etliche blieben, Böhmer stießen dazu, blieben und mischten sich mit denen, die da waren. Der Wanderprediger und später heiliggesprochene Wolfgang kam, gründete die Domspatzen und blieb. Thurn und Taxis übersiedelten aus Frankfurt, um so effektiv des Kaisers Post besorgen zu können.

Einen Platz zum Bleiben finden

Auch der Duisburger Konditor Giebelen blieb Anfang des 20. Jahrhunderts nach seiner Walz in Regensburg hängen − und setzte die dreihundertjährige Kaffeehaustradition vis-à-vis dem Alten Rathaus fort. Zwischen 1663 und 1806 hatten im Rathaus-Obergeschoss die Fürsten und Gesandten des Abendlandes getagt. Eine Auszeit von diesem Immerwährenden Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gönnten sie sich damals schon im Haus schräg gegenüber. Dort betreibt jetzt Giebelens Nachfahrin das Café Princess und schickt aus der Backstube ihre Pralinenkreationen in alle Welt.

Handgemacht selbstredend. Denn in egensburg schätzt man gute Traditioen, die Qualität versprechen. it Namen wie „Römerinnen“, „Barbara üsse“, „Don Juan Kanonenkugeln“, Regensburger Radi“ − oder zu Ehren enedikts XVI. −„Himmels-Flüsterer“ owie „Kesse Gloria“ erinnern die kaorienträchtigen Süßigkeiten an Gechichte und Prominenz der Stadt. Gloia von Thurn und Taxis kam sogar das rivileg der Pralinen-Mitbestimmung u. Sie wählte eine Amarenakirsche ls Inhalt der nach ihr benannten umtrüffel. Auch ein Fahrgastschiff uf der Donau ist nach der geschäftsüchtigen Fürstin benannt, die einen eil des Schlosses St. Emmeram als useum und Café einrichten ließ und ort Schlossfestspiele sowie den Romanischen Weihnachtsmarkt mit traditioellem Handwerkstreiben veranstaltet. ur der Habsburger Kaiser Karl V., der ie Regensburger Gürtlerstochter Barara Blomberg in der Fürstenherberge raf und mit ihr den unehelichen prössling Don Juan d'Austria zeugte, er wiederum 1571 die Türken mit Kanonenkugeln besiegte, war noch nicht Namensgeber für Konfekt oder andere Regensburgensien. Dafür verhalf der Kaiser aber der 1250 erbauten Patrizierburg mit seinem frühgotischen Geschlechterturm namens „Goldenes Kreuz“ zur historischen Besonderheit, wo man sich heute auch immer noch gern zum Kaffee trifft. Er hatte dort logiert.

Mit Geschichte leben

Doch eigentlich ist das mittelalterliche Gebäude angesichts von mehr als tausend historischen Baudenkmälern nicht außergewöhnlich. Rechts und links stehen ebenso bemerkenswerte, italienisch anmutende mittelalterliche Prachthäuser. Und ein paar verwinkelte Gassen weiter verbindet die Steinerne Brücke den Altstadtkern mit dem Stadtamthof auf der Donauinsel. Sie gilt als Meisterwerk der mittelalterlichen Baukunst und ist Deutschlands älteste erhaltene Brücke. Mit dem mächtigen Salzstadel und der Historischen Wurstkuchl gibt sie ein prächtiges Ensemble über den mittlerweile gezähmten Donaustrudeln ab.

In der Wurstkuchl stärkten sich übrigens schon im Mittelalter Steinmetze und Hafenarbeiter. Und die Arbeit ging nie aus.

Heute folgen vor allem Touristen dem Duft der „ältesten Bratwurststube der Welt“, wie Andreas Meier sein Geschäft gerichtsbestätigt nennen darf. Als seine Vorfahren die Wurstkuchl 1808 dem Stadtkämmerer abkauften, war das kleine Gebäude an der alten Stadtmauer schon 700 Jahre alt. Zwischen 1135 und 1146 hatte es als Baubüro für die Steinerne Brücke gedient. Dann wurde das geduckte Häuschen eine Garküche für Hafenarbeiter. Denn der Hafen, in dem heute Museumsschiffe dümpeln, war lange Zeit ein wichtiger Umschlagplatz, etwa für Salz. Zwischenzeitlich ließen sich auch die Steinmetze des Doms hier verköstigen.

Trend und Tradition

Am Hauptprodukt, den frisch hausgemachten Würstchen aus purem Hinterschinken vom offenen Holzkohlengrill mit Kraut aus dem eigenen Gärkeller mit ebenfalls hausgemachtem süßem Senf, hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Eine größere Gaststätte ist gleich nebenan im historischen Salzstadel hinzugekommen. Auch dort gibt es keine Kompromisse, was handwerkliche Qualität, Konservierungsstoffe und gute regionale Zutaten angeht. Nur ein wenig hat Meier die Tradition an den Trend angepasst und den Anteil an Gemüse und Salat der Nachfrage entsprechend vergrößert. Doch bei seinen „Sechs auf Kraut“ ist alles beim Alten geblieben.

Alte Familienunternehmen, neue Start-ups

Im historischen Stadtkern konzentrieren sich die traditionellen Familienunternehmen, aber auch moderne Start-ups, die sich auf das besondere Handgemachte und nachhaltig Produzierte verstehen. Bei Hutkönig vis-à-vis vom Dom werden Kopfbedeckungen seit 1875 per Hand modelliert. In vielen Arbeitsschritten mit Kraft und Können, heißem Dampf und Fleiß. Trachtenhüte und ausgefallene Kreationen für Frauen und Männer. Denn Andreas Nuslan ist weltweit der einzige Hutmacher und Modist, wie die Macher für Frauenhüte heißen. In anderen Bereichen schafft Regensburg den Spagat zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ebenfalls ganz selbstverständlich und bewusst. Ohne ins Altbackene oder allzu Hippe auszuschlagen oder das verstaubte Museale zu pflegen.

Das sehen aber nicht alle Einheimischen so. Einige grummeln über die moderne Architektur des Hauses der Bayerischen Geschichte, das 2019 am Donauufer eröffnet wurde. Doch abgesehen vom neuen Regionalmuseum, dessen vielkritisierte Keramikfassade etliche Fachleute immerhin eine gelungene Einordnung ins gewachsene Stadtbild nennen, hält sich der Wandel in der Altstadt optisch gesehen sehr in Grenzen. Drei Beispiele: In den Räumen eines ehemaligen Kolonialwarenladens werden, ganz trendy, Tattoos gestochen. Das geht hier aber dank des Denkmalschutzes dezent ohne schreiende Werbung. Ein paar Ecken eiter fertigt das Start-up Thann Leder m Werkstattladen mit Onlineauftritt ürtel und Taschen aus rein pflanzlich egerbtem Leder von Biorindern. Und ie traditionelle Bürsten-Ernst-Manuaktur hält die Stellung seit 1894, heute it der Erweiterung des Sortiments m naturnahe Pflegeprodukte für aus und Haut.

Dass man in vielen Gassen und Gebäuen das Gute der Geschichte bewahrt, ieht man auch an fast jeder Ecke beim äcker. In vielen Backstuben wird der eig von Hand geknetet und bekommt ie gesunde Zeit zum Gehen. Der Wohenmarkt am Dom mit regionalen nd vielen Bio-Produkten ist samstags leichermaßen Treffpunkt wie Besuhermagnet. Und wenn man dort nicht in Schwätzchen hält, begegnet man ich eben später wieder beim Gegenartsgenuss im Café. Was das Besonere an Regensburg ist? Vielleicht, ass Trend hier kein Gegensatz zur radition sein muss und hier seit alters iele kommen − und mit einer Mischung us Fleiß, Eigensinn, Originalität und eitgeist-Affinität einen Platz zum leiben finden.

Karin Willen

Wohnen neben der Steinernen Brücke

In Regensburg finden sich Hotels mit langer Herbergstradition. Und es gibt Initiativen, die sich aktuell aktiv für das gepflegte Einrichten hinter historischen Mauern einsetzen.

Stephanie Birnthaler, Tochter des ehemaligen Leibkochs des Fürsten Thurn und Taxis und späteren Kochs des ehrwürdigen Bischofshofes, betreibt mit ihrem Mann in der Altstadt neben dem Hotel Goliath auch das Hotel David. Das Gebäude in der Goldenen Bärenstraße 7 an der Donau bei der Steinernen Brücke war bis zum 16. Jahrhundert die romanische St. Georgs Kapelle. Dann diente sie jahrhundertelang als Wohnhaus. 2016 wurde das Gebäude restauriert. Dabei wurde das Original so behutsam und detailgetreu herausgearbeitet, dass es 2020 die Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege erhielt. Die Gäste dieses einzigartigen Boutiquehotels brauchen in den 19 individuell gestalteten Zimmern auf fünf Etagen nicht auf modernen Komfort verzichten, während sie die Stein gewordene Geschichte erleben können − außer auf einen Aufzug, so einen großen Eingriff ließen die Gegebenheiten natürlich nicht zu. Dass die Inneneinrichtung von lokalen Handwerkern mit Sinn für Tradition und Qualität stammt, war für die Hoteliersfamilie selbstverständlich. www.hotel-david.de

Informieren

Die Regensburg Tourismus GmbH ist im Erdgeschoss des Alten Rathauses in der Altstadt, Rathausplatz 3, zu finden, die seit 2006 UNESCO-Kulturerbe ist. Gleich über der Touristeninformation befindet sich die Versammlungshalle, in welcher der Immerwährende Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 173 Jahre lang am sprichwörtlichen „grünen Tisch“ entschied und die schwierigen Verhandlungsthemen „auf die lange Bank“ schob. www.tourismus.regensburg.de

Besichtigen

Das Besucherzentrum Welterbe ist im Salzstadel an der Steinernen Brücke, Weisse-Lamm-Gasse 1, untergebracht. Der frühere Umschlagplatz des Salzhandels ist eines von über tausend denkmalgeschützten Gebäuden der Stadt und bietet heute anschauliche Informationen der Stadt vom Römerlager bis zur modernen Stadt. Der Eintritt ist kostenlos, Infos über Regensburg Tourismus. Vom Salzstadel zum Haus der Bayerischen Geschichte, Donaumarkt 1, in fünf schönen Spazierminuten donauabwärts. Auf über 2500 Quadratmetern wird der Besucher multimedial durch 2000 Jahre Landesgeschichte des Freistaates geführt. www.museum.bayern/museum.html

Mittelpunkt der UNESCO Welterbestadt ist der Regensburger Dom St. Peter, Domplatz 1. Er ist die einzige gotische Kathedrale Bayerns. Dort singen die Regensburger Domspatzen während der Schulzeit jeden Sonntag und zusätzlich an katholischen Feiertagen. Seit Bischof Wolfgang 975 die Domschule gegründet hat, liegt die Hauptaufgabe des Knabenchors in der liturgischen Gestaltung der Gottesdienste im Dom. www.domplatz-5.de/dom www.domspatzen.de/veranstaltungen

Nachhaltig Stöbern

Nicht für Gäste, sondern auch für Einheimische hat Regensburg Tourismus ein Portal mit Dienstleistern ins Netz gestellt, die Produkte mit möglichst viel ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit anbieten. www.regensburg-nachhaltig.de

Drei Beispiele für die Verbindung von Tradition, Trend und Nachhaltigkeit:

Alexa und Peter Voigtlaender verkaufen in ihrem Laden „hantwerck“ im Weißgerbergraben 9 Produkte regionaler Handwerkskunst und geben auch Töpferkurse. www.hantwerck.de

Die Schwestern Stephanie und Dominika Sabatie kreieren mit ihrer Modemarke „Schwesternliebe“ in der Wöhrdstraße 41 Textilien für Groß und Klein sowie Handgefertigtes aus Papier. www.schwesternliebe.de

„Artiqo“ ist ein junges Schmucklabel und zeigt in der Weiße-Lilien-Strasse 11, dass moderner Schmuck bezahlbar, nachhaltig und allergieneutral sein kann. www.helloartiqo.com