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In vielerlei Hinsicht besonders


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Skimagazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 15.10.2021

KITZBÜHEL, TIROL, ÖSTERREICH

Artikelbild für den Artikel "In vielerlei Hinsicht besonders" aus der Ausgabe 5/2021 von Skimagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Skimagazin, Ausgabe 5/2021

Wer das legendäre Kitzbühel samt seines üppigen Geländeangebots erleben möchte, sollte sich am besten einen Guide buchen ? es lohnt sich definitiv!

Die Vorfreude wächst. Das wohlige Kribbeln im Bauch wird mit jedem Kilometer, den wir näherkommen, stärker. Endlich, denke ich.

Keine Ahnung, warum es 40 Jahre gedauert hat. Doch jetzt ist es so weit. Tolle Tage in einem der legendärsten Skigebiete der Welt, in dem ich noch nicht gewesen bin, liegen vor meinem Fotografen Andre und mir.

Draußen herrscht dichtes Schneetreiben. Die dicken Flocken machen die Kulisse des Tiroler Unterlandes noch schöner. Es geht doch nichts über eine Portion Neuschnee.

Es tauchen die Silhouetten in der einsetzenden Dämmerung auf. Der Anblick des Wilden Kaisers, des Kitzbüheler Horns und des Hahnenkamms kündigt an, dass wir fast am Ziel sind, erklärt unser Fahrer Hans, Anfang 50, Tiroler durch und durch.

In den Wintermonaten ist er mehrmals täglich unterwegs und kutschiert Skifans, die die zeitsparende Anreise per Flugzeug über den Salzburg ...

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... Airport gewählt haben. Man merke, dass die Leute immer weniger Zeit für Urlaube hätten und Kurztrips hoch im Kurs stünden, sagt Hans. Mal eben Donnerstag bis Sonntag. Anreise morgens, eine Stunde im Shuttle, ab in die Skiklamotten und fast noch einen kompletten Pistentag genießen.

Günstige Verbindungen aus Ballungszentren wie Düsseldorf, Köln, Hamburg oder Berlin mit spätem Rückflug machen es möglich und attraktiv, kurz dem Alltag zu entfliehen und bei vier Skitagen zu entspannen. Nicht die umweltfreundlichste Art, Skiurlaub zu genießen, aber für viele eine interessante Option. Wir haben sie getestet, allerdings mehrere Recherchebesuche verbunden.

Da sind wir also, Ortskern Kitzbühel. Inzwischen ist es dunkel geworden, die Schneeflocken und die Lichter der Restaurants, Boutiquen, Bars und Geschäfte verleihen der Altstadt eine schummrige Winterromantik. Der Mythos Kitz packt uns sofort, als wir vor dem altehrwürdigen Hotel Zur Tenne aus dem Shuttle steigen. Jetzt ist die Vorfreude auf die Hänge des wohl legendärsten Skigebiets der Alpen riesig, es kribbelt in den Füßen, am liebsten würden wir direkt in die Skischuhe. Doch Kitzbühel, jene charismatische Wintersportdestination mit rund 13.000 Einwohnern und gut 9.000

Gästebetten, hat viel mehr zu bieten als top präparierte, teils hochsportliche Pisten.

WINTERSPORT & LIFESTYLE DE LUXE

Unsere Beine sind nach der Fahrt von Schladming zwar nicht so steif wie nach einer langen Anreise, dennoch starten Andre und ich unseren Besuch mit einem kleinen Rundgang. Kitzbühel ist natürlich auch exklusiv, ein Hotspot der Promis, Schönen und Wohlhabenden. Boutiquen, Juweliere, Leder- und Trachtenmanufakturen – neben zurückkehrenden Skifahrern flanieren etliche Urlauber durch den Ort, die es sich einfach gut gehen lassen – oder auf der Suche nach einem Gaumenschmaus sind. Denn die „Gamsstadt“ ist ein Gourmet-Hotspot. Kulinarik gehört zu Kitzbühel wie die Streif zum Hahnenkamm, habe ich gelesen. Auch die Küche unseres Hotels hat sich eine Haube erkocht, und so erleben wir direkt bei der Ankunft den Facettenreichtum Kitzbühels.

Schnell mal eben von Donnerstag bis Sonntag dem Alltag entfliehen? Warum nicht! Anreise morgens per Flieger – und dann fast noch einen kompletten Pistentag genießen.

SONNENSCHEIN UND FEINE, SPORTLICHE SCHWÜNGE

Dieser sagenumwobene Ort fasziniert schon, ohne dass wir eine Sekunde auf den Ski gestanden haben. Man merkt sofort, warum dieses traditionsreiche Wintersportmekka so verführerisch ist und solch immense Anziehungskraft hat. Und dann das! Am nächsten Morgen küsst uns die Februarsonne wach. Auf Neuschnee folgt Kaiserwetter in Kitz. Wie hat Franz Schenner, seit Jahrzehnten in der österreichischen Skiindustrie tätig und zudem ein Mann, der sich leidenschaftlich für den Wintertourismus und unser geliebtes Skifahren in seiner Heimat einsetzt, das bei der Organisation unseres Besuchs hinbekommen? Später auf der Piste nennt Franz das Szenario passend „einen kitschig-perfekten Traumtag“. Der Brancheninsider und Initiator des „Netzwerk Winter“, einer Art Zukunftswerkstatt des Skisports und Wintertourismus, wohnt im nächsten Tal in Mittersill und begleitet uns mit der Marketingleiterin der Bergbahnen, Sylvia Brix, bei unserem Kitz-Debüt.

Bei Intersport Kitzsport direkt in der Talstation der Hahnenkammbahn erhalten wir Leihski und ein Skidepot. Diesen Luxus habe ich in den vergangenen Jahren schätzen gelernt, hier ist ein solches Depot wieder ideal, da in der „Gamsstadt“ alles fußläufig zu erreichen ist. Raus aus den Skiboots, ab damit in den Spind samt Schuhtrockner und in sechs Minuten gemütlich zum Hotel in der Altstadt geschlendert. Perfekt!

„In den vergangenen zehn Jahren wurden über 200 Millionen in das Skigebiet investiert“, erklärt uns Sylvia Brix. „Im Rahmen dieser Qualitätsoffensive wurden viele Bahnen erneuert, die Infrastruktur wurde verbessert und die Pistenoptimierung vorangetrieben. Alles vor dem Hintergrund, das Skigebiet möglichst ressourcenschonend und nachhaltig zu betreiben.“

NACHHALTIG & KOMFORTABEL

Der Komfort bleibt natürlich auch nicht auf der Strecke. So verfügt die hochmoderne Fleckalmbahn, die uns in sieben Minuten (und damit sechs Zeigerumdrehungen schneller als ihre Vorgängerin) von Kirchberg auf die Ehrenbachhöhe gondelt, über Echtledersitze mit Lenden- und Sitzheizung. Das Skigebiet Kitzbühel hat ein sehr sportliches Image, dynamische Skifahrer stehen im Fokus. Die Pisten laden zum Gasgeben und Carven ein. Sylvia, die seit sie laufen kann auf Ski steht, sorgt dafür, dass unsere Beine auf langen Abfahrten wie der revitalisierten „Brunn“ (Nr. 27) runter bis ins Tal nach Aschau zur 8er-Gondel Pengelstein 1 brennen. Auf einen schönen Steilhang folgt eine tolle blaue Piste, mal schmaler, dann wieder breiter. Herrlich, denn an diesem Donnerstag ist nur wenig los, wir toben uns richtig aus.

Wer es richtig knackig-sportlich liebt, der muss die „Direttissima“ (Schlagl) fahren. Mit bis zu 70 % Gefälle ordentlich steil, dazu aber auch landschaftlich schön. Kann es besser sein? Die mit satten 8,3 Kilometern (und über 1.000 Höhenmetern) längste Abfahrt des Skigebiets heißt „KitzSki Extended“ und führt vom Steinbergkogel über die Ehrenbachhöhe bis hinunter zur Talstation der Fleckalmbahn. KitzSki hat auf der Website die „Big5“, die schönsten Abfahrten des Skigebiets, zusammengestellt.

Von einer, nein, von der berühmtesten Strecke von KitzSki haben wir noch gar nicht gesprochen: der Streif. Natürlich möchten auch Andre und ich die Piste aller Piste fahren. „Klar, denn jeder will daheim behaupten können, dass er die Streif überlebt hat“, sagt Sylvia lachend, als wir an der Mausefalle stehen. „Wenn ihr möchtet, können wir das Abenteuer zumindest teilweise wagen. Ein paar Abschnitte empfehle ich aber nicht, da unsere ‚Otto Normalkanten‘ nicht für Skifahren auf blankem Eis ausgelegt sind.“

BLOSS KEIN FALSCHER EHRGEIZ!

Sylvia weiß, wovon sie spricht. Natürlich ist die exzellente Technikerin die Streif schon öfters komplett gefahren. Von ihrem Büro hat sie auch beste Sicht auf die legendäre Rennstrecke – und sieht täglich zig Leute, die die berühmt-berüchtigten Passagen spätestens nach dem zweiten Schwung komplett auf dem Hintern oder Rücken hinunter-rutschen. „Immer wieder gibt es auch Ski-fahrer, die recht weit oben beim Sturz einen Ski verlieren und dann vergeblich versuchen, in ihren Boots den Hang wieder nach oben zu kommen! Was man nicht vergessen darf, die Weltcupfahrer springen über diesen Abschnitt einfach hinweg“, erklärt Sylvia, und fügt lachend hinzu.

„Man kann die Streif schon komplett fahren, aber Spaß macht es definitiv nicht!“

Das Gute: Wie fast überall im Skigebiet gibt es auch eine Alternative. Auf der Streif kann man die schwierigsten und gefährlichsten Passagen umfahren und auch als „Normalo“ auf der „Familienstreif “ die Abfahrt bis in den Zielbereich nehmen – und dort im traditionsreichen Rasmushof einkehren, um die Energiespeicher wieder aufzufüllen. Hier wird der Mythos Streif gelebt, das merken wir schnell, als sich die Chefin Signe Reisch zu uns setzt.

Die Grande Dame von Kitzbühel, bis Oktober 2020 Präsidentin von Kitzbühel Tourismus und Urenkelin des Skipioniers Franz Reisch, der 1893 die erste Skiabfahrt vom Kitzbüheler Horn gemeistert und den Sport nach Kitz gebracht hat, wird „Queen of the Streif“ genannt. „Familienunternehmen und gelebte Tradition haben unseren Ort groß, einmalig und besonders gemacht“, sinniert die Wirtin, die auch mit 65 Jahren fast täglich bei jedem Wetter die erste Gondel nimmt und zweimal die Streif fährt. „Skifahren ist der schönste Sport der Welt. Er macht mich glücklich, denn er hat alles: frische Luft, Panorama, Geschwindigkeit und ein tolles, aktives Bergerlebnis! Die Größe hatte das Skigebiet KitzSki schon immer, doch die Qualität hat es zu dem gemacht, was es heute ist.“

EINE ENKLAVE DER RUHE

Wir könnten diese Seiten nur dem Gespräch mit Signe Reisch widmen, ihre Leidenschaft und Begeisterung fürs Skifahren steckt an.

Diese faszinierende Persönlichkeit ist Kitzbühel durch und durch. Und sie verkörpert den Mythos Kitz – eine bescheidene Grande Dame, die in ihrem 4-Sterne-Familienbetrieb Gastgeberin unzähliger Stars und Sternchen und zudem eine der Triebfedern der Entwicklung der „Gamsstadt“ war. Auf zahlreichen Fotos kann man in den Fluren des Rasmushof die Geschichte dieses legendären Ortes gut aufsaugen. Sehr empfehlenswert!

Im Rahmen einer Qualitätsoffensive wurden über 300 Millionen Euro investiert, die Infrastruktur verbessert, viele Bahnen erneuert und die Pistenoptimierung vorangetrieben.

Das i-Tüpfelchen unseres ersten Kitzbühelbesuchs ist ein Abstecher zur Bichlalm am Abreisetag, den mir unser geschätzter Autor Christoph Schrahe ans Herz gelegt hat.

Inmitten dieses hochmodernen, berühmten Skigebiets sind die Hänge des Stuckkogels eine Enklave der Ruhe (s. Kasten rechts). Es ist der perfekte (Offpiste-)Abschluss, bevor es in den Airport-Shuttle nach Salzburg geht.

Um 23 Uhr sitze ich daheim auf der Couch. Endlich, denke ich. Endlich habe ich den Mythos Kitz erlebt. Und merke, dass ich möglichst schnell wieder die Vorfreude und das Kribbeln spüren möchte. Denn Kitzbühel ist so vielfältig, da gibt es trotz intensiver Skitage noch viel mehr zu entdecken.

TIPP

Cat-Skiing an der Bichlalm

Kitzbühel steht für hochmoderne, innovative Liftanlagen und top präparierte Pisten. Doch wer es ruhig, abgeschieden und auch ein bisschen „oldschool“ mag und zudem gern eine Skitour geht, der ist an der Bichlalm neben dem Kitzbüheler Horn, auf dem auf Initiative des Skipioniers Franz Reisch 1894/95 die ersten Skirennen ausgetragen wurden, genau richtig.

Ein gemütlicher Doppelsessel liftet Skifans, die keine Lust auf den Aufstieg mit Tourenski haben, in gut 20 Minuten die 2.251 Meter hinauf zum Berggasthof Bichlalm. Dieser ist nur auf Winterwanderwegen, per Lift oder Tourenski zu erreichen und verwöhnt uns mit leckeren regionalen Spezialitäten. Doch damit nicht genug: Alle 30Minuten können sich Skifahrer von einer Schneekatze mit neun Sitzplätzen hinauf zum Stuckkogel bringen lassen und von dort variantenreichen Freeride-Spaß genießen. Eine schmale Piste ist präpariert, daneben bietet sich aber reichlich freier Skiraum für schöne Tiefschneeabfahrten an. Das letzte Stück zur Talstation führt „querfeldein“ über Wiesen, alternativ kann man nach Kitzbühel abfahren, insgesamt immerhin 1.000 Höhenmeter. Egal, wie man an der Bichlalm unterwegs ist, per Lift oder auf Tourenski, dieser Geheimtipp ist in Kitzbühel auf jeden Fall ein tolles Abfahrtserlebnis.