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In zehn Schritten zum Erfolgsrezept


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Traders - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 24.11.2022

PLANEN SIE DEN TRADE – TRADEN SIE DEN PLAN!

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 12/2022

Ein Eigenheim ist und bleibt für die meisten Menschen ein wichtiges Ziel im Leben. Wer träumt nicht von einem großen Haus mit Garten? Ein eigenes Stück Erde hat etwas von Freiheit und Unabhängigkeit. Alles schön und gut – aber was hat das mit Trading zu tun? Eine ganze Menge: Zur Verwirklichung des Traums vom Eigenheim bedarf es einer soliden, realistischen Planung. Sie beginnt vor dem eigentlichen Hausbau und umfasst verschiedene – allen voran finanzielle – Aspekte. Das Gleiche gilt für den Traum, ein erfolgreiches Traderleben führen zu können. Auch hier geht es um Freiheit und auch hier gilt: Wer sich ohne Vorbereitung und gründliche Kenntnisse in den Markt stürzt, wird bitter enttäuscht werden – analog zum Bauherrn, der ohne Bauplan und genügend Eigenkapital vorm Ausheben des Kellers mit dem Bau des Daches beginnt.

Was ist ein Tradingplan?

Trading ist ...

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... kein Spaß, keine Lotterie und kein Glücksspiel. Trading ist ein Geschäft. Es geht schließlich darum, das eigene Kapital zu riskieren und möglichst effizient an den Märkten einzusetzen. Das einzige Ziel der Tradingtätigkeit ist dabei die stetige, risikobewusste Erhöhung des eingesetzten Kapitals. Was sich zunächst etwas banal anhört, ist in Wirklichkeit die Basis des Erfolgs. Denn wäre das Trading reine Lotterie, könnte man den Erfolg nicht planen. Ginge es dagegen nur um Spaß, wäre ein konkreter Plan überflüssig. Da es sich aber um ein echtes Geschäft handelt, ist die richtige Planung für den langfristigen Erfolg das A und O. Der Tradingplan fungiert als eine Art Businessplan, der alle Einzelheiten des Vorhabens definiert. Wie im „normalen“ Geschäftsleben werden hier alle finanziellen und organisatorischen Maßnahmen in einem Regelwerk zusammengefasst, das als roter Faden für den täglichen Kampf an den Märkten dient. Es umfasst Ausgangslage, Ziele, Zeit- und Ressourcenplanung ebenso wie konkrete Umsetzungsmaßnahmen und Kontrollmechanismen. Allerdings ist der Tradingplan nicht gleichzusetzen mit einer Tradingstrategie. Letztere beschreibt lediglich eine bestimmte Handelsmethodik sowie deren Ein- und Ausstiegsregeln und ist damit nur ein Baustein von vielen innerhalb des gesamten Tradingplans.

Wer braucht einen Tradingplan?

Dass ein Tradingplan allein kein Garant für Erfolgsgarant ist, dürfte jedem einleuchten. Es zeigt sich aber, dass aktive Trader mit einem Plan langfristig besser abschneiden als die ohne Tradingplan. Warum? Schließlich kann auch ein Tradingplan nicht in die Zukunft schauen. Er kann jedoch Strategien für Situationen bereitstellen, die nicht im Kontrollbereich des Traders liegen. Es geht also darum, die Dinge zu steuern, die man als Trader steuern kann – nämlich sich selbst. Nicht mehr, nicht weniger. Jeder Trader, der es bisher nicht geschafft hat, konsistent und über verschiedene Marktphasen hinweg profitabel zu handeln – und genau das ist bekanntlich das Ziel – sollte also einen Tradingplan anfertigen. Er dient als Landkarte und definiert die effizienteste Route zum Ziel.

Welche Vorteile hat ein Tradingplan?

Der Einsatz eines Tradingplans bietet eine Menge Vorteile. Durch die Planung aller tradingrelevanten Aspekte wird die gesamte Struktur des Tradingprozesses verbessert. Durch den klaren und präzisen Rahmen reduziert der Tradingplan psychologischen Stress und irrationales Agieren beim Handel, weil er mitten im Geschehen keine Entscheidung abverlangt, sondern lediglich das Befolgen der zuvor definierten Regeln und Maßnahmen. Ein zentraler Punkt ist die Kontroll- und Steuerungsfunktion. Der Tradingplan ist vergleichbar mit einem Routenplaner, der den Autofahrer per GPS zum Ziel führt. Eventuelle Abweichungen von der Route werden sofort sichtbar und können korrigiert werden. Ohne funktionierendes GPS-Signal und ohne Straßenschilder dürfte der Autofahrer bei fehlender Ortskenntnis nicht ans Ziel kommen, geschweige denn erfahren, woran das gelegen haben könnte. Der Tradingplan ermöglicht zudem ein regelmäßiges Monitoring der eigenen Performance. Damit ist nicht nur die eigentliche Entwicklung der Trades und des Kontos gemeint, sondern vielmehr die Frage, ob der Trader sich an seine Regeln hält. Es ist also eine Frage der Disziplin. Die Analyse des Tradingplans offenbart, womit der Trader Schwierigkeiten und welche Stärken er hat. Dadurch kann er seine Entwicklung optimal und zeitnah verfolgen und beim Abdriften von der Route schnell gegensteuern.

Wie erstellt man einen Tradingplan?

Der Tradingplan umfasst viele Einzelelemente und sollte individuell auf die Persönlichkeit, die vorhandenen Ressourcen und die Ziele des jeweiligen Traders zugeschnitten sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Trader sich später auch an den eigenen Plan hält. Was nützt ein Designeranzug, der die falsche Farbe und Größe hat? Ein Maßanzug, der perfekt sitzt, wird dagegen gern getragen. Deshalb werden im Folgenden neun Module vorgestellt, die als Leitfaden zur Erstellung Ihres individuellen Tradingplans dienen sollen. Jedes Modul besteht aus mehreren Fragestellungen, die der Trader so ehrlich wie möglich beantworten und – ganz wichtig – auch schriftlich festhalten muss. Die Antworten sollten so präzise und detailliert wie möglich sein.

Modul 1: Selbstanalyse

Die Psychologie der Massen zu erkennen ist ein wichtiges Instrument, um die Mechanismen an den Märkten zu verstehen. Für das Trading selbst ist aber eines noch wichtiger: die eigene Psyche zu erkennen, um nicht Teil der Masse zu werden. Das folgende Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Wenn Sie sich selbst nicht kennen, ist die Wall Street ein teurer Ort, um es herauszufinden.“ Im ersten Schritt geht es also hauptsächlich darum, sich über die Ziele und die eigenen Schwächen und Stärken – sowohl mentale als auch wissensbasierte – klar zu werden. Das eigene Charakterprofil hat nämlich erheblichen Einfluss auf die spätere Wahl des passenden Tradingansatzes und der Zeiteinheit. Die wichtigste Hürde zwischen Ihnen und dem Erfolg an den Märkten ist die geistige Haltung. Auch wenn es banal klingt: Gerade deshalb ist es wichtig, dass man körperlich und mental gesund ist, dass der Schlaf nicht zu kurz kommt und man erkennt, in welchen Phasen das Trading unterlassen werden sollte. Im Tradingplan sollte deshalb schriftlich festgehalten werden, unter welchen inneren und äußeren Umständen das Trading unterbrochen oder sogar eingestellt wird. Im Zentrum der Überlegungen stehen folgende Aspekte:

• Warum will ich Trader werden?

• Welches konkrete Ziel verfolge ich mit dem Trading?

• Wie definiere ich Erfolg im Hinblick auf das Trading?

• Welche Stärken und Schwächen habe ich?

• Gibt es Berufe, in denen ich meine Talente besser einsetzen könnte?

• Wie steht meine Familie zu meinem Vorhaben?

• Bin ich ein diskretionärer oder ein mechanischsystematischer Trader?

• Welches Risikokapital steht mir zum Traden zur Verfügung?

• Wie viel Zeit steht mir zum Traden zur Verfügung?

• Habe ich vor, lang-, mittel-, kurzfristig oder sehr kurzfristig zu handeln?

• Passt die gewählte Zeiteinheit zu meinem Charakter?

• Bin ich in der richtigen Verfassung, um mit dem Trading zu beginnen?

Modul 2: Welche Ziele verfolge ich mit dem Trading?

Auch wenn es viele Gründe für das Trading gibt, ein Aspekt verbindet alle Trader: der Wunsch, damit Geld zu verdienen. Dennoch machen sich nur wenige Trader wirklich Gedanken, wie viel Gewinn sie pro Jahr anstreben. Genau das ist aber die Grundlage, um Monats-, Wochen- und Tagesziele zu definieren. Gleiches gilt für die Risikoseite: Jeder Trader sollte sich darüber im Klaren sein, welchen Anteil seines Gesamtvermögens er dem Trading widmen kann und welchen maximalen Drawdown er pro Jahr akzeptiert. Das Setzen von Zielen unterstützt die gesamte Planung, ermöglicht die Kontrolle der Entwicklung als Trader und steigert gleichzeitig die Motivation. Jeder Trader sollte sich also konkrete, aber realistische Ziele setzen – nicht nur finanzieller Art, sondern auch was seine persönliche Entwicklung angeht. Die qualitativen und quantitativen Ziele sollten zu Jahres-, Monats-, und Tageszielen heruntergebrochen werden. So könnte das qualitative Jahresziel eines Traders zum Beispiel lauten, eine eigene Strategie für Trend- und Seitwärtsmärkte zu entwickeln, regelmäßiges Coaching in Anspruch zu nehmen und bestimmte Literatur zu lesen. Auf quantitativer Ebene könnte das Ziel lauten, mit dem verfügbaren Kapital von x Euro jährlich y Euro zu erwirtschaften und so weiter. Anschließend muss definiert werden, wie man diese Ziele erreichen will und welche „Belohnung“ der Trader nach Erreichen der jeweiligen Ziele erhält. Nachfolgend die wichtigsten Fragestellungen:

• Welche qualitativen Ziele habe ich im kommenden Tradingjahr?

• Wie will ich mein Theorie- und Praxiswissen verbreiten und vertiefen?

• Welches Budget will ich dafür aufbringen?

• Welche quantitativen Ziele habe ich im kommenden Tradingjahr?

• Welche Rendite- und Risikoziele verfolge ich jeweils in den kommenden Monaten?

• Welche Wochen- und Tagesziele ergeben sich daraus?

Modul 3: Auswahl der Märkte, Instrumente und Zeiteinheiten

Während professionelle Trader in der Regel nur eine überschaubare Anzahl von Märkten handeln, neigen Anfänger dazu, möglichst viele abdecken zu wollen – in der Regel nicht zu ihrem Vorteil. Im Tradingplan muss klar geregelt sein, welche Märkte gehandelt werden. Gleiches gilt für die Wahl der Finanzinstrumente. Ob Aktien, Futures, Optionen oder Währungen gehandelt werden sollen, hängt dabei in erster Linie von der Kontogröße, dem Tradingstil und der emotionalen Situation des Traders ab. Je nach Art des gehandelten Produkts sind wiederum gewisse Besonderheiten hinsichtlich Abwicklung, Handelszeiten, Kontogröße und so weiter zu beachten. So ist der Handel mit CFDs eben nicht gleichzusetzen mit Optionsscheinen, und Futures sind wiederum eine andere Kategorie als Aktien oder ETFs. Zu den wichtigsten Fragen, die sich der Trader stellen muss, gehören deshalb:

• Welche Märkte möchte ich handeln und warum?

• Kenne ich die spezifischen Risiken der unterschiedlichen Märkte?

• Welche Instrumente will ich handeln?

• Welche Zeiteinheit bevorzuge ich?

• Habe ich vor, mehrere Zeiteinheiten gleichzeitig zu handeln?

• Welcher Broker und welche Handelsplattform passen am besten zu meinem Handelsstil?

• Welche Software und Datenfeeds sind optimal?

• Verfüge ich über eine passende technische Ausrüstung?

• Wie hoch sind die Transaktions-, Finanzierungsund Slippage-Kosten? (siehe Bild 1)

Modul 4: Die Handelsstrategie

Eine Handelsstrategie ist nichts anderes als ein festes Regelwerk, das dem Trader die Reproduzierbarkeit seines Tradingstils ermöglicht. Streng genommen stellt eine Strategie den Gegensatz zum Trading aus dem Bauch heraus dar. Ihre Auswahl hängt dabei von der Marktsituation, der Tageszeit und der Zeitebene ab, die man handelt. Betrachtet man die Märkte, stellt man fest, dass es nur zwei Zustände gibt: Trendphasen und trendlose Phasen. Damit ist bereits klar, dass jeder Trader zumindest zwei Strategien braucht, um langfristig erfolgreich zu sein. Folgende Fragen sollten Sie sich bei der Auswahl Ihrer Strategien stellen:

• Wie sieht die Strategie konkret aus, nach der ich trade?

• Habe ich die Strategie vor dem Liveeinsatz mittels Backtesting beziehungsweise Paper-Trading überprüft?

• Wie hoch ist der Erwartungswert dieser Strategie?

• Welchen Drawdown weist die Strategie im Backtest auf?

• Welche Strategie kommt in Seitwärtsphasen zum Einsatz?

• Welche Strategie gilt bei Trendmärkten?

Bild 2 zeigt exemplarisch den Verlauf des S&P-500-ETF als Wochenchart. Die automatisch dargestellten Swings ermöglichen es dem Trader, eine eigene regelbasierte Handelsstrategie umzusetzen. Dabei werden Ausbrüche in Richtung des Haupttrends zum Long-Einstieg genutzt, während Stopps jeweils am vorherigen Swing-Low gesetzt werden, um das Kapital abzusichern. Die Mehrzahl der Trader verbringt einen Großteil ihrer Zeit mit der Suche nach dem perfekten Einstieg in einen Trade. Dabei entscheidet der Ausstieg, ob ein Trade mit Gewinn oder Verlust beendet wird.

Unglücklicherweise gestaltet sich ein guter Ausstieg noch viel schwieriger als der Einstieg und muss zudem strategieabhängig festgelegt werden. Der Trader sollte sich deshalb intensiv mit den unterschiedlichen Exit-Strategien auseinandersetzen und für jede seiner Strategien klare Regeln dafür aufstellen, wann welche Maßnahmen zum Tragen kommen. Hierzu zählt auch die Überlegung, wann in laufende, mittels Stopp abgesicherte Trades vorzeitig eingegriffen wird. Folgende Fragen müssen unbedingt im Tradingplan beantwortet werden:

• Welches Signal verwende ich zum Ausstieg aus einer Position?

• Verwende ich technische, volatilitätsbasierte oder Zeitstopps?

• Welche Stopptechniken verwende ich bei der jeweiligen Strategie?

• Wie verhalte ich mich bei Trades, die in Richtung des Stopps laufen? Steige ich schon vor dem Stopp aus? Wenn ja, welche Kriterien müssen dann erfüllt sein?

• Wie gehe ich bei Trades vor, die bereits im Gewinn notieren?

• Wann ziehe ich meinen Stopp auf Break-Even nach?

• Wie errechne ich das Kursziel eines Trades?

• Wann verkaufe ich einen Teil der Position?

• Welches Kriterium muss erfüllt sein, damit die Restposition geschlossen wird?

Modul 5: Risiko- und Money-Management

Das Risiko- und Money-Management ist wegen seiner zentralen Bedeutung für den Tradingerfolg der wichtigste und umfassendste Teil des Tradingplans. Die wohl berühmteste Tradingregel überhaupt – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen – wird erst durch die Implementierung eines soliden Risiko- und Money-Managements möglich. Vereinfacht gesagt, umfasst das Risikomanagement alle Maßnahmen, die der Minimierung und Vermeidung von Verlusten dienen. Dazu zählt in erster Linie die Frage nach dem optimalen Stopp und der richtigen Positionsgröße Streng genommen ist das Money-Management eine Weiterführung des Risikomanagements. Kapitalerhalt und die Generierung von Erträgen gehören zu den wichtigsten Aufgaben des Money-Managements. Im Zentrum stehen verschiedene Modelle zur korrekten Bestimmung der Positionsgröße. Um eine optimale Positionsgröße zu ermitteln, müssen das Risikomanagement und die Risikoparameter mit den verschiedenen Money-Management-Modulen zusammen-und regelmäßig kontrolliert werden. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Fragestellungen zum Thema Risiko- und Money-Management:

• Wie stehe ich dem Thema Risiko generell gegenüber?

• Welches Risiko birgt der Broker (Stichwort Einlagensicherung)?

• Welche Risiken gehen von der eigenen Hard- und Software aus und welche Absicherungen stehen für den Worst Case bereit?

• Welchen Anteil hat das Tradingkapital am Gesamtkapital?

• Ab welchem Drawdown wird das Trading eingestellt oder unterbrochen?

• Wie hoch ist das Gesamtrisiko offener Trades?

• Wie hoch ist das Positionsrisiko?

• Wie wird die Positionsgröße bestimmt?

• Wo werden Initial-Stopps für die jeweilige Strategie gesetzt?

• Welche Positionsgröße ergibt sich daraus?

• Wie hoch ist das Strategierisiko und wann wird eine Handelsstrategie eingestellt und überprüft?

• Wie hoch ist die Trefferquote meiner Strategie?

• Wie hoch ist das Chance/Risiko-Verhältnis (CRV)?

• Wie verhält sich der Trader nach größeren Drawdown- und Profitphasen?

• Welches Money-Management-Modul kommt zum Einsatz?

• Welche Strategien werden zur Gewinnsicherung eingesetzt?

• Werden Methoden zur Gewinnmaximierung eingesetzt? Wenn ja, in welcher Form?

• Wie ist die mentale/physische Verfassung des Traders?

Nachdem bereits viele Elemente eines Tradingplans erörtert wurden, geht es nun an die konkrete Planung eines Tradingtags. Dabei empfiehlt sich gerade am Anfang der Tradingkarriere ein strukturiertes Abarbeiten der jeweiligen Aufgaben, sodass Routine entsteht.

Modul 6: Handelsvorbereitung

Jeder, der einmal einem Trader über die Schulter geschaut hat, wird feststellen, dass er ruhig agiert und einer bestimmten Routine folgt. Das gilt für alle Tradingphasen: für die vor dem eigentlichen Handel, während des Handels und danach. Wie bei anderen Berufen auch ist eine klare Strukturierung der Aufgaben sowohl unter Effizienzgesichtspunkten als auch psychologisch betrachtet von Vorteil. Folgende Fragen sollten daher im Tradingplan beantwortet werden:

• Habe ich die zuletzt getätigten Trades analysiert?

• Habe ich offene Positionen?

• Müssen bestehende Orders angepasst werden?

• Sind meine Charts und die verwendeten Analysetools aktuell?

• Ist meine Internetverbindung stabil?

• Stimmen die Abrechnungen des Brokers und der Kontostand?

• Research: Welche Themen bewegen gerade den Markt? Wie bewerte ich die Marktstimmung? Stehen heute wichtigeKonjunkturoder Unternehmensdaten an?

• Welche Szenarien leite ich daraus ab?

• An welchen Stellen ergäben sich interessante Handelsmöglichkeiten?

Modul 7: Die Nachbereitung

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und genau aus diesem Grund muss im Tradingplan festgehalten werden, welche Aufgaben nach dem Handel und nach Börsenschluss zu erledigen sind. Das zentrale Element ist das Tradingjournal. Ohne es ist der Trader kaum in der Lage, seine Traderqualitäten zu beurteilen und aus Fehlern zu lernen – ähnlich wie ein Fußballteam, das keine Videoanalyse seiner eigenen Spiele vornehmen würde. Es gilt: Alle Transaktionen, die durchgeführt, aber nicht schriftlich festgehalten werden, sind als Analyseinformation unwiederbringlich verloren. Als Mindestinformationen sollten Ein- und Ausstiegsmarken, die Strategie, Stopps, Kursziele, Unterstützungs- und Widerstandslinien, OHLC (Open, High, Low, Close) des Tages sowie die Dauer der einzelnen Trades eingetragen werden. Nach der Fehleranalyse der Trades sollte außerdem festgehalten werden, was falsch gemacht wurde und warum. Und wieder gibt es einige Fragen zu beantworten:

• Habe ich alle wesentlichen Informationen ins Tradingjournal eingetragen?

• Habe ich meine Gedanken, Gefühle und Stimmungen vor und nach dem Trade schriftlich vermerkt?

• Habe ich Screenshots der getätigten Trades gespeichert beziehungsweise ausgedruckt?

• Habe ich meinen Plan eingehalten?

• Wenn nicht: Welche Gründe gibt es dafür und wie will ich diese in Zukunft abstellen?

• Welche Marktmuster sind mir aufgefallen? Erscheint mir ein Backtest dieser Beobachtung lohnenswert? Das schriftliche Festhalten aller Handelsaktivitäten zeigt ein unverfälschtes Bild des Handelserfolgs. Nur wenn der Trader weiß, wie hoch sein Erwartungswert ist und welche Strategien er erfolgreich umsetzt, kann er sein Kapital schützen und ausbauen, anstatt sein Konto zu ruinieren.

Bild 3 zeigt eine Simulation vieler Trades, die insgesamt eine Trefferquote von 40 Prozent und ein Gewinn/Verlust-Verhältnis von 1,5 aufweisen – also einen Erwartungswert von genau null. Handelt ein Trader mit 50.000 US-Dollar und riskiert vorbildlich nur 1 Prozent pro Trade, wird er damit (selbst ohne Berücksichtigung von Handelskosten) mit hoher Wahrscheinlichkeit dennoch sein Konto ruinieren – es ist nur eine Frage der Zeit. Grund genug also, die eigenen Performancekennzahlen eng zu tracken und rechtzeitig zu reagieren, bevor es zu spät ist.

Modul 8: Ohne Disziplin ist alles nichts

Alle bisher vorgestellten Module des Tradingplans verpuffen wirkungslos, wenn es an Disziplin und Geduld fehlt, sich an den eigenen Tradingplan zu halten. Die gute Nachricht: Disziplin ist erlernbar. Dafür muss sich insbesondere der Tradinganfänger zu einem Verhalten zwingen, das seinen Gewohnheiten und Überzeugungen häufig entgegengesetzt ist. Die Umsetzung der dazu notwendigen Maßnahmen fällt jedem Trader je nach Erziehung, Lebenserfahrung und bisherigen Überzeugungen unterschiedlich schwer. Während es in profitablen Phasen noch relativ einfach ist, stellt sich die Situation in einer Drawdown-Phase schon ganz anders dar. Folgende Fragen sollten Sie sich stellen:

• Wie stelle ich sicher, dass ich mich an den Tradingplan halte?

• Welche Sanktionen gibt es beim Nichteinhalten bestimmter Regeln im Plan?

• Welche Maßnahmen ergreife ich in anderen Lebensbereichen, um meine generelle Disziplin zu erhöhen?

• Welche Fragen stelle ich mir, nachdem ich einen profitablen oder verlustreichen Trade absolviert habe?

Modul 9: Goldene Tradingregeln

Am Ende des Tradingplans sind noch einmal die wichtigsten Tradingregeln aufgelistet, damit der Trader die Tradingrichtlinien kompakt zusammenfassen kann. Er sollte dabei jene Vorsätze niederschreiben, die für ihn persönlich von höchster Priorität sind. Die folgenden Regeln zählen zu den wichtigsten und bekanntesten, erfüllen aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit:

1. Ich sehe mich als Risikomanager und Kapitalschutz geht vor Renditemaximierung.

2. Ich setze immer einen Stopp zur Verlustbegrenzung.

3. Ich begrenze Verluste und lasse Gewinne laufen.

4. Ich trade, was ist, nicht was sein sollte. 5. Ich laufe niemals einem Trade hinterher (fear of missing out – FOMO).

6. Ich verbillige niemals eine Verlustposition, wenn das dem ursprünglichen Plan widerspricht.

7. Ich Führe ein Tradingtagebuch und studiere mein Handeln in regelmäßigen Abständen.

8. Ich arbeite kontinuierlich an meinem Mindset, denn Disziplin ist alles!

9. Ich mache Trading nicht zur Raketenwissenschaft – keep it simple.

10. Ich arbeite und trade systematisch.

Fazit: Sie kennen nun alle zehn Schritte zum Tradingerfolg, die im Tradingplan zusammengeführt werden. Ihrem Erfolg steht damit nichts mehr im Weg – zumindest fast nichts. Ein Trader, der sich über die hier geschilderten Punkte Gedanken gemacht hat und sie schriftlich festhält, ist jedenfalls auf dem besten Weg. Anstatt ständig nach dem genauesten Indikator oder perfekten Handelssystem zu suchen, sollte man an seiner Persönlichkeit arbeiten und die richtigen Fragen stellen. Denn Trading ist nichts anderes als die Kontrolle der eigenen Person. Ohne einen Plan und das geeignete Regelwerk dürfte dieses Unterfangen kaum gelingen.