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In voller Pracht


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 18.03.2022

GESCHICHTE

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 12/2022

Ein warmes, leuchtendes Gelb: So spiegelt sich Schönbrunn im Wasser des westlichen Ehrenhof brunnens. Auch im Schloss herrscht leuchtender Glanz: In den kaiserlichen Gemächern und Prunkräumen blitzen Gold, Kristall, Lacke auf edlem Holz und die Glasuren feinsten Porzellans. Schloss Schönbrunn zieht in normalen Jahren über vier Millionen Besucher an, ist Weltkulturerbe der Unesco. Im Tiergarten nebenan halten die Pandabären Hof. Im Schlossgarten f lanieren auch die Wiener gern, betrachten ihn als ihren Privatgarten. Maria Theresia, die geschickt Strategin, ließ den Park 1778 für die Bevölkerung öffnen. Einer der vielen klugen Schachzüge der 16-fachen Mutter. Der Palast ist die Stein gewordene Machtdemonstration des Hauses Habsburg-Lothringen und eines der bedeutendsten Zeugnisse des Rokoko, jener verspielten Übergangsepoche vom Barock zum Klassizismus.

Rokoko-Schatz ...

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... voller Überraschungen

Die rund 300 Zimmer im zentralen Bereich instand zu halten ist ein enormer Aufwand. Was wenige wissen: Der gewaltige Prunkbau im Westen Wiens ist aus kunsthistorischer Sicht fast Neuland: „Zwar war Schönbrunn bereits in den 1990ern eine Topsehenswürdigkeit, aber am schlechtesten erforscht“, erklärt Dr. Elfriede Iby, Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung Schönbrunn. „Spätbarock und Rokoko galten als kunsthistorisch minderwertig und wurden erst dann kunst-und kulturhistorisch entsprechend gewürdigt.“ Seitdem weckt Iby mit ihrem Team Schönbrunn aus dem wissenschaftlichen Dornröschenschlaf. Seit 2010 werden die Räume nach und nach in den Originalzustand versetzt. 40 der 55 Zimmer der Beletage sind bereits restauriert. Der Palast ist eine Schatzkiste verborgener Kostbarkeiten: „Wir haben an den Wänden im heutigen Museumsshop eine Imitationsmalerei entdeckt“, berichtet Expertin Iby. „Die besteht vermutlich aus über 2500 gemalten Motivf liesen aus der maria-theresianischen Zeit.“ Ein anderes Projekt wurde kürzlich abgeschlossen, der Salon der Kaiserin. Elisabeth, Märchenkaiserin Sisi, ließ ihn 1870 neu ausstatten. Ibys Team stellte das Raumensemble wieder her, darunter die wertvolle Wandbespannung, ein Seidenbrokat mit Jacquardmuster mit violetten Rosenbouquets.

Die Geschichte von Schloss Schönbrunn geht zurück auf Kaiser Maximilian II., der dort im 16. Jahrhundert ein Anwesen erwarb, das vormals Katterburg hieß. Er ließ ein Jagdschloss bauen und frönte einem neuen Trend. „Man jagte statt Hasen nun Hirsche“, sagt Iby. „Die gab es dort reichlich in den Ausläufern des Wienerwalds.“ Schönbrunn, laut Legende nach einem Ausspruch von Kaiser Matthias so genannt, diente vor allem als Jagdschloss und Witwensitz. Das änderte sich nach der Zweiten Türkenbelagerung 1683. Die Wiener Vorstädte waren abgebrannt, Schönbrunn großteils zerstört.

„Doch nach der Vertreibung der Osmanen setzte ein Bauboom ein, es gab viel Geld sowie räumliches Potenzial für repräsentative Architektur“, erklärt Kunsthistorikerin Iby. „Der Grazer Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach entwarf einen irrsinnig verschwenderischen Prospekt einer Schlossanlage auf dem Hügel. Mit Rampen und Turnierplätzen.“ Lange Zeit glaubte man, Kaiser Leopold I. habe kein Geld für dieses Konkurrenzprojekt zu Versailles gehabt. „Aber das ist nicht wahr“, erklärt Iby. „Fischer von Erlach wollte dieses Fantasieschloss nie bauen, sondern den Kaiser beeindrucken.“

Vom Jagdschloss zum Machtzentrum

Ab 1696 nahm er die Bauarbeiten auf. „Wir haben die Fundamente untersucht“, so Iby. „Leopold ließ Schönbrunn auf den Fundamenten des von den Türken zerstörten Jagdschlosses errichten, sparte so Material-und Transportkosten.“ Deshalb wirkt es klassischer als andere Werke Fischers.

Seine heutige Form bekam das Schloss unter Maria Theresia. „Sie hat Schönbrunn massiv aus-und umgebaut“, erklärt Dr. Elfriede Iby. „Sie ließ ein Zwischengeschoss einziehen sowie die große Durchfahrtshalle im Erdgeschoss, Nebengebäude und Reitställe errichten. Neben dem Regieren war das Bauen ihre große Leidenschaft – und Schönbrunn ihr Lebenswerk.“ Um 1755/60 ließ sie einige Räume mit kostbaren Lackarbeiten und Porzellan aus China und Japan ausstatten. „Die asiatischen Räume sind wahre Prunkkabinette, mit denen sie ihren exquisiten Geschmack, Kennerschaft und Prestige zeigte.“ Mit ihrem Gatten Kaiser Franz I. bewohnte sie Schönbrunn von März bis Oktober.

Erst ein Jahrhundert später hielt Franz Joseph I. ganzjährig Hof in Schönbrunn. Er wurde im Schloss geboren und starb auch dort. „Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 besann er sich auf Maria Theresia“, so Dr. Iby. „Er ließ die inzwischen biedermeierliche Einrichtung umgestalten im Neorokoko mit vergoldeten Rocailles, weißen Täfelungen und Chinoiserien. Als sichtbares Zeichen für den Neoabsolutismus.“ Interessant: Heute beherbergt das Schloss außerdem 150 Mietobjekte, 30 liegen im Haupttrakt.

Und was den Tourismus angeht: Der Frühling ist eine besonders schöne Zeit, die Habsburger und ihr herrliches Schloss neu zu entdecken.

DAGO WEYCHARDT